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Amilichrs.
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BekanntMachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter dem Rindvieh des Landwirths HâKg auf dem Grünhof in Frankfurt a. M. ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Hanau den 1. Oktober 1900.
Der Königliche Landrath.
V 9105 v. Schenck.
Der Landwirth Conrav Lehrling III. in R oß- d o r f ist als Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt und als solcher bestätigt worden.
Hanau den 1. Oktober 1900.
Der Königliche Landrath
A 3830 v. Schenck.
Der Kartographische Verlag in Berlin beabsichtigt bei fester Vorausbestellung von mindestens 125 Exemplaren eine Wandkarte vom Kreis Hanau herzustellen. Die Ausführung wird in 5 Farben zum Maßstabe von 1 : 35000, mit Benutzung der Meßtischblätter der Preußischen Landesaufnahme, erfolgen.
Diese Karte, welche bei Vorausbestcllung für 12,50 Mk. (späterer Ladenpreis 15 Mk.) zu erhalten ist, wird neben den einzelnen Ortschaften die Kreis-, Regierungsbezirks- und Staatsgrenzen, Eisenbahnen, Chausseen, gebaute Wege, Orts- verbindungswege, Feld- und Waldwege, Laubholz, Nadelholz und Wiesen, sowie die Entfernungen von Ort zu Ort angeben.
Bestellungen auf diese Kreiskarte, welche sich besonders für Schulen, Behörden rc. eignet, werden — auch für Privatpersonen — in meinem Bureau schriftlich und mündlich entgegen genommen, woselbst auch eine Kreiskarte in obiger Ausführung besichtigt werden kann.
Hanau den 27. September 1900.
Der Königliche Landrath.
A 3778 v. Schenck.
Bekanntmachung.
Der am 13. März 1827 in Großauheim geborene und im Jahre 1848 nach Amerika ausgewanderte Cigarrenarbeiter Franz Carl Seikel soll auf Antrag der Wittwe des Fabrikarbeiters Lorenz Wohlfahrt in Großauheim für todt erklärt werden.
Aufgebotstermin ist auf den 29. April 1901, vormittags 9 Uhr, bestimmt. Der Verschollene wird aufge-
Mittwoch dm 3. Oktober WOO
fordert, sich spätestens im Aufgebotstermine zu melden, widrigenfalls die Todeserklärung erfolgen wird.
Alle, welche Auskunft über Leben und Tod des Verschollenen zu ertheilen vermögen, werden aufgefordert, spätestens im Aufgebotstermin dem Gericht Anzeige zu machen.
Hanau den 28. September 1900.
Königliches Amtsgericht 5. 16040
Handelsregister.
1. Bei der Firma Jean Bauer, vormals Ernst Kitterle in Hanau ist eingetragen worden: Das Geschäft ist auf den Kaufmann Julius Schäferin Hanau übergegangen, der es unter der Firma Jean Bauer Nachfolger fontführt.
2. Bei der Firma Bertha Schulz in Hanau ist eingetragen worden: Dem Delikatessenhändler Albert Schulz in Hanau ist Prokura ertheilt.
Hanau den 1. Oktober 1900.
Königliches Amtsgericht 5. 16039
Nckmdeue und derlorene Gegenstände etc.
Gefunden: Auf der Frankfurterlandstraße eine zerbrochene Fahrradschelle.
Abhanden gekommen: 1 Kinderwagengestell mit gelbem Kasten.
Hanau den 3. Oktober 1900.
Die Internationale.
In Paris tagte in der vergangenen Woche ein internationaler SozialistcwKcmgrch, auf dem an Phrasen das denkbar Möglichste geleistet wurde. Der „Vorwärts" schließt seinen den Kongreß verherrlichenden Artikel mit den Worten: „Die Einheit der internationalen Sozialdemokratie ist kein Traum mehr, sie ist heute bereits eine beginnende Wirklichkeit, und sie wird bald eine erfüllte Thatsache fein”. In dem Artikel wird des Weitern hervorgehoben, daß die Sozialdemokratie sich international nicht mehr auf Demonstrationen beschränken wolle, sondern daß sie durch international geleitete, gleichmäßig und gleichzeitig in Szene gesetzte politische Aktionen mitbestimmend auf die Maßnahmen der Herrschenden Klasien einwirkcn werde.
