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Amtliches Grgun für öfaöf- unö LanöKreis Hannu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Kr. 220.
Donnerstag den 20. September
1900
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 38.
«tmtttches StaiHtA^sis ^anaxt.
Bekaulltmachunges des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Anlieferung von rund 200,00 ebm Boden zum Ausbau des Grünen Weges zwischen Waldstraße und Straße Nr. 18 soll öffentlich verdungen werden.
Die Verdingungsunterlagen liegen im Stadtbauamt, Abtheilung II, werktäglich in den Vormittagsstunden von 10 bis 121/» Uhr zur Einsicht auf.
Angebote sind mit der Aufschrift: „Angebote auf Bodenlieferung für den Grünen Weg" versiegelt bis zum Montag den 24. d. Mts«, morgens 11 Uhr, auf dem Stadtbauamt, Abtheilung II, abzugeben, zu welchem Termin die Eröffnung der Angebote in Gegenwart etwa erschienener Bieter erfolgt.
Hanau den 18. September 1900.
Der Stadtbaurath.
Schmidt. 15173
Das Konkursverfahren über das Vermögen des Spezereihändlers Karl Sommer in Hanau ist durch rechtskräftig bestätigten Zwangsvergleich beendet und nach Vorlegung der Schlußrechnung heute aufgehoben worden.
Hanau den 17. September 1900.
Königliches Amtsgericht, Abth. 5. 15141
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 gelbes Portemonnaie mit 3,39 Mk. Inhalt. 1 blaugestreiftes Hemd.
Entflogen: 1 fahle deutsche Kröpfertaube.
Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, w. Geschl.
Vom Wasenmeister am 18. d. Mts. eingefangen: i schwarzer Spitz, m. Geschl.; desgleichen .am 19. d. Mts: 1 grauer Wolfsspitz und 1 Baßard (Nehpinscher), beide m. Geschl.
Hanau den 20. September 1900.
Der Krieg in China.
Pretzstimmen über die deutsche Zirkular- Depesche.
Diejenigen Wiener Blätter, die das Rundschreiben des Grafen v. Bülow besprechen, äußern sich ausnahmslos in zustimmendem Sinne. Die „N. Fr. Pr." sagt, eS frage sich, ob die ostentativ zur Schau getragene chinesische Freundlichkeit der Russen und Nordamerikaner nicht auch diesmal die Durchführung der deutschen Anregung erschweren werde. Das Blatt meint, die Publikation sollte Deutschlands unerschütterliches Beharren auf seine Forderung klarstellcn. An der Berechtigung der Forderung sei nicht zu zweifeln. Der Schritt Deutschlands sei ein energischer, der einzig zum Ziele führen werde. — Das „Fremdenblatt" schreibt: Deutschland, als der Staat, dessen Gesandter ermordet wurde, muß auf strengster Sühne bestehen. Analoge Anschauungen machten sich auch schon in England geltend und namentlich Lord Hamilton schlug kürzlich in einer Rede ähnliche Töne an. ES hängt viel davon ab, welche Haltung Rußland einnehmen wird. Es hängt viel davon ab, welche Personen als Anstifter des Gemetzels bezeichnet werden. In gleichem Sinne äußert sich die „Oesterreichische Volkszeitung". Das „Neue Wiener Journal" wirft die Frage auf, ob es möglich fein werde, allen Jnteressirten klar zu machen, daß sie mindestens in dieser Frage an der Seite Deutschlands bleiben müßten. Die „Deutsche Zeitung" billigt die Forderung Deutschlands, denn nur durch ein abschreckendes Beispiel könne eine Wiederholung des Geschehenen vermieden werden. Das „Wiener Tgcbl." sagt, die Zirkularnote der deutschen Regierung werde nicht verfehlen, überall lebhafte Zustimmung wachzurufen.
Von der Pariser Presse liegen zur Zeit die folgenden Aeußerungen vor: Der „Matin" schreibt über die Note des Grafen v. Bülow, die Note stelle eine ernste Grundlage für die Vorverhandlung fest. Diese Grundlage sei die Auslieferung der Urheber der gegen das Völkerrecht verübten Verbrechen. Die klare, unzweideutige Forderung mache allen Prätensionen Li-Hung-Tschangs ein Ende, der mit ungebührlicher Anmaßung Bürgschaften für die vorerwähnten Anstifter verlangte. Wir wissen noch nicht, schreibt daS Blatt,
welche Aufnahme die internationale Diplomatie der Note des Grafen Bülow bereitet; aber die Note hat jedenfalls das Verdienst, den Beginn einer Methode in die Vorverhandlungen zu bringen und die zivilisirten Nationen aus ihrer bisherigen Nnthätigkeit aufzurütteln, in welcher sie noch lange zu verharren schienen. — Der „Figaro" schreibt, man müsse zu- gcbcn, daß die in dieser Note geforderten Züchtigungen sehr berechtigte Repressalien gegenüber den mannigfachen Verbrechen bilden, welche in Peking unter den wohlwollenden Augen der chinesischen Regierung verübt wurden.
