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Donnerstag den 13. September
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Gefmdene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 kleine, weiße Decke mit rother Einfassung. 1 kleines, gelbes Körbchen.
Verloren: 1 silbervergoldctcs Armband. 1 goldene Herrennadel mit einem Brillant und kleinen Steinchen besetzt. 1 Portemonnaie mit 2 Mk. Inhalt und einem Trauring, gez. L. Klüppel, 24./6. 00. 1 Ortskrankcnkasscnbuch, lautend auf Heinrich Born aus Kesselstadt.
Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen und rothen Abzeichen, m. Geschl.;.Empfangnahme bei Herrn Ingenieur Bertheau zu Pulverfabrik.
Vom Wascnmeister am 12. d. Mts. eingefangen: 1 schwarzer Pudel und 1 rother, schottischer Schäferhund mit weißen Abzeichen, beide m. Geschl.
Hanau den 13. September 1900.
Der Krieg iK China.
In der diplomatischen Lage ist insofern eine gewisse Klärung eingetreten, als cs jetzt mit ziemlicher Sicherheit fest- steht, daß Großbritannien und Deutschland ihre Truppen in Peking belassen, während die Vereinigten Staaten und Frankreich dem russischen Vorschlag auf Räumung Pekings willfahren wollen. WaS Japan betrifft, so hat es seine Bereitwilligkeit erklärt, einen Theil seiner Truppen zurückzuziehe», was es um so eher thun kann, als seine in Peking ksnzen- trirte Truppenmacht ohnehin sehr groß ist. UebrigenS wendet sich die Aufmerksamkeit der Kabinette jetzt wieder in erhöhtem Grade der eigentlichen Lösung des Chinsproblems zu, so daß die rein militärische Frage der Räumung Pekings, ihrer untergeordneten Bedeutung entsprechend, mehr und mehr in den Hintergrund zu treten beginnt. Die französische Regierung hat der Erklärung Rußlands bezüglich des Rückzuges von Peking nach Tientsin zugestimmt. Die französische und die russische Regierung sind über diesen Punkt völlig in Uebereinstimmung. Die Gesandten Pichon und v. Giers, sowie die Generale Frey und Lenewitsch haben telegraphisch die Weisung erhalten, die nöthigen Vorkehrungen zu treffen, um sich von Peking nach Tientsin zu begeben, sobald dies die Umstände gestatten.
Die Friedensverhandlungen.
Nach einem Telegramm aus Washington beantwortete die Regierung der Vereinigten Staaten das Edikt, durch welches Li-Hung-Tschang zur Führung der Friedensverhandlungen ermächtigt wird, und bemerkte, sie fühle sich nicht veranlaßt, sich in irgend einer Weise über ihre Meinung, betreffend die Vollmacht Li-Hung-Tschangs, zu äußern, hoffe aber, dieselbe werde sich als völlig ausreichend erweisen, nicht allein für
Feuilleton.
Marie ton Ebner-Eschenbach.
Eine Skizze zu ihrem 70. Geburtstage, 13. September. Lou Alexander Härlin.
(Nachdruck verboten).