Mit diesen „politischen Aktionen" wurde denn auch sofort begonnen, und der Kongreß beschloß die Einführung eines allgemeinen internationalen Normal-Arbeilstages und die Festsetzung eines internationalen Mindestlohnes. Ob auch nur e i u Kongreß-Theilnehmer aufrichtig glaubte, daß diese „Beschlüsse" etwas anderes als leere Demonstrationen seien und
nach der Natur der Sache stets leere Demonstrationen bleiben müssen? Man kann cs sich schlechterdings nicht verstellen, daß selbst ein in sozialdemokratischen Irrthümern befangener Mensch ernstlich glauben sollte, die Arbeitszeit lasse sich international regem und gleichmäßig festsetzen trotz der großen, nicht zu beseitigenden Unterschiede, die durch die verschiedenen Kulturstufen der Völker, durch ihren Charakter, das Klima der einzelnen Länder, sowie durch ihre historisch gewordene Produktionsweise, endlich durch den gegenseitigen Wettbewerb gegeben und bedingt sind.
Oder war soll man zu dem Beschluß deS Kongresses sagen, der die gesummte Kolonial-Politik in Bausch und Bogen verdammte? Ist ein solcher „Beschluß" für alle Staaten mit ausgedehntem Kolonial-Bcsitz nicht einfach ein Nonsens ? Was werden z. 8. die englischen Politiker zu diesem „Beschluß" des internationalen Eozialisten-Kongresses sagen? Sie können nur die Achsel über ihn zucken, und sie werden e« thun. Und darin liegt für die deutsche Sozialdemokratie und ihre Vertreter da» Beschämende: Die Sozialdemokraten aller andern Länder besitzen ein gutes Theil nationalen Empfindens und nationalen Bewußtsein» — nur den deutschen Sozialdemokraten ist es scheinbar gänzlich verloren gegangen. Die französischen und englischen „Gcnosscn" sprechen die „intcr- nationalen" Phrasen zwar unbedenklich nach, sie sind sich aber stets bewußt, daß es sich nur um „Phrasen" handelt; sobald das Interesse ihrer Nation in Frage kommt, vergessen sie sofort, daß sie den „internationalen" Interessen zu dienen gelobt, und stellen sich unbedenklich auf Seiten der Interessen ihrer Volksgemeinschaft. Nur die deutsche Sozialdemokratie scheint wirklich an die Wahrheit der internationalen Phrase zu glauben und wäre imstande, für sie Opfer zu bringen, ganz gleich, ob das Vaterland darunter leidet.
T-rgesschar^
Die dreizehnte Generalversammlung des Evangelischen Bundes
zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interesse» ist diesmal in Halberstadt zusammengetreten. Der erste Tag wurde durch Sitzungen der Ausschüsse und des Gesammtvorstandcs ausgefüllt. In der letzt-eren wurde die Absendung folgender HuldigungSdepcsche an den Kaiser beschlossen: „Euer Kaiserlichen. und Königlichen Majestät bringt die in Halberstadt tagende 13. Generalversammlung des Evangelischen Bundes in tiefster Ehrfurcht ihre allerunterthänigstc Huldigung dar. AuS allen Ländern und Kirchen Deutschlands zu ernstem Werk für Gottes Reich geeint, blicken wir im Glauben empor zum Herrn der Welt und bitten ihn um Segen für Eure Majestät und Allerhöchst Ihre Regierung, um Sieg für die
Feuilleton.
Rcbeliblut.
Ein Vademecum zur Weinlesezeit.
Vou Dr. Rudolf Figulus.
(Nachdruck verboten).
Der eben so berühmte, wie vielseitige Philologe Joseph Justus Scaliger, seiner Zeit nach eigenem, wie nach fremder Leute Ermessen der klügste und gelehrteste Kopf Europa», meint an einer Stelle, wo er sich mit WeltverbesserungS- plâne« und den Charaktereigenschaften der Nationalitäten beschäftigt, daß der Deutsche mehr Verstand zeige, wenn er angezecht, als wenn er nüchtern sei. Ob diese Eigenthümlichkeit uns Germanen allein zukommt, darüber läßt sich streiten; sicher aber ist, daß nur dem edlen, echten, reinen Blut der Rebe die Gabe eigen ist, den Witz und den Reichthum der Gedanken zu jener glänzenden Schlagfertigkeit anzufachen, welche dem im Werktagsgetriebe daher trottenden homo sapiens meistens gänzlich abhanden kommt. Aber auch die Menschen selber müssen ihrer Anlage nach wohl eigen geartet sein, damit an ihnen des Bacchus Gabe seine belebende, geistig anregende Wirkung in ihrer edelsten Form äußert. Läßt ja doch Bodenstedt den Mirza-Schaffy singen:
Aus dem Feuerqucll des Weines,
Aus dem Zaubergrund des Bechers
Sprudelt Gift — und süße Labung,
Sprudelt Schönes — und Gemeines
Nach dem eignen Werth des Zechers,
Nach des Trinkenden Begabung.
