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Montag den 17 September

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Amtliches

St^HM^srs ^anau. dekaMtMachunges des OberbärgermeisteraMtes

Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung

am Donnerstag den 20. September 1900, nachmittags 5 Uhr, im oberen Saale des Rathhauses.

Tagesordnung:

1. Eingabe des Vereins für städtische Angelegenheiten betr. Einführung eines Gaseinheitspreises.

g. Beschlußfassung darüber, ob von der Errichtung eines städtischen Nahrungsmittcl-Untersuchungsamtes mit Rück­sicht auf die von dem Königl. Regierungspräsidenten ge­stellten Bedingungen Abstand genommen werden soll.

3. Betr. Erhöhung der Dienstaltcrszulagcn der feminarisch gebildeten Lehrer von 180 M. aus 200 M. vom 1. April 1901 ab.

4. Verpachtung der Grundstücke CC/DD aw Wasserthurm, Gemarkung Dörnigheim, zum seitherigen Preise von 60 M. an Oekonom Jean Schlingloff für Martini 1900/1901.

5. Nachbewilligung von 380 M. auf II C 3 für 1900 für Anfertigung von Zinsscheinbogen.

6. Abänderung des Regulativs über Tagegelder und Reise­kosten.

7. Vermiethung der Wohnung Erbsengasfe Nr. 1 zum Preise von jährlich 150 M. vom 1. Oktober 1900 ab.

8. Betr. vorübergehende Einstellung eines Hochbautechnikers gegen 150 M. Monatsoergütung und eines Architekten gegen 200250 M. Monalsvergütung.

9. Rechnung der Sparkasse für 1899 zur Feststellung der Rechnung und Entlastung des Rechnungsführers.

10. Wahl zweier Mitglieder in die Kommission zur Vor­bereitung des 1901 in Hanau stattfindenden Städtetagcs.

11. Neuwahl eines Armenpflegers.

12. Wahl je eines Geistlichen der Johannis-, Marien- und katholischen Kirche in die Armenkommission.

13. Verwendung des in 1899 ersparten Betrages von 33,72 M., Bewilligung eines Beitrags von 300 M. für Rechnungsjahr 1900 und eines solchen von 300 M. für Rechnungsjahr 1901 für den Ausschuß für Volks­vorlesungen.

14. Betr. Enteignungsverfahren wegen des Grundstücks EE 404'53 154 qm.

Feuilleton.

Die Ringe des Saturn.

Der zweitgrößte Planet unseres Sonnensystems, Saturn, den wir jetzt abends ziemlich tief am südlichen Himmel er­blicken, ist der eigenartigste unter seinen Geschwistern. Außer seinen'acht Monden führt er noch ein System von Ringen mit sich Ein wunderbarer Anblick im Fernrohre, besonders wenn die Erde ziemlich hoch über der Ebene der Ringe steht, so daß letztere weit geöffnet erscheinen, wie es jetzt gerade der Rad ist. Befinden wir uns nämlich in der Ebene der Ringe, die ziemlich dünn, vermuthlich noch nicht einmal 200 Kilometer biet sind so sehen wir von diesen Ringen gar nichts. Nur die mächtigsten Fernrohre zeigen sie uns dann zu beiden Seiten des Planeten als eine ganz feine Linie.

Dies war zuletzt im Jahre 1892, als Saturn im Löwen stand. Von da an öffneten sich die Ringe mehr und mehr. Die feine Lichtlinie zu beiden Seilen des Planeten wurde breiter und breiter, besonders in der Mitte, während ihre Enden spitz zuliefen. Dann wurde in der Mitte der Lime eine Oeffnung sichtbar, sie erschien als Rmg. Jetzt hat die Erde fast ihren höchsten Stand über der Rmgebene, 28 Grad, die Ringe sind somit deutlich zu sehen. Sie beginnen sich nun wieder zu schließen, und im Jahre 190.l wird keine Spur von ihnen zu sehen sein. 7 Jahre und 4 Monate ver­gehen dann wieder, bis sich der Planet mit »eit geöffneten Ringen zeigt. Denn bei jedem Umläufe des L-aturns um die Sonne, in etwa 29 lM Jahren, blicken wir zweimal in die weitgeöffneten Ringe hinein und zweiinal auf die Kante der Ringe.

15. Bewilligung eines Beitrags zu den Kosten der Aus­stellung von Lehrlingsarbeiten bezw. Gewerbeausstellung des Gewerbe- und .nandwcrkervereins in ö^öhe von 300 M. aus XI 3 für 1900.

16. Betr. Aufhebung des MagistratsbeschlusseS vom 8. Juni d. I., Ablehnung des Antrags der Stadtverordneten- Versammlung vom 26. Juli 1900 Nr. 234 betr. die steuerlichen Verhältnisse der Volksschullehrer.

