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Amtliches Organ für $faÖf~ unö Lanö Kreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
M 236.
Dienstag dm 9. Oktober
1900
AmMch-S.
c^anö&re10 ^anau.
Bekauutwachullgeu des Königlichen Landrathsamtes.
Die Herren Bürgermeister werden hiermit veranlaßt, innerhalb 8 Tagen anzuzeigen, welcher Erlös an Gemeindeobst im Jahre 1900 in die Gemeindekasse geflossen ist.
Hanau den 8. Oktober 1900.
Der Königliche Landrath
V 9450 v. Schenck.
^UÖtUrei^ ^banau.
Bämltmchunges des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die für die äußere Herstellung der Kanalthorhäuser, Kanalplatz Nr. 3 und 5, erforderlichen Weitzbinder- Arbeiten sollen auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden.
Bedingungen und Arbeitsauszüge liegen von heute an im Stadtbauamt, Abth. I, Nathhaus, Zimmer Nr. 23, werktäglich während der Sprechstunden von 10—12Va Uhr vormittags, für Bewerber zur Einsicht auf; daselbst sind auch die Arbeitsauszüge gegen Entrichtung der Schreibgebühren erhältlich.
Verschlossene, mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote, sind längstens bis zum Eröffnungstermin, 9R0ntag den 15. d. Mts., vormittags 11 Uhr, im Zimmer Nr. 23 des Rathhauses einzureichen, woselbst zu obengenannter Zeit die Eröffnung der Angebote im Beisein etwa erschienener Bieter erfolgt.
Hanau den 8. Oktober 1900.
Der Stadtbaurath.
Schmidt. 16456
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 kleiner Schraubenzieher mit schwarzem Stiel. 1 gelbe, gestickte Kinderwagendecke mit blauem Sammetstreifen. 1 schwarzer Filzhut, in einer Droschke liegen geblieben.
Verloren: 1 Metzgertuch, gez. M. G. 1 schw. Herren-Portemonnaie mit ca. 18—20 Mk. am Westbahnhof. 1 Fernrohr mit zugehörigem Kasten (etwa am 15. o. Mts.) Beschreibung: Fernrohr (auseinanderziehbar) für ein Auge, in schwarzem Lederfutteral mit Riemen zum Umhängen, gezeichnet mit Nummer „6", Kasten von Holz, braun gestrichen, mit Ledergriff und Schlüssel, Nr. „6", enthält einen Aufleger für das Fernrohr (Messing), einen Kompaß, eine runde Wasserwaage.
Hanau den 9. Oktober 1900.
Der Krieg in China. Geschützfunde in Peking.
Trotz der eiligen Flucht der chinesischen Truppen aus der Hauptstadt beim Herannahen der internationalen Entsatzarmec ist es ihnen, wie sich jetzt herausstellt, vorher gelungen, einen Theil ihrer Artillerie und Munition zu vergraben, um sie dew. Fremden nicht in die Hände fallen zu lassen. Diese sind nunmehr doch noch in den Besitz dreier in einem Tempel vergrabener Geschütze gelangt, und es bleibt abzuwarten, ob nicht noch weitere Funde dieser Art gemacht werden. Aus Peking wiid hierüber berichtet: Dem Präfekten des von den Teutschen besetzten Theiles von Peking, Dolmetscher Cordes, war aufgefallen, daß in allen Boxerverhören der Pekinger Buddhatempel Titsangan oft erwähnt wurde; während der Belagerung war dieser Tempel mit Boxern und Soldaten belegt. Cordes vermuthete dort ein Waffendepot und beschloß, Nachsuchung zu halten. Als er hinkam, gestanden die Tempelwächter sofort ein, es seien daselbst Geschütze verborgen. Man fand unter Schutthaufen drei auseinander genommene Gebirgsgeschütze, Hinterlader neuer Konstruktion nebst Munition, welche die Truppen des Generals Aunglu auf ihrem eiligen Abzüge zurückgelassen hatten. Ferner Waffen, Boxerfahnen, Pulver, Uniformen, sowie viele Schriftstücke. Die Geschütze waren komplett, sie wurden sofort zusammengesetzt und der deutschen Artillerie überwiesen.
Die Einnahme von Mukden durch die Rusten.
Petersburg, 8. Oktbr. Die Russen nahmen am 4. Oktober unter Generalleutnant Subbotitsch Mukden, nachdem die letzte chinesische Armee in der Mandschurei am 27. Sept, bei Schischepu zersprengt war.
