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Hanauer Anzeiger
8 August
am Sarge des Entschlafenen die Lithurgie, worauf der Schülerchor ein Sterbelied sang. Von hier begab sich nun der stattliche Leichenzug nach dem Friedhöfe. Nach dem Be- gräbnißliede segnete Herr Pfarrer Fritsch-Fechenheim die Leiche ein, worauf Herr Pfarrer Hufnagel-Kesselstadt dem Entschlafenen einen herzlichen und warmen Nachruf widmete, ihn rühmend als Freund und Berather nicht allein des geistlichen, sondern auch des Schulamtes, dessen eifriger Förderer er stets gewesen. Nachdem noch der Gesangverein einen erhebenden Chor gesungen, begaben sich die Leidtragenden in die Kirche. Hier hielt nun die eigentliche Leichenrede Herr Metropolitan v. Starck-Bergen. Auf Grund des Textes Offb. Joh. 2, 10 „Sei getreu bis au den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben", zeigte er 1. das Wesen, 2. die Quelle und 3. den Lohn der Treue. Herr Superintendent Sopp- Hanau sprach hierauf namens der geistlichen Behörde und rühmte auf Grund des Textes Matth. 20 die treue Arbeit des Entschlafenen im Weinberge des Herrn, der gewiß der Lohn in der Ewigkeit nicht fehle. Nachdem nochmals die versammelte Trauergemeinde gesungen und Herr Superintendent Sopp den Segen gesprochen, nahm die schöne und würdige Bestattungsfeier unseres guten und treuen Pfarrers ihr Ende.
(:) Fechenheim, 7. August. Heute fand durch den Untersuchungsrichter aus Hanau nochmals eine Vernehmung des 15jährigen Buchbinderlehrlings Andreas Weisbecker statt, der, wie s. Z. mitgetheilt, vor acht Tagen in der hies. katholischen Kirche den Opferstock erbrochen und dessen Inhalt geraubt hatte. Nach langem und hartnäckigem Leugnen gestand er denn endlich, als er eben ohne ein Geständniß von ihm zu erreichen entlassen werden sollte, jedenfalls froh darüber dem Verhör zu entgehen, seine peinliche That ein. Hierauf zum Thatorte selbst geführt, zeigte er ganz genau, wie er bei seiner Arbeit zu Werke gegangen ist. Bemerken wollen wir noch, daß das Bürschchen, das übrigens ein nettes Früchtchen zu werden verspricht, zuvor schon zweimal seinem Lehrmeister durchgebrannt war.
*y Rüdigheim, 8. August. Wegen Sittlichkeitsser- gehen wurde ein auf dem Rüdigheimerhsf bediensteter Knecht v erhaftet.
Sprechfaal.
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Bitte um Abhilfe!
Kesselstadt. Durch das Anfahren von Baumaterialien am Salisweg wird in letzter Zeit der Fußsteig stark mitge- nommen und der an und für sich schon schlecht fundirte Weg durch die anhaltende Nässe unpassirbar. Mit einem Wagen Schlacken für die Löcher und Pfützen und einigen über den Weg zu legenden Dielen würde dieser Kalamität abgeholfen sein. Dasselbe dürfte sich auch auf den Wiesenweg beziehen, auf welchem schon mancher Einwohner von Kesselstadt in der Dämmerung über die hervorstehenden Steine gestürzt ist oder sich auch an der Mustcrumzäunung am Waltz'schen Park die Kleider gehörig zerrissen hat. Die Schlammgrube an dem Hause Philippsruher Allee Nr. 3 soll nicht unerwähnt bleiben. An bezeichneten Stellen ist Abhilfe dringend nöthig und liegt den Gemeindevertretern die Pflicht ob, hier Sorge zu tragen.
Einer für Viele.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Scevarte.
Telegramm aus Hamburg vom 8. August.
(9 Uhr 40 Min.)
Eine Depression erstreckt sich von Nordskandinavien bis zum Kanal und Deutschland, ein Minimum lagert über Südnorwegen. In Deutschland ist das Wetter ziemlich trübe, im Binnenland regnerisch, im Osten wärmer, im übrigen Gebiet etwas kälter. Prognose für den 9. August: Meist ziemlich kühles und trübes Wetter, sowie Regenfälle wahrscheinlich.
Barometerstand
Sehr trocten Beständig
Schön Veränderlich
Regen (Wind
Viel Regen
Sturm
mittags 12 Uhr am 7./8.
Mainwasterwârme heute Vormittag 15 Grad.
Briefkasten der Redaktion.
Nach Fechenheim. Der Bericht über die Einweihungsfeier ging uns unvollständig zu, weshalb eine Aufnahme desselben nicht stattfinden konnte.
