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Amtliches Argsn für Kkaöt- unö LanSkteis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonu- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 230,
Dienstag den 2. Oktober
1900
Amtliches.
^anMrei# ^anau., NefaMtmachlinzen des Königlichen Landrath ramtcs.
Unter dem Rindviehbestand des Gast- und Landwirths Friedrich Bender in Niederdorfelden ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Gehöftssperre wurde angeordnet.
Hanau den 1. Oktober 1900.
Der Königliche Landrath.
V 9155 v. Schenck.
In den Gehöften des Landwirths Wilhelm Neidhardt III. und des Händlers Adolf Katz in Langenselbold ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Ueber die genannten Gehöfte wurde die Sperre verhängt.
Hanau den 2. Oktober 1900.
Der Königliche Landrath.
v. Schenck.
Auf Anordnung der Königlichen Regierung in Cassel hat die Personenstandsaufnahme für die Einkommensteuer-Veranlagung für 1901 im Regierungsbezirk Cassel am 29. Oktober d. Js. stattzufinden.
Hanau den 27. September 1900.
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer - Veranlagungs - Kommission für den Landkreis Hanau.
St. 3008 J. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Gxymdme und verlorene GtMMM etc.
Gefunden: 2 Spazierstöcke auf dem Vorplatz zu den Amtsräumen der Armenverwaltung und im Zimmer Nr. 3 des Armenamtes.
Hanau den 2. Oktober 1900.
Politische Nnd unpolitische UsHäHLeW.
Berlin, 1. Oktbr. Durch eine an sämmtliche Regierungspräsidenten gerichtete^Verfügung der Minister für Handel und des Innern vom 28. v. M. sind die Orts- polizeibehördcn ermächtigt worden, das Feilbieten von Zeitungen und anderem Lesestoff auf Straßen, öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen 'rc. insoweit zuzulassen, als es bisher schon üblich war.
Berlin, 1. Oktbr. Dem Bundesrath soll binnen Kurzem der Entwurf einer Verordnung, betreffend die Beschaffung von Sitzgelegenheiten für die Angestellten in offenen Verkaufsstellen, zugehen.
Berlin, 1. Oktbr. Ueber die Bezeichnung von Fuß- artillericformatisnen und Fcldhaubitzcn ist nachstehende Äa« binetssrdre ergangen: „Nachdem bei der Uebung auf de« Truppenübungsplatz Münster die Fußartillerie sich bewährt gezeigt hat, als Vollbefähigt den fechtenden Feldtruppen znze- theilt zu werden, bestimme ich: 1. Die 15 Zentimeter-Haubitze erhält den Namen „schwere Feldhaubitze". 2. Die mit diese« Geschütz ausgestellten Truppentheile der Fußartillerie führen die Bezeichnung „Fußartillerie-Regiment Nr. . . . (schwere Feldhaubitzen)" oder .„Fußartillcric-Regimcnt Nr. . . ., . . . Bataillon (schwere Feldhaubitzev)". 3. Die jetzige „Feldhsubitze" der FeldartKlerie erhält die Bezeichnung: „leichte Feldhaubitze". Das Kriegsministerium hat das Weitere zu veranlassen."
Berlin, 1. Oktbr. Die „Nationalzeitung" erfährt, daß die agrarischen Mitglieder der landwinthschaftlichen Ksmmission des wirthschaftlichen Ausschusses,' welche vor einigen Tagen hier versammelt waren, beschlossen haben, dem wirthschaftlichen Ausschuß die Erhöhung des Weizen- und Roggenzolls von M. 3.50 auf M. 8 im Muximaltarif und auf M. 6.50 im Minimaltarif zu beantragen.
, Köln, 1. Oktbr. Der „Köln. Volksfreund" theilt mit, daß ein gemeinsames Hirtenschreiben der preußischen Bischöfe, datirt Fulda, den 22. August, sich mit der sozialen Frage und den katholischen Arbeitervereinen und Verbänden befaßt. Für dieselben werde die religiöse Grundlage nachdrücklich gefordert und die Errichtung , von farblosen, sogenannten neutralen Verbänden verworfen.
München, 1. Oktbr. Anläßlich der morgen statt- sindenden Vermählung der Herzogin Elisabeth von Bayern mit dem Prinzen Albert von Belgien fand am Nachmittag bei dem Prinzregenleu im Residenzschloß eine Galatafel statt, wobei der Prinzregcnl einen Trinkspruch auf ^as Brautpaar ausbrachte.
