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Die cmzcine

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Amtliches Grgan für Stsöt» unS Lanökrets Hanau.

GinrSifKXf*. gebühr

für Stadt- und 8a* krriS Hanau 10 ^ Ne 4gejpalteiic Garmond- zeile oder bereit Kaum, für Auswärts 15 ^.

Im ReNamentbcil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Mo 177.

MlttwgK den 1. August

1900

Amtliches.

Stadt- und Landkreis Hanau.

Der Oberpräsident zu Cassel hat genehmigt, daß in der Zeit von jetzt bis zum 1. Juli 1901 zum Besten der Er­richtung einer Bismarcksäule hierselbst eine einmalige Sammlung freiwilliger Gaben bei den wohlhabenderen Einwohnern des Stadt- und Landkreises Hanau durch poli­zeilich legitimirte Sammler abgehalten werden darf.

Hanau den 31. Juli 1900.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

P 6594 I. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.

^MaM&rew J&mxaxu

Bekasutmachungev des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

31. 10. 99

Der von den städtischen Körperschaften unterm gg beschlossene Baufluchtlinienplan für einen Straßendurchbruch zwischen Große Dechaneistraße und Kleine Fahrstraße in der Richtung der Neu- und Engegasse, von dem die Parzellen 289

G Nr. 97, 98, 99, 100, 101, 102, 104, ~ und 69 106

betroffen werden, ist auf Grund der Beschlüsse der städtischen Körperschaften vom n abgeandert worden und liegt auf Grund des § 7 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 vom 2. August d. Js. au 4 Wochen zu Jedermanns Einsicht im Siadtbauamt II von 1012'/, Uhr vormittags offen.

Einwendungen gegen den Plan können innerhalb ge­nannter Frist daielbst zu Prokokoll gegeben oder an uns schriftlich gerichtet werden.

Hanau den 30. Juli 1900.

Der Magistrat.

I. A.: Schmidt. 12095

Handelskammer zu Hanau.

Die seit dem Jahre 1880 erschienenen Patentschriften über die von dem Kaiserlichen Patentamte zu Berlin in den sämmtlichen 89 Patentklaffen ertheilten Patente sönnen in dem Sekretariate der Handelskammer (Stadtschloß hierselbst) an Werktagen von 9'/,12'/, Uhr vormittags und von 35 Uhr nachmittags von Jedermann unentgeltlich eingesehen werden.

Feuilleton.

Aus der Mandschurei.

Von Otto Leonhardt.

(Nachdruck verboten.)

Während im Süden Chinas das Zünglein an der Waage noch ungewiß zwischen Krieg und Frieden hin und her schwankt, ist im Norden, in der Mandschurei, die Flamme des Fremdenhasscs bereits hoch emporgeschlagen und es ist dort zu Kämpfen gekommen, deren siebte Folge vielleicht die sein wird, daß Rußland dies Land, nach dem es schon lange seine Netze spannt, früher, als erwariet, in seine Gewalt bringt. Und die Mandschurei ist fürwahr kein übler Bissen! Sie ist, wie Wenjukow sagt, zweifellos die beste der Be­sitzungen Chinas, die nördlich der großen Mauer liegen, und ihr Boden ist in vieler Hinsicht reich gesegnet. In ver­schiedenen Flüssen und Bergen des Landes sendet sich Gold in erheblichen Quantitäten; aber mit Ausnahme eener be- berühmten Mine in der Nähe von Kirin, wo die Goldgräber schon seit Generationen eine Art eigenes _ Reich gegründet haben und sich um die Regierung nicht kümmern, hat die herrschende Dynastie prinzipell bisher. den Goldbergbau ver­hindert und verboten, weil es nach chinesischem Glauben Un­glück bringt, in der Tiefe der Erde zu wühlen, und weil sie die unzuverlässige Minenbevölkerung fürchtet, die sich w schlechten Zeiten im Handumdrehen in Räubergefindel ver­wandelt. Bei Jn-cho befindet sich ein reiches Düberlager; Steinkohlen sind an vielen Orten vorhanden, aus der Haupt­mine, der von Liao-jung südlich von Mukden, wird der ganze Süden der Mandschurei und werden auch zahlreiche Dampfer des Golfes von Liao-tung versorgt. Auch Schwefel, Salpeter und Eisen spendet der Boden des Landes, und ein deutscher

Um auswärts wohnenden Interessenten Ge­legenheit zu geben, sich über ertheilte Patente zu unterrichten, gibt das Sekretariat einzelne Nummern der Patentschriften auf kürzere Zeit auch leihweise ab.

Hanau den 1. August 1900.

Die Handelskammer.

C a u t h a l.

214 Der Sekretär: Steller.

Tagesschau.

Handschreiben des Kaisers an Genâal- feldmarschall Grafen von Blumenthal.

Zu feinem neunzigsten Geburtstage ist dem Generalfeld­marschall Grafen von Blumenthal, wie aus Cöthen geschrieben wird, das folgende Handschreiben des Kaisers zugegangen:

Mein lieber Geueralfeldmarschall!