K eretnsuachrtchte«
für Mittwoch den 8 August.
Erster Hanauer Fußballklub 1893: Abends Va8 Uhr: Uebungsspiel auf dem Exerzierplatz.
Konzertgarten Bürgerbrau: Abends 8 Uhr: Elitekonzert des süddeutschen Opern-Eisembles „Flora .
Saalbau „zum deutschen tHaus': Abends 8'/« Uhr: Extra-Militär- Konzert der Kapelle des 4. Württemb. Juf.-Regts. Nr. 122, Handwerker-Bezirksverein : Zasammenkuint in der „Allemania Evang.Männer- und Jünglingsverein: Posaunenblasen (Evang. Ver- cinshaus).
Turn- u. Fechtklub: Fechten und Turnen der Männerabtheilung.
Hanauer Schützenverein- Vereinsabend im „Restaurant Mohr"
Arends'scher Stenographenverein .Apollobund' (Gasthaus „z. Grafen Philipp Ludwig'): Vereinsabend.
Gesellschaft „Treu beim Alten": Zusammenkunft in der „Brauerei Orschler".
Freiwillige Feuerwehr: 1. Komp, im „goldnen Herz"; Steiger-Korps in der „Brauerei Beck .
Männerabtheilung der Turngemeinde: Turnen.
Turn- u. Fechtklub: Monatsversammlung im „Löwengärtchen".
Aus Provinz und Nachbargebieten.
Castel, 7. August. Durch Großfeuer wurden in der Stadt Niedermarsberg sechs neue Wohnhäuser und ebenso viele Nebengebäude gänzlich eingeäschert, darunter der Gasthof Pollmann, eine Bäckerei, eine Tischlerei und ein Kaufmanns- Haus.
Altenhatzlau, 7. August. Die Fahnenweihe des hiesigen Turnvereins, welche am Samstag, Sonntag und Montag stattfand, hatte sich, wenigstens am Sonntag, der Gunst des Wetters zu erfreuen. Das Dorf war schön mit Fahnen und Guirlanden geschmückt. Der Festzug, an welchem über 30 Vereine theilnahmen, bot einen schönen Anblick. Auf dem Festplatze hielt der Vorsitzende des festgebenden Vereins die Begrüßungsrede und schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Bei dem Weiheakt übergab Frl. Rauch mit einer wohlgelungenen Ansprache die neue Fahne, welche Herr Rieß mit Worten des Dankes übernahm. Hierauf stifteten die Jungfrauen und der Turnverein Somborn der neuen Fahne noch Fahnenbänder, worauf eine Rede des Herrn Hoffmann den Weiheakt schloß. Dann nahm das Volksfest seinen Anfang. Die neue Fahne zeigt auf einer Seite im weißen Felde die Germania mit der Umschrift: „Ein freies Völk voll Einigkeit und Kraft sei das Panier der deutschen Turnerschaft", in den Ecken in je einem Kranz den Turnerspruch: Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei. Die andere Seite zeigt auf rothem Felde die vier F und den Namen des Vereins.
):( Klein-Krotzenburg, 7. August. Während ver- wichener Nacht wüthete im unterfränkischen Gebirgsdorfe Schimborn ein größeres Schadenfeuer, welches die Anwesen der Wittwe Debes und des Sebastian Heeg vernichtete. Nur mit knapper' Noth konnte das Großvieh gerettet werden; zwei Schweine aber kamen in den Flammen um.
d Seligenstadt, 7. August. Die Staatsanwaltschaft zu Darmstadt hat gegen 5 Handwerksburschen, welche am 22. Juli d. J. im Stadtwalde zu Dieburg einen Brand verursachten, einen Steckbrief erlassen. Von den Thätern wurden heute auf der hiesigen Verpflegungsstation 3 festgenommen und gefesselt dem Gerichtsgefängnisse zugeführt. Die beiden andern schlugen eine andere Fluchtrichtung ein. Zwei der Verhafteten stammen aus Bayern und der dritte aus Lorsch bei Bensheim.
® Weiskirchen im Rodgau, 7. August. Die hiesige Gendarmerie entdeckte gestern unweit der „Tannenmühle" in einem Verstecke einen steckbrieflich verfolgten Korbflechter aus Wald-Michelbach und einen mit ihm umherziehenden Landstreicher. Beide wurden geschlossen nach Seligenstadt eskortirt.
