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'M 225.
MMrM dm 26. September
1900
Amtliches.
Die Ausbesserung der Muzigbrücke im Landwege von Langenselbold nach dem gleichnamigen Bahnhof kann vor Samstag den 29. d. Mts., abends, nicht fertig- gestellt werden und kann deshalb die Brücke bis zum genannten Zeitpunkt von Fuhrwerken und Reitern nicht überschritten werden.
Hanau den 26. September 1900.
Landes-Bauamt.
15562 Wohlfarth.
GOÄwc Md dcrlmrnt ÖtgtnÜäMt etc.
Gefunden: 1 blaue Mütze mit einem W. 11. 1 Fahr radluftpumpe auf dem Wege Neuwirthshaus-Kahler Stein- brüche. Am Samstag auf dem Wochenmarkt ein brauner Frauenrock liegen geblieben. 4 Gebund kleine Stblüssel, das eine Gebund mit 4, die anderen mit je 3 Schlüssel. In einem Gehöft stehen geblieben 1 graue Handtasche und 1 gelbes Körbchen.
Verloren: Auf dem Wege Somborn-Hanau eine wasserdichte Pferdedecke.
Zugelaufen: 1 junges Huhn.
Hanau den 26. September 1900.
Der diplomatische Ersolg der deutschen Zi»kular-Note.
So weit sich bis jetzt übersehen läßt, haben nur die Vereinigten Staaten von Amerika den Vorschlag der deutschen Zirkular-Note abgelehnt, vor Eintritt in die Verhandlungen mit den chinesischen Bevollmächtigten die Auslieferung der Rädelsführer des chinesischen Aufstandes zu verlangen. Diese gesonderte Stellung Amerikas hängt offenbar eng mit der im Gange befindlichen Wahlbewegung der Vereinigten Staaten zusammen. Der Präsident Mac Kinley glaubt, den Aus sichten der republikanischen Partei am besten zu dienen, indem er seine Regierung aus auswärtigen Schwierigkeiten für jetzt möglichst heraus hält.
Durch die Entsendung eines Kontingents nach China ist die amerikanische Position auf den Philippinen geschwächt worden, und die Filipinos haben darauf den Kampf mit den amerikanischen Truppen von Neuem ausgenommen. Deshalb wird das amerikanische Kontingent wieder aus China zurück
Feuilleton.
Im Heim eines Mandarins.
Don Rudolf -aageabach.
(Nachdruck verbotm.)
Die verhângnißvolle Rolle, die das Mandarinenthum in der Entwickelung der gegenwärtigen Unruhen in China gespielt hat, ist allgemein bekannt. Der Mandarin ist das Hauptbollwerk des starren Konservativismus im Reiche der Mitte, weil die bestehenden Zustände ihm verhältnißmâßig sichere und bequeme Gelegenheit bieten, sich ein großes Vermögen zu machen, und darum ist' er auch der eigentliche Träger und Förderer des FremdcnhasseS^ Nicht als ob alle Mandarinen böswillig, grausam oder beschränkt wären; die besten Kenner China's stimmen darüber überein, daß sich im chinesischen Beamtenlhum zahlreiche Personen von großer Lauterkeit des Charaklers, Talent und Energie befinden. Geeignete Beamte in unserem europäischen Sinne aber können die Mandarine schon darum nicht sein, weil von ihnen au«s- schließlich litterarische Kenntnisse verlangt werben:_ auf das Studium der Klassiker, die Schönheit der Handschrift, den guten Stil, die Gewandtheit in Aufsätzen, die Kenntniß der alten Lehren des Confucius erstrecken sich ihre Prüfungen. Uebrigens kennt der Chinese selbst daS Wort Mandarin nicht; dies ist portugiesischer Herkunft. In China heißt das Be- amlenthum „Pekuan" d. h. die hundert Obliegenheiten, eine Bezeichnung, die man als sehr charakteristisch anerkennen muß, zumal da der Mandarin in seinem Bezirke zugleich Verlierer der Regierung, Polizeichef, Richter, Steuereinnehmer, Standesbeamter, Diotar und sonst noch allerlei ist.
Lange war das Leben der Mandarine in tiefes Geheimniß gehüllt. Erst in der neuesten Zeit ist es Europäern ge-
gezogen, und es dient zur besseren Motivirung dieses Schrittes, wenn die Regierung ein System der Milde gegen China befürwortet, das ihr zugleich ermöglicht, später einmal als Reiter Chinas aufzutreten. Man weiß, daß die Amerikaner die Rolle der Befreier besonders lieben, auch auf Kuba wollen sic jetzt noch nur als Besteier aufgetreten sein. Natürlich sind die Wahl-Interessen der republikanischen Partei der Vereinigten Staaten nicht die gleichen wie die der Mächte in China, vielmehr bleibt cs bedauerlich, daß die amerikanische Sanftmut!) den Widerstand der chinesischen Frevler von Neuem reizen wird. Gleichwohl braucht man die Haltung des Kabinets von Washington nicht tragisch zu nehmen; ob das kleine amerikanische Kontingent in Petschili bleibt »der nicht, ist für die dortige miliiärische Lage ziemlich gleichgiltig.