München, 1. Oktbr. Der Zentralverband von Vereinen deutscher Holzintcressenten hielt unter dem Vorsitz von Louis Brügmann-Dmumund heute seinen 4. Verbandstag ab, auf dem über Feuerversicherung, Präzipualleistungspflicht im Holzgewerbe sowie Transport- und Umlabemittel der Eisenbahnen verhandelt wurde. Ueber die Vorbereitung der Handelsverträge refcrirte Dr. Beumer-Düsseldsrf und brachte mit Brügmann eine Resolution ein, welche langfristige Tarifverträge befürwortet und sich gegen Rohholzzölle wendet. Für gesägte Waare wird nur ein Zoll als richtig anerkannt, der bewirkt, daß die Herstellung möglichst im Jnlande erfolgt, ohne jedoch dem Verbraucher das für bedeutende Industrien nothwendige Material in irrationeller Weise zu vcrtheuern, welches nur in fertig gesägtem Zustande eingeführt werden kann. Die Resolution, welche ferner einen erhöhten Zoll auf
fertige Thüren n. ans Gründen des Schutzes der nationalen Arbeit empfiehlt, den Ausbau leistungsfähiger deutscher Wasser- straßennetze befürwortet, der auf Forstwirthschaft und Holz- gewerbe größeren Einfluß habe als Zollsätze, wurde einstimmig angenommen.
' Weimar, 1. Oktober. Der Enkel des Großherzogs, Prinz Bernhard Heinrich, ist heute Morgen plötzlich an einem Lungenschlag auf der Wartburg gestorben. (Prinz Bernhard Heinrich von Sachsen-Wei mar-Eisenach, der zweite Sohn des am 20. November 1894 verstorbenen Erbgroßherzogs Carl August, hat nur ein Alter von 22 Jahren erreicht.' Er war geboren zu Weimar a« 18. April 1878. Der Prinz war Kgl. preuß. Leutnant & la suite des 5. Thür. Infanterieregiments Nr. 94.)
Der Krieg in China.
Brief des chinesischen Kaisers an den deutschen Kaiser.
Das nominelle Oberhaupt des chinesischen Reiches, Kaiser Kwangsü, hat an den Deutschen Kaiser ein feierliches Schreiben gerichtet, worin er die Ermordung des Freiherrn v. Kettcicr beklagt, für die Uebcrführung der Leiche nach Europa alle üblichen Ehrenbezeugungen xusagt und schließlich um Einleitung von Friedcnsocrhandlungcn bittet. China empfindet also offenbar jetzt daS dringende Bedürfniß, der in erster Linie beleidigten Macht eine Art äußerlicher Genugthuung zu geben, in der Hoffnung, daß dann vielleicht von ernsterer Sühne abgesehen werbe. So leicht wird sich allerdings weder Deutschland noch irgend eine andere Macht abspeisen lassen.
Der Wortlaut des Schreibens Kwangsüs
ist folgender:
„Der chinesische Kaiser sendet Grüße an den Deutschen Kaiser. Die plötzliche Erhebung in China hatte die Ermordung Ihres Gesandten zur Folge. Meine Untergebenen haben schändlich gehandelt and die freundlichen Beziehungen abgebrochen, worüber ich tief betrübt bin. Ich habe heute dem Großkanzler Kunkang befohlen, vor dem Sarge des todten Gesandten Todlcnopfer zu vollziehen, und habe Li- Hung-Tschang und Liukunyi befohlen, jegliche Erleichterung für die Rückkehr deS Sarges nach Deutschland zu gewähren. Wenn er in Deutschland eintrifft, habe ich meinem Gesandten in Berlin, Lühaihwan, befohlen, wieberum Todienopfer darzubringen. Derart wünsche ich mein tiefe« Schaltern zu zeigen. Früher waren unsere beiden Länder friedlich. Ich appetlire jetzt an Sie aus Rücksicht auf unsere gemeinsamen Interessen, baldige FriedenSverhand- lungen zu gestatten, bawit ein immerwährender Friede gesichert werbe. Ich mache diesen speziellen ernsten Appell."
Feuilleton;
Die Pariser Weltausstellung.
XXIV.
Im Gebäude für Heer und Flotte.
Das Gebäude für Heer und Flotte gehört zu den ausgedehntesten auf der ganzen Ausstellung; es darf außerdem noch als eins der stilreinsten, mit vornehmer französischer Eleganz ausgestatteten Gebäude der diesmaligen Weltausstellung gelten. Vorwiegend ist es der Entwickelungsgeschichte des Vertheidigung^ und Kriegswesens gewidmet, so daß in der Phantasie des Unkundigen sich ein Bild von starrenden Lanzen, schnelltreffenden Gewehren und drohenden Kanonen aufbaut, dem nur Schrecken und Furcht abzugewinnen ist, und das man nicht besuchen kann, ohne im Herzen alle Furchtbarkeit eines wirklichen Krieges zu durchleben. Nun ist dies Bild vom Innern des Hauses für Heer und Flotte wohl nicht ganz unrichtig, denn selbstverständlich haben Zvir es hier mit einer sehr umfangreichen Sammlung von Waffen, Geschützen und Vertheidigungswerkzeugen aller Art zu thun. Wenn man überlegt, daß alle Kulturvölker auch an dieser Sonder-Ausstellung betheiligt sind, so erhält man ein Bild davon, wie ausgedehnt sie sein muß und — wie ermüdend der Besuch dieses Hauses ist.
