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M» 242,

Dienstag den 16. Oktober

1900

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 40.

TKgesschau.

In den Adelsstand.

Der Kaiser hat den Kindern des Admirals â la suite des Seeoffizier-Korps Hollmann, nämlich den Gebrüdern Georg Hollmann, Leutnant im Infanterie-Regiment Nr. 148, Erich Hollmann, Leutnant im Füsilir-RegimentKönigin" (Schleswig-Holsteinsches) Nr. 86, Fritz Hollmann, Leutnant im Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1, und Albrecht Hollmann, Kadett im Kadettenhause Oranienstein, sowie deren Schwester Eva Hollmann den Adel verliehen.

Die Kommiffion für Arbeiter-Statistik wird in nächster Zeit im Reichsamt des Innern unter dem Vorsitz des Unterstaatssckretär Fleck wieder zusammentreten. Auf der Tagesordnung werden stehen die Besprechung der Verhältnisse in der Schifffahrt und dem Transportwesen, sowie im Fleischergewerbe.

Ueber die gefangenen Brrren auf Ceylon schreibt der Reuter'sche Korrespondent unter dem 22. September aus Colombo: Bis jetzt sind sechs Transportschiffe ange- kommen und im Ganzen sind bis jetzt 3886 Gefangene aller Grade nach dem Lager von Diyatalawa geschickt worden. Am 24. werden weitere 260 Mann erwartet und man denkt, daß spätestens Anfang Oktober alle 5000 Gefangenen, die hierher kommen sollen, da sein werden. Unter den zunächst Erwarteten, befindet sich auch Kommandant Olivier mit seinen drei Söhnen. Kommandant Roux,der kämpfende Prediger," ist bereits hier. Ungefähr 2000 der angekommenen Gefangenen, die zu Prinsloos Kommando gehörten, sind fast durchweg echte Buren, während sich bei den zuerst Angekommenen viele Ausländer befinden, darunter sogar Iren, Schotten und Eng­länder. Im Hafen von Colombo wurde ein Fluchtversuch gemacht, indem sich einige Franzosen per Flaschcnbrief mit dem Kapitän eines französischen L-chiffes in Verbindung zu setzen suchten. Der Versuch wurde aber vereitelt. In den letzten Tagen kamen im Lager einige Unregelmäßigkeiten vor. Ein Franzose und ein Spanier enttarnen bei Nacht aus einem nicht mit elektrischem Licht beleuchteten Theil deS Lagers, sie wurden aber nach einigen Tagen in einem Buddhistentempel von der Landpolizei gefunden und zurückgebracht. An einem anderen Tage entstand ein Streit über ein Klavier, das den Gefangenen zur Benutzung übergeben worden war, wobei ein Bure von einem Deutschen todtgeschlagen wurde. Die Gefan­genen haben unter sich eine englische Zeitung gegründet, die The Dipatalawa Dum-Dum" heißt, und dieser Tage einen

Feuilleton.

Die Pariser WttMSstclbmg.

XXVI.

Die Skandinavier.

Wie weit denken Sie sich die Entfernung von Trelleborg bis Haparanda?" fragt unser schwedischer Reisegefährte, der vorzüglich deutsch spricht.Von Hamburg bis Kufstein," rathen wir Berliner. Er aber misst uns auf der Karte vor, daß die Entfernung von der Südspitze Schwedens bis zu seiner Nordgrenze kaum geringer ist, als von der schwedischen Südspitze bis Rom. Und dann kommen wir weiterzu sprechen" auf die verschiedenen Charakter-Eigenschaften der Dänen, Schweden, Norweger und Finnländer, die Alle wieder ihre besondere Menschenart an sich tragen und ein Wesen für sich bilden, ausgestattet mit Sondertugenden und Sondcr- sehlern, Jedes befähigt und verpflichtet, der Kulturwelt eigene Entwicklungs-Elemente zuzuführen, die dazu beitragen, das Wohl Aller zu fördern.

