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Die einzeln«

Nummer (oft«

10 A

Nr. 181

Zugleich

Montag den 6. Angust

Lisrück««,». gebühr

für Stadt- und 8«* kreis Hanau 10 ^ 4gespaltene Garm«b- zeile oder bereit Raum.

Jm RcklâmentheU bie Zeile 20 ^, ffa Auswärts 30 ^.

1900

Amtliches

Stadt- und Landkreis Hanau

Am Mittwoch den 8. d. Mts. findet mit Ge nehmigung des Herrn Regierungs-Präsidenten zu Cassel Vieh­markt in Hanau statt.

Ich mache hierbei auf Nachfolgendes zur besonderen Be- achtung aufmerksam:

Sämmtliche Wiederkäuer und Schweine, und zwar sowohl die mit der Eisenbahn wie auch die unter Benutzung der Landwege auf den Markt gebrachten, dürfen nur durch die vom hiesigen Oberbürgermeisteramte veröffentlichten Stadt­eingänge (Kontrolstationen) eingebracht werden.

Nach § 3 der landespolizeilichen Anordnung vom 21./6. 97 ist das Aufbringen von Wiederkäuern und Schweinen auf den Viehmarkt nur dann gestattet, wenn den marktpolizei- lichen Organen eine von der zuständigen Orts- behorde ausgestellte Bescheinigung vorgelegt wird darüber, daß in der Ursprungsgemeinde seit 4 Wochen nicht die Maul- und Klauenseuche bei Schweinen weder die Maul- und Klauen­seuche, noch eine der Schweineseuchen herrscht, und dast die Ursprungsgemeinde in den letzten vier Wochen nicht zu einem Beobachtungsgebiet im Sinne des § 59» der Bundesrathsinstruktion gehört.

Die Bescheinigungen haben eine fünftägige Gültigkeit, den Ausstellungstag eingerechnet.

Der Transport von Schweinen und Kälbern darf nicht durch Treiben erfolgen, sondern die Thiere müssen getragen oder gefahren werden.

Schließlich verweise ich noch auf die Polizeiverordnung vom tysiS betreffend die Listenführung über den An- 27. August 1897, " 1 1 y °

und Verkauf von Rindvieh, Schafen, Schweinen, Pferden durch Viehhändler.

Hanau den 4. August 1900.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

J. V.: Schneider, Kreissekretär.___________

Wiesenverpachtung.

Samstag den 11. August d. I., morgens 10 Uhr, soll eine zur Wiesenanlage bestimmte Abtricbsstâche von 0,354 ha Größe im Distrikt 44) Kohlplatte bei Erbstadt auf 3 Jahre, sowie die Grasnutzung im Steinbruch bei Naumburg auf 1 Jahr wiederholt verpachtet werden. Zusammenkunft auf der Fichtenabtriebsfläche Distrikt 44) bei Erbstadt.

Forsthaus Neuhof, 3. August 1900.

Kgl. Oberförsterei Hanau. 12379

Feuilleton.

__Königin Helene von Italien..

Es dürfte nicht Allen bekannt sein, daß die Töchter des Fürsten Nikolaus von Montenegro ihre Erziehung nicht in ihrer Heimath, im Landeder schwarzen Berge", sondern an den Gestaden der Newa im Smolnaklostcr erhielten. Kaiser Alexander II., der Taufvater der reizenden Prinzessinnen, machte den Eltern den Vorschlag, ihre Töchter dem vor­nehmsten russischen Mädchen-Jnstitst zur Erziehung zu über­lassen. Prinzeß Militza und ihre um wenige Jahre jüngere SchwesterStana" (Anastasia) waren die ersten, die den kleinen, bescheidenen Flügel im Smolnaklostcr mit ihrer Gouver­nante bezogen. Es wurde ihnen nicht leicht, sich in die neuen Verhältnisse zu fügen, zudem war die Sehnsucht nach der Heimath schier unstillbar. Der hohe Taufvater besuchte sie anfangs fast wöchentlich, sonst war die Zeit gewissenhaft eingetheilt und fast ganz durch das Lehrprogramm ausgefullt. Sie wuchsen zu stattlichen, schönen Jungfrauen heran, die heute schon lange glückliche Gattinnen geworden. (Prinzessin Militza heirathete den Großfürsten Peter Nikolasewitsch, Prinzessin Anastasia den Herzog Georg von Leuchtenberg- Petersburg). n