Daß nun in deutschen Gauen, vorzüglich an den burgengeschmückten Ufern des sagenumwobenen Rheines und einiger seiner Nebenflüsse ein solcher vornehmer Tropfen
wächst, ist von jeher der Stolz unserer Dichter und Aller, die ihre Lieder singen, gewesen. Tausendfach ist in schwungvollen Poemen das kostbare Naß gefeiert worden, selbst von solchen, die nie vorher einen Tropfen echten Rheinweines getrunken hatten, wie z. B. vom altes, wackeren Claudius, dessen Lied:
Am Rhein, am Rhein da wachsen unsere Reben,
Gesegnet sei der Rhein
alljährlich auS unzähligen Kehlen erschallt, die glaubens- selig eine gelbgefärbte, ansesäuerte und parfümirte SpirituS- mischung als echten Rebensaft trinken, bis vielleicht kaum dem Zehnten unter ihnen am nächsten Morgen zwischen den Dunstwolken deS Katzenjammers ein Licht aufdämmert, daß der von ihm genossene Weingeist nicht von Traubenblut stammt, da» von der rheinischen Sonne auf Rebenhügeln gekocht wurde, sondern von Kartoffeln, die ein biederer Landwirth im fernsten Osten mit Hilfe polnischer Arbeiter dort an der russischen Grenze gezogen hat, wo, wie man sagt, fich die Füchse gute Rächt sagen.
Leider sind aber schon längst die Zeiten vorbei, wo der Konsument beim Genusse eines inländischen Weißweines sich ohne Argwohn dem Glauben hingeben durfte, ein reines Produkt vorgesetzt zu erhalten. Wir sind nun zwar weit davon entfernt, hiermit behaupten zu wollen, daß es solche echte „süffige Landweine" nicht mehr gebe, und noch viel weniger soll damit das Renommö jener wunderbaren Kabinettsweine angetastet werden, welche in giftigen Weinjahren in den besten Lagen am Rhein, am Main und an der Mosel wachsen. Wenn man aber in Betracht zieht, daß sich die Bevölkerung Deutschlands in den letzten 60 Jahren fast verdoppelt, der Wohlstand aber sich in noch ungleich stärkerem Maße gehoben hat, daß somit schon im Jnlande die Nachfrage nach gutem Weine eine mindestens fünffach größere ist, als zur Zeit unsever Großeltern, und daß endlich auch noch das Ausland
nicht unbedeutend an unseren reinen Weinen mittrinkt, die überall auf dem Erdball, wo Wcinkenncr leben, den ersten Platz behaupten, so begreift man, daß selbst mittlere Schankweine, sofern sie hinlänglich mundgerecht sind, einen Preis haben, der bei täglichem Verbrauch nur für den Wohlhabenden und Reichen erschwinglich ist.
Da nun die mit Wein bepflanzte Fläche sich nur sehr unbedeutend seit langen Zeiten vergrößert hat, und auch, für die EinheitSfiâche berechnet, trotz des sorgfältigsten Anbaues nur wenig mehr geerntet wird als früher, ist die Nachfrage nach billigen Weißweinen auf dem natürlichen Wege, an den zunächst der Laie denkt, nicht mehr zu befriedigen. Winzer und Weinhändler haben daher längst zu dem Mittel der sog. Weinoerzuckerung und Verdünnung gegriffen, um den Konsumenten auch jetzt noch ein mundgerechte» Getränk zu den alten Preisen zu liefern. Um Irrthümern vorzubeugen, sei gleich hier bemerkt, daß dieses Verfahren, welches fast überall geübt, keineswegs zu den gesetzlich verbotenen und sich als strafbare Fälschung charaktcrisircnden Manipulationen gehört, an welchen eine unreelle EeschSflsgebahrung leider so reich ist. Man darf übrigens über solche Prozeduren auch nicht allzu ungünstig urtheilen; denn sie vollziehen sich auch in anderen Produktionszweigen, z. B. in der Butterbereitung.
Hält sich die Methode der Weinverzuckerung und Verdünnung in mäßigen Grenzen, so ist gegen sie kaum etwa» Wesentliches einzuwenden, außer dem Umstand, daß der Trinker absichtlich bei dem Glauben belassen wird, unverdünnten Traubensaft zu erhalten; denn es ist dabei erst in zweiter Linie auf eine Vermehrung der Mostmenge und mehr darauf abgesehen, so einen gar zu fürchterlichen Surius, bei dessen Genuß sich alles im Leibe umdreht und zusammenzieht, zu einem angenehmen Getränke umzugcstalten, was auf harmlose Weise dadurch erreicht wird, daß man dem jungen ftischgepreßten Moste so viel Zucker und Wasser