Bewegten Herzens spreche ich Ihnen zu dem Tage, an dem Sie Gottes Güte ein Maß der Gnade vollenden läßt, wie es nur Wenigen beschieden ist, Meine wärmsten Glück- und Segenswünsche aus. Mit welcher Befriedigung dürfen Sie auf Ihre lange, ruhmvolle Laufbahn zurückblicken! In voller Manneskraft war es Ihnen vergönnt, eine Zeit zu durchleben, in der Ihr König mehr denn je der Männer bedurfte, und Ihre reichen Gaben zum Wohle des Vater­landes einzusetzen. Das Vertrauen Ihres Königs, durch das Sie in den drei großen Kriegen an hervorragend verant­wortungsvolle Stellen berufen wurden, haben Sie glänzend gerechtfertigt, und dann in langer, aufopferungsvoller Friedens- arbcit Ihre unschätzbaren Erfahrungen der Armee nutzbar gemacht. Mit besonderer Freude und Genugthuung erinnere ich Mich hierbei der Zeit, in der es Mir vor 17 Jahren vergönnt war, in Ihrem Stabe an den lehrreichen Manövern des IV. Armeekorps vor Meinem in Gott ruhenden Herrn Großvater theilzunehmen. Hohe Anerkennungen sind Ihnen zu Theil geworden und legen in beredter Sprache davon Zeugniß ab, was Sie Meinen Vorfahren gewesen sind. Mir aber ist es ein aufrichtig empfundenes Bedürfniß, Sie von Neuem Meiner unwandelbaren Dankbarkeit zu versichern. Sie wollen den Tag in stiller, ländlicher Zurückgezogenheit begehen, und hat es Mich mit herzlicher Freude erfüllt, Ihre Gesundheit so weit gekräftigt zu wissen, daß Sie sich den Anstrengungen einer Reise aussetzen durften. Möchten Sie völlige Erholung finden und der allmächtige Gott Sie Mir und dem Vaterlande noch lange erhalten als ein leuchtendes Beispiel für das jetzige Geschlecht. Das ist der aufrichtige Wunsch Ihres stets wohlaffektionirten Königs Wilhelm.

Bremerhaven, an Bord Meiner Dacht

Hohenzollern", den 29. Juli 1900.

Offizier hat die Schwerter von Mukden den besten Erzeugnissen der Welt für ebenbürtig erklärt.

Aber auch an Bodenfrüchten ist das Land reich. Hirse, Weizen und Erbsen werden in großen Mengen angebaut und zum Theil in erheblichen Massen nach Süden trans- portirt, besonders nach Petschili, dessen Millionen von unter­brochener Zufuhr von Lebensmitteln abhängen. Der an den höheren Stellen gebaute Reis ist in ganz Mittelasien und China bekannt und wird nur von dem japanischen erreicht. In der Mohnkultur beginnt die Mandschurei Indien em­pfindliche Konkurrenz zu machen; am mittleren Sungari z. B. zwischen Kirin und Bainsusu, sind Tausende von Mu (1 Mu = 6,13 Ar) mit Mohn bebaut, und das daraus gewonnene Opium vertritt häufig die Stelle des Geldes, in­dem der aus dem Süden gekommene Arbeiter an Stelle des Lohns Opium erhält, dessen Werth sich bei seiner Rückkehr steigert, während baares Geld im Süden weniger gilt als im Norden. Der Jndigobau, erst vor kurzer Zeit in der Mandschurei in Angriff genommen, macht schnelle Fort­schritte; Gemüse und Obst aller Art gedeihen reichlich und die Missionare keltern sogar aus den Trauben einen sehr guten Wein. Ueber alle diese Gaben der Erde aber schätzen die Chinesen die Ginsengwurzel, der sie eine wunderbare Heilkraft zutrauen; sie wird in den Provinzen Kirin und Mukden gefunden und soll eigentlich dem Hofe abgeliefert werden. Ihr Preis ist exorbitant; Mgr. Verrolles gibt ihn auf 50000 Francs per Pfund an. Ein altes chinesisches Sprichwort bezeichnet das Ginseng, das Kraut Ula und den Zobel als die wahren Schätze der Mandschurei. Was den Zobel angeht, so wird das kostbare Pelzthier noch in den Wäldern und Seitenthälern des Sungari erlegt; nur der Kaiser und einige Großmandarinen dürfen sich ganz in Zobelpelz kleiden. Ter Pelzhandel ist jedoch infolge der schlechten Verbindungen in den beiden nördlichen Provinzen

Herzog Alfred von Sachsen Koburg-Gotha f.