Wie reich diese schwedische Ausstellung ist an charakteristisch schwedischen Arbeiten! Der Schwerpunkt in ihrer Entfaltung liegt mehr im Industrie-Gebäude als im schwedischen Pavillon. Letzterer ist ganz mir bräunlichen Schindeln bekleidet, fest an den Erdboden geschmiegt, wie es die Hütten der ursprüng­lichen Schweden und Gothen gewesen sein mögen, deren Dauer­haftigkeit durch Stürme, Schneestürze und Regengüsse jederzeit arg bedroht waren. Etwas Zähes liegt in dem Bau, ^das uns hartnäckigste streift und doch so mancherlei zu erzasten weiß von der Ausdauer, der Menschenart im Kampfe^ gegen feindselige Naturkräfte. Um die Erinnerung an die Wurzeln der Nalurkräfte noch lebhafter wachzurufen, als es durch den

Berichterstatter desB. L. A.", Hauptmann Dannhauer, be­richtet über die fortschreitende Consolidirung der dortigen Zustände in zwei Privatkabcltelcgrammcn, die wie folgt lauten:

Gestern fand auf dem hiesigen Bahnhof die Uebergabe einer zehn Kilometer langen Bahnstrecke der Peking Tientsin« Bahn statt, welche die jetzt «brückenden Russen besetzt hatten und renovirten. Die Uebergabe erfolgte an den Stabschef des deutschen Expeditionskorps, Major von Glasenapp. Die nächsten zehn Kilometer haben die Eng­länder in Arbeit, wiederum die nächsten die Japaner. Von Nangtsun arbeiten die Russen ein bedeutender Stück an der Bahn hierher entgegen. Man hofft, daß das da­zwischen liegende unfertige Stück bis Anfang November von den deutschen Eisenbahn-Kompagnien vollendet werden wird. In Peking bleibt jetzt nur eine Konipagnic Russen zurück, welche die Gesandtschaft besetzt halten. Den 15 km entfernten Sommerpalast übernahmen die Engländer von den abzichcndcn Russen. Die für den eventuellen Pekinger Aufenthalt des Grafen Waldersee im hiesigen Kaiscrpalaft eingerichtete Wohnung ist nunmehr fertig gestellt. Es sind die Räume in den Gartenpalâstcn, welche der Kaiser und die Kaiserin-Wittwe in den letzten anderthalb Jahren bewohnten.

Das große hiesige Arsenal, wo die Chinesen kolossale Mengen Kriegsmaterial zurückließen, darunter 50 Geschütze, alte bronzene, aber auch ganz moderne Kanonen, Munition, Handwaffen, Ausrüstungsstücke, Fahrzeuge und Dèaschinen, hatten bisher die Russen besetzt. Jetzt übernahmen und besetzten es die deutschen Truppen. Der Zar hatte schon früher befohlen, alles von den Russen dort Vorgefundene solle mit den Deutschen getheilt werden. Angeblich legten die Chinesen vor ihrem Abzug im Arsenal 78 Minen. Die Russen suchten vergeblich danach, jetzt setzen unsere Leute die Nachforschungen fort. Das Tsung-lt-Damen ist nach Abzug der Russen ebenfalls von uns besetzt worden. Heute wird Li-hung-Tschaug hier von Tientsin erwartet, er steigt in seinem unbeschädigt gebliebenen Palast gegen­über dem Arsenal ab. Wahrscheinlich sammt Feldmarschall Graf Waldersee in der nächsten Woche nach Peking. Ueber die Dauer seines dortigen Aufenthalts verlautet einstweilen noch nichts.

