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Erscheint Lützlich mit Lasn-chrve ter ®een» «ab Feiert^ mit tâtrfprscher VeLge.
Kl. 199.
Montag den 27. August
1900
Amtliches.
StâSL^sis ^anau.
Polizeiverordnung.
^betreffend das Befahren der Rebenstratzes in der Stadt Hanan.
Auf Grund der §§ 5 und 6 der Allerhöchsten Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landestheilen vom 20. September 1867 und der §§ 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung des Magistrats der Stadt Hanau nachstehende Polizeiocrordnung erlassen:
8 1.
Der Fuhrwerksverkehr auf der Nebenstraße, welche die Hospitalstraße, den Bangert und die Steinheimerstraße mit einander verbindet, unterliegt in Zukunft folgenden Beschränkungen:
a) der durchgehende Fuhrwerksverkehr ist untersagt;
b) Fuhrwerk, welches den Bewohnern der Straße dient, darf diese nur von der Hospitalstraße aus befahren;
c) das Fuhriverk der Bewohner bleibt von vorstehenden Bestimmungen unberührt.
8 2.
Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften dieser Polizeiverordnung werden mit Geldstrafe bis zu dreißig Mark oder im Unvermögensfalle mit Haft bis zu drei Tagen bestraft.
8 3.
Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft.
Hanau den 14. August 1900.
Königliche Polizei-Direktion.
P 6955 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Polizeiverordnung, betrifft den Fuhrverkehr in der Schulstratze in der Stadt Hana«.
Auf Grund der §§ 5 und 6 der Allerhöchsten Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neuerworbenen Landestheilen vom 20. September 1867 und der §§ 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung des Magistrats der Stadt Hanau nachstehende Polizeiverordnung erlassen:
8 1.
Das Durchfahren der Schulstraße ist nur in der Richtung von der Hospitalsiraße nach dem Johanniskirchplatz und nur im Schritt gestattet.
8 2.
Uebertretungen der Bestimmungen werden mit Geldstrafen bis zu dreißig Mark, event, mit Haftstrafen bis zu drei Tagen bestraft.
8 3.
Diese Polizciverordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft.
Hanau den 7. August 1900.
Königliche Polizei-Direktion.
P 6792 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
cSanö&reis? ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Des Königs Majestät haben durch Allerhöchsten Erlaß vom 25. Juli d. Js. zu genehmigen geruht, daß aus dem 174 ha umfassenden Weiler Butterstädterhöfe im Landkreise Hanau, nach Abtrennung desselben von der Gemeinde Roßdorf, eine Landgemeinde mit dem Namen „Butterstadt" gebildet wird.
Hanau den 23. August 1900.
Der Königliche Landrath.
3459 J. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
Geftmdene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 gelbe Nadel vom Turn- und Fechtklub Hanau. 1 Milchflasche nebst einem Kindertuch gez. R. 1 Mitgliedsbuch der Zentral-Kranken- und Sterbekasse der für Lorenz Kohlenbusch, desgl. für denselben ein Mitgliedsbuch vom Sanitätsverein Hanau. 1 Mitgliedsbuch
Gold- und Silberarbeiter für den Graveur Friedrich Funk. 1 Taschenmesser. 1 Notizbuch. 1 schwarze Brosche.
Verloren am Freitag Abend am Wcstbahnhof: 1 Portemonnaie von Fischhautleder mit ungefähr 65 Mk. und einigen 5 Pfg.-Marken. Wiederbringer gute Belohnuug.
Vom Wasenmeister am 25. d. Mts. ein gefangen: 1 rother Pinscher und 1 schwarzer glatthaariger Spitz mit weißer Brust, weißen Pfoten und gespaltener Nase, beide m. Geschl.
Hanau den 27. August 1900.
SläHl^ers ^anau.
Bekauntmachnngev des Oberbürgermeisteramtes.
Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung
am Donnerstag den 30. August 1900, nachmittags 5l/8 Uhr
im oberen Saale des Nathhauses. Tagesordnung;
1. Einladung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege zur 25. Versammlung in Trier am 12.—15. September 1900.
