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Im Reklamenlhcil die Zeile 20 ^ für Auswärts 30
Amtliches öhrgatt für 5fa5f- unS Landkreis Hanau.
Erscheint tâ-Lch mit LWs-chme der Seern- eeb Aeiertsgc, mit beSetrPischer Befiege.
Nr. 195.
Mittwoch den 22. August
1900
Amtliches.
^anöRre tö ^anau.
Bekanntmachuugen des Königlichen Landrathsamtes.
Zu Neudorf (Kreis Gelnhausen) ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Hanau den 20. August 1900.
Der Königliche Landraih.
V 7528 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.
S1<r0tâveis ^mxaxu
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Das der Stadt Hanau gehörige Haus Nr. 15 der Markt- straße soll vom 1. November d. Js. an anderweit vermiethet werden.
Zeichnung und Bedingungen können auf dem Stadtbauamt, Abth. I, vormittags von 10—1203 Uhr, eingesehen werden. Angebote werden daselbst entgegengenommen.
Hanau den 20. August 1900.
Der Magistrat.
J. A.: Schmidt. 13340
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 2 kleine Medaillen, Kriegsdenkmünze und Kaiser Wilhelm-Erinnerungsmedaille. 1 Brille. 1 alter Crtzme-Vorhang, in einem Laden liegen geblieben. 2 Dachdeckerseile, das eine mit Haken. 1 schwarzseidener Damengürtel. 1 Portemonnaie mit 1,38 Mk.
Entflogen: 2 Kanarienvögel.
Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit braunem Kopf, m. Geschl.
Hanau den 22. August 1900.
Chinesische Ausgaben.
Auch wenn die nächsten Stunden eingehende Nachrichten über die Befreiung der Fremden in Peking und über den Verbleib der Kaiserin-Wittwe und ihrer Rathgeber bringen sollten, müssen noch Wochen vergehen, ehe die Regierungen durch ausführliche schriftliche Berichte der geretteten Gesandtschaften völlige Klarheit darüber erhalten, wie es zu der völkerrechtlich unerhörten Einschließung und Bombardirung des diplomatischen Korps kommen konnte und welche der chinesischen Machthaber für diese Frevelthat wie namentlich für die Ermordung unseres Gesandten von Ketteler verantwortlich zu machen sind. Schon jetzt halten alle Mächte
daran fest, daß die beispiellosen Akie der Feindseligkeit gegen die unverletzlichen Personen und Gebäude ihrer Gesandtschaften Anlaß geben müssen, neben der Ausforschung und Bestrafung der Schuldigen eine gründliche Neuordnung der chinesischen Verhältnisse, besonders was den Fremdenschutz und die Erfüllung der sonstigen vertragsmäßigen Pflichten Chinas gegen das Ausland angeht, durch gemeinschaftliches Zusammenwirken herbeizuführen.
An dem Gelingen dieses Reformwerkes muß allen Mächten schon aus Fürsorge für die eigenen Interessen der in Ostasien betheiligten Länder, für ihre Missionare, Kaufleute, Techniker u. s. w., gleichviel gelegen sein. Eben deshalb ist nicht zu befürchten, daß eine oder die andere Regierung sich etwa durch Zurückziehung ihrer Streitkräfte von den übrigen trennt. Denn bei den Berathungen über die neue Gestalt, die den für das Ausland wichtigsten Staats- und Verwaltungs-Einrichtungen Chinas zu geben ist, fällt die Stimme der einzelnen Mitglieder des Konzerts stärker ins Gewicht, wenn sie auch durch angemessene militärische Machtenfaltung in der Provinz Tschili unterstützt wird. Die Regierung, die jetzt ihre Flagge aus Ostasien, zu Wasser oder zu Lande, zurückziehen wollte, würde sich die Durchführung ihrer Chinapolitik freiwillig erschweren, und das wird keine thun. Die jüngste Rede des französischen.Ministers Delcassä, wie die Meldungen über die Haltung der Vereinigten Staaten sind abermals ein Beweis, daß über die Nothwendigkeit gründlicher Veränderungen in Peking und vielleicht auch an anderen Punkten des chinesischen Reiches unter den Kabinetten keinerlei Meinungsverschiedenheiten besteht. Die Erhaltung dieser Eintracht wird auch von der deutschen Diplomatie als ihre vornehmliche Aufgabe betrachtet.