Eine Erklärung des GencralfeldmarfchallS Grafen von Waldersee,

welche die Uebernahme des Oberkommandos durch ihn zu­sammenfaßt, bezeichnet als Grund der Verzögerung derselben die Ausschiffung der Transportmittel und die Schwierigkeit eines Zusammenwirkens der verschiedenen Truppenthcile. Jetzt sei" die Lage zufriedenstellender. Die aktiven Operationen llm^^^mM^M^^^^^l» ...... 'EimE

Gobelin mit Eulen, ein vorzügliches Distelmustcr, schöne Knüpfteppiche und Kirchenstickercien von durchaus kirchlichem Charakter, die da und dort vielleicht ein wenig hart werden, aber eine gute Verschmelzung kirchlicher Ueberlieferung und zeitgeschichtlich, sogar neuzeitlich belebten Empfindens darstcllen.

Schwedens nächster Nachbar im Industrie-Gebäude ist Nor­wegen hier wie überall bereit, seine allercigenstcn Wege zu wandeln. Wie anders seine Farbenstellunzcn, wie derb- kräftig sein Empfinde«, wie unvermittelt seine Wahl deS künst­lerischen Ausdrucks, wie eng sein Zusammenhang mit der hausindustriellen Entwicklung ! Der Zug ins Breite, Behäbige, ist auch seinem Sonder-Pavillon in der Völkerstraße eigen. Ein Zug zum Trotzigen macht sich geltend, eine Verschlossen­heit, die mehr auf Mangel an Einsicht in den Werth schöner Lebensformen beruht, als auf taktvoller Zurückhaltung, mit sie den Schweden eigen ist. Dafür macht sich dann wieder ein gewisser Reichthum an Phantasie geltend, eine übcrmüihige Farbenfreudigkeit, die in ihrer Weise anspricht und dem war­men Temperament der Norweger die Herzen gewinnt. Be­sondere Erwähnung verdienen ihre Filigran-Arbeiten in Gold und Silber und ihre Mctall-Actzungen.

Vcm eigenartiger Poesie erscheint der bescheidene, kleine Pavillon der Finnländer durchweht. Rührender noch als der schwedische Bau erzählt dieses schlichte Haus, das links von der Völkerstraße, also nicht am Flutzufer, gelegen ist, von dem Kampf gegen widerstreitende Elemente. Da sieht man fin* Nischen Granit und finnisches Getreide, finnische Holzskulpturen und finnische Schnitzereien. Neben Pelzen und Thierhäuten finden sich Lederschnitt-Arbeiten, neben spitzen Jagdmessern in Lederscheiden mit bunter Brandmalerei hochvornehme Porzellangefäße neuesten Stils, die in den finnischen Fach­schulen hergestellt sind. Wirkereien und Stickereien berichten, wie sich der Sinn für schöne geometrische Linien in dem Lande der langen Winternacht und des grellen Sommertages

Artikel enthielt, in dem die Gefangenen natürlich die gute Behandlung anerkennen, die ihnen zu theil wird.

PMtèsHs und WKpolètischs Nachricht-«.

Berlin, 15. Oktbr. Nach einem Telegramm aus Tsingtau an der Kiautschou-Bucht brach gestern Mittag ein Tornado über die Stadt herein. 16 Gebäude wurden zerstört, ein Diann getödtet und 8 Personen verwundet.

Berlin, 15. Oktbr. Nach einer Kopenhagener Meldung; deSLokal-Anzeiger" ist nach daselbst eingetroffener Privat­nachricht König Oskar von Schweden bedenklich erkrankt. Sein Zustand errege Besorgniß.

Berlin, 15. Oktbr. Wie der Polizei-Präsident durch Säulen Anschlag bekannt gibt, wird für den Fall, daß gegen die gestern in der Schulzendorferstraße Nr. 7 todt aufgefundene Frauensperson ein Mord oder Todtschlag verübt ist, für die Ergreifung des Thäters eine Belohnung von Tausend Mark ausgesetzt.