17. Bewilligung von 600 M. aus XI 3 Rechnungsjahr 1900 für Revision der Ortskrankenkasse.

18. Klagesache.

19. Desgleichen.

An demselben Tage, nachmittags 4U> Uhr, Sitzung des Rechnungsprüfungs-Ausschusses, dazu Nr. 9 obiger Tagesordnung,

und um 43Ai Uhr Sitzung des Wahlvorschlags­ausschusses, dazu Nr. 10, 11 und 12 obiger Tages­ordnung.

Am Montag den 17. d. Mts., nachmittags 5/i Uhr, Sitzung des Finanz- und Bauausschusses, dazu die Nr. 4, 13, 14, 15, 16, 18 und 19 vorstehender Tagesordnung.

Hanau den 15. September 1900.

Der Stadtoerordnetenvorsteher.

Canthal. 14976 Handelsregister. ~

1. Aus dem unter der Firma Stein Macher & Schwahn in Hanau bestehenden Handelsgeschäft sind die Gesell­schafter Diamantschleifer Heinrich Reifschneider in Hanau und der Diamantschleifer Nikolaus Engel- bert Kaiser in Kleinauheim ausgeschieden. Das Ge­schäft wird von den beiden Mitinhabern Diamantschleifer Karl Steinmacher und Diamantschleifer Julius Schwahn in Hanau unter der bisherigen Firma als offene Handelsgesellschaft fortgeführt.

2. Das unter der Firma I. Diehls & Comp. in Hanau bestehende Handelsgeschäft ist auf den Kaufmann I o- ha n n Ferdinand, genannt Philipp W eisb o rn, zur Zeit in Paris, und den Kaufmann Heinrich G y s e in Hanau übergegangen, die es unter der bis­herigen Firma als offene Handelsgesellschaft, fortführen. Die Gesellschaft hat am 10. September 1900 begonnen. Der Uebergang der in dem Betriebe des Geschäfts von Seiten der bisherigen Inhaberin begründeten Verbindlich­keiten auf die Gesellschaft ist ausgeschlossen.

Hanau den 14. September 1900.

Königliches Amtsgericht 5. 14952

Die ersten Astronomen, denen das Fernrohr die eigenartige Gestalt des Planeten enthüllten, wußten das Räthsel, das sich ihren Augen darbot, nicht zu lösen. Fünfzig Jahre vergingen, nachdem die sonderbare Gestalt Saturns entdeckt war, bis die richtige Erklärung dafür gefunden wurde. Aber erst ganz neuerdings scheint das Wesen der Ringe völlig ergründet zu sein. Die neuesten Forschungen, sowohl theoretischer wie beobachtender Art, haben dargethan, daß diese Ringe keine starren Körper sind, sondern eine Anhäufung kleinster Körperchen, von denen uns jedes einzelne unsichtbar sein würde, weil das von ihm zurückgestrahlte Sonnenlicht zu gering ist, um bis zu uns zu dringen. Alle diese Körperchen bewegen sich gemeinsam um den Saturn; wir können sie uns vorstellen, wie die Meteor­schwärme, welche die Sonne umkreisen, und die uns von ihrem Vorhandensein nur Kunde geben, wenn sie zufällig den Lauf der Erde kreuzen, in ihre Atmosphäre gelangen und dann plötzlich als Sternschnuppen aufleuchten, um ebenso schnell wieder zu verschwinden.

Drei solcher Ringe lassen sich beim Saturn unterscheiden. Die beiden äußern sich ziemlich hell und von einander deutlich getrennt. Der Zwischenraum zwischen beiden ist etwa halb so breit, wie die Ringe selbst. Der dritte, innerste Ring erscheint wesentlich dunkler, auch ist zwischen ihm und dem zweiten Ringe keine scharfe Grenze vorhanden. Es scheint fast, als ob die Theilungen in den Ringen nicht ganz unveränderlich sind, und es ist wohl anzunehmen, daß durch den Einfluß der Saturnsmonde, deren Massen auf die Bewegung dieser kleinen Ringkörperchen erheblich störend einwirken müssen, ständig neue Theilungen in den Ringen entstehen und wieder vergehen, von denen die meisten freilich viel zu unbedeutend sind, als daß wir sie wahrnehmen könnten.

Mmdme und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 cv. Gesangbuch mit dem Namen Jo­hanna Föller zu Pulverfabrik bei Hanau. 1 silberne Damcn- uhr mit goldener Kette.

Entflogen: 1 Kanarienvogel mit grauem Kopf uud grauen Fltgeln.

