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Dienstag den 11. September
19^0
Amtliches.
^anöBretö ^anau.
Bekaustmachmgen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Herren Bürgermeister werden veranlaßt, mir binnen 3 Tagen anzuzeigen, auf welchen Tag gemäß der Kreis- Polizeiverordnung v. 15. 12. 1888 der Beginn der Acpfel- ernte für dieses Jahr festgesetzt worden ist.
Hanau den 11. September 1900.
Der Königliche Landrath.
V 8287 v. Schenck.
Gesimdcsc und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1" blaue, gestreifte Kinderschürze. 1 Paar gelbe Damen-Handschuhe.
Verloren: 1 goldene Vorstecknadel (Schlangennadel).
Hanau den 11. September 1900.
Abends wurde bei Ihren Majestäten eine Tafel für die Provinz abgehalten, an der die hier anwesenden Prinzen und der Erzherzog Franz Ferdinand, sowie die Spitzen der Zivil- behörden Ihciluahmcn. Der Oberpräsident Freiherr v. Maltzahn saß bei der Tafel den Majestäten gegenüber.
Stettin, 10. Septbr. Se. Majestät der Kaiser begab sich mit Sonderzug 6 Uhr 14 Min. ins Mauövergclände.
Aus Anlaß seiner Anwesenheit in Stettin verlieh der Kaiser den Rothen Adler-Orden 1. Klasse mit Eichenlaub dem Oberpräsidenten der Provinz Pommern Freiherr« von Maltzahn, den Kronen-Orden 2. Klasse mit Stern dem Kon- sistorialpräsidcnten D. Richter und dem Generalsupcrinten- denten Pötter, den Stern zum Rothen Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub und der Königl. Krone dem Oberbürgermeister Gcheimrath Haken, den Stern zum Kronen-Orden 2. Klasse dem Landesdirektor a. D. Freiherrn von der Goltz, den Rothen Adler-Orden 2. Klasse mit Eichenlaub dem Landrath a. D. Grafen von Behr, dem Regierungspräsidenten Günther und dem Geheimen Kommerzienrath Schlutow.
Ernannt wurden : zum Geheimen Ober-Justizrath mit dem Range der Räthe 2. Klasse Landgerichts - Präsident Jaenisch, zum Geheimen Ober-Regierungsrath mit dem Range der Räthe 2. Klasse Geheimer Regierungsrath von Hansen, zum Geheimen Kommerzienrath Kommerzienrath Abel. Das Prädikat Exzellenz erhielt Schloßhruptmann Graf Gustav von Borcke.
Stettin, 10. Septbr. Der Kaiser, Erzherzog Franz Ferdinand und die fürstlichen Herren wohnicn heute den Manövern bei Greifenhagen und Langenhagen bei. Die Fürstlichkeiten kehrten um 3 Uhr nach Stettin zurück. Der Kaiser blieb noch länger im Gelände. Das 2. Armeekorps (roths, das der Annahme nach bei Rügenwaldermünde ge^ landet ist und auf Berlin vorrückt, war bis Stettin gekommen und wollte östlich der Oder weiter vorgehen. Seine 42. Division und seine Kavallerie-Division A, die vorgeschoben waren, sollten den Feind aufhallen. Das Gardekorps (blau), das der Annahme nach bei Berlin zusammengezogen war, war über Königsberg vorgerückt und beabsichtigte, heute den Vormarsch fortzusetzen. — Die Kaiserin besuchte heute Vormittag die Augusta-Viktoria-Schule, Krankenhäuser und Wohlthätigkeits-Anstalten.
Stettin, 10. Septbr. Der Kaiser und Erzherzog Franz Ferdinand kehrten mittelst Sonderzuges um 5 Uhr zurück. Abends fand im Schlosse bei den Majestäten Tafel statt, bei der zu Seiten des Kaiserpaares die anwesenden Fürstlichkeiten saßen, zunächst Erzherzog Franz Ferdinand und Prinz Heinrich. Gegenüber den Majestäten saß Graf Eulenburg, zwischen dem britischen General Slade und dem französischen General Michel.
Tagesschau
Der Ausschutz für die Errichtung einer Reichshandelsstette
wird, wie mitgcthcilt wird, noch Ende dieses Monats zusammentreten, um den endgiltigen Grundplan festzustcklen und unabhängig von der vom Deutschen Handelstage veranstalteten Umfrage bei den deutschen Handelskammern, bei den freien Vereinigungen von Industrie und Handel und im Besonderen bei den Industriellen Deutschlands weitere Schritte in dieser Angelegenheit zu thun. Der Staatssekretär von Bülow hat erst vor Kurzem einen Delegirten aus dem Auswärtigen Amt in diesen Ausschuß entsandt und die sämmtlichen deutschen Konsulatsämter angewiesen, Material für den Ausschuß zu beschaffen.
Petition der Zivilmusiker.
Der Vorstand des Musikdirektorenverbandes der Zivilkapellen Deutschlands beschloß die Absendung von Eingaben an die Rcichsregierung und an den Reichstag behl fs Einschränkung der so schwer schädigenden Konkurrenz der Militärkapellen durch ein Reichsgesetz.