Prinzessin Helene mit ihrer jüngeren Schwester Anna wurde zu gleicher Zeit im Smolnaklostcr erzogen. Sie war ein schönes, stilles Mädchen, das von ihren Mit­schülerinnen vergöttert wurde. Genau so wie me anderen Zöglinge in die vorgeschriebene Jnstrtutstracht gekleidet, begab sie sich jeden Morgen zum Unterricht m die Klasse, die oft freilich mit Thränen verlassen wurde. Die russische Unterrichtssprache, die obligatorisch war,

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Sackrock; Empfangnahme bei dem Herrn Bürgermeister zu Bruchköbel. Im Laden Hospital­straße 29 ein seidener, schwarzer Herrenregenschirm mit ruiidem Horngriff stehen geblieben ; Empfangnahme daselbst. 1 goldene Damenuhr, Rückseite defekt.

Verloren: 1 Wagendeckc. 1 weißes, seidenes Stickerei- taschentuch. 1 weißes, seidenes Taschentuch mit verziertem Monogramm 8. 1 silberne Damcnuhr mit Kettchen.

Zugeflsgcn: 1 Kanarienvogel.

Hanau den 6. August 1900.

Tagesschau.

Zur Theilnahme an den Beisetzungs­Feierlichkeiten

für den verstorbenen Herzog Alfred von Sachsen- Koburg-Gotha ist der Kaiser Samstag Mittag 12 Uhr in Koburg eingetroffen. Zum Empfang waren zugegen: der Herzog Karl Eduard, der Erbprinz von Hohenlohe, der Großherzog von Hessen, der Kronprinz von Rumänien und der Herzog von Jork. Hierauf bildete sich der Zug der Leidtragenden, der sich zur Mariakirche bewegte. Neben dem Kaiser ging der junge Herzog, dahinter die Fürsten und Vertreter der fremden Souveräne. Nach der Rede des Predigers und Gesang der Gemeinde traten alle Fürsten und Vertreter an das Kopfende des Sarges und verrichteten knieend ein kurzes Gebet.

Kohlennoth und Bergarbeiter.

Zur Kohlennvth schreibt dieSchles. Ztg.":Auf Er­kundigung an unterrichteter Stelle wird uns versichert, daß zwar eine Aussicht auf Herabsetzung der gegenwärtigen über­mäßig hohen Kohlenpreisc nicht bestehe, daß aber ein noch weiteres Hinaufschrauben der Preise, für die nächste Zeit wenigstens, kaum befürchtet werden dürfte. Weiter aber erfahren wir noch Folgendes:Die bestehende Kohlennoth ist durch zwei Ursachen veranlaßt, nämlich durch den vermehrten Kohlen­bedarf der Industrie und durch die mangelnde Neigung der Bergarbeiter, ihre Schichten ordnungsmäßig zu befahren. Von einem Nachlassen des Kohlenbedarfes der Industrie ist nichts zu verspüren, eher findet infolge der erhöhten Ansprüche, besonders der Marine, noch eine gewisse Steigerung statt. Vielfach fangen auch die Kohlcnverbraucher schon an, sich für alle Fälle Kohlenstapel anzulegen, wie dies letzthin von der Stadtgemeinde Breslau verlautete. So lange bis dieser er­höhte Bedarf gedeckt wird, drückt er naturgemäß ebenfalls auf den Markt. Aber all das zusammen würde nicht hin­reichend sein, eine Kohlennoth wie die nun schon so lange