Die Londoner Morgenblätier besprechen die gestern von der „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlichte Zirkular-Depesche Bülows. „Morning Post" führt aus, Deutschlands Stellungnahme sei vom logischen Standpunkt aus unangreifbar. —. „Daily News" bemerken, die Regierung wird unschwer wie wir denken und dem Vorschläge Deutschlands znstimmen. — „Standard" schreibt: Wir glauben, daß Deutschlands Haltung die Billigung des englischen Volkes hat. Wir dürfen die Hand nicht von China wegnehmen, bis die Strafe vollzogen ist.
Von den deutschen Druppen.
Wie wir bereits berichtet haben, sind die deutschen See- soldaten unter Führung des Generalmajors v. Hoepfner auf einer größeren Expedition in der Richtung auf Paotingfu begriffen. Die Umgebung von Peking ist nämlich noch keineswegs von den Boxern gesäubert und wie aus den letzten Nachrichten hervorgeht, handelt es sich sogar um ganz beträchtliche Truppenmassen, die sich an den bedeutendsten Plätzen der Provinz Tschili festgesetzt haben. Bei dem ersten Zusamcntreffen bei Lianghsianghsien, von dem wir bereits berichteten, haben die Boxer die Ueberlegenheit der deutschen Truppen gleich gründlich erfahren. Ueber den weiteren Gang dieser Expedition liegt folgendes Privatkabeltelegramm des „B. L.-A." vor:
Nach dem Gefecht bei Lianghsianghsien, ungefähr 25 Kilometer südwestlich von Peking, wo 6000 Boxer und einige reguläre chinesische Soldaten von den deutschen Truppen zerstreut wurden, setzten die beiden Seebataillone ihren Vormarsch fort. Die Boxer verloren 380 Todte. Die Deutschen hatten einen Todten (Seesoldat Gabel) und fünf Verwundete. Die Stadt wurde niedergebrannt.
Aus Sydney, 10. August, wird geschrieben: Die Offiziere und Mannschaften des deutschen Kreuzers „Cormoran", welche soeben ihre Dienstzeit auf der hiesigen Station beendet haben, haben sich sämmtlich für den Dienst in China freiwillig angeboten. Kapitän Emsmann, der Kommandeur des Kreuzers, hat diesen Wunsch seiner Besatzung an den Kaiser gekabelt.
Japanische Kritik über die deutschen Soldaten.
Der in Tokio erscheinende „Nichi Nichi" sagte in einer Besprechung über die verschiedenen jetzt in China kämpfenden Soldaten: „Die deutschen Truppen sind außerordentlich vorsichtig und marschiren selten hastig auf einen Feind los, einerlei wie schwach er ist, aber wenn sie sich einmal entschlossen haben, vorzugehen, so avanciren sic mit der Kühnheit von Löwen. Defensive (?) scheint ihnen näher zu liegen, als Offensive, und wenn sie sich einmal entschieden haben, eine Position zu vertheidigen, so kann keine chinesische Macht, so stark sie auch immer sein mag, Hoffnung haben, dieselbe zu nehmen. Soldaten, die im Stande sind, zu attackiren, wie die Japaner, und die Defensive zu halten, wie die Deutschen, würden durch Nichts in der Welt aufgehalten werden können.
* *
Telegramme:
Berlin, 20. Septbr. Der „Lokal-Anzeiger" meldet aus Rom: Kardinal Rampolla richtete an alle päpstlichen Nuntiaturen eine Note, worin er sie auffordert, bei den betreffenden Regierungen Schritte zu thun, damit die internationalen Truppen in Peking belassen würden, um eine Wiederholung der Angriffe und Mordthaten zu vermeiden.
Berlin, 20. Septbr. Der „Lokal-Anzeiger" meldet aus London: Nach Berichten aus Shanghai wurden durch ein kaiserliches Edikt die Vizekönige Liukinyi und Tschangtschitoung : zu Li-Hung-TschangS Mitbevollmächtigten ernannt. Dieselben । sollen jedoch auf ihren Posten bleiben und nur durch Depeschen ' konsultirt werden.
Wien, 20. Septbr. Der „Politischen Korrespondenz" ( zufolge ist der Zirkularnote des Grafen von Bülow ein ver- ' iraulicher Meinungs-Austausch zwischen Berlin und anderen s Kabinetten vorausgegangen. s
Wien, 20. Septbr. Nach einer Pariser Meldung der ( „Politischen Korrespondenz" dürften die Mächte, falls Deutsch- i
land darauf besteht,der Absetzung der Kaiseri n-Wittwx in China zustimmen.
Pariö, 20. Septbr. Bezüglich der Note von Bülow bemerken die meisten Blätter, daß diese' Note eigentlich überflüssig gewesen sei, da sie im Wesentlichen nur wiederhole, was der französische Minister dcs Auswärtigen, Delcassö, bereits in einer früheren Note gesagt habe.