Herr Delcassè hat in seiner Rede vor Aufstellung zu weit gehender Forderungen an China gewarnt. Daß er damit nicht auf Deutschland zielte, ergibt sich schon aus einem Artikel des Pariser „Temps" über die Mission des Grafen von Waldersee, worin die Sonderstellung, die wegen der Ermordung seines Gesandten Deutschland bei der Abrechnung mit China einnimmt, unumwunden anerkannt wurde. Alich am Dangtse-kiang haben sich in den letzten Tagen die Dinge so zurecht geschoben, daß die nicht unbedenkliche Ausübung der Schutzgewalt über die dortigen Fremden durch eine einzelne Macht unter Ausschließung der übrigen nicht mehr in Frage kommt. Die Ausschiffung englischer Truppen in Shanghai ist eine von den Konsuln aller Großmächte als erwünscht bezeichnete Maßregel. Die englischen Truppen werden aber nicht allein bleiben. Franzosen, Japaner, Amerikaner, Russen und, wie cs sich im Hinblick auf unsere bedeutenden Interessen am Aangtse von selbst versteht, auch Deutsche nehmen Theil an allen für die Freiheit des Handels
und der Schifffahrt auf dem wichtigsten Strome Chinas erforderlichen Vorkehrungen. Der Grundsatz : Gemeinsame Abwehr gegen gemeinsame Gefahr wird auch für das Pangtse- gebict zur Geltung gebracht werden.
Der Krieg in China.
Ueber den Aus gang der Kämpfe um d e n Besitz der eigentlichen Kaiserstadt in Peking ist auch heute noch keine abschließende Meldung eingetroffen. Dem „New-Jork Herald" wird aus Peking vom 17. gemeldet : Die Befehlshaber der russischen Truppen rückten vor und besetzten die erste Thür des östlichen Thores am Morgen des 14. August, doch gelang cs ihnen nicht, die zwe te Thür zu nehmen. Am 14. August 2 Uhr nachmittags drangen die britischen und amerikanischen Truppen in das Thor ein, welches sich in der Nähe der Gesandtschaften befindet und trafen dort nur auf schwachen Widerstand. Die Japaner stießen auf ernsteren Widerstand am oberen östlichen Thorè. Dort vertheidigten sich die Chinesen den ganzen Tag. Um Mitternacht sprengten die Japaner das Thor in die Luft und rückten in die Stadt ein. Viele Chinesen wurden ge- tödtet. — Der amerikanische Gesandte C o n g e r theilt mit, daß die Chinesen am Tage vor dem Einzuge der verbündeten Truppen in Peking versuchten, die Gesandten und die anderen Ausländer zu vernichten. Prinz Tsching hatte zwar sein Wort gegeben, daß er seinen Offizieren den Befehl ertheilt habe, das Feuer gegen uns cinzustellcn und zwar unter Androhung der Todesstrafe. Doch wären die Gesandten wahrscheinlich ums Leben gekommen, wenn die Entsatztruppe nicht eingetroffen wäre. Wie Cong er weiter mittheilt, ging die ganze gegen die Fremden gerichtete Bewegung von der chinesischen Regierung aus. Die Boxer benutzen sie nur als Vorwand. Diese hatten nicht einmal Kanonen.
Die chinesische Doppelzüngigkeit wird auch durch folgende Rentermeldung grell illustrirt: Das Blatt „The Chinese Reformer" ist in den Besitz einer Abschrift des Schriftwechsels zwischen Dunglu und dem Befehlshaber der Kansutruppen Tungfusiang gekommen. Dunglu bittet darin Tungfusiang um Beistand zur Vernichtung der Fremden, deren einzige Stärke in den Kriegsschiffen und den Geschützen bestände. China habe vollauf genügend Geschütze und ausgebildete Truppen. Tungfusiang stellt in seiner Antwort die Kansutruppen zur Verfügung, um den Boxern bei der Vernichtung der Fremden beizustehen.
Feuilleton.
Rilolaiis Lenau
Ein Gedenkblatt zu seinem 50. Todestage, 22. August.
Von Otto von Maaß.
(Nachdruck verboten).
Wenn man eine Gestalt der Weltlitteratur dämonisch nennen kann, so ist eS Lenau. Ein Dämon hat all sein Leben und Dichten bestimmt, und der gute, phantasivolle, so gern ins Gebiet des Uebersinnlichen ausschweifende Justinius Kerner wollte Lenaus Dämon sogar selbst gesehen haben und beschrieb ihn als „einen haarigen Kerl mit einem langen Wickelschwanz." Nun, über die Gestalt dieses üblen Geistes werden wir wohl umsonst nach weiterer Aufklärung suchen; über sein Wesen und Wirken aber gibt uns deS unglücklichen Poeten Leben deutliche, erschütternde Auskunft.