Breslau, 15. Oktbr. Wie derBreslauer General- Anzeiger" meldet, fand am Sonntag Abend 10 Uhr ein Zusammenstoß eines nach der Stadt zurückfahrenden Zuges der Brcslau-Prausnitzer Zweigbahn mit einem Omnibus, welcher mit Fahrgästen voll besetzt war, statt. Der Omnibus wurde umgeworfen und sämmtliche Insassen mehr oder minder schwer verletzt. Einer der Verletzten, ein Bahnarbeiter, ist auf dem Transport nach dem Krankenhause gestorben. Die Ursache deS Unfalles ist darin zu suchen, daß der Kutscher des Omnibusses ein Signal des Zuges irrthümlich auf andere in der Nähe verkehrende Maschinen bezogen hatte.

Darmstadt, 15. Oktbr. Die Königin Wilhelmine von Holland und die Königin-Mu.ter Erma statteten heute früh dem großherzogUchcn Paare einen halbstündigen Besuch ab und traten alsdann über Mainz die Rückreise nach Schloß Loo an.

Prag, 15. Oktbr. Dr. Herold erklärte in einer Rede, falls das staatsrechtliche Programm der Tschechen nicht ge­währt würde, würde der Reichsrath auch nicht zu Stande kommen und die Tschechen müßten eventuell mit Gewalt das an ihnen begangene Unrecht abwehren.

Budapest, 15. Oktbr. Der Direktor der königlich un­garischen Oper, Alex Erkel, ist gestorben.

Dsr Krieg in China.

Die Deutschen in Peking.

In Peking richten sich die Verbündeten, soweit sie ihre fernere Mitwirkung an Wiederherstellung geordneter Verhält­nisse in China nicht versagen, mehr und mehr für einen längeren Aufenthalt ein. Der nach China entsandte Spezial- Bau an sich schon geschieht, hat man das Innere fast aus­schließlich den nationalen Techniken der schwedischen Hausindustrie gewidmet. Da sind vor Allem die schwe­dischen Borten- und Gobelin - Wirkereien mit ihrer ein­fachen, sanften und einschmeichelnden Farbenstellungen, da sind Stoffmalereien alten bäuerlichen Stils, Böttcherarbeiten und Holztechnikern aller Art, leinene und baumwollene Klöppel- spitzen und was sonst noch den Nordlands-Neisenden zum Kauf geboten zu werden pflegt.

Im Industrie-Palast dagegen ist das zivilisirte Schweden vertreten, das vornehme Schweden, dem die politische Welt ihre Schiedsgerichte anvertraut, sehr klug, sehr formvollendet, in der Lebenskunst erfahren, vielleicht ein wenig zu sehr darin erfahren, um sich zur tollen Ansgelassenheit hinreißen zu lassen, doch aber nicht ohne Humor da und dort zur Wehmuth neigend, z. B. in den ungemein reizvollen weiblichen Nationalprofilen, die als Ornamente in hochvollendete Thonvasen hineingearbeitet sind. Zn Thon und Porzellan leistet Schweden vorzügliches. Obenan steht die Manufaktur Gustavsberg, die in modernen Lasurwnen sehr charakteristische Arbeiten liefert; die Formen sind immer von innen heraus- gelrieben, Grundriß und Ornament sind sehr einheitlich mit einander verschmolzen; man verzichtet auf Tricks und ver­blüffende Eindrücke und weiß doch über oft behandelnde The­mata immer noch Neues und Unterhaltendes zu sagen.

Zuweilen gehen die feineren Gustavsbergcr Porzellan­arbeiten zu sehr an die Grenze der Glastechnik hinan, umso eigenthümlicher bleiben sie in der Steingut-Technik, besonders bei den Ton in Ton gehaltenen blauen und grünen Sachen; als Hintergrund-Farbe für die Ausstellungs-Gegenstände ist ein sattes Dunkelroth gewählt, was besonders den Biskuit­sachen im modernisieren Wedgewood-Stil zu Gute kommt. Von ausgezeichneter Wirkung sind auch die schwedischen Gobelinarbeiten im modernen Stil z. B. ein sehr interessanter *