was auch für dieMontenegrinerin" galt, machte Helene Nikolajewna, wie sie stets genannt wurde, die größten Schwie­rigkeiten. Sie konnte und konnte damit nicht fertig werden. Ihre Erzieherin, Fräulein Puschtschin, tröstete, so gut sie konnte, und vermied es ängstlich, in einer andern als der russischen Sprache mit ihr zu konversiren. Die russische Gram­matik blieb jedenfalls ihre einzige Feindin während der ganzen Reihe von Jahren, die der Petersburger Aufenthalt dauerte. An den üblichen Spielen der Jugend fand die schwärmerische Prinzessin keine Freude, dagegen benutzte sie jede freie Stunde für ihre Malerei. Nicht die pedantische Wissenschaft, aber die Kunst hatte an ihrer Wiege gestanden, sie wurde von ihr mit ganzer Seele und Hingabe geliebt. Der obligatorische Klavierunterricht nach neuester, gediegenster Methode erlebte in ihrem kleinen Salon vollkommenes Fiasko. Auf dem Klavier konnte sie sich zu wenig aussprechen, das Klavier empfand zu wenig, aber die Geige, das war etwas. Die trug sie fort, weit weit, in die sonnige, interessante Heimath, zu ihrer schönen Mutter und ihrem edlen poetischen Vater.Nur kein Licht, wenn ich spiele." Sie ging ganz in Tönen auf, die Jeden bezauberten.

Sonntags ging's gewöhnlich ins Anitschkow-Palais zur jungen Großfürstin Xenia der ältesten Tochter Alexanders III. Das war stets ein Festtag, wo man für Stunden einmal den Klostergarten verlassen und einen Blick in das Residenzleben und -Treiben werfen konnte. Die Equipage fuhr gewöhnlich langsamer, an den Fensterscheiben tauchten die großen schönen Augen derTschornajorki" (Montenegrinerinnen) auf, die neugierig lächelnd Umschau hielten und fteudig aufleuchte­ten, wenn Jemand sie erkannte und grüßte. Immer mehr und mehr wuchs die Liebe zur Kunst, und immer größer wurde die Ab­neigung gegen den pedantischen Unterricht in den Klassen. Leider trug die strenge Direktrice dem zu wenig Rechnung, und ehe man sichs versah, war die Prinzessin Anna ihrer

bestehende hervorzurufen, wenn die Bergarbeiter, namentlich das junge Volk der Schlepper, sich bestimmen lassen wollten, ihre Arbeit ordnungsmäßig zu verrichten. Eine große Ver­waltung, die eine Belegschaft von 4000 Mann beschäftigt, sieht davon seit langer Zeit tagaus tagen: im Durchschnitt nur 3600 Mann an der Arbeit. Im Durchschnitt feiern 10 v. H. der gejammten Arbeiterschaft, am Wochenanfang mehr, gegen das Wochenende weniger. Die Leute haben es eben bei den gegen­wärtigen Lohnsätzen nicht mehr nöthig, wöchentlich sechs Tage zu arbeiten. Sie decken mit der in fünf, manchmal schon mit der in vier Arbeitstagen erworbenen Löhnung vollauf die Bedürfnisse der ganzen Woche, und Gedanken über die Zukunft machen sie sich nicht. Die Werke haben vielfach Prämien für Diejenigen ausgesetzt, welche alle Schichten ord­nungsmäßig verfahren, ohne willkürliche Feierschichten ein­zulegen. Diese Prämien kommen einer verhältnißmäßig ge­ringen Anzahl älterer oder strebsamerer Elemente zugute, denen sie ja gerne zu gönnen sind, die große Masse der Arbeiter­schaft aber huldigt den Grundsätzen der italienischen Lazzaroni und arbeitet nur dann, wenn die materiellen Bedürfnisse da­zu zwingen."