Zugelaufen: Am Samstag auf dem Wochenmarkt ein gelbes Huhn.

Vom Wascnmcister am 15. d. M. e i u g e f a n g e n: 1 grauer Wolfsspitz und 1 schwarzer, langhaariger Pinscher, beide m. Keschl.

Hanau den 17. September 1900.

Deutscher Postdampfer-Verkehr nach Ostasieu

Politische Macht und wirthschaftliche Kraft muffen Hand in Hand gehen und sich ergänzen das war der Wahr­spruch, von dem vorgestern bei der Taufe des Reichspost­dampfersKiautschou" Staatssekretär v. Podbielski ausging, und so ist thatsächlich die Entwickelung der deutschen Position in Ostasicn gewesen. Wie unser großer Kanzler Fürst Bis­marck in der Kolonialpolitik als Regel aufstcllte, daß der Kaufmann vorangchen müsse, so hat der deutsche Handel in Ostasien sich schon längst eine achtunggebietende, eine der ersten Stellungen erworben, bis eS unumgänglich wurde, daß auch die politische Macht des Deutschen Reiches ihm dort im fernen Osten eine direkte Stütze bot. So wurde vor nun fast drei Jahren Kiautschou erworben und so wurdevorgestcrn der Reichspostdampfer, der mit seiner Vollendung der Ver­doppelung unserer ostasialijcheu Linie bringt,Kiautschou" getauft. Es ist erst anderthalb Jahrzehnte her, seit gleichzeitig mit dem Beginn einer deutschen Kolonialpolitik das deutsche Reich Postdampferlinien nach Ostasien, Australien und Afrika schuf, beziehungsweise der privaten Unternehmung Subventionen für deren Betrieb gewährte, auf welchem Wege unsere poli­tischen und wirthschaftlichen Rivalen vorangegangen waren. DerNorddeutsche Lloyd" als Unternehmer der wichtigsten ostastatischen Linie hat der deutschen Flagge Ehre gemacht und Deutschlands Industrie und Handel auch vom Ausland an­erkannte Dienste, erwiesen. Die ursprünglich nur alle vier Wochen statlfindcndcn Fahrten genügten dem Verkehr nicht mehr; so hat der Reichstag int vorigen Jahr die Mittel zur Verdoppelung bewilligt, das mit staunenswerther Energie und Geschicklichkeit aufftrebenbe größte Hamburger Schiffsunter- nehmcn, die Hamburg-Amerikanische Packetfahrtgesellschaft ver­einigte sich mit demLloyd" zum Betrieb der amerikanischen Subventionslinie und nun ist heute der letzte der vier neu

Die Pariser Weltausstellung.

XXII.

Palast der Sozialwissenschaften. Pavillonder

Stadt Paris. Gartenbau-Ausstellung

Er hat wenig vom Charakter eines Palastes, dieser ruhig und anspruchslos gehaltene Bau, der den Werken des Friedens, der Linderung der Noth gewidmet ist und in dessen lichtem, schön geschmücktem obern Saal die Kongresse abgehalten wurden, die mit der Ausstellung verbunden sind. Drinnen, im Innern, gibt es wenig Dinge, die lediglich darauf Bedacht nehmen, dem Besitzer ' ein flüchtiges Vergnügen zu bereiten. Streng wissenschaftlich sieht es hier dessen ungeachtet nicht aus. Die verschiedenen Völker haben zusammen getragen, was in den Augen eines jeden von ihnen als die wichtigste und wesent­lichste Arbeit erscheint, die geeignet sind, die Leiden der Mensch­heit zu erleichtern. Wenn auch Niemand, der das Leben kennt, wie es ist, eine Weltausstellung als das Mittel zum Völkerfrieden preisen wird, so muß man doch diesen Palast betreten, um sich klar darüber zu werden, daß die Völker bei aller Verschiedenheit des Wesens und der Arbeitsweise dennoch eine große gemeinsame Arbeit verrichten, deren Fortschritt ge­tragen wird von der festen Zuversicht, daß es möglich ist, das Elend auf Erden zu mindern und ihm in immer veränderten Formen Boden abzugewinnen, so daß das Dasein schließlich für alle erträglich wird, die es nicht selbst am guten Willen fehlen lassen. Tausend Gedanken des Wohlwollens der Starken und Einsichtigen gegen die Schwachen und Unverständigen finden hier ihren Ausdruck.

Wenn man Haran denkt, daß Goethe das ausgehende acht­zehnte Jahrhundert ein selbstzufriedenes genannt hat, so kommt man ein wenig in Versuchung, hier an dieser Stätte mit Be­friedigung auf die Leistungen des neunzehnten Jahrhunderts