Indessen fehlt es ihm nicht an einer gemüthlichen, unterhaltenden, man kann sogar sagen, humoristischen Seite und zwar in Gestalt der Geschichte der Uniformen. Da die Sammlung deutscher Uniformen sich durch Vollständigkeit auszeichnet, auch bei uns Deutschen das größte Interesse erweckt, so soll von ihr vorwiegend die Rede sein. Man kann sich heute kaum vorstellen, wie ein Heer ohne Uniformen aussehen würde.
Für uns ist die Uniform etwas vom Begriff eines Heeres Unzertrennliches. Und doch ist dUcr Begriff erst wenig über zweihundert Jahre alt. Im dreißigjährigen Kriege gab es noch keine Uniformen. Jeder Soldat trug die Kleidung, die er sich zu beschaffen im Stande war. Den Hauptbestandtheil seiner Oberkleidung bildete der Lcderkoller. Besaß er außerdem noch einen Rock oder Mantel — um so besser für ihn. Damals war es nicht so leicht, wie heute, eines Tuchrockes habhaft zu werden, denn im Verhältniß zu dem damaligen Geldwerten wurden Kleidungsstücke außerordentlich hoch bezahlt, und vom Soldaten erwartete man, daß er die seinigen von seinem Solde bezahlte.
Der Begriff „des Königs Rock" ist eigentlich erst von Ludwig XIV. von Frankreich erfunden worden. In jener Zeit gestaltete sich dc^ Begriff von der Würde des Fürsten in allen europäischen Ländern um. Wie alle Neuerungen setzte er mit starken Uebertreibungen ein, mit Uebertreibungen, die in der französischen Revolution mit Gegen-Uebertreibungen gestürzt worden sind. Als einen Ausdruck seines Begriffes von Königswürde erfand Ludwig XIV. zunächst die „Livree seiner königlichen Haustruppen". Die Erfindung hatte neben dem Glanz, den sic verlieh, so viele praktische Vortheile, daß sie sich ungemein schnell überall einbürgerte, und um das Jahr 1700, gab es wohl nirMds mehr Soldaten, die nicht den Rock ihres Landesherrn getragen hätten. Von nun an beginnt auch die Uniform alldrlei zu erzählen davon, wie sich die Schneiderkunst in ihren Abtheilungen, Zuschneiderei und Näherei, allmählich entwickelt hat. Es ist keineswegs so leicht, wie man sich's vorstellt, dey Schnitt für einen gutsitzenden Rock zu erfinden, zumal es sich des Weiteren noch darum handelt, diesen erfundenen Schnitt dem besonderen Körperbau unendlich vieler verschiedener Menschen anzupassem
Dann wieder die Näherei! - Man glaubt kaum, wie spät sie eigentlich erst erlernt worden ist, besonders, wenn Wollen
stoffe zu verarbeiten waren, denn mit den klaren geradlinigen Leinenfäden hatten geschickte grauen finger sich schon früher behelfen gelernt. Dazu kommt, daß man so manchen Ballast als schmückende Zuthat für unentbehrlich hielt. Eine lediglich zweckmäßige, von der wechselnden Tagesmode unabhängige Uniform kommt erst um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts zu Stande, wie es der Frack und der „Schwalbenschwanz" bezeugen. Um diese Zeit beginnen auch die Helmformen feste Gestalt anzunehmen; bis dahin hat sich immer noch der Uebergang vom Schlapphut zum Dreimaster (Czako) und von der Grenadiermütze zum Helm fühlbar gemacht. Nähcris über all diese Dinge enthält das im dcmschcn Hause aus gelegte Werk „Uniformenkunde" von Knötel, das im Verlage' von Max Babenzien in Rathenow erschienen ist. Es ist im Buchgewerbe-Saal zu suchen und wohl als das vollständigste Werk dieser Art anzusehen.
Wir lächeln heut bei dem Gedanken, daß einst die Soldaten Haarbeutel trugen, daß es schon einen Fortschritt bedeutete/ als Friedrich der Große diesen Haarbeutel durch einen ^opf ersetzt. Heute, wo Jedermann das eigene Haar zur Schau trägt, das oftmals durch Abwesenheit glänzt, heule, wo nur noch vereinzelte Damen zur Kunst des Perrückenmachers ihre Zuflucht. nehmen, vermögen wir uns nicht recht in die Zeiten zurückzuversetzen, _ wo es zur Menschenpflicht gehörte, das Haupt mit kunstreichen Perrücken zu zieren. Wir sind nicht für die „falschen Behauptungen". Und doch, wer vermag zu beweisen, daß falsche Behauptungen dazu gehören, um vorauszusagen, daß die Welt über hundert Jahre vielleicht unsere heutigen Ausstellungen verlachen wird, wie wir den Zopf unserer Vorfahren belächeln? — n.