Die Dichterin, der diese Zeilen gelten, hat einmal ironisch von dem nachhinkenden Kapitel gesprochen, mit dem die Litteraturgeschichte die Schriftstellerinnen abzumachen pflegt. Ja, es ist wahr, die dichtenden — oder sagen wir vorsichtiger die schreibenden — Frauen werden in der Regel etwas stiffmütterlich behandelt, obgleich sie in vieler Beziehung litteraturhistorisch und vor Allem psychologisch ein ungewöhnliches Interesse besitzen. Aber schließlich — wie wenige unter all' den vielen Hunderten schriftstellernden Frauen sind aus den dunstigen Tiefen der Litteratur in jene hellen Höhen emporgedrungen, deren reine Luft die Dichter, wenn nicht zur Unsterblichkeit, so doch wenigstens zu langreichcndem Angedenken und Ansehen konservirt? Bei uns in Deutschland eigentlich nur zwei: Annette von Drostc-Hülshoff und eben unsere jugendliche Siebzigjährige, Marie von Ebner-Eschenbach. Es würde tief in die Seele der deutschen Frau hineinblicken lassen, wenn einmal ein Berufener diese beiden begnadeten Dichterinnen vergleichend behandelte. Jene gleicht einer Eiche ihres Westfalenlandes. Sie ist eine so charakteristische Gestalt, daß Niemand, der einmal ihre Bekanntschaft gemacht hat, je wieder ihre Züge vergißt; aber sie ist auch charakteristisch auf Kosten des Maßes und der Schönheit,. sie ist unausgeglichen. Sie ist herb und kraftvoll; man möchte sie an ihren Werken nur selten als eine Frau erkennen. In ihren Geschichien und Gedichten, um ihre Gestalten wallen die Nebel des Nordens. Neben ihr erscheint Marie von
die Zwecke der Unterhandlung, sondern auch insofern, daß sie i^n in den Stand setze, sofort Garantien dafür zu leisten, daß Leben und Eigenthum der Amerikaner Hinfort im ganzen chinesischen Reiche Achtung genießen werden. — Das oben erwähnte kaiserlich - chinesische Edikt hat nach einer weiteren Meldung folgenden Wortlaut:
„Li-Hung-Tschang, bevollmächtigter Gesandter, wird hierdurch bekleidet mit voller diskretionärer Gewalt. Er soll auf alle Fragen gewissenhaft eingchen, welche Aufmerksamkeit erfordern. Wir können von hier aus sein Handeln nicht kontroliren."
Außer Li-Hung-Tschang ist, w« nun allgemein bestätigt wird, nur Prinz Tsching vom Kaiser von China als Friedens- Unterhändler namhaft gemacht worden. Aus Peking wird hierzu vom Dienstag voriger Woche gemeldet: Prinz Tsching hatte eine Zusammenkunft mit Sir Robert Hart; das Ergebniß derselben wird geheim gehalten, doch erwariet man in einigen Tagen Aufschlüsse. Prinz Tsching hat die gleichen Vollmachten wie Prinz Kung im Jahre 1860, er überbrachte ein kaiserliches Dekret mit besonderen Anweisungen an Hart vom Kaiser.
Prinz Tsching,
mit dessen Ankunft in Peking die auf einen Abschluß der Wirren hinzielenden Bemühungen einen neuen Ausgangspunkt gefunden haben dürften, ist die Hoffnung auch der chinesischen Friedensfreunde. Tsching ist der Onkel des Kaisers; der Prinz und der Vater des Kaisers waren Brüder. So steht Prinz Tsching schon als naher Blutsverwandter des Herrschers im Lager der Gegner der Kaiserin- Regentin und ihres Schützlings Tuan. Als Präsident des Tsuugli-Aamen hatte er diesem das Feld räumen müssen, als die Kaiserin wieder die Zügel der Regierung ergriff. Der Prinz zählt 60 Jahre. Obwohl er einer europäischen Sprache nicht mächtig ist, so hat er doch Verständniß für die Kultur des Westens und dessen politische Verhältnisse.
Freifrau v. Ketteler
ist unter dem Schutze eines von Kapitän Pohl geführten deutschen Matrosen-Detachements am 7. September aus Peking abgercist und gestern in Tientsin eingetroffen. Wegen Weiterbeförderung nach Amerika, von wo Freifrau ». Ketteler im November in Münster eintrifft, sind von Admiral Kirchhoff alle Vorkehrungen getroffen worden.
Chinesische Greuelthaten.