Mit besonderer Genugthuung darf es uns erfüllen, daß Rußland, ebenso wie »srher Frankreich und die beiden Verbündeten des deutschen Reiches, Oesterreich-Ungar« und Italien, dem deulschen Vorschläge grundsätzlich zugestimmt hat. Ein Gleiches ist von Japan schon geschehen und von England noch zu erwarten. Damit ist der Erfolg der Note deS Grafen Bülow, der sich sofort in der gestimmten öffentlichen Meinung Europas zeigte, auch diplomatisch sichergestellt, trotz der Ssndei-stelluug des amerikanischen Kabinets, das übrigen- die Frage der Bestrafung ebenfalls als wesentlich anerkennt, ihre Erledigung aber auf spätere Zeit verschieben will.
Natürlich wird es noch weiterer Verhandlungen bedürfen, um wegen der Ausführung des deutschen Vorschlages zu voller Einigkeit zu gelangen. Es sind verschiedene Auffassungen darüber möglich und thatsächlich unter den Kabinetten vorhanden, wie am zweckmäßigsten die Hauptschuldigen zu ermitteln und abzuurtheilen seien und ob die chinesische Regierung selbst die Strafen voSstccckcn soll. Vor Allem kommt es nach dem Geiste der deutschen Note darauf an, daß die wahren Schuldigen, nicht etwa eine Anzahl von der chinesischen Regierung dsrgebrachter armer Teufel, exemplarisch bestraft werde«. Da man hierin einig zu sein scheint und die Mächte, außer Amerika, gemäß dem deutschen Vorschläge der Bestrafungs Frage den Vorrang vor den weiter» Friedens- Verhandlungen zuerkennen, so ist die Hoffnung berechtigt, daß auch über den Weg zu dem gemeinsamen Ziele eine Verständigung erzielt werde.
* *
Der deutsche Vorschlag und Amerika.
Die „Köln. Ztg." bringt folgende vom 25. d. Mts. datirte Depesche aus Berlin: Die Antworten sämmtlicher Mächte mit Ausnahme Englands sind nunmehr eingegangen. Alle erklären sich mit dem deutschen Vorschläge im Wesentlichen einverstanden. Daß Amerika hiervon BäMHMBfflB^aSBESggaraggEg^^
langen, in das Hciligthum cinzudringen, in dem der glückliche Inhaber des Knopfes auf dem Hute (des vielbegehrten äußeren Abzeichens der Stellung als Mandarin) thront. Die interessantesten Aufschlüsse in dieser Hinsicht verdanken wir einem Briten, E. H. Parker, und mit Hilfe seiner Schilderungen können wir uns heut das Heim und das Leben eines chinesischen Mandarins mit voller Anschaulichkeit vergegenwärtigen.
Dies Heim trägt bekanntlich den Namen Damen, und alle Damen' in ganz China sind nach einem und demselben Plane gebaut. Sie unterscheiden sich nur durch ihre Größen- verhältnisse, durch die Zahl der sie bildenden Baulichkeiten und die Ausdehnung der zu ihnen gehörigen Gärten. Das Damen ist stets von einer Mauer umgeben und hat nur einen Eingang gegen Süden. Dieser Eingang ist dreifach getheilt: das schön geschmückte Mittelportal darf nur der Mandarin selbst, die im Range ihm Gleichstehenden und seine Vorgesetzten benutzen; alle übrigen Lebewesen müssen sich mit den Seitenportalen begnügen. Bei bedeutenderen Damen's befinden sich zu beiden Seiten des Eingangs noch Kioske, aus denen Musiker bei der Ankunft hervorragender Besucher ihre angeblich lieblichen Weisen ertönen lassen. Das Besuchswesen ist einer genauen Etikette unterworfen. Militärpersonen sollen eigentlich hoch zu Rosse ankommen, — sie sollen, sagen wir: denn thatsächlich kommen sie stets in einer Sänfte an und der Klepper, der als ihr Schlachtroß gelten soll, wird von einem Diener hinterher geführt. In der Sänfte werden in der Regel alle Besuche abgestattet. Die Beamten bis zum Range des Taotai herab haben grüne Sänften und 4—8 Träger, geringere Persönlichkeiten müssen sich mit blauen Sänften und 2 Trägern begnügen. Zum guten Tone gehört für einen höheren Beamten ferner ein zahlreiches Gefolge. Es besteht allerdings meM nur aus zerlumpten Vagabunden und Bettlern, die für diese Funktion