+ Mainflingen, 7. August. Die diesjährigen vortrefflichen Jagdaussichten haben zum Bedauern der Jägerkreise neuerdings eine Trübung erfahren, deren Tragweite sich vorerst noch der Beurtheilung entzieht. In den umliegenden Gemarkungen des Maingaues wurden nämlich in den letzten Tagen auf den Fluren zahlreiche verendete Hasen aufgefunden. Die Nimrode führen diese Thatsache auf eine unter den Hasen herrschende Seuche zurück, die vermuthlich durch die jüngste Tropenhitze verursacht wurde. Merkwürdig ist der Umstand, daß bis jetzt nur alte Hasen von der Seuche befallen wurden. Es wäre interessant zu erfahren, ob auch anderwärts die Dezimirung der reichen Hasenbestände durch eine Krankheit zu konstatiren ist.
Ems, 5. August. Ein 19jähriger junger Mann aus Sachsen, der sich hier in Stellung befand, ist heute Nachmittag in der Lahn ertrunken. Derselbe hatte mit einem jüngeren, gleichfalls hier in Stellung befindlichen Bruder eine Bootsfahrt unternommen. An der Kaiserbrücke wollten sie ihre Plätze wechseln, dabei schlug das Boot um und Beide fielen ins Wasser. Ein auf der Brücke stehender Herr entledigte sich sofort seines Rockes und sprang ins Wasser. Es gelang ihm auch, den jüngeren der Brüder lebend ans Ufer zu schaffen, der ältere war aber untergegangen und ward als Leiche ans Ufer gebracht. Obwohl alsbald ärztliche Hilfe zur Hand war, gelang es doch nicht, den Verunglückten zum Leben zurückzurufen und mußte die Leiche ins Leichenhaus gebracht werden.
Mühlhausen i. Th., 4. August. Infolge eines F l i e g e n st i ch e s ist in letzter Nacht im hiesigen Krankenhause der Arbeiter Schmidt von hier v e r st o r b e n. Da er die Heine. Wunde nicht weiter beachtet hatte, war Blutvergiftung hinzugetreten.
Ilmenau, 4. August. In einem hiesigen L ad enge s ch ä f te spielte sich eine recht peinliche S c e n e ab. Zwei Damen von außerhalb machten dort Einkäufe. Eine derselben ging mit der Inhaberin des Geschäftes in den angelegeneren Theil desselben. Diesen Augenblick benutzte die
andere Dame, um sich mit dem Inhalte der Kasse näher be* kannt zu machen. Die Diebin, die Frau eines geachteten Mannes aus der Umgegend, wurde auf frischer That ertappt und zur Anzeige gebracht.
Vermischte Nachrichten.
Freiwillige Gaben für das ostasiatische Expeditionskorps. Die bei der Bahnhofs-Kommandantur in Bremen errichteten Sammelstellen für Liebesgaben und für die freiwillige Krankenpflege sind, nachdem die Einschiffung der Truppen ab Bremerhaven nunmehr beendet ist, zu einer „Hauptsammelstelle Bremen für das sstasiatische Expeditionskorps" unter einheitlicher Verwaltung vereinigt worden. Die Geschäfte der Hauptsammelstelle führt ein Delegirter der freiwilligen Krankenpflege. Die Errichtung weiterer Sammelstellen, welche die eingelieferten Gaben der „Hauptsammelstelle Bremen" zuführcn, wird seitens der Organisation des Rothen Kreuzes erfolgen. Um die den Truppen, bezw. den Verwundeten und Kranken zugedachten freiwilligen Gaben möglichst im Sinne der Geber und zum Nutzen der Empfänger verwerthen zu können, ist es erforderlich, bei ihrer Auswahl und Beförderung den jeweiligen Hauptbedürfnissen der Truppen Rechnung zu tragen. Dies sind zur Zeit: 1. die Ausstattungen der Truppen mit außeretatsmäßigen Kleidungsstücken für die kalte Jahreszeit; 2. die Versorgung der Truppen mit außeretatsmäßigen Verpflegungs- und Genuß- mitteln; 3. die Bereitstellung von Lazarethmaterial. Für die ersten, noch im August zu expcdirenden Sendungen sind nach einer Bekanntmachung des Kommissars der freiwilligen Krankenpflege, Grafen Solms, von diesem Bedarf nachstehende Gegenstände besonders erwünscht: I. Kleidungsstücke für den Winter: Filzschuhe, Filzstiefel, Lederjacken, Leibbinden, Pelzmäntel, Pelzstiefel, wollene Socken, wollene Unterkleider, seidene und gewirkte