Petersburg, 8. Oktbr. Nach Meldungen von heute, die dem Generalstabe zugegangen sind, haben die zur Eroberung von Mukden bestimmten Truppen auf der Linie Jnkou bei Tschen sich gesammelt. Sie bestanden aus 11 Bataillonen mit 40 Geschützen, 2 Sotnien Kosaken und 4 Schwadronen Eisenbahnschutzwache. Sie wurden vom Generalleutnant Subbotitsch befehligt. Am 24. Septeniber begann das Verrücken der Truppen mit der Einnahme von Alt-Niutschwang. Am 26. September wurde An-schan-tschan, am 28. September Liaojang genommen. Während dieser Operationen befehligte General Fleischer 6 Bataillone Infanterie mit 10 Geschützen uni 2 Sotnien Kosaken auf. dem linken Flügel, das Centrum unter Oberst Ariemonow bestand aus zwei frisch aus Odessa angekommenen Schützenregimentern und einem sibirischen Bataillon. Dieser verfügte über 26 Geschütze. Die rechte Flanke, die aus 4 Schwadronen Eisenbahnschutzwache mit 4 Geschützen bestand, und lediglich mit dem linken Flügel der Chinesen zu bekämpfen hatte, wurde von Oberst Mischtschenke befehligt. Der Feind zog sich kämpfend langsam aus den eingenommenen Stellungen zurück. Unsere Truppen hatten bis den 28. Sept, dem Feinde 8 Geschütze neueren Systems abgenommen. Unsere Verluste betragen: 3 Offiziere verwandet, 10 Mann todt, 64 verwundet. Ueber die Operationen vom 29. und 30. September stehen die Berichte von Subbotitsch noch aus. Am 1. Oktober haben unsere Truppen Mukden eingenommen, nachdem die Reste der fliehenden chinesischen Truppen von Mukden nach kurzem unregelmäßigem Widerstände am 27. September bei der Station Schichepu geschlagen waren. Hierbei erlitten 4 Kosaken durch eine Minenexplosion Brandwunden. Die Stadt wurde von den chinesischen Soldaten geplündert und in Brand gesteckt, der Brand jedoch bald wieder gelöscht und die Ordnung wieder hergestellt. Ein Theil der Bewohner blieb in der Stadt. Einige Geschütze neueren Systems sowie eine große Menge Kriegsmaterial wurden erbeutet. Gesundheit und Geist der Truppen sind vorzüglich.
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Petersburg, 8. Oktbr. Der „Regierungsbote" meldet : Vizeadmiral Alexejew berichtet vom 3. Oktober aus Schanhaikwan, daß er bei Tagesanbruch auf der Rhede eingetroffen sei, wo er außer dem russischen auch den französischen, englischen, deutschen, österreichischen und japanischen Admiral vorgefunden habe. Die russischen Transporte, welche am 2. Oktober abends ankamen, begannen alsbald mit der Landung. Um Mitternacht waren die russischen Hauplkräfte am Lande. Infolge einer Vereinbarung zwischen den Admiralen sei die Einnahme der Forts unter den Nationen vcr- theilt worden. Das fünfte Fort wurde ausschließlich durch die Russen eingenommen, das erste sowie die Forts am Ufer durch alle betheiligten Mächte. Die Stadt wurde von den Truppen nicht eingenommen, nur die Thore werden bewacht. Tschinguantao wurde von den russischen Landungstruppen mit den anderen Mächten eingenommen. Die dortigen Festungsgeschütze wurden fast ganz gut erhalten vorgefunden. Die Kolonne des Generals Zerpizki, von Peitang kommend, ist am 2. Oktober in Schanhaikwan eingetroffen. Der ganze Weg von Tonku bis Schanhaikwan ist von den Russen besetzt. Die Amerikaner lehnten nach der Einnahme von Schanhaikwan jede weitere Theilnahme an den Operationen ab. Auf der Rhede von Schanhaikwan lägen folgende russische Schiffe: „Petropawlowsk", „Rossija", Rjurik", „Kornilow", „Giljak", „Sabijaka", Ssiwutsch", „Moskwa", „Orel", „Mandschur". Ein Theil der russischen Truppen rückte nach Norden vor. — Aus Port Arthur meldet der „Regierungsbote", 5. Oktbr., alle chinesischen Schiffe befinden sich in Shanghai; sie laufen nirgends hinaus und werden von ausländischen Schiffen bewacht. Die Fahrt ist gefahrlos, fremde Begleitschiffe werden nicht ausgeschickt.
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Telegramme:
Berlin, 9. Oktbr. In einem Telegramm des Berliner „Lokal-Anzeigers" aus London wird aus Peking gemeldet: Die Teutschen wollten den von den Russen geräumten Sommerpalast besetzen, doch die Engländer kamen ihnen zuvor und halten ihn jetzt besetzt. Die Russen räumten das Gebiet des Kaiserpalastes außerhalb der verbotenen Stadt. Dasselbe ist jetzt von den Deutschen occupirt. Li-Hung-Tschang übermittelte dem Prinzen Tsching Waldersee's Forderungen, die Anstifter der Boxerbewegung zu bestrafen. Prinz Tsching erklärte, nichts thun zu können, bevor Li-Hung-Tschang angekommen sei. — Nach Privatmeldungen aus Tayen-fu soll Kaiser Kwangsü bei voller Gesundheit, die Kaiserin-Wittwe aber sehr leidend sein und dringend eine Verständigung herbeiwünschen.
