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Erscheint täglich mit Aâshme der S»»»- mA Feiertage, erit belletristischer Beilage.

Nr. 190.

Donnerstag den 16. August

1900

Amtliches. ^taöfBrei^ ^anau.

Bekanntmachunge« des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Von den dem Althanauer Hospital gehörigen Grund- stücken Karte 8 Nr.soll der als Bauplatz abge- messene, an der Ecke der Akademie- und Viktoriastraße belegene, etwa 6 ar 05 qm große Theil öffentlich meistbietend ver­steigert werden. Verkaufstermin wird auf

Freitag den 7. September, vormittags 11'/, Uhr, in dem Magistratssitzungssaal, Neustädter Rathhaus, Zimmer Nr. 1, hierselbst anberaumt. Der Zuschlag bleibt vorbehalten.

Hanau den 9. August 1900.

Der Hospitalrath.

Dr. Gebeschu s. 13048

Bekanntmachung.

Unterm beschlossen die städtischen Körper- schäften folgende Stadttheile und Bezirke von der Müll­abfuhr auszufchlietzen.

1. Kinzig rechts Teichhäuser,

2. links Papiermühle,

3. rechts Nordbahnhof,

4. Kavalleriekasernement und Proviantamt,

5. links Waldesel,

6. Brüning'sche Arbeiterkolonie,

7. Forsthaus,

8. Lehrhof,

9. Friedhof,

10. Grundstücke zwischen Leipzigerstraße und Auheimerweg östlich der Spessartstraße,

11. desgl. östlich der Bahnrampe von der Ehrensäule bis Viadukt (Großes Rohr, Kolonie Jäger u. Rumpf),

12. Wilhelmshöhe,

13. Alles südöstlich bezw. südlich des Bahnkörpers der Frankfurt-Bebraer Eisenbahn,

14. Alles südwestlich der Frankfurt-Aschaffenburger Bahn (Dammstraße und Kinzdorf), außer der Steinheimer- Landstraße, welche in den Müllabfuhrbezirk einbc- zogen wird.

15. Westbahnhof.

Hanau den 14. August 1900.

Der Magistrat.

J. A.: Schmidt. 13049

Bekanntmachung.

Die Abrechnung über den Ausbau der Augustastraße zwischen Friedrichstraße und dem Knickpunkt nach dem Auheimerweg zu liegt im Stadtbauamt, Abtheilung II, in den Vormittagsstunden von 10 bis 12'/, Uhr auf Grund des Ortsstatuts vom 31. Juli 1880 zur Einsicht der An­lieger auf.

Hanau den 14. August 1900.

Der Magistrat.

I. A.: Schmidt. 13050

Die Wirren in China.

Der Vormarsch gegen Peking ist in vollem Gange, und es wird sich nun bald heraus­stellen müssen, ob die Verbündeten noch als Retter oder nur als Rächer in der Hauptstadt des himmlischen Reiches wer­den einziehen können. Hoffnungen und Befürchtungen halten sich immer noch die Waage, da man von dem Mißtrauen gegen die aus chinesischen Quellen stammenden Nachrichten sich nicht freimacheu kann. DieTimes" meldet aus Peters­burg: Nach dem letzten Telegramm von General Linewitsch rasteten die Truppen einen Tag nach der Einnahme von Aangtsun. Am 7. August morgens 6 Uhr brach eine Vor­hut auf, machte trotz fast unpassirbarer Straßen. einen Eil­marsch von neun Meilen und schlug bei Nantsaitun, unge­fähr 50 Meilen von Peking, eine Abtheilung Chinesen nach anderthalb Stunden in die Flucht, welche die Waffen weg­warfen und auf Peking flohen. Lenewitsch begann darauf sofort den Vormarsch aller Truppen in drei Kolonnen mit Kosacken-Kundschaftern an der Spitze und an den Flanken. Nachdem am 9. August Hohsiwu besetzt war, ging der Vor­marsch auf Wutschang weiter ohne viel Widerstand. Trotz schlechter Straßen, welche die Japaner repariren, geht der Vormarsch der Artillerie befriedigend. Die chinesischen Truppen sind jetzt bei Hsianghohsien konzentrirt, wo ein Kampf er­wartet wird. Nach einem Telegramm aus Tschifu erklärten die dortigen Konsuln Rußlands und Englands übereinstimmend, die Entsatztruppen seien ohne weitere Kämpfe am 9. August bis ungefähr nach Anping gelangt, das von Peking 50 km entfernt ist.

