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Nr. 216.

Samstag den 15. September

1900

«mNich«» Bekanntmachung.

Weitere Erleichterung des privaten Telegramm- Verkehrs mit den Angehörigen der dentschen Truppen und Kriegsschiffe in Oftasten.

Zur weiteren Erleichterung des privaten Telegramm- verkehrs mit den Angehörigen der deutschen Truppen und Kriegsschiffe in Ostasicn ha! daS Reichs-Postamt mit den Beteiligten Kabelgesellschaften Vereinbarungen getroffen, nach denen Sammeltelegramme mit Privatnachrichten in offener Sprache, welche täglich einmal zwischen zwei dazu bestimmten amtlichen Stellen in Deutschland und Ostasien ausgetauscht werden, gegen eine ermäßigte Gebühr befördert werden sollen. Im Einzelnen wird über die Benutzung dieser Einrichtung Folgendes bestimmt:

1. Für Privattelegramme in offener Sprache aus Deutschland an Angehörige der in Ost- asien st eh enden deutschen Heeres- u. Marine­theil e wird fortan nur die Hälfte der tarifmäßigen Ge­bühr (unter Aufrundung der Summe auf einen durch 5 theil- bareir Pfennigbetrag) erhoben, sofern der Absender durch den VermerkFeldtelegramm" vor der Aufschrift zum Ausdrucke bringt, daß die Nachricht in das nächste Sammeltelegramm ausgenommen werden soll. In den an Angehörige des Armee-Oberkommandos für Ostasien oder des Ostasiatischen Expeditionskorps gerichteten Telegrammen werden die zur Be­zeichnung des Empfängers dienenden Angaben nur als ein Wort gezählt; diese Bestimmung kann jedoch auf die an An­gehörige der Marine gerichteten Telegramme erst Anwendung finden, sobald die Listen über die Vertheilung der Serien­buchstaben und Telegraphennummern bei der Marine aufgestellt und sowohl dem Haupt-Telegraphenamt in Berlin als auch den Schiffen in Ostasien überwiesen sind; der Zeitpunkt wird noch bekannt gegeben werden.

In den Feldtelegrammen nach Ostasicn ist die Angabe eines Bestimmungsorts nicht erforderlich; dagegen muß in der Aufschrift der Empfänger nach Namen, Dienstgrad und Truppentheil oder Schiff genau bezeichnet sein. Diese An­gaben müssen mit den beim Haupt-Telegraphenamt in Berlin geführten Listen übereinstimmen. Telegramme, deren Empfänger in den Listen nicht zu ermitteln sind, werden zwar auf Ge­fahr des Absenders zur Beförderung angenommen; die Ver­günstigung, daß die Aufschrift als ein Wort gezählt wird, findet jedoch auf diese Telegramme keine Anwendung.

Die Telegramme werden in Berlin gesammelt und in einem Sammeltelegramme täglich dem deutschen Postamt in Shanghai oder einer anderen geeigneten Dienststelle in Ost­

asien übermittelt. Diese befördert die einzelnen Nachrichten mit der Post oder auf sonst geeignete Weise an die Empfänger weiter.

2. Auch für die von den deutschen Heeres- und Marinc-Angehörigen in Ostasien durch Ver­mittelung der Truppenteile und Kriegsschiffe a u f ge­lieferte nFeldtelczramme in offen erSprache nach der H e i m a t h wird nur die Hälfte der tarif­mäßigen Gebühr (unter Aufrundung der Summe auf einen durch 5 theilbaren Pfennigbetrag) erhoben. Soll ein Feld­telegramm dieser Art an den in die Listen beim Haupt-Tele­graphenamt in Berlin eingetragenen Empfänger bestellt werden, so ist in der Aufschrift, welche in diesem Falle als ein Wort gezählt wird, nur der Scrienbuchstabe und die Telegraphen- Nummer des Absenders «nzugeben. Weitere Angaben darf die Aufschrift nicht enthalten; auch darf das Telegramm nicht mit einer Unterschrift versehen werden. Ist dagegen das Telegramm an eine andere, beim Haupt-Telegraphenamt in Berlin nicht in die Listen eingetragene Person gerichtet, so muß diese in der Aufschrift genau bezeichnet sein. Jedes Wort der Aufschrift wird in diesem Falle besonders laxirt.

Die Telegramme werden mit der Post oder auf sonst ge­eignete Weise zunächst dem deutschen Postamt in Shanghai oder einer anderen geeigneten Dienststelle in Ostasicn zuge­führt, welche sie zu einem Sammeltelegramme vereinigt und nach Berlin befördert. Von hier aus werden die einzelnen Nachrichten telegraphisch den Empfängern übermittelt; den Telegrammen, welche an die beim Haupt-Telegraphenamt ein­getragenen Empfänger gerichtet sind, wird dabci die gleichfalls beim Haupt-Telegraphenamt in den Listen vermerkte Unter­schrift hinzugefügt.

