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Donnerstag den 6. September

1900

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Amtliche Beilage" Nr. 3«.

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Bekanntmachnngen des Königlichen Landrathsamtes.

Unter den Schafen der Gemeinde L ü tz e l h a u s e n (Kreis Gelnhausen) ist die Räude ausgebrochen.

Hanau den 5. September 1900.

Der Königliche Landrath.

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OkfunÄtne und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 kleiner Kinderschuh mit Gummieinsatz.

1 kleine Trompete. 1 Portemonnaie mit 25 Pfg. Inhalt, auf dem Portemonnaie ein Bild (Rothkäppchen).

Hanau den 6. September 1900.

Das erste Korbeerreis des dritten Sre- bataillons.

Die kleine, tapfere deutsche Truppe des dritten See- bataillons, die am 19. Juni auf S. M. S.Irene" nach Taku zur Entsetzung Tientsins cingeschifft wurde, bestand aus zwei Kompagnien zu je 120 Mann unter der Führung von Major Christ, dem Kommandeur des dritten Secbataillons. Die anderen Offiziere des Detachements waren Leutnant Cretius, Adjutant Hauptmann Gens und Hauptmann von Knobelsdorff als Kompagnicführer, Oberleutnant Hagemeister, Leutnanr Friedrich und Marine-Oberassistenzarzt Dr. Nuesse. Das Bataillon begleitete freiwillig der bis dahin zu einer Reserve-Offiziersübung eingezogen gewesene Kaiserliche Dol­metscher Dr. Betz. Am 21. Juni, nachmittags 1 Uhr, fand die Ausschiffung in Tongku statt.

Ein anderes Mal so schreibt Herr J. Herrings, der bei Taku verwundete Kriegsberichterstatter desOst­asiatischen Lloyd" von jenen Szenen der Verwüstung, jenen Schrecken des Krieges, die der Schreiber dieser Zeilen selbst mit erlebte und die nun die neu angekommene kleine deutsche Schaar sofort in den vollen Ernst der (Situation versetzten. Roch rauchten die Lehmhütten von Tongku, noch rochen Fluß und Straßen nach den Leichen der der gerechten Rache der abendländischen Verbündeten zum Opfer gefallenen rebellischen Chinesen. Weiter oben schiffte man eben die letzten russischen Truppen aus. Die Kosaken machten statt der be­kannten grimmigen Steppenmiene recht freundliche Gesichter, als sie die deutschen Kameraden begrüßten. Gegenüber der Wartehalle des Bahnhofs lagerten stramme, kleine japanische Seesoldaten in ihren aufs Trefflichste equipirten Zelten, bis an die Zähne bewaffnet, jeden Augenblick marschbereit.

Major Christ erbot sich sofort, den Schutz des Bahnhofs und der Ausschiffung zu übernehmen. Dankend wurde dies Anerbieten von dem den Oberbefehl über die Struppen der vereinigten Mächte führenden russischen General Stößel an­genommen, welcher Major Christ noch zwei weitere Kom­pagnien und vier Maschinengewehre zur Verfügung stellte. Den deutschen Truppen siel die Aufgabe zu, den Rücken der Kolonne gegen einen Angriff von Peitang oder Schanhaikwan her zu schützen.

Die Herren Offiziere vom Seebataillon und ihre russischen Kameraden ließen sich in einer ausgeräucherten Bahnwärter­bude, von deren früheren chinesischen Wohnlichkeit nur der Schmutz übrig geblieben war, häuslich nieder. Mit alten Kochkesseln als Sitzen und leider längst geleerten Bierkisten als Tafel richtete man sich bald einigermaßen erträglich ein. Ebenso erträglich oder unerträglich war im Anfänge die deutsch-russisch-polnisch-französische Unterhaltung bis endlich eine Kiste Münchener Bier, welche merkwürdigerweise die Russen heroorholten und ein Dolmetscher in der Person eines Pollacken den Zweibund zwischen Rußland und Deutsch­land besiegelten.

Noch vor Tagesanbruch (23. Juni) wurde daS Zeichen zum Wecken geblasen und gegen 6U, Uhr erfolgte der Befehl zum Vormarsch. Die Sonne stand klar und verheißend am Horizont der baumlosen, ausgedörrten Lehmwüste.

Major Christ hatte gebeten, mit seinen Kompagnien in erster Linie fechten zu dürfen, was ihm auch bereitwilligst durch Uebertragung des linken Flügels gewährt wurde. In­zwischen war die Meldung cingetroffen, daß Engländer und Amerikaner auf dem linken Flügel in zwei Stunden eingreifen könnten. Lichon auf viele Kilometer entfernt, gewahrte man die wie lange braune Regenwürmer sich über die lehmige

Fläche schlängelnden Schützenlinien der Engländer, die hier, wo noch kein Feind in Sicht war, bereits jene taktischen Formationen angenommen hatten, deren Kenntniß sie in Transvaal mit so schwerem Lehrgeld bezahlt hatten.