Zur Lage in Peking

Paris, 15. August. Delcasse erhielt heute folgendes vom 9. d. M. datirte Telegramm des französischen Gesandten Pichon in Peking: Das Tsungli-Damen theilte uns mit, daß Li-Hung-Tschang beauftragt ist, telegraphisch mit den Mächten zu unterhandeln. Wir wissen absolut nicht, was außerhalb der noch stehenden Gesandtschaften ge­

schieht, beim wir sind von Barrikaden eingeschlossen und von feindlichen Schanzwerken umgeben. Wie' könnte man sich aber auf Verhandlungen einlassen, ohne daß das diplomatische Korps wieder in seine Rechte eingesetzt wird und ohne daß das Gebiet der Gesaudtschaftm von den Chinesen geräumt wird? Wenn die Verhandlungen den Vormarsch der verbün­deten Truppen aufhalten sollten, die unsere einzige Rettung sind, laufen wir Gefahr, in die Hände der Chinesen zu fallen. Der Stadttheil, worin die französische Gesandtschaft liegt, wird noch immer von den chinesischen Truppen besetzt gehalten, welche das Feuer nie ganz einstellen. Alle Räume der Ge­sandtschaft sind verbrannt mit all ihrem Inhalt. Wir sind auf Belagerungskost gesetzt; als Nahrungsmittel haben wir Pferdefleisch, Reis und Brod für noch etwa 14 Tage.

Feldmarschall Graf Waldersee

verließ gestern Abend Hannover, um zunächst in Berlin, dem Formationsorte des Armeeoberkommandos, über seinen General- stab Heerschau zu halten. Ueber seine weiteren Dispositionen berichtet ein Telegramm vom 15. August aus Hannover wie folgt: Graf Waldersee reist um 6 Uhr 24 Min. heute Abend nach Berlin, am 17. August fährt das gcsammte Armee- Oberkommando für Ostasicn nach Cassel; am 18. morgens findet der Empfang daselbst durch den Kaiser statt, wahrschein­lich in Verbindung mit einer Parade der dortigen Garnison, später findet ein Paradediner aus Anlaß des Geburtstages Kaiser Franz Josefs statt, woran das gejammte Ober­kommando theilnimmt. Die Abreise nach Berlin ab Cassel erfolgt 3 Uhr 50 Min. nachmittags. Am 20. August fährt das Armee-Oberkommando von München mittelst Sonder­zuges über Verona nach Genua ab. Heute früh brachte die Kapelle derHohenzollern" dem Grafen Waldersee eine Morgenmusik dar.

Ueber die Abreise von Hannover berichtet an­schaulich noch folgendes Telegramm vom gestrigen Tage: Feldmarschall Graf Waldersee ist heute Abend 6'/, Uhr von hier nach Berlin abgereist. Die Fahrt von der Wohnung nach dem Bahnhöfe gestaltete sich zu einer ununterbrochenen Reihe von Ovationen für den Scheidenden. Auf dem Ernst Augustplatze vor d-m Bahnhöfe begrüßte eine vieltausend­köpfige Menge den Feldmarschall. Die Kundgebungen wiederholten sich, als Graf Waldersee mit seiner Gemahlin von dem Fürstenzimmer aus deu Bahnhof betrat, wo zahl­reiche Offiziere, der Oberpräsident Graf Stolberg-Wernigerode und andere Hofbeamte zum Abschied versammelt waren. Eine Artilleriekapelle begrüßte den Feldmarschall mit dem Walder- see-Marsch. Dann hielt Stadtdirektor Tramm, welcher an der Spitze des Magistrats und des Vürgcrvorstcher-Kollcgs erschienen war, an den scheidenden Ehrenbürger Hannovers

Feuilleton.

Eine wicdcrgcfundcnc Insel.

Bon Professor Dr. Karl Chun (Leipzig).

(Nachdruck verboten).

Selten hat eine wissenschaftliche Expedition in dem Maße den Antheil des gebildeten Publikums erweckt, wie die Deutsche Tiefsee-Expedition unter Leitung von Professor Dr. Karl Chun. Mit dem Interesse für die Auf­gabe der Expedition, die Erforschung der räthselvollen Tiefen des Ozeans, verband sich die Freude über ihr glückliches Ge­lingen und ihre reichen Ergebnisse. Unter diesen Ergebnissen ist die Wiederauffindung der Bouvet-Jnsel eines der merk­würdigsten. Durch die Güte des Verlages von Gustav Fischer in Jena sind wir in der Lage, aus Professor Ehun's großem, unter dem TitelAus den Liefen des Weltmeeres" erscheinendem Werke über die Expedition, den diese glückliche Entdeckung behandelnden Abschnitt, der erst später zur buchhändlerischen Veröffentlichung gelangen wird, schon heute mittheilen zu können. Wir verfehlen bei dieser Gelegenheit nicht, auf das gedachte Wert, das nch nicht nur durch seine wissenschaftliche Bedeutung, 1 andern auch durch anziehende Schreibweise und reichen Jllustrationsichmuek auszeichnet, mit wärmster Empfehlung hinzuweisen.

