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Im Reklanienthcil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.
Nr. 178.
Donnerstag den 2. August
1900
Amtliches.
^taöt&rete ^anau. Bekatlutmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Am Freitag den 3. August 1900, nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Getverbe- gerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten,
Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können. Hanau den 2. August 1900.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts. Dr. Gebeschus.
12200
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 Korb, 1 Schlachtmesser, 1 Deutsches Sprachbuch mit der Namensaufschrift der Schülerin Else Zdoncck, 1 Antheilschein, von W. Lohmann, zur Meißner Dombau-Geldlotterie, 1 goldener Ring mit kleinem, karmesin- rothem Stein, Empfangnahme bei Georg Schleich, Hainstr. 20, 1 Portemonnaie mit 10 Pfg. Inhalt, 1 Zwistscheere, 1 schwarzseidener Damenhandschuh.
Verloren: 1 schmales Damenhandtäschchen von rothem Leder, 2 Herren-Regenschirme nebst Spazierstock in einer hiesigen Droschke liegen geblieben.
Entflogen: 1 Brieftaube.
Hanau den 2. August 1900.
Volksgesundheit.
auf 23,6 und im Jahre 1898 sogar auf 21,8 gesunken. Be- erlangen. Dem britischen Konsul in Shanghai hat Duan- denkt man aber, daß die Verminderung der Sterblichkeit um schikai telegraphirt, seine Depesche an Sir Claude Macdonald nur 1 auf das Tausend im Jahre der Erhaltung von mehr sei pflichtschuldigst nach Peking befördert, und Macdonalds als 55 000 deutschen Leben gleichkömmt, so wird man die Antwort am 25. dem Tsungli-Damen zur Weiterbeförderung
Bedeutsamkeit derartig fallender Zahlenreihen zu würdigen ver- übergeben worden. Es ist verdächtig, daß das Tsungli Aamen " ' . oder Nuanschikai diese Macdonaldsche Antwort zurückhält.
Sv zeigt also der Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts,! Ein Bote, der mit Depeschen von deutschen, englischen, japau-
stehen.
dank vor Allem dem sozialen Wirken der Regierungen, diebischen und amerikanischen Beamten, die sämmtlich vom 21
Volksgesundheit Deutschlands in durchaus günstiger und: Juli datirt sind, aus Peking in Tientsin eingctroffcn ist, be- befriedigender Entwicklung. Dieses Wirken aber verringert: stätigt, daß der Weg wegen großer Ansammlungen chinesischer sich nicht, sondern nimmt vielmehr einen immer größeren Truppen und tiefer, meilenweiter Ucberschwemmungen durch Umfang an, sodaß zu hoffen steht, der weitere Fortgang ununterbrochene Regengüsse kaum passirbar ist. Die Depeschen des Jahrhunderts werde noch ganz andere, glänzendere Er- b~“ —1------"
gebnisfe zeitigen, als sie seinem Anfänge beschieden waren.
Die Wirren in China.
der Beamten fügen dem bereits Bekannten wenig Neues hin-
Der Vormarsch auf Peking.
zu. Mr. Conger meldet dem amerikanischen Konsul, er und seine Familie seien gesund, ebenso Sir Robert Hart. Der Bote brachte auch eine undatirte Depesche eines Privatmannes, aus der Einzelheiten über das Zustandekommen des Waffen-
r . !stillstandes zu entnehmen sind. Es heißt darin: „Gestern
Die Erwartung, daß der ^ormarsch zunu Entsätze der (am m^ eiiier Parlamentärflagge ein Bote von Dunglu zu in Peking emgeschloffenen Gesandten und deren Schutzbefohlenen Macdonald und fragte, ob er zu einem Waffenstillstand be- nun doch in Gang kommen werde, scheint sich erfreulicherweise zu - - ■ -
bestätigen. Die Londoner „Morningpost" meldet aus Washington von vorgestern, der amerikanische Botschafter Choate habe sich mit Salisbury gestern wegen des sofortigen Vormarsches auf Peking in Verbindung gesetzt und ihm mitgetheilt, daß die Vereinigten Staaten entschlossen seien, sofort den Vormarsch
anzutreten.