Die Bestimmungen übet bk unter Benutzung des amt­lichen Schlüssels abgefaßten Feldtelegramme aus Ostasien werden hierdurch nicht berührt.

3. In der gleichen BÜeise wie die Angehörigen deS Heeres und der Marine nehmen auch die Mitglieder der freiwilligen Kr ankenpflege an den vorbeschriebenen Erleichterungen Theil. Auch für diese gilt jedoch die Vor­schrift, daß im Verkehre nach Ostasien die Aufschrift nur als ein Wort gezählt wird, erst von einem noch zu be­stimmenden Zeitpunkt ab.

4. Auf den Verkehr mit den auf der Ueberfahrt nach Ost- asien befindlichen Kriegs- und Truppentransportschiffen finden die vorstehenden Bestimmungen keine Anwendung.

Berlin W., 8. September 1900.

Der Staatssekretär des Reichs-Postamts, von Podbielski.

Bekanntmachung.

Das Deutsche Postamt in Tschifu nimmt fortan am Zeitungs-, Postanweisungs- und Packetdienste Theil. Die Bedingungen und Taxen sind die gleichen wie im Verkehre mit dem Deutschen Postamt in Shanghai.

Berlin W., 31. August 1900.

Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.

von Podbielski.

^taöt&rei^ ^anau. Hekauotmachunge» des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Am Montag den 2. n. Mts. wird probeweise mit der Müllabfuhr begonnen. Laut gleichzeitig bekannt gegebener Polizciverordnung vom 23. d. Mts. beginnt die regelrechte Müllabfuhr am 1. August d. Js.

Es wird Müll abgefahren:

Montags und Donnerftags

in Vorstadt Hospitalstraße

Vor der Kinzigbrücke Bruchköbelerlandstraße Fasanerieweg Josephstraße Körnerstraße Fallbachstraße Frankfurterlandstraße Kleine Hainstraße Hainstraße Kinzigstraße Türkische Gärten Bogenstraße Wilhelmstraße Marienstraße Frohnhofstraße Schloßhof Schloßstraße Erbsengasse Johanniskirchplatz Tiefestraße Ramsaystraße Bangertstraße Schirnstraße Rappenstraße

in Gr. Dechaneistraße Prcdigerstraße

Kl. Dechaaeistraße Baderstraße Kleine Sandstraße Wolfsstraße Stcinstraße Johanniskirchstraße Am Markt (Altstadt) Marienkirchstraße Kleine Fahrstraße Neustraße Engestraße Marktstraße Metzgerstraße Schulstraße Lamboystraße Uferstraße Nordstraße Eberhardstraße Paradeplatz

Philipp-Ludwigs-Anlage Im Bangert Nebenstraße Brückenstraße.

Feuilleton

Dauerfahrttu im Ballons.

Von vr. Paul Lange.

(Nachdruck verboten.)

Seit den Tagen der Gebrüder Montgolfier und Charles, welche, wenn man von einigen schwachen Versuchen aus früheren Jahrhunderten absteht, als erste das Problem der Luftschifffahrt, wenigstens soweit es sich um freies Schweben handelt, zur Lösung brachten, hat man in tausenden von Unternehmungen und Experimenten sich bemüht, den Ballon auch lenkbar zu machen. Den Zeitgenossen der obenge­nannten Franzosen vor fast 120 Jahren schien diese Aufgabe sogar so leicht, daß sie eine fundamentale Umwälzung des menschlichen Verkehrs, der sich damals zu den Zeiten von Thurn und Taxis' seliger Postkutsche allerdings unheimlich vollzog, für die nächsten Jahrzehnte als mit unbedingter G-^h-.t bek^h-Ä ^tom SM jätet IM M- täuschungen über Enttäuschungen. Die Ballonfahrten sanken zu einer Volksbelustigung bei Masfenfesten herab, bei denen sie kaum fehlen durften. Inzwischen opferten Hunderte von Erfindern vergeblich Vermögen und oft genug auch Gesund­heit und Leben, um dem begehrenswerthen Ziele nachzujagen; das Rüstzeug dafür, den selbstvorgezcichncten Weg durch die Luft zu reisen, ward aber biS auf den heutigen Tag nicht gefunden, darüber dürfen wir uns trotz der relativen Lenk­barkeit des Ballons der französischen Militäräronauten Krebs

) Auf diesen, hochinteressante neue Mittheilungen über die letzt so aktuelle Frage der Luftschifffahrt enthaltenden Aufsatz erlauben wir uns um so mehr aufmerksam zu machen, da der am 23. d. M. bevor­stehende Ausstieg des in dem Artikel besprochenen, in vieler Hinsicht neu konstruirten Ballons zweifellos großes Aussehen machen wird. A. d. R.

und Renard und des Riesenballons unseres Landmannes Graf Zeppelin keinen Illusionen hingeben. Nur hinsichtlich der Höhe, bis zu welcher man vordringen miß, hat man den Ballon durch die Wahl seiner Dimensionen und des Füllungs­gases einigermaßen in der Hand. Im Uebrigen aber gleicht der Aeronaut dem Sonntagsreiter auf durchgehendem Pferde, der auf die Frage eines Freundeswohin?" nur antworten kann:weiß ich's?"