Ein Theil der Kompagnie Gens überschritt als die erste Truppe die heftig vom Arsenal aus beschossene Eisenbahn­brücke. Der Rest der Kompagnie ging durch den Fluß. Dann blieb die ganze Kompagnie zunächst am Eisenbahn­damm halten.

Wenige Minuten später versuchten die Chinesen, die Eisenbahnbrücke in die Luft zu sprengen. Die Kompagnie von Knobelsdorfs ging gleichzeitig über die Holzbrücke unter­halb der Eisenbahnbrücke, beschoß eine auf etwa 1200 m marschirende Wagenkolonne und stellte sich danach auf dem linken Flügel zur eventuellen Unterstützung der Kompagnie Gen« bereit.

Um 10 Uhr war die Kompagnie Gene sprungweise im Verein mit dem linken russischen Flügel bis auf 500600 m vor das Arsenal herangekommen und eröffnete nun das Feuergefecht gegen die dortige Besatzung, das diese sehr heftig erwiderte.

Da brachten Leutnant Cretius und Dr. Betz durch den ärgsten Kugelregen quer über das Gefechtsfeld und die Eisen­bahnbrücke, auf welche der Feind sein Feuer immer mehr kgnzcntrirte, an Major Christ die Meldung von General Stößel: der General beabsichtige diese feindliche Position heule nicht zu nehmen, sondern gedeckt hinter dem Eisenbahn­damm weiter in der Richtung auf das Slationshaus Tientsin abzumarschiren.

Dieser, der starken Besatzung des Arsenals (etwa 1000 Mann) gegenüber gewagte Abmarsch konnte nur gelingen, wenn der Feind bis zur Beendigung in Schach gepalten wurde. Major Christ erbot sich daher, mit sein n Kompagnien den Abmarsch zu decken, was General Stößel dankbar annahm. Gegen 11 Uhr erst konnte der Major die Kompagnie Genâ, die unter dem heftigen Feuer des ausge­zeichnet gedeckten, weit überlegenen Gegners bereits große Ver­luste erlitten hatte, wieder an das Detachement heran­ziehen.

Um dies Loslöscn vom Gegner zu erleichtern, stellte Ge­neral Stößel dem Major Christ auf dessen Wunsch die Batterie zur Verfügung, welche mit Hilfe der Kompagnie von Knobelsdorff auf dem steil ansteigenden Bahndamme postirt wurde.

Unter dem Schutze der Artillerie wurde nun die Kom­pagnie @ené an den Bahndamm zurückgezogen. Sie hatte ihre Feuertaufe gründlich empfangen; von 120 Mann waren in knapp zwei Stunden 10 Mann gefallen, darunter Leut­nant Friedrich, und 27 verwundet. Ein Glück, daß es der Kompagnie noch gelang, ihre Verwundeten sämmtlich mitzu- nehmcn, denn der grausame Fanatismus der Chinesen macht weder vor dem Tode, noch vor der Hilflosigkeit der Ver­wundeten Halt. Wie stolz durfte Major Christ auf diese staub- und blutbedeckt aus hitzigem Gefecht zurückkehrenden jungen Krieger sein, von denen die Meisten noch Rekruten waren. Trotz der ersichtlich großen Erschöpfung zog ein glückliches Lächeln über die müden Gesichter, als der Kom­mandeur ihnen zuricf:Ihr habt Eure Sache brav gemacht." Als die Todten der Kompagnie Genè in blutgetränkten Zelt- tüchern an den Russen vorüber getragen wurden, spielte die russische Kapelle ihnen ein Todtenlied.

. Das Beispiel des Hauptmanns Genä, der selbst zwei Verwundete mitschleppte, sowie das tapfere Aushalten und die Feuerdisziplin seiner Kompagnie machten auf das gesammle Detachement einen tiefen Eindruck.

General Stößel sprach noch während des Gefechtes den deutschen Truppen seine besondere Anerkennung für die tapfere Unterstützung und das todtverachlende Aushalten aus, wo­durch der Abmarsch des Gros an der Bahn entlang auf Tientsin und die Vereinigung mit der dort fechtenden Gar­nison ermöglicht worden war. Der Gegner folgte nicht; ihm war anscheinend durch das deutsche Blei der Wunsch nach näherer Bekanntschaft mit deutscher Infanterie im freien Felde außerhalb seiner vorzüglichen Deckung ver­gangen.

Um 3 Uhr 25 Min. nachmittags war das Detachement bis dicht an Tientsin herangerückt und gewann Fühlung mit dem dortigen Gegner. Zu gleicher Zeit drang die russische Besatzung des Stationsgebäudes von Tientsin gegen die chinesischen Schützenlinien, die den Anmarsch der Deutschen be­feuerten, vor. So unter zwei Feuer genommen, hielten diese nicht stand, und gegen 4 Uhr war die Vereinigung mit der russischen Besatzung am Südostthor an der Eisenbahn herge­stellt und Tientsin entsetzt.

Die erlittenen Verluste waren schwer:

1 Offizier (Leutnant Friedrich) und 1 Sergeant, 5 Mann todt.

1 Feldwebel (Feldwebel Klein), 1 Unteroffizier (Unter­offizier Schulze) und 25 Mann verwundet, von denen im Lauf des Tages noch 2 starben.