Berlin, 9. Oktbr. Dem „Lokal-Anzeiger" wird aus Paris depeschirt: Der Tientsiner Korrespondent deS „TempL" berichtet, daß eine aus Franzosen und Engländern bestehende Abtheilung die von den Boxern bedrohte Bahnstation Lukutschao besetzte. Diese ist wegen Sicherung der Straße Pekinz-T-w ting-fü besonders wichtig. Jetzt erst kann ernstlich daran gedacht werden, gegen Tao-ting-fu vorzurücken. Bisher war es unmöglich, daß die Artillerie mitfühlende französisch-englische Abtheilung von anderen Truppen unterstützt werden konnte, welche im Bedarfsfälle von Tientsin herangcschoben werden können. Der „Temps"-Korrespondent gibt schließlich der Meinung der gejammten Tientsiner europäischen Bevölkerung Ausdruck, welche sich durch die Uebersiedelung einiger Gesandtschaften von Peking nach Tientsin im höchsten Grade beunruhigt fühlt.
Berlin, 9. Oktbr. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Petersburg: Hier ist von einem Angriff der chinesischen FloUe auf den russischen Kreuzer „Rjurik" nichts bekannt. Der „Rjurik" ist speziell beauftragt gewesen, die Bewegungen der chinesischen Flotte zu verfolgen, wie er überhaupt den Aufenthalt derselben ausfindig machen sollte. Gegen Mmiral Seymour, der es übernommen hatte, den Auslauf der chinesischen Flotte zu verhindern, herrscht in hiesigen Kreisen berechtigte Empörung.
London, 9. Oktbr. Aus Peking wird gemeldet: Die Zahl der Deutschen, die in Peking überwintern werden, bc- ?râgt 1800. Die Zahl der übrigen Truppen, die ebenfalls dort Winter-Quartier beziehen werden, ist noch nicht festge- stellt. Die Verbündeten sammeln augenblicklich große Mengen Lebensmittel. In der Umgebung von Peking ist Alles ruhig.
London, 9. Oktbr. Aus Hongkong wird gemeldet: Ein Telegramm aus Canton berichtet, daß große Aufregung in Tatkhan herrscht, wo aufrührerische Plakate angeschlagen wurden, in denen die Bevölkerung gegen die Fremden «uf- gehetzt wird.
Paris, 9. Oktbr. Aus Petersburg wird gemeldet: General Matsicfsky, Generalgouverncur des Amurgcbiete», sandte folgendes Telegramm: Der Kriegsminister theilt mir mit, daß der Kaiser mit dem Zweck, die guten Beziehungen zu China wieder auzuknüpfcn, die Geneigtheit gehabt hat, zu beschließen, daß kein Theil Chinas annektirt werden wird und daß die zu treffenden Maßregeln auf da» allernoth- wendigste beschränkt werden müssen, nämlich zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zum Schutze der Mandschueisenbahn und zur freien Schifffahrt auf dem Amur.
Konstantinopel, 9. Oktbr. Der Dampfer „Kaisow" passirte mit 1100 Mann russischen Soldaten und 22 Offizieren an Bord den Bosporus auf der Fahrt nach China.
Der Krieg in Südafrika.
London, 6. Oktbr. Aus Laurenzo Marqucz wird dem „Daily Telegraph" unter dem 5. Oktober gemeldet: Mr. Krüger nahm gestern das Mittagessen in Gesellschaft seiner Enkel. Sie sagen, er ältere zusehends und sein Gedächtniß schwinde. Sie werden morgen nach Europa abfegein, wohin Mr. Krüger ihnen auf dem holländischen Kreuzer „Gelderland" folgen wird. Vor der Räumung von Komatipoort ließen die Buren ihre Kaffernfreunde so viel Nahrungsmittel, Waffen und Munition mit in ihre Kraals nehmen, rote irgend möglich. Sie beabsichtigen damit weniger, zu verhindern, daß diese in, die Hände der Briten fielen, sondern vielmehr, kleine Depots über das ganze Buschveldt zu errichten, aus denen die Guerillabanden ihre Vorräthe an Lebcnsniittcln und Munition ergänzen könnten.
London, 8. Oktbr. Das Rentcr'sche Bureau meldet aus Lydenburg vom 2. Oktober: Während der letzten 5 Tage ist General Buller ständig vorgedrungen, durch den Macmac- Hügel, Pilgrimsthal, Pilgrimsrest und Kriegerspost, überall den Feind vor sich hertreibend. Jetzt ist er in der Nähe von Ohrigstad.
Tagesschau.
Persien und die Türkei.
Der Uebereifer, dm die türkische Presse anläßlich des Besuches des Schahs von Persien entwickelte, hat in persischen Kreisen Anstoß erregt und auch außerhalb derselben Mißfallen herooroerufcn. Um die Oberherrlichkeit des Sultans gegenüber dem persischen Monarchen darzuthun, wurden in den bezeichneten Blättern dem Letzteren Aeußerungen der „Rührung über die Begegnung mit dem Khalifen" in den Mund gelegt und demüthige Höflichkeitsbezeugungen zugeschrieben, wie etwa, daß er dem Sultan bei der ersten Begegnung die Hand geküßt hätte. Kenner des scharfen Gegensatzes, der zwischen