London, 20. Septbr. „Daily Telegraph" ist der Ansicht, daß wahrscheinlich China die deutsche Vorschläge ab- l eh neu werde, obgleich sie Englands Unterstützung sicher seien. „Daily Mail" glaubt, daß Graf Waldersee bei seiner Ankunft in Peking eine sehr schwierige Aufgabe vorfiuden werde. Ueber die Haltung Japans ist noch nichts Aulhen- tisches bekannt.
London, 20. Septbr. „Daily Mail" meldet, der französische Gesandte in Peking habe Li-Hung-Tschang vorge- schlagcn, der Kaiserin-Mutter eine Mittheilung zuzustellen, damit diese sich mit den Großmächten verständigen könne. Li-Hung-Tschang lehnte diesen Vorschlag ab.
London, 20. Septbr. Aus Shanghai wird gemeldet: Man versichert hier, daß die chinesischen D c l e g i r t e n sich weigern, eine Uebereinkunft mit den Vertretern der Großmächte zu treffen, die eine exemplarische Bestrafung der Kaiserin-Wittwe verlangt. Die chinesischen Delcgirten weigern sich jedoch nicht, die Bestrafung der Kaiserin durch T h r o n- entsetzung zuzustimmen. Sie billigen auch eine Bestrafung des Prinzen Tuan und der übrigen verantwortlichen hohen Beamten, die an der jetzigen Lage in China Schuld sind. — Admiral Seymour wird heute nach Tientsin abreisen und sich von dort nach Peking begeben.
Washington, 20. Septbr. Die deutsche Note bezüglich Chinas ist der amerikanischen Negierung gestern zugestellt worden. Dieselbe wird in dem heute stattfindenden Minister- rath geprüft werden. Die amerikanische Regierung zieht es vor, ihre eigenen Bedingungen den Großmächten zu unterbreiten. Sie soll bereits eine ungünstige Antwort auf die deutsche Note vorbereitet haben.
Der Krieg in Südafrika.
Köln, 19. Septbr. Der „Köln. Ztg." wird aus Kapstadt vom 18. August geschrieben: Die Ausweisungen der Fremden aus Transvaal, darunter einer Anzahl Deutscher, dauern fort. Mehrfach hatte man Gelegenheit, die sehr wenig rücksichtsvolle Art der Beförderung der Ausgewiesenen zu beobachten. Seitens der zuständigen Konsuln, insbesondere des deutschen, wurden hiergegen beim Gouverneur Milner Beschwerden erhoben. Milner hat daraufhin dem deutschen Generalkonsul gegenüber die vorher schon mündlich ertheilte Zusicherung wiederholt, er werde Alles thun, um bei den britischen Militärbehörden darauf hinzuwirken, daß auf Reichsangehörige, insoweit ihre Ausweisung vom Kriegsschauplätze nicht zu umgehen sei, jede mögliche Rücksicht genommen werde. Thatsächlich macht sich hier in der letzten Zeit eine Besserung in der Behandlung der Ausgewiesenen insofern bemerklich, als die Behörden jetzt für deren Unterkunft, Verpflegung und freie Weiterbeförderung nach Europa Sorge tragen. Für die deutschen Frauen, die sich unter dcn^lus- gewiesenen befanden, wurde erreicht, daß man sie mit Fahrkarten zweiter Klasse versah.
London, 19. Septbr. Lord Roberts meldet aus Nel- spruit vom 18. d. Mts.: Stephensons Brigade besetzte gestern Abend diesen Ort, ohne auf Widerstand zu stoßen.
London, 19. Septbr. „Daily Telegraph" meldet aus Laurenzo Marquez vom 18. d. Mts.: Zwischen Kaapmuiden und Hectorspruit fand eine regelrechte Schlacht statt. Die Verluste der Buren sind schwer. An der Grenze wurde ein Portugiese von Plänklern der Buren gctödtet. Eiste portugiesische Batterie ist gestern an die Grenze abgegangen, wurde jedoch bei Kilometer 63 von Kaffem überrumpelt. Das Gefecht mit ihnen dauert noch an. *
Telegramme:
Haag, 20. Septbr. Die internationale Friedensliga protestirt gegen die letzte Proklamation Lord Roberts, welche eine Mißachtung der jüngst im Haag vereinbarten Rechte der Völker und Personen sei.
Amsterdam, 20. Septbr. Präsident Krüger wird nur einen kurzen Aufenthalt in Holland nehmen. Die Königin Wilhelmine, welche das Schicksal der Buren sehr interessirt, soll den Präsidenten bewogen haben, sich in erster Reihe an Frankreich zu wenden, um sich dessen Sympathien zu Gunsten der Buren zu sichern. Die Königin soll bereits in diesem Sinne auf die ftanzösische Regierung eingewirkt haben.