Unterziehmützen, Rohstoffe zur Anfertigung dieser Sachen, insbesondere Schaf- und Ziegenfelle. II. Verpflegungs- und Genußmittel: Fleisch- und Gemüsekonserven, Fleischcxtrakt, Fruchtsäfte, Kolonialwaaren, Kaffee, Kakao, Kompote, 'Malzextrakte, kondenstrte Milch, Mineralwässer, pastcurisirte Biere, Thee, Weine, Zucker; Cigarren, Liqueure, Tabake. III. Materialien für Lazarethe: a. Baracken und Zelte; b. Wäsche und Kleidungsstücke: Bettwäsche, wollene Decken, Halstücher, Handtücher, Hemden, Krankenklcider, Leibbinden, Matratzen, Pantoffeln, Socken, Strohsäcke, Taschentücher, Unterhosen, Unterjacken; Rohstoffe zur Anfertigung dieser Sachen; c. Wirthschaftsgegcnstände: Zusammenlegbare Bettstellen, Bettvorleger, Eßbestecke, Eßgeschirre, Geräthe zur Beleuchtung, Heizung, Reinigung, Küchengeräth, Küchengeschirr, Kranken-Fahrbahren und -Tragen, Spiele, Tische, Waschgeräthe aller Art; d. Sanitätsmaterial : Pharmazeutische und diätetische Präparate, ärzt-" liche Instrumente, Verbandmittel. Bei allen beabsichtigten Materialzuwendungen empfiehlt es sich, falls der Geber nicht selbst als Fabrikant oder Kaufmann sachverständiges Urtheil hat, vor der Absendung die Hauptsammelstelle Bremen um Rath zu befragen und etwaige für die Beschaffung von Materialien bestimmte Geldbeträge ihr zum Ankauf des Erforderlichen zu überweisen. Die Sendungen sind mit einer kurzen Bezeichnung des Inhalts zu versehen und „An die Hauptsammelstelle Bremen für das ostasiatische ExpeditionsKorps" zu adressiren. Ueber den Eingang der Sendungen wird jedem Geber direkt Quittung geleistet. Die Liste der Geber wird außerdem von Zeit zu Zeit veröffentlicht. Welche Gaben später etwa am meisten erwünscht sind, wird nach Maßgabe des Bestandes und Bedarfs bekannt gegeben werden.
Verletzungen an Bord eines deutschen Kriegsschiffes. Aus Aden wird gemeldet: Durch Herausfliegen einer Mannlochpackung an Bord S. M. S. „Bussard" wurden schwer verletzt und verstärken die Heizer Beer und Timpf. Schwerere Verletzungen haben erlitten Feuermeistermaat Schäfer, Heizer Müller und Arthur Fischer. Maschinist Heppner und Heizer Tesch leichte Verletzungen. Die Verwundeten sind in Aden ausgeschifft. „Bussard" hat seinen Aufenthalt in Aden um zwei Tage verlängert.
Eine originelle Liebesgabe für die scheidenden „Chinesen" hat es in Hagenau (Elsaß) gegeben. Metzgermeister Ludwig Kurz stiftete nicht weniger als 828 stattliche Schmkenbrödchen, die lebhaften Anklang fanden. Jedes Brötchen trug auf dem seidenen Einschlagpapier die Strophe: Kamerad, Dir wünsche ich frohe Fahrt, — Steh' fest im Streit nach deutscher Art, - Und kehrst Du nach erfüllter Pflicht zurück, — Das Vaterland mit Ehren einst Dich schmückt.
Der Berliner Kriminalinspektor Braun soll demnächst m den Ruhestand und an seine Stelle der bisherige Kriminalkommissarius Klatt treten. Inspektor Braun galt als einer der tüchtigsten Berliner Kriminalbeamten, der es vom einfachen Schutzmann bis zum Kriminal-Inspektor gebracht hat. Der Anlaß zu der so plötzlich gekommenen Amtsmildig- keit soll in einem Vorfall zu suchen sein, der in die Könitzer Mordaffäre hineinspielt.
Einen furchtbaren Tod fand in einem Kohlenbergwerk in Châtelineau ein Bergmann namens Ferdinand Meersmanns. Er hatte den Auftrag erhalten, mit seinem Kameraden van Causberg an einem Schacht ein „Panier" anzubringen, eine Art eisernen Korb, in dem eigens hierzu bestimmte Leute untersuchen, ob die Schachtwände u. s. w. sich in gutem Stande befinden. Aus noch nicht fcstgestellten Gründen stürzte das Panier in die Tiefe und riß die beiden Arbeiter mit hinab. Durch einen glücklichen Zufall gelang es Causberg, sich in einer Tiefe von mehr als zehn bis zwölf Metern an einem Balken festzuklammern, von wo man ihn später ans Tageslicht ziehen konnte. Meersmanns aber