Salisbury habe geantwortet, Großbritannien
anzuireien. wausoury yave geaniworiei, csrogornanmen, habe sich in gleicher Weise schlüssig gemacht. Im Einklang I damit steht ein Telegramm des Generals Chaffee aus Tschifu i
vom 30. Juli, das besagt, dem Vernehmen nach bestehe in
reit sei. Macdonald antwortete bejahend, vorausgesetzt, daß die Chinesen nicht näher herankämen. Darauf hörte« diese zu feuern auf und halten Ruhe. Wir haben Ueberfluß an Lebensmitteln, Reis und Pferden. Sehr gefährlich wird unsere Lage, falls eine von fremden Entsatztruppen geschlagene chinesische Armee die Hauptstadt betritt."
Die Beschießung der Forts von Taku am 17. Juni.
Am 16. Juni hatten bekanntlich die Kommandanten der
Taku die ®W, am o1. Juli nach Peking Vordrucken. |m ^^ uon Taku stationirtcit fremden Kriegsschiffe be-
uic vyqmiuycit vu» Telegramm ber „ Limes aus Tientlin, schlossen, von dem die Forts befehligenden General die Räu-
Jede Maßnahme, welche der Hebung berieft Cieneral Lmjelee mit fimem Stabe dort am -8. ^ntt ^^^ ^^^^ ^ rängen, weil bedeutende Truppenmasscn
tovtisigeiunuyru ment, ist daher gleichzeitig auch geeignet, die o^ugetroffen ist. Auch große Verstärkungen sind angelangt. jn dieselben geworfen und dadurch die Lage der innerhalb der
wirthschaftliche wie politische Kraft des Staates zu verstärken!^ °? Ä^ ^" statten gehen. - innen und sgam gelegenen Schiffe sehr kritisch geworden war.
Wie für den Einzelnen, so ist auch für die Gesammtheit, das Volksganze die Gesundheit das höchste Gut und werth-
vollste Kapital. Jcvc -viuynuyuit., ^ullb vu i „;„n(,frnffpn
Volksgesundheit dient, ist daher gleichzeitig auch geeignet, die "9 n > •
Der
uno zur uuutnitmtn ivuiuciuuu uti uuuuuuvuu|iu t m . -. , . - 1 " amerikanische Kommandant weigerte sich an der Beschießung
beizutragcn. In richtiger Erkenntniß dieses Zusammenhanges j ^"makuchi hoffst Aang-tsun binnen drei Tagen zu nehmen, thxjlzunehmen, da seine Instruktion laute, nur baun cinzu-
sind denn auch alle maßgebenden Kreise Deutschlands und^angttsun liegt am etwa dreißig Kilometer aufwärts seifen, wenn amerikanische Bürger und amerikanisches Eigen-
Preußens eifrigst bemüht, an einer Besserung der Gesundheits-Verhältnisse und Verminderung der Sterblichkeit mitzu-
von Tientsin, Pei-tsang ist etwa zwölf Kilometer von Tientsin
arbeiten.
Ganz besonders augenfällig tritt uns dieses Streben in dem letzverflossenen Zeitraum entgegen. Wir haben da in unmittelbarer Aufeinanderfolge im Reiche das Reichs-Seuchengesetz und Fleischbeschau-Gesetz und in Preußen die Medizinal- Reform empfangen, während die Errichtung eines Reichs- Gesundheitsrathes für die nächste Zukunft bevorsteht. Jeder dieser gesetzgeberischen Akte stellt einen bedeutsamen Fortschritt auf dem Gebiete der Volksgesundheits-Pflege dar. Während das Fleischbeschau-Gesetz erhöhte Bürgschaften für eine einwandsfreie, der Gesundheit zuträgliche Fleischnahrung schafft, vermehrt das Seuchengesetz in ganz erheblichem Maße die Schutzmaßnahmen, mittelst deren der Verbreitung ansteckender Krankheiten entgegengewirkt werden kann. Durch die preußische Medizinal-Reform aber ist die Stellung der Kreisphysiki und andern Medizinal-Beamten in einer Weise geregelt worden, daß daraus für die Durchführung der Aufgaben des öffentlichen Gesundheits-Wesens beträchtliche Vortheile erwachsen, und der Gesundheitsrath endlich wird als Beirath der Reichsverwaltung für alle das medizinische Gebiet betreffenden Fragen sicherlich eine höchst ersprießliche und segensreiche Thätigkeit entfalten. Daneben gewinnt dann noch die kommunale und private Fürsorge immer größern Umfang; die Volks- Heilstätten-Bewegung schreitet von Erfolg zu Erfolg, und Ferien-Kolonien, Erholungs-Heime, Volksbäder, Sanatorien aller Art wetteifern, um den Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts als einen im volksgesundheitlichen Sinne besonders glückverheißenden zu kennzeichnen.