Der Korrespondent der „Timcè" meldet aus Peking vom 31. August: Heute erfuhr die ausländische Kolonie mit Grauen und Entsetzen das Massakre von Missionaren, Männern, Frauen und Kindern, in Paotingfu, der Hauptstadt dieser Provinz. Unter dem Schutz kaiserlicher Truppen
Ebner-Eschenbach wie ein Kind deS lieblichen Südens. In ihren Schöpfungen strahlt die Sonne der Schönheit, die nichts Maßloses und Nebelhaftes duldet. Alles, was ihre Künstlerha»d bildet, ist in seiner Form vollendet. Ihre Kraft ist milder, ihr Kolorit ausgeglichener. Ihre Züge prägen sich vielleicht nicht so schnell ein, wie die der nordischen Dichterin; aber haben wir sie einmal kennen gelernt, dann begleitet uns dies Gesicht mit seinen gütigen Augen und seinem sonnigen Lächeln durchs ganze Leben. Die Dichtung der Droste-Hülshoff ist im letzten Grunde balladesk und romantisch, die der Ebner-Eschenbach episch und klassisch. Und vor Allem: jeder Urtheilsfâhige, der ihre Arbeiten aufmerksam liest, weiß sofort, daß sie eine Frau ist. Eine jener Frauen, von denen wahrhaft das Wort gilt, daß sie die Krone der Schöpfung seien. Sie ist nie weichlich, aber sie ist immer zart. Jede Gestalt, die sie gezeichnet, jedes Wort, das sie spricht, athmet den feinsten natürlichsten, vornehmsten Takt. Sie blickt tief in die Seele der Menschen hinein, und ihr Blick allein scheint schon zu lindern. Sie denkt mit dem Herzen und findet Lösungen von so innerlicher Güte, von so tiefmenschlicher Wahrheit, daß der derber organifirte Mann diesen Offenbarungen schlichter Herzensklugheit förmlich beschämt gegenüber steht. Sie ist ein Zeuge von dem unermeßlichen Reichthum eines edlen Frauen- Herzens; sie adelt Alles, was sie berührt, nicht zu Gunsten unwahrer Schönfärberei, sondern durch ihre eigenste Natur. Wenn sie einmal von einem Künstler spricht, dem das Häßliche und Rohe widerstrebe und der dennoch die Wahrheit darstelle, die höchste, in den Gluthen seiner Feuerseele geläuterte Wahrheit, so trifft diese Zeichnung auch auf sie selbst zu.
Wie die Droste-Hülshoff, so kennzeichnet sich auch Marie von Ebner-Eschenbach schon durch ihren Stosskreis als ein Kind ihrer Heimath. Sie ist als eine Komteß Dubsky zu
wurden Kinder vor den Augen der Eltern abgeschlachtct, Frauen vergewaltigt und in Gefangenschaft geschleppt, Mütter und Väter gefoltert und ermordet. Die ergreifende Rede des Deutschen Kaisers beim Abzug seiner Truppen wurde hier mit Begeisterung gelesen, nur mischte sich diesem Gefühl die niederdrückende Kunde bei, daß der Kaiser den chinesischen Gesandten noch an seinem Hof beglaubigt behält. Kaiser Wilhelm wisse jetzt, daß sein Gesandter nicht von Straßenräubern, sondern von einem kaiserlichen Offizier auf kaiserlichen Befehl ermordet wurde. Man hat entdeckt, daß die Kaiserin und Prinz Tuan an jenem Morgen ein Massakre aller ausländischen Gesandten geplant hatten. Der Korrespondent erklärt weiter, daß Rußland jetzt dorr absolut prâ- dominire.
@iue russische Siegesfeier.
Nach einer Petersburger Meldung aus Blagoweschtschensk, vom 7. d. Mts., wurde auf dem rechten Ufer des Amur auf der Stelle, wo das jetzt cingcäscherte chinesische Dorf Sachalin sich befand, in Gegenwart der Spitzen der Civil- und Militär- bchörden sowie einer großen Volksmenge ein feierlicher Dankgottesdienst abgehalten und das Dorf zur Erinnerung an die Einnahme durch russische Truppen in Jljiniki Post umbenannt. Der bei dem feierlichen Akt amtirende Geistliche sagte in seiner Rede: „Jetzt ist das Kreuz auf dem Ufer des Amur errichtet, welches gestern im Besitz der Chinesen gewesen ist. Murawjcw Amurski sah voraus, daß dieses Ufer früher oder später unser sein wird." — General Gribski gratulirte den siegreichen Truppen in schwungvoller Rede. — Aus Peking wird telegraphisch berichtet: Die russisch-chinesische Bank schließt ihre hiesigen Bureaus und wird nach Shanghai verlegt. Die Bank hat zur thcilweisen Schadloshaltung den Kaiserlichen Universitätsfonds in Höhe von fünf Millionen Taels mit Beschlag belegt, auf welchen die Chinesen zur Bezahlung ihrer Truppen Wechsel zogen.