abweicht und in China selbständig Politik treiben will, ist bekannt. AlS erste Folge der amerikanischen Politik ist es nun wohl zu betrachte«, daß Prinz Tu an von der Kaiserin-Wittwe in das erste Staatsamt berufen worden ist. Offenbar ist durch die amerikanische Note den Chinesen der Muth so gestärkt worden, daß sie ihre kieblingSspckulation auf die Uneinigkeit der Mächte wieder durch eine Handlung ausirehme«, die, wie die Ernennung des Prinzen Titan, der ganzen Welt ins Gesicht schlägt. In dieser Berechnung dürften sich die Chinesen ebenso täuschen wie in mancher anderen. Selbst angenommen, daß die aktive Arbeit gegen China nur einem Theil der Machte überlassen werden sollte, so wird dieser Theil stark genug sein, China seinen Willen anfzu- erlegen. Wenn auch etwa ein Staat teilnahmslos bei Seite steht, so wird er deshalb noch lange nicht daran denken, dem Werke der Gerechtigkeit entgcgcnzulretcn, das von Anderen ausgeübt wird. Es ist nicht zu »erkennen, daß die Erncn- nuiig des Prinzen Tuan, die nach Ansicht der bestuntcr- richtcten Mächte thatsächlich erfolgt ist, der Lage ein verändertes Aussehen gab, und manche Mächte, sicherlich mehr als eine, werden sich die Frage vorlegen, ob es überhaupt möglich sei, mit einem Staat in diplomatische Verhandlungen zu treten, an dessen Spitze ein Mann steht, gegen den der dringende Verdacht verliegt, sich des schwersten völkerrechtlichen Verbrechens schuldig gemacht zu haben. Die amerikanische Regierung, die in dieser Angelegenheit ihre eigenen Wege geht, beschäftigt sich jetzt laut einer Depesche aus Washington damit, Weisungen für ihren Gesandten Ganger fcstzustellen, der sich mit Li-Hung-Tschang und Tsching über den Ort einigen wird, wo dieselben mit den Vertretern der übrigen Mächte zusammentreffen sollen, um die ersten Verhandlungen zu erledigen und gewisse große Gesichtspunkte für die Konferenz fcstzustellen. Man darf gespannt sein, wie die Verhandlungen zwischen Conger und den Bevollmächtigten Tuans verlaufen werde». Conger hatte Gelegenheit, während der Belagerung der Gesandtschaften in Peking die Methode kennen zu lernen, die Tuan gegen die Vertreter der Großmächte «nwendct. Die neuerlich bewiesene Nachgiebigkeit Amerikas gegenüber China dürfte den chinesischen Prinzen nicht weicher gestimmt haben, der möglicherweise die Vorbe^
ein paar Pfennige erhalten; dafür aber schwenken sie mit um so größerem Eifer Bänder und bunte Papiere. Die Vizekönige da,egen haben natürlich stets ein wirkliches großes Gcfvlge von zahlreichen Beamten, Soldaten und Dienern mit sich.
Ist der Besucher ordnungsmäßig engefommen und eingelassen, so passirt er zwei Höfe und wird im dritten durch den Mandarin empfangen. Nach Absoloirung aller Be- grüßungâzeremonien wird er in einen der Empfang-salons geführt und wird hier auf einen, mit der Front nach Süden gestellten Divan, K'ang genannt, geführt, der gerade für zwei Personen Platz bietet «nd im Winter geheizt wird. Eine Tasse Thee wird vor jede der beiden Personen gestellt; der Mandarin erhebt sich und berührt die Tasse seines Gastes, um festzustellcn, ob fein Trank in Ordnung ist, aber — der Thee darf nicht getarnten werden. Das wäre ein arger Verstoß gegen die gute Sitte! Nur wenn es sehr heiß ist und die Unterhaltung sich sehr auSzudehnen droht, darf man unter vielen Entschuldigungen den scrvirtcn Thee ; kosten. Beim Abschiede erhebt der Gast seine Tasse und Untertasse zum Gruße gegen den Wirth und wird von ihm in der gleichen Weise geehrt.
So etwa vollzieht sich der Besuch eines Europäers bei einem Mandarin. Blicken wir nun einmal näher in sein Haus und sein Leben hinein.
Die Privatgemâcher der Mandarins befinden sich immer an dem innersten, geheimsten Hof seines DamenS. Ein Vizckömg oder hoher Beamter hat oft drei oder vier Höfe und einen Garten, aber der Harem besteht meist in einem völlig abgeschlossenen Hofe, den verschiedene Gemächer umgeben. Hierin dringt Niemand, Tag u«d Nacht ist die Pforte zu diesem Allerheiligsten von einem Vertrauensmann bewacht, und hier bewahren die meisten Mandarine auch chre Amtssiegel auf, um sie vor Mißbrauch zu hüten; sie