Es wäre aber ungerecht, wollte man über diesen glänzenden Leistungen der jüngsten Vergangenheit dasjenige verkennen, was auch in frühern Jahrzehnten bereits erreicht worden ist. Die Arbeiter-Versicherung und Arbetterschutz-Gesetzgebung haben sich für die Volksgesundheit außerordentlich fördersam erwiesen. Zahlenmäßig läßt sich die Besserung der Gesundheits-Verhältnisse nachweisen. Während in dem Jahrzehnt von 1850 bis 1860 der Ueberfluß der Geborenen über die Gestcrbenen jährlich nur 9 auf das Tausend der Bevölkerung betrug, stieg er in dem Jahrzehnt bis 1870 auf 10,3 in den folgenden Jahrzehnten auf 11,7 und 11,9 und endlich im Durchschnitt der Jahre 1891 bis 1898 sogar auf 13,9. Hand in Hand damit ist ein entsprechender Rückgang der Sterblichkeit zu verzeichnen. ^ie Zahl der Gestorbenen, welche noch 1870 sich auf 28,8 pro Tausend belief, ist im Durchschnitt der Jahre 1891 bis 1898
entfernt. — Die ganze gesittete Welt gibt den Truppen, die zum Kampfe gegen die Barbarei ausziehen, die innigsten Glück- und Segenswünsche mit auf den Weg. Hoffentlich kommt die Expedition nicht zu spät ans Ziel; jeder verlorene Tag bedeutet eine Steigerung der ernsten Gesahr, in der Hunderte werthvoller Menschenleben schweben. Daß der Vormarsch bereits begonnen hat, berichten uns auch folgende Telegramme:
London, 1. August. Nach Meldungen aus Shanghai soll der Vormarsch der verbündeten Engländer und Amerikaner auf Peking bereits gestern begonnen haben. Die Russen hätten nach angeblich dreitägigem schweren Kampfe die Forts von Niutschwang besetzt. Das Oberkommando über die verbündeten Truppen soll General Jacquelin und als dessen Vertreter General Chaffee übernommen haben.
Brüssel, 1. August. Ter Minister des Auswärtigen veröffentlicht ein Telegramm des belgischen Vertreters in Tientsin folgenden Inhalts: Tie verbündeten Truppen sind auf dem Marsche nach Peking. Sie befinden sich in einer Entfernung von 18 Dieilen vor Peking und hoffen Peking in 8 Tagen zu erreichen.
London, 1. August. „Taily Mail" meldet, die chinesische Armee hat sich bei Dungtsun st a r k verschanzt. Es steht zu befürchten, daß dieselbe, falls sie von den verbündeten Truppen geschlagen wird, gegen Peking marschirt, um die dort lebenden Europäer u m z u - bringen.