Von gestern liegen noch folgende Berichte vor:
Berlin, 12. Scptbr. Infolge des telegraphischen Glückwunsches der Kaisers ist ein vom 1. September datirtcs Dank-Telegramm des ersten Sekretärs der deutschen Gesandtschaft in Peking, von Below, beim Auswärtigen Amte eingelaufen. In einem zweiten Telegramm des Grafen Below vom 2. September heißt es der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge: Dolmetscher Cordes ist wieder hcrgcstellt und das Befinden der übrigen Gesandtschaftsmitglicdcr gut, wenn auch durch die Ereignisse der letzten Monate beeinflußt. Die Baronin von Ketteler ist sehr angegriffen, gedenkt aber trotzdem in den nächsten Tagen nach Tientsin zu reisen.
Berlin, 12. Scptbr. Wie der „Lok.-Anz." berichtet, hat der Kaiser dem Grafen Waldersce zur ständigen Begleitung
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Zdislawitz in Mähren geboren, und Oesterreich ist der Schauplatz ihrer Erzählungen geblieben. Auch tragen ihre Gestalten fast durchgängig insofern einen echt österreichischen Zug, als sie jenes Sich-leichtcr-ins-Lcbcn-schickcn besitzen, das nordischen Naturen abzugehen pflegt. Sie brechen nicht unter den Stürmen des Leben-, sie beugen sich nur tief und richten sich elastisch zu neuem Leben auf. Aber von gewissen Mängeln des deutsch-österreichischen Schriftthums, wie sie z. B. der geistreiche Baron Torresani in seinem manirirten Stile zeigt, hat sic sich freigehalten; ihr Stil ist rein, schlicht und durchsichtig, geschult an Meister Goethe, oder, wenn man an ein kleineres, doch ihr näher gelegenes Vorbild erinnern will, an Adalbert Stifter. Auch daß sie aus einem Grafenschlosse stammt, hat ihre Dichtuug beeinflußt. In einer großen Reihe ihrer Erzählungen erscheinen Schloß und Darf in ihren Beziehungen und Gegensätzen, oder werden wenigstens die sogenannten höheren und niederen Kreise kontrastirt („Lotti", „Wieder die Alte"). Aber dabei werden Licht und Schatten gar gerecht »ertheilt, ja, oft erscheinen die Herrschaften vom Schlosse und dem Salon in viel ungünstigerer Beleuchtung, als die schlichten bürgerlichen Kreise. Wie vornehm und groß zeichnet sic die bescheidene Uhrmacherin Lotti gegenüber dem unstäten und haltlosen Halwig und seiner schönen, puppenhaften Frau; wie gewaltig erscheint die — an Michael Kohlhaas hier und da erinnernde — Gestalt des Iakob Szela neben dem launenhaften und ge- waltthätigcn Gutsherrn. Und wie weit ist der Umkreis von Menschen und Schicksalen, den diese Grafentochter umfaßt! Sie führt uns in das beschränkte Heim der verblühten alten Jungfern („Die Kapitalistinnen"), inS stille FörstcrhauS („Krambambuli"), inS Leben der Dauern („Die Unverstandene auf dem Dorfe"). Sie scheut selbst de« Weg in daS Elend deS Armenhauses nicht, daS sie im „Verbot" mit packendem Realismus schildert, und zeichnet die grauenhafte« Zustände