Die Truppe war am 23. Juni von 5 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags unausgesetzt bei glühender Hitze (29° C.) bei starkem, entgcgenwehcndcm Sandsturm ohne jedes Wasser und nur mit wenig Hartbrod in Kampf ge­wesen. Trotzdem war die Stimmung der Offiziere und Mannschaften ganz vorzüglich, weil Alle das Gefühl beseelte, es gelte die Befreiung der Kameraden unb Einwohner Tientsins. Die Ruhe und Sicherheit bei Ausführung der vom Major Christ ertheilten Befehle, die alle Bewegungen wie auf dem Exerzierplätze verlaufen ließ, machte auf die Verbündeten neben der Kaltblütigkeit und Tapferkeit der Truppe einen hervorragend guten Eindruck, wie General Stößel dem Kommandeur des 3. See-Bataillons unter leb­haftem Dank für die wirksame Unterstützung versicherte.

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Shanghai, 4. Scptbr. Vom Personal der deut­schen Gesandtschaft in Peking nahmen während der Belagerung Leutnant Lösch und der Hilfskanzlist P i f r e m en t aktiven Antheil an der V e r t h e i d i - gung. Lösch befand sich meist in Gesellschaft der Englän­der auf der hinter der amerikanischen Gesandtschaft errichteten Barrikade. Deutsche und Amerikaner hielten besonders gute Kameradschaft. Die gegen die Chinesen gehaltenen Gesandt­schaften waren in beständiger Verbindung und halfen sich gegenseitig aus. Wegen der allzu erponirten Laae der deutschen Gesandtschaft ging die Gemahlin K e t t e l e r s nach dem Tode ihres Gatten in die englische Gesandtschaft, wo auch alle anderen Frauen und alle deutschen Zivilpersonen, abgesehen von den Mitgliedern unserer Gesandtschaft Aufent­halt nahmen. Das Schlafzimmer der Freifrau v. Kettelcr in der deutschen Gesandtschaft wurde später durch Geschütz- feuer zerstört. Das Archiv der deutschen Gesandtschaft blieb unbeschädigt. Reis verschafften sich die Belagerten rechtzeitig in den nahen Läden, andere Lebensmittel, beson­ders Eier, durch Kauf gelegentlich von den Belagerern, wo­für die Japaner einen besonderen Tunnel gegraben hatten. Das Fleisch lieferten die Reit-Raceponies. Die Angaben stammen von demselben Deutschen, aus dessen Tagebuch über die Vorgänge während der Belagerung Mittheilungen gemacht wurden. Der Betreffende kam in den Kleidern des crnior- deten Gesandten, w lche Freifrau v. Kettelcr zur Aushilfe vertheilt hatte.

Die Motive der russischen Politik.

In einem hochoffiziöscn Artikel ergreift dasJournal de St. "Pëtersbourg" das Wort, um die Stellung Rußlands in der chinesischen Politik zu rechtfertigen. Danach gewinnt cs den Anschein, daß die russische Regierung keineswegs den Vorstellungen der Mächte nachzugeben gewillt ist, sondern entschlossen ist, ihrem Vorschläge, Peking zu räumen, die That folgen zu lassen. Es sei aber nach wie vor die Grundlage der russischen Politik, den Frieden zwischen den einzelnen Mächten zu erhalten. DasJournal de Lt. Pötersbourg" schreibt über das Regierungszirkular: Rußland kann nur wünschen, daß die inneren Unruhen, welche durch die auf­ständische Bewegung der Boxer heroorgerufen sind, schleunig beigelegt werden. Deshalb ist Rußland geneigt, Alles, waS die Wiederherstellung geordneter Beziehungen zu China er­leichtern kann, günstig aufzunehmen, und zu diesem Zweck hält sie die Wiederherstellung der chinesischen Regierungs­organe, mit denen die Mächte in Verhandlungen treten könnten, für nothwendig. Eine militärische Aktion im großen Stile über Peking hinaus erscheint als ein Grund zu neuen Verwickelungen und nickt als ein Mittel zur Beruhigung, und zwar mit Rücksicht auf die gewaltige Ausdehnung der Gebietsthcile, in welchen die Mächte allein die Ruhe nicht völlig würden wicderherstellen können. Vielmehr könnte nur die Thätigkeit der rechtmäßigen Regierungsorgane in China auf die Dauer ein heilsames Ergebniß herbeiführen. Die Furückberufung der Vertreter der Mächte nach Tientsin würde in China als ein Beweis dafür aufgefaßt werden, daß die Mächte dem Geiste, von welchem ihr ursprüngliches Pro­gramm erfüllt war, treu blieben. Eine bedeutende Arbeit bleibt für sic noch zu thun, um eiue Lösung der aus den gegenwärtigen Unruhen sich ergebenden Fragen herbeizuführen. Aber die Gedanken der Mäßigung müssen die Oberhand be­halten über jeden anderen Beweggrund, der dazu verpflichten