Der Gesammteindruck des chinesischen Nachrichtenmaterials
ist der, daß die Mandschupartei vor den von ihr selbst heraufbeschworenen Geistern Angst bekommen hat, die möglichen Folgen weiterer Gewaltthaten fürchtet und deshalb alles daran setzt, durch Vermittelung der Vizekönige die Rache der Mächte, womöglich durch einfache Freigabe der überlebenden Europäer in Peking, abzuwenden. Es heißt, daß die Chinesen durch die Haltung Rußlands in der sanguinischen Hoffnung, daß sie so leichten Kaufs davon kommen werden, bestärkt werden. Nach einem Timestelegramm aus Shanghai hat Li-hung- Tschang gestern durch den Gouverneur von Schantung ein Telegramm des chinesischen Gesandten in Petersburg erhalten, j wonach dieser in Anbetracht der langen freundschaftlichen Be-i
ziehungen zwischen Rußland und China Aussicht zu haben glaubt, für den Fall einer sofortigen versöhnlichen Schwenkung Chinas günstige Bedingungen zur Beilegung der Krisis zu
. thum bedroht seien. Ein russischer Oberst wurde mit der , Uebergabe des Ultimatums betraut. Der „Ostasiat. Lloyd" vom 22. Juni veröffentlicht nun einen ausführlichen Bericht ' eines Augenzeugen, eines Herrn Felix Schmellitschek. Als ; derselbe von seinem Jugendfreunde, dem Kapitän des „Iltis", Korvettenkapilän Lans, Abschied nahm, sagte dieser: „Gott ] sei Dank, die Würfel sind gefallen, die Lage ist sehr ernst; ! wer weiß, ob wir uns Wiedersehen. Leb' wohl, Du wirst ; bald den „Iltis" hören. In einer Stunde hoffen wir die ’ chinesischen Kanonen zum Schweigen zu bringen. Die Kriegsschiffe „Algcrine" (englisch), „Iltis" (deutsch), „Lyon" (französisch), „Bobr" (russisch) sowie die Torpedozerstörer „Whiting" und „Fama" (englisch) und das Torpedoboot „Gon- demek" (russisch) sollten sich um 3 Uhr morgens bei Hochwasser vor die Forts legen, während eine aus Deutschen, , Engländern, Russen, Oesterreichern und Japanern bestehende, 800 Mann starke Landungstruppe unter Befehl des Kapitäns zur See Pohl, Kommandanten des deutschen' Kriegsschiffes : „Hansa", in der Nähe des Bahnhofes stationirt wurde und um 2 Uhr morgens marschbereit sein sollte. Herr Schmellitschek i begab sich an Bord des deutschen Dampfers „Knivsberg", der eine Menge Flüchtlinge, etwa 200 Chinesen und die vertriebenen Belgier mit ihren Familien^ ausgenommen hatte.
i Ueber das Weitere berichtet nun Herr schmellitschek:
Gegen 10 Uhr suchte Jeder sein Lager auf in der Erwartung der kommenden Ereignisse. Plötzlich, cs war genau 10 Minuten nach L Uhr morgens, wurde meine Kabine durch den Blitz eines Schusses hell erleuchtet, ein furchtbarer Krach folgte. Entsetzt sprang ich aus dem Bette, in dem Glauben, das Schiff sei von einer Granate durchbohrt und geborsten. Fum Glück hatte die Granate nur die Ankerkette getroffen. Es folgte nun Schuß auf Schuß. In der dunklen Nacht blitzte cs unaufhörlich, die Granaten sausten mit unheimlichem Geschwirr über unsere Köpfe. Bei jedem Schuß duckte man sich unwillkürlich. Erst allmählich schwand die Furcht und mit Gelassenheit verfolgte man den Flug der Ge- schosse. Gegen 2 Uhr dampfte der „Iltis" volldampf an uns vorbei; ein begeistertes „Hurrah" brauste von unserem Schiff zu den Braven hinüber. Kurz darauf folgte der Franzose, der große Schwierigkeiten hatte, sein Schiff gegen den Strom zu wenden. Engländer und Russen lagen bereits in der Nähe der Forts. Tie Kanonade begann nun mit einem fürchterlichen Feuer; man hörte deutlich das Knack-Knack-Knack der Maschinengeschütze des „Iltis" und das Rasseln der Schnellfcucrkanoncn vom französischen Kreuzer „Lyon", auf bessert Holzmasten zwei Kanonen ausgestellt waren. Zwei