Politische und unpolitische Nachrichten. Depeschen-Bureau Herold.
Berlin, 10. Septbr. Die Meldung von der Einberufung des Reichstages noch im Oktober wird von einem parlamentarischen Korrespondenten als unzutreffend bezeichnet. Man könne noch immer nicht übersehen, mit welchen Forderungen die Regierung an den Reichstag werde herantreten müssen.
Berlin, 10. Septbr. Wie der „Vossischen Zeitung" berichtet wird, hat vor Kurzem in Dar-es-Salam ein Zweikampf zwischen dem Oberrichter von Eberstein und dem Apotheker Wilms stattgefunden. Das Duell verlief unblutig.
Kaisertage in Stettin.
Stettin, 8. Septbr. Der Kaiser brachte bei der heutigen Paradctafel einen T r i n k s p r u ch aus, welcher lautete:
„Eure Exzellenz spreche Ich Meine Freude darüber aus, daß Sie Mir das II. Armeekorps, Meine Pommern, in einer so hervorragenden Verfassung heute vorgeführt haben. Ich ersehe daraus, daß das Korps auf einer Höhe sich befindet, wie es einem Armeekorps geziemt, das eine Tradition und eine schöne Geschichte in seinen Fahnen verkörpert. Ich spreche zugleich den Wunsch aus, daß das Armeekorps immer so bleiben möge, umsomehr, als es dasjenige Armeekorps ist, welches Mein Vater dereinst geführt hat und auf dem die Augen Meines seligen Großvaters zuletzt geruht haben. Das II. Armeekorps Hurrah! Hurrah! Hurrah!"
Die Musik spielte darauf den Pappenheimer Marsch.
Der Zapfenstreich im inneren Schloßhof bot ein erlesenes Musikprogramm und in der Beleuchtung von Magnesium- fackeln ein prächtiges Bild. Die Majestäten erschienen mit ihren Gästen an den Fenstern des Schlosses. Eine große Volksmenge wohnte dem Anrücken und Abrücken der Musikkorps bei.
Stettin, 9. Septbr. Der Kaiser und die Kaiserin fuhren heute Vormittag gegen 10 Uhr vom Schlosse nach der Kaserne des Grenadier-Regiments Nr. 2, auf deren Hof ein Feldgottesdienst abgehalten wurde. Die Truppen waren in einem offenen Viereck, in welchem der von den Fahnen umgebene Feldaltar und der Pavillon für die Majestäten errichtet waren, aufgestellt. Die Predigt hielt der Mititäroberpfarrer des II. Armeekorps, Cäsar. Bei dem Gottesdienste waren die hier anwesenden Prinzen, das Gefolge Ihrer Majestäten und die fremdherrlichen Offiziere zugegen. Nach dem Gstiesdienste, an den sich ein Parademarsch anschloß, nahm Se. Majestät das Frühstück im Kasino des Regimentes ei«, während Ihre Majestät den Offizieren des Kürassier-Regiments Königin im Schlöffe ein Frühstück gab.
Beim Frühstück im Kasino des Königs-Grenadier-Regiments Nr. 2 dankte der Kommandeur dem Kaiser für sein Erscheinen und brachte ein Hurrah auf den Kaiser aus, der mit einem Trinkspruch auf das Regiment erwiderte. Se. Majestät brachte sodann einen zweiten Trinkspruch auf daS russische Regiment „Wyborg" aus, dessen Oberst Becker dankte und mit einem Hurrah auf das Grenadier-Regiment schloß. Um 5 Uhr 15 Min. traf der Erzherzog Ferdinand von Oesterreich mit dem Feldmarschalleutnant Grafen Nostitz und dem Flügeladjutanten Major von Kraus-Elislago ein. Auf dem Bahnsteig, auf welchem eine Ehrenkompagnie. ausgestellt war, waren der Oberpräsident, das militärische Gefolge Sr. Majestät, der österreichische Militär-Attache, sowie bt£ zum Ehrendienst kommandirten Herren mit dem Prinzen Salm- Horstmar an der Spitze erschienen. Ferner erschienen Prinz Albrecht von Preußen in österreichischer Dragoneruniform, sowie die übrigen hier anwesenden Prinzen und der Herzog zu Schleswig-Holstein, welcher kurz zuvor eingetroffen war. Der Kaiser in österreichischer Generalsuniform begrüßte den Erzherzog in herzlichster Weise, schritt mit ihm die Front der Ehrenkompagnie entlang und nahm den Vorbeimarsch ab. Hierauf fuhr Se. Majestät mit dem Erzherzoge, cskortirt von Kürassieren des Regiments Königin, unter lebhaften Begrüßungen der Volksmenge zum Schlosse, wo der hohe Gast von der Kaiserin begrüßt wurde. Sodann geleitete Se. Majestät den Erzherzog zu seiner Wohnung bei dem komman- direnden General.