Seit Andrees unglücklichem Versuche über Hunderte von Meilen Eis und offenes Meer zum Nordpol vorzudringen, ist für die Aeronautik eine neue Aufgabe auf­getaucht, nämlich sich möglichst lang schwebend in der Luft zu erhalten. Vermuthlich ist der kühne Skandinavier sammt seinen Gefährten dadurch zu Grunde gegangen, daß er die Fähigkeit seines Ballons, das Gas zu halten, überschätzte, und daß dieser mit seinen Insassen schon nach wenigen Tagen ins offene Meer stürzte. Wenn daher jeder Ballon dazu dienen soll, Menschen in unerforschte Gegenden zu tragen, so muß er im Stande sein, mindestens eine Luftreise einer j?F;r. NH, w legn uns stilles. Sa Sa ltf?«$ kommnung des Aerostaten in dieser Beziehung ist aber auch die Meteorologie in hohem Grade intercssirt, für die es von großer Wichtigkeit wäre, zu erfahren, wohin ein Ballon, der in Mitteleuropa aufsteigt, nach 3 bis 8tägiger Luftreise ge­trieben wird. Es ist daher in den Annalen der Luftschiff­fahrt ein Ereigniß ersten Ranges, daß in wenigen Tagen vom Sportspark Friedenau bei Berlin ein Ballon aufsteigen wird, mit dem sich einige muthige Männer viele Tage, viel­leicht eine Woche und darüber, in der Luft erhalten zu können hoffen.

Vor etwa drei Jahren faßte ein Potsdamer, Herr Ze- kèli, den Plan zu diesem Unternehmen und nun steht, nach zwei Jahren unausgesetzter Arbeit, das Werk soweit fertig, daß es nur noch der Ausrüstung des Korbes mit Proviant

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 16 Seiten

und Instrumenten und der Füllung der Ballonhüte mit Gas­bedarf, damit die Fahrt von Statten gehen kann.

Der Umstand, daß, um diesem Aufstieg beizuwohnen, ein großer Theil der Mitglieder des aeronautischen Kongresses, der jetzt in Paris tagt, nach Berlin kommt, und daß andere Gäste selbst den weiten Weg von jenseits des OceanS nicht scheuen, ist ein Beweis, welche Wichtigkeit man in wissen­schaftlichen Kreisen diesem Ereigniß bcimißt, bei welchem deutsches Können und deutsche Ausdauer in gleicher Weise engagirt sind.

Es galt zunächst eine Ballonhülle zu schaffen, welche dem Durchtritt suchenden Gase den größtmöglichen Widerstand ent­gegensetzt. Statt des früher zu diesen Zwecken meistens gebrauchten, gefirnißten Seidenstoffes wählte man daher eine für Gas möglichst undurchdringliche Hülle, über welcher eine zweite liegt, deren Zweck cs ist, die darunter befindliche vor der reibenden Wirkung des über dem ganzen Ballon liegen­den und die Gondel tragenden Netzes zu schützen. Diese Ballonhülle, welche von der Continental Caoutchouc and f 8'MrMlf * .4%r*jl< fr ^wW Bettelei« <ß erA* besonders exponirten Stelle« statt einer doppelten eine vier­fache Lage Stoff besitzt, mißt in aufgeblähtem Zustande 80 Meter im Umfang, hat die Form einer Kugel von 25 ^s Meter Durchmesser und wird mit 9000 Kubikmeter Leuchtgas gefüllt, welche dem ganzen montirten Ballon eine Tragfähig­keit von 125 Zentner geben. An der Änppe trägt der Ballon ein kreisförmiges Ventil, welches aus einer tellerförmigen Platte von der Größe eines runden Tisches besteht, welche sich durch Federkraft gegen den mit Gummi bekleideten Rand eines kranzförmigen Ringes anpreßt; ein eben solches Ventil verschließt das Ende des Füllansatzes, in dem der Ballon nach unten übergeht. Außerdem ist seitlich eine 18 Meter lange, von oben nach unten verlaufende Reißvorrichtung an­gebracht, welche aus einer Übersichten eben so langen Spalte