Die Freisprechung Sipidos

hat die englische Regierung zu einem diplomatischen Schritte gegenüber Belgien veranlaßt. Im englischen Unterhause er­klärte der Erste Lord des Schatzes, Balfour, die britische Re­gierung habe der belgischen Regierung mitgethcilt, daß sie iw dem Ergebniß des Prozesses gegen Sipido einen schweren, unseligen Mißgriff der Justiz erblicke und daß sie mit Be­dauern und Ucberraschung erfahren habe, daß die belgische Re­gierung keinerlei Maßnahmen getroffen habe, Sipido festzuhaltcn. Die belgische Regierung erklärte in der Antwort auf die Note der englischen Regierung, betreffend den Ausgang des Prozesses gegen Sipido, daß sie als strenge Hüterin der Ge­setze diese nicht habe verletzen können, so gerne sie auch mit aller Schärfe gegen Sipido vorgegangen wäre. Das belgische Gesetz bestimme, daß einem junge» Menschen, über den der Regierung das Verfügungsrecht durch gerichtliches Urtheil zu­gesprochen ist und der einen gesetzlichen Wohnsitz in Belgien hat, eine Frist von drei Tagen zur Einlegung der Nichtig- keits-Beschwcrde zu Gebote steht. Da Sipido bei seinen Eltern wohnte, jo habe er einen gesetzlichen Wohnsitz und hätte daher erst nach Ablauf von drei Tagen verhaftet werden können. Diese Frist habe er benutzt, um sich in Sicherheit zu bringen.

Der Krieg in Südafrika.

London, 5. August. General Olivier flüchtete mit un­gefähr 1500 Mann nach Bethlehmsberge. Er wies die Auf­forderung Prinsloo's, sich mit seiner ganzen Streitmacht zu

Schwester näher gerückt und drohte sie zu überholen. In diese Zeit fiel gerade die Vermählung der beiden ältesten Schwestern. Die Elter,: mußten sich von ihnen trennen, be­gehrten dafür dringlich Ersatz.Wir fühlen uns einsam, schrieb Fürstin Milena an die Erzieherin Helenens,bringen Sie uns Helene heim, sie kann sich zu Hause noch immer vervollkommnen." So nahte die Abschiedsstunde von Peters­burg. Ihre Mitschülerinnen überschütteten sie mit Blumen, das Trennungsweh der schönen Prinzessin war aufrichtig und rührend, wenngleich sie in ihren herrlichen Augen die Freude, die Heimath zu sehen, in die lieben Berge zu kommen, nicht unterdrücken konnte. Sie liebte Rußland zweifellos, doch konnte sie sich dort nie so vollkommen heimisch fühlen wie ihre beiden ältesten Schwestern. Ihr sonniges, poetisches Ge­müth zog der Süden an, sie brauchte Licht und Wärme. Be­geistert klangen ihre Briefe, die Kunde von ihrer Verlobung und später darauf von ihrer Vermählung brachten. Sie hebt ihren jungen Gemahl schwärmerisch, die großen, prunkvollen Feste waren ihr neu, doch nicht reizvoll.Ich bin glücklich, wieder zur Ruhe gekommen zu sein, nun kann ich doch wieder malen. Ich habe große Fortschritte gemacht." So lauteten ihre Briefe an ihre alte russische Erzieherin, die sich haupt­sächlich darüber freute, daß sie das Russische noch nicht verlernt.

Ein grauenvolles Ereigniß hat die schöne Kronprinzessin Helene aus ihrer idyllischen Ruhe zu hohen Pflichten zurück­gerufen. An der Seite ihres Gemahls dürfte sie vollauf Gelegenheit haben, als Königin ihre reichen Herzensgabcn auszustreuen und ein Schutzengel Jener zu sein, die mit Liebe und Ehrfurcht zum Thron ausblicken.