Berlin, 10. Septbr. Auf dem gestern staitgchabten Magdeburger Parteitag der deutsch-sozialen Reformpartei wurde nach dem Bericht der „Staatsbürger Zeitung" ein Antrag, dem Fraktionsvorstande (Liebermann-Raab) und der Fraktion ein Vertrauensvotum auszustellcn, mit 85 gegen 75 Stimmen und 5 Stimm-Enthaltungen abgclchnt. Bei Bekanntgabe des Resultats verlas der Abgeordnete Liebermann eine Resolution, in der cs heißt, die Spaltung ist vollzogen. Im Laufe der Sitzung kam es zu sehr erregten Auseinandersetzungen , hauptsächlich zwischen den Abgeordneten Liebermann und Bindewald.
Berlin, 10. Septbr. lieber 140 Personen sind in den Orten Bohnsdorf und Grünau bei Berlin durch den Genuß von Kuhfleisch erkrankt.
Berlin, 10. Septbr. Wie dem „Berliner Tageblatt" aus Leipzig gemeldet wird, war die Betheiligung der Buchbinder am Streik heute früh eine allgemeine. Insgesammt streiken 4500 Gehilfen und Arbeiterinnen.
Wien, 10. Septbr. Wie verlautet, werden die Reichs- rathswahlen in den einzelnen Kronländern mit Ausnahme von Galizien, der Bukowina und Dalmatien in allen Wahl- körpern zwischen dem 2. und 15. Januar nächsten Jahres, in den drei genannten Kronländern und der 4. und 5. Kurie zwischen dem 15. Dezember und Weihnachten d. I., i» den übrigen Kurien zwischen dem 2. und 8. Januar n. I. stattfindcn.
Budapest, 10. Septbr. Blättermeldungen zufolge fanden in mehreren Ortschaften Bosniens anläßlich des Jubiläums des Sultans ernste Ruhestörungen statt, weil die Behörden der macedonischen Bevölkerung verboten, ihre Häuser zu beflaggen und zu illuminiren, sowie Deputationen nach Konstantinopel zu entsenden. Nachdem die Maccdonicr trotzdem ihre Häuser beflaggt und illuminirt hatten, drangen in Mostar gegen Abend die Gendarmen in die Häuser und in die Moscheen ein, rissen die Beleuchtungskörper herunter und warfen diese ebenso wie die die Aufschrift: Es lebe der Sultan tragenden Fahnen auf die Straße. Zwischen der Bevölkerung und den Gendarmen kam es zu argen Streitigkeiten. Ein Gendarm wurde lebensgefährlich verwundet. Vier Bataillone Militär mußten ausrücken, um die Ordnung wicderherzustellen. Aehnliche Exzesse ereigneten sich auch in anderen Ortschaften.
Graz, 10. Septbr. Von dem Horazgang stürzte ein Gymnasiast aus Krems-Münster und vom Hochschneebcrg eine Beamtenfrau aus Wien ab. Beide Abgestürzte sind schwer verletzt.
Brüx, 10. Septbr. Im hiesigen Kohlenrevier ist ein partieller Arbeiterstreik ausgebrochen. Mehrere Werke haben den Betrieb um 4O*/o eingeschränkt.
Rom, 10. Septbr. In vatikanischen Kreisen herrscht große Aufregung über ein angeblich entdecktes Komplott gegen das Leben des Papstes. Aus einem vo« der Polizei beschlagnahmten Briefe geht hervor, daß bie amerikanischen Anarchisten die Ermordung des Papstes beschlossen haben. Die Polizei erstattete Meldung an den Kommandanten der päpstlichen Gendarmerie, Serri. Im Vatikan wurden sofort die umfassendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen. An alle Bischöfe ist eine Zirkularnote versandt worden, in welcher dieselben aufgefordert werben, bei der Zusammensetzung der Pilgerzüge auf die mitfahrenden Personen ihr besonderes Augenmerk zu richten. Insbesondere wird befürchtet, daß es einem Anarchisten gelingen könnte, gelegentlich der im Oktober stattfindenden Heiligsprechung sich in die Peterskirche einzu- schleichen. Die englische Polizei hat der italienischen die Namen von mehreren auS Amerika cingetroffcncn Anarchisten mitgcthcilt. Zwei derselben sind bereits nach Italien abgereist.
Petersburg, 10. Septbr. Das Zarenpaar begibt sich demnächst zum Kuraufenthalt nach Spala und von dort Ende September nach Lioadia, wohin auch Graf Lambadorff in Begleitung des Direktors des Auswärtigen Amtes Hartwig reisen wird.
Newyork, 10. Septbr. (Kabelmeldung der „Paris- Nouvelles.") Der Orkan, welcher im Staate Texas ausgebrochen ist, ist der heftigste, welcher in diesem Jahrhundert Amerika heimgesucht hat. Drei Städte sind gänzlich zerstört. Die Einwohner haben die Flucht ergriffen. Die Eisenbah«- und Telcgraphenlinien sind außer Betrieb. Die Truppen sind mit Aufräumungsarbciten beschäftigt.
Newyork, 10. septbr. (Kabelmeldung der „Paris- Nouvelles".) Die hier einlaufenden Meldungen über die durch den Orkan angerichteten Verheerungen sind wahrhaft schreckenerregend. 2000 Personen sollen zu Grunde gegangen sein. In Hudson allein beläuft sich der Schaden auf über eine Million Dollar.