* * *

Als wir das Kap zur Linken liegen ließen und mit SSW.=ßur§ dem endlosen südlichen Meere zustrebtcn, mag man wohl auf einem von Osten kommenden Australienfahrcr sich seine eigene Gedanken über den sonderbaren Kurs eines Dampfers gemacht haben, der mit weißem Tropenanstrich eine seit mehr als fünfzig Jahre von keinem Schiff gewählte Route einschlug.

ausgeschlossen, daß nach der großen Eistrift der Jahre 1892 bis 1896, welche selbst Australienfahrer in Bedrängniß brachte, die Verhältnisse sich günstiger gestalteten, und daß wir rascher als auf anderem Weg in das eiskalte antarktische Wasser mit seiner eigenartigen pelagischen Fauna gelangen könnten. War die Bouvet-Gruppe zu erreichen, so stand ein wesentlicher Ge­winn für alle Untersuchungen in Aussicht, insofern wir nicht nur die Relief-Verhältnisse des Meeresbodens und die Be­schaffenheit des Grundes in Gebieten aufklärtcn, welche nie­mals mit dem Loth durchforscht wurden, sondern auch Gelegen­heit fanden, die Grund-Fauna in jenem Gebiet zu erbeuten, welches ein Bindeglied zwischen der uns wohlbekannten Fauna der Magelhaes-Straße und der Kerguelen abgibt. Endlich reizte es auch, zu der Lösung einer geographischen Problems einen Beitrag zu liefern, welches immerhin einiges Interesse darbietet, insofern hervorragende Forschungsrciscnde sich ver­geblich bemühten, die Existenz des am 1. Januar 1739 von dem Nestor der antarktischen Forschung, Lozier Bouvet, unter dem 54. südlichen Breitengrad und 4 Grad 20 Min. ö. L. gesichtetenCape de la Circoncision" zu erweisen. Weder Cook (1775), noch James Roß (1843), noch Moore (1845) vermochten trotz aller hierauf verwendeten Mühe dieBouvet- Juseln", als welche inzwischen das vermeintliche Vorgebirge eines Süd-Kontinents erkannt war, wieder aufzufinden. Immerhin hatten im Anfang dieses Jahrhundert zwei Kapitäne von Wallfischfängern, welche im Dienst der Londoner Firma Enderby standen nämlich Lindsay (1808) und Norris (1825) bestätigt, daß in der von Bouvet bezeichneten Region eine bezw. zwei Inseln liegen, deren Position sie freilich abweichend bestimmten. Neuerdings neigte man, im Hinblick auf die vergeblichen Bemühungen um ihre Wiederauffindung, zu der Vermuthung, daß die Inseln, deren Natur Norris ausdrücklich als vulkanisch bezeichnet, entweder die Abrasionsthätigkeit des stürmischen Meeres

Es galt die Untersuchung des antarktischen Meeres. Nur ein Expeditionsschiff, welches die ozeanographische und biolo­gische Erforschung der Tiefsee sich zur Aufgabe gestellt hatte, nämlich derChallenger", war in das antarktische Ge­biet vorgedrungen. Unter Benutzung der fast ständig wehen­den stürmischen Westwinde schlug die englische Expedition den Weg über die Marion- und Crozetinseln nach den Kerguelen ein, um von dort aus in südöstlicher Richtung einen Vorstoß bis 66 Grad 40 Min. s. B. zu unternehmen. Von Kapstadt aus hatte schon vor demChallenger" dieGazelle" fast dieselbe Route gewählt, um nach den Kerguelen zu gelangen. Da beide Schiffe unterwegs ozeanographische und biologische Untersuchungen ausführten, hatte man wenigstens eine einiger­maßen befriedigende Vorstellung von dem Ticfenrelief der be­fahrenen Strecke erlangt.

Verfolgt man auf den britischen Seekarten die weite un­beschriebene Fläche südlich vom Kaplande, so stößt man nur auf eine Angabe, die freilich auch wieder als unsicher bezeichnet wird. Unter dem 54. Breitengrad finden sich nämlich drei Inseln verzeichnet, welche als dieBouvet- Gruppe" zusammengefaßt werden. Aus gleich zu erwähnen­den Gründen schien es verlockend, den Kurs auf diese Insel­gruppe zu nehmen.

Die Schwierigkeiten, welche einer derartigen Route im Weg standen, wurden nicht unterschätzt; wir hatten die Region der stürmenden Westwinde mit ihrer hochgehenden aee zu kreuzen und mußten darauf gefaßt sein, daß früh- zeitig die Eisverhältnissx dem Vorstoß ein Ende machen wür­den. Denn aus dem Studium der Karten über die Eisver­breitung geht hervor, daß der antarklische Ocean offenbar eine Kältezunge in der Richtung auf die Bouvet-Gruppe vor­schiebt, welche die Treibeis-Grenze ziemlich weit nördlich ver­legt und eine besonders reiche Anhäufung von Eisbergen zur^ Folge hat. Andererseits war aber die Möglichkeit auch nicht