2. Vorschriften für die Entnahme von elektrischem Strom von dem Elektrizitätswerke zum Privatgebrauch.
3. Nachbewilligung von 144518,92 M. auf E. 0. Tit. III Rechnungsjahr 1899. Aus Darlehen zu bestreitende Ausgaben.
4. Herstellung eines abgeschlossenen Bodenraumes für die Handelskammer im Stadtschloß.
5. Abänderung der Baufluchtlinie des Fasaneriewegcs.
6. Betrifft Auflassung der halben Straße Nr. 18 bezw. Kautionsstellung durch den Eigenthümer.
7. Verstärkung des Finanzausschusses.
8. NeuwahlderEinkommensteuer-Voreinschätzungs-Kommission.
9. Ergänzungswahl für die ausscheidenden Mitglieder der Einkommensteuer-Veranlagpngs-Kommission.
Um 5 Uhr Sitzung des Wahlvorschlagsausschusses, dazu Punkt 7—9 vorstehender Tagesordnung.
Hanau den 24. August 1900.
Ter Stadtverordnetenvorsteher.
Canthal. 13649
Die Enthüllung des Kaiser Wilhelm- Denkmals in Erfurt
hat am Samstag in Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin in feierlicher Weise stattgefunden. Das Wetter war schön. Dem Denkmal gegenüber war ein reich geschmückter Pavillon, von der Kaiserkrone überragt, errichtet. Dicht besetzte Tribünen umgaben den Festplatz. Die Fenster der Häuser waren bis hinauf unter die Dächer von erwartungsfrohen Menschen von früher Morgenstunde an in Anspruch genommen, die Dächer selbst waren besetzt, an alten Häusern hatte man hier und da einen Theil der Schindeln des Daches abgetragen, um für eine Gruppe von Schaulustigen Raum und Aussicht zu schaffen. Ganz Thüringen war zusammengeströmt, das Kaiserpaar zu sehen und zu begrüßen. Die Weihe erhielt der Festtag durch eine
Ansprache des Kaisers, in welcher dieser bei der Entgegennahme des Ehrentrunkes für die Einladung der Stadt Erfurt dankte. Ihr Wortlaut war folgender:
„Nicht zum letzten hat Mich die Erinnerung an den letzten Besuch, den Mein hochseliger Herr Großvater der Stadt Erfurt abgestattet hat, bestimmt, auch diesmal Ihrer Einladung Folge zu geben. War Ich doch selbst Zeuge jener erhebenden Tage, des Jubels, der damals hier herrschte. Das gütige Auge des großen Kaisers hat sich geschlossen. Die Stadt Erfurt hat seither einen gewaltigen Aufschwung genommen. Sie ist zur größten und maßgebenden Stadt Thüringens geworden und wird es voraussichtlich bleiben, dank dem erlösenden Worte, das Mein Herr Großvater gesprochen hat, als er die Niederlegung der Wälle und Befestigungen Erfurts gestattete. Möge es Mir vergönnt sein, auch unter Meiner Herrschaft die Stadt sich weiter entwickeln zu sehen. Möge sie wachsen und gedeihen. Ich hoffe das namentlich, wenn es Mir gelingt, den Frieden zu erhalten, ohne den des Kaufmanns Werk nicht gedeihen kann. Möge Gott Mir dazu verhelfen. Auf das Wohl der Stadt Erfurt!"
___ Das Kaiserpaar
war um 9 Uhr 45 Min. in Erfurt eingetroffen. Von allen Thürmen verkündete Glockengeläut, daß die hohen Gäste nahten. Begleitet von brausenden Kundgebungen der Erfurter erschienen die hohen Herrschaften auf dem Festvlotz. Die Kaiserin, die dunkle Toilette trug, fuhr in Gesellschaft der Palastdame Fräulein von Gersdorff in ä la Daumont bespanntem Wagen vor; der Kaiser kam zu Pferde und verließ auch während seines Aufenthalts in Erfurt den Sattel nicht. Seine militärische Begleitung bildeten die Generale von Hahnke, von fliessen und von Scholl; das Fivilkabinet war vertreten durch Herrn von Lucanus, auch Oberhofmar- schall Graf Eulenburg und Fürst Metternich waren zugegen. Am Bahnhof hatten Oberpräsident Staatsminister von Boct- ttcher, der kommandirende General von Wittich, sowie Ober- burgermeistcr Dr. Schmidt das Kaiserpaar empfangen und sich dann dem Gefolge angeschlosscn. Nach den Begrüßungen und dem Abreiten der Front der Ehrcnkompagnie durch den ^mi)etz bet bie ^tnnbutte beâ ÄÖnigâ vsn ^tcu^tn fübttc sowie nach den Begrüßungen brachte der Sängerchor einen von seinem Dirigenten, Musikdirektor Rudolf, komponirten Weihegesang zum Vortrag.
Nachdem der Chor verklungen war, wandte sich Oberbürgermeister Dr. Schmidt in kurzer Begrüßungsrede an den Kaiser mit der Bitte, er möge befehlen, daß das Denkmal enthüllt werde.
In seiner Ansprache erinnerte Oberbürgermeister Dr Schmidt au ben letzten Besuch, den Wilhelm L im Jahre 1883 Erfurt abgestattet habe, und an die gewaltige Vortheile, die Erfurt aus der von dem verstorbenen ersten Kaiser des neuen Reichs angeordneten Entfestigung erwachsen seien. Ein Jahrhundert sei verstrichen, seit Erfurt preußisch geworden, und das Jahrhundert habe reichen Segen gebracht. So möge der Kaiser das Gelöbniß unwandelbarer Treue von den Erfurtern für gute Tage wie für böse Tage heute neu entgegegnehmen.
An einer direkten Antwort auf die Ansprache des Oberbürgermeisters hinderte den Kaiser anscheinend das andauernde Glockengeläute, das mit großer Kraft eingesetzt hatte, nachdem auf seinen Wink hin die Hülle des Denkmals gefalleil ivar. Unmittelbar darauf hatte die Kapelle der 71er das „Heil Dir im Siegerkranz" angestimmt; der erste Vers des Chorals „Lobet den Herrn" folgte als Vortrag des Sängerchors. Der Kaiser beschränkte sich so darauf/mit seinem'Gefolge Unter Führung des Künstlers, Professor Brunow, das Denkmal zu umreiten und es von allen Seiten eingehend zu besichtigen. Dem Dirigenten des Sängcrchorc^ an dem er vorüberkam, widmete der Kaiser hierbei einige freundliche Worte. Die Kaiserin war inzw shen in Gesellschaft des kommandircn- den Generals, des Regierungspräsidenten und der Bürgermeister unter dem Kaiserpavillon zurückgeblieben. Gegen 10*/* Uhr trat sie mit dem Kaiser — die Kaiserin in ihrem Wagen der Kaiser hoch zu Roß — die Runde durch die Stadt an. Es war ein an architektonischen Schönheiten nicht weniger als an historischen Erinnerungen reicher Weg, den Beide in dem prachtvoll geschmückten Hanptstraßcnzug Erfurts zu passiren hatten. Die Namen Luther, Gustav Adolf, Napoleon Bonaparte, Friedrich Wilhelm HL, Wilhelm I. und Otto Bismarck knüpfen sich in immer neuer Wiederkehr an diese alten Bauten.
Besonders wundervoll war auch der Anblick des von dem berühmten, auf steilem Fels erbauten Dom überragten großen Friedrich Wilhelmsplatzes, dort hatten, wie schon er= wähnt, die Kriegervercine und ein Theil der Schulen Auf- kellung genommen. Besonders nett war der Anblick der in fleichmäßigem Karmoisinroth gekleideten Schülerinnen, die auf den „Geraden", der riesigen, 260 Stufen hohen Freitreppe des Domes zu einem leuchtenden W von imponirenden Dimensionen ausgestellt worden waren. Als das Kaiserpaar ich dem Dome näherte, ließ die einzige Glocke Erfurts, die >is dahin geschwiegen hatte, die berühmte, 1497 von Gerhard von Kempen gegossene „Maria Gloriosa", eine der größten Glocken der Welt, ihre Stimme erschallen, und etwa eine Viertelstunde lang kündete ihr befer Daß den Bewohnern des Thüringerlandes, daß der Kaiser ihr Gast sei. Der Monarch ritt die Front der Kriegervereine ab, während die Kaiserin einen Rapport der freiwilligen Sanitätskolonnen cntgegen- nahm.
Der Ehrentrunk.
Vor dem Rathhause wurde der Kaiserin ein herrlicher Blumenstrauß überreicht. Dem Kaiser wurde der Ehrentrunk der Stadt Erfurt in einem zu diesem Zwecke gestifteten Pokal geboten. Der Kaiser nahm ihn an und dankte in einer