Dem am Sonntag Abend in Monza ermordeten König Humbert ist vorgestern Abend auf Schloß Rosenau der gleich­falls im Jahre 1844 geborene Herzog Alfred von Sachsen- Koburg-Gotha im Tode gefolgt. Damit ist eine weitere Reihe europäischer Fürstenhöfe in tiefe Familientraucr versetzt. Herzog Alfred rvurde am 6. August 1844 auf Schloß Windsor als zweiter Sohn der Königin Viktoria von England geboren und führte bis zum Tode seines kinderlos verstorbenen Onkels Herzogs Ernst den Titel eines Herzogs von Edinburg. Herzog Ernst II. von Koburg und Gotha starb am 22. August 1893 und sein englischer Neffe entschloß sich zur Uebernahme des erledigten deutschen Thrones, während man bis dahin angenommen hatte, er habe diese Würde seinem einzigen Söhne Prinzen Alfred zugedacht. Er legte die Stellung eines britischen Großadmirals und Mitgliedes des englischen Ge­heimen Rathes nieder, verzichtete auf die englische Apanage von 15000 Pfund Sterling, behielt aber mit Zustimmung des englischen Parlaments die ihm bei seiner Vermählung mit der russischen Großfürstin Maria 1874 zugelegtcn 10000 Pfund jährlich. Sein einziger Sohn, der am

15. Oktober 1874 im Buckingham-Palast geborene Erbprinz Alfred, wurde Hauptmann im großherzoglich hessischen In­fanterieregiment Nr. 115, starb aber dann nach längerer, unheilbarer Krankheit am 6. Februar 1899 in der Heilanstalt Martinsbrunn bei Meran in Tirol. Von den vier Töchtern des vorgestern verstorbenen Herzogs ist Prinzessin Maria an den Prinzen Ferdinand von Rumänien, Prinzessin Viktoria Melita an den Großherzog von Hessen und Prinzessin Alexandra an den Erbprinzen Ernst zu Hohenlohe-Langen­burg verheirathet, die jüngste Tochter Prinzessin Beatrice ist jetzt 16 Jahre alt. Ueber die Thronfolge ist seit dem Tode des Erbprinzen viel geschrieben worden. Das nächste Erb­recht hatte der jüngere Bruder des Herzogs, der 1850 ge­borene Herzog Arthur von Connaugh, der mit der preußischen Prinzessin Louise Margarethe verheirathet ist. Jedoch dieser, wie auch sein 1883 geborener Sohn Arthur waren nicht geneigt, Thronfolgerpflichten anzunchmcn und so ging das koburgische Erbfolgerecht durch förmliche Erklärung auf den Sohn des verstorbenen jüngsten Sohnes der Königin Viktoria, den aus der Ehe des Herzogs von Albany mit der Prinzessin Helene von Waldeck stammenden, am 19. Juli 1884 zu Claremont geborenen, jetzt also 16 Jahre alten Herzog Karl Eduard von Albany über. Dieser siedelte denn auch vor einigen Monaten mit seiner deutschen Mutter nach Potsdam über, um seine deutsche Erziehung auf dem dortigen Gym­nasium zu vollenden. Jetzt ist er unvermuthet schnell Herzog von Koburg und Gotha geworden, muß indeß noch zwei Jahre seinen Vormund für sich regieren lassen. Herzog XXX»IMXM«IMMW»»X^X«MXMg!!BBB noch ziemlich unentwickelt. Im klebrigen sind die mand schurischen Berge so reich an jagdbarem Wilde, daß die Mandschuren die 2400 Hirsche, die sie alljährlich dem Kaiser zu liefern haben, leicht in einem Monat abschießen.

Natürlich vertheilt sich dieser Reichthum nicht gleichmäßig über das mächtige Gebiet, das mit seinen 942 000 Quadrat­kilometern Deutschland noch fast um den gemeinsamen Flächen­inhalt Preußens und Bayerns übertrifft. Dringen, wir in das Land von dem den Europäern freigegebenen Vertrags­hafen Niu-tschwang am Golfe von Liao-tung ein, der das große Centrum des Handelsverkehrs der Mandschurei mit Europa, Amerika, Japan und dem eigentlichen China bildet, so betreten wir zunächst die große Ebene der Mandschurei, die sich anscheinend endlos gen Nordosten zieht. Gelegentlich unterbricht ein Hügelzug ihre Eintönigkeit; oft aber sieht man meilenweit nur die unermeßliche flache Ebene, die als ein einziges reiches wohlbestelltes Ackerfeld bezeichnet werden kann. Hier läuft die große Straße nach Mukden und Kirin, zahl­reiche Städte und Dörfer liegen inmitten der Felder und ein dichtes Netzwerk von Straßen und Wegen verbindet sie unter­einander. Allmählich nimmt weiter nach Nordosten die Dichtig­keit der Niederlassungen ab und die Szenerie ändert sich. Wir gelangen in das Becken des Sungari, wo sich gewaltige Prärien ausdchncn, deren Gras sich bis zur Höhe von 2 Metern erhebt und sich mit dem Laube der Bäume berührt; hier muß, wenn man die große Straße oder die Pfade des