Den Verfechtern der Vererbungstheorie kann Lenau als ein tragisches Beispiel der grauenvollen Wahrheit dienen, daß die Sünden der Väter an den Kindern heimgesucht werden. Lenaus Vater, der ehemalige Offizier und spätere Kameral- beamte Franz Niembsch von Strehlenau, war ein leichtsinniger Lebemann, ein Spieler und Schwärmer, der ohne Halt von Genuß zu Genuß schwankte und bereits Jm Alter von 29 Jahren 1807 starb. Damals war sein Sohn Nikolaus, der am 13. August 1802 zu Csatad bei Temesvar in Ungarn das Licht der Welt erblickt hatte, fünf Jahre alt. Nach dem Verlust des trotz all seiner Fehler geliebten Gatten hing ^ie Mutter mit einer abgöttischen Liebe an ihrem „Niki". Lie war eine phantasievolle Frau von leicht erregbarem Sinne und heißem Gefühlsleben und übte auf den Knaben einen tiefen Einfluß. Sie verzog ihn, sie nährte das Phantastische und Schwärmerische in seiner Anlage und sie war außer
, Mißbehagen bei Leite schiebt. In den Jahren 1819—1830 studirte er so nacheinander Philosophie, Jurisprudenz, Landwirthschaft und Medizin. In der Medizin brachte er es schließlich noch am weitesten; an ihr mochte ihn das dämonische Element, das dieser Wissenschaft ihre stete Berührung mit dem letzten Lebensräthsel verleiht, anzichcn und, wie später sein Faust, so hat er manche Nacht grübelnd dem „scheuen Wild" Leben nachgespürt. Als eine faustische Erscheinung erschien er schon damals guten Beobachtern, wie er, bald in finsteres Sinnen versunken, bald in gewaltsame Lustigkeit ausbrcchend, einsam unter den Genossen umherging. Einen tiefen, nie verscheuchten Schatten in feine Seele warf damals das Verhältniß zu einem Mädchen, das schön, aber auch nur schön war und ihn durch ihre Gefühlslosigkcit und Gewöhnlichkeit, um nicht zu sagen, Gemeinheit, tief verwundete. kenau war eine Natur, die, sozusagen, ihre Schmerzen mit einer unglücklichen Gewissenhaftigkeit nahm; er kam nicht von ihnen los, er wühlte in ihnen, er fühlte sie Zeit seines Lebens. Vollends der Tod der angebeteten Mutter (1829) schlug ihm eine Wunde, von der er nie ganz genas.
Im Folgejahre starb seine Großmutter und durch das ihm nun zufallende Erbtheil erhielt er vorläufig eine gewisse materielle Selbständigkeit. Da war es mit der Absicht, das medizinische Examen abzulegcn, bald vorbei. Seine Neigung gehörte ohnehin schon seit längerer Zeit der Poesie, und als er bei den schwäbischen Dichtern, denen er seine Arbeiten vorlegte, die wärmste Anerkennung und das freundlichste Entgegenkommen fand, war sein Lebensweg entschieden. Die liebevolle Aufnahme, die ihm Schwab, Uhland, Mayer, Kerner u. s. w. bereiteten, gestalteten diese schwäbischen Tage für ihn zu einem „Freudenfeste", und auch „ein Sonnenbluf der Liebe fiel in mein krankes Herz, mein unheilbares." Es war Lottchen Gmelin, die damals seine Liebe gewann und
Stande, ihm ein gesundes Gegengewicht gegen den Ueber- schwang dieser Geistesrichtung in Gestalt von nüchterner Lebensauffassung und strenger Selbstzucht zu geben. Leider war auch ihr zweiter Gatte, der Arzt Dr. Karl Vogel, in dem sie 1811 dem Knaben einen Stiefvater gab, nicht der Mann, diesen Mangel zu ersetzen.
So war Nikolaus' Jugendzeit ungebunden und fessellos. Da die Familie häufig ihren Aufenthalt wechselte, so genaß er sehr unregelmäßigen Unterricht. Bald besuchte er eine öffentliche Schule, bald genoß er Privatunterricht, bald wieder! blieben alle Studien liegen. So besonders ein ganzes Jahr lang in dem weinreichen Tokai, wo Lenau übrigens vielleicht die glücklichste Zeit seines Lebens genoß und sein Geist sich tief mit den Bildern des ungarischen Landes und Volkslebens vollsog. Er zeigte sich zeitig als eine leidenschaftliche und phantastische Natur; mit glühender Inbrunst hing er am Katholizismus, um später in wilder Verzweiflung in ein Meer von Glaubenszweifeln zu versinken. Seine Phantasie erhielt aber sehr bald einen tief schwermüthigen Zug durch den Anblick der Noth, mit der die Mutter zu kämpfen hatte. Mit verzweifelter Hartnäckigkeit weigerte sie sich, sich von dem Sohne zu trennen und ihn den vermögenden Großeltern zu überlasten, während sie selbst oft kaum das Nothwendigste beschaffen konnte. In Pest war die Familie einmal so weit, daß man nicht immer satt zu esten hatte, in dürftigen Betten und bei mangelhafter Beheizung schlafen mußte. Da überwand sich die Mutter endlich und vertraute den Sohn den Großeltern an.
Nikolaus studirte. Er war keineswegs faul; aber er war unstät, sprang von Einem zum Andern und fand nirgends Befriedigung. Wie Seydl von ihm erzählt hat: er sei ihm als Student mehr wie ein Liebhaber oder wie ein Gast erschienen, der nur das, was ihm eben mundet, mit vollen Zügen schlürft, und Alles, was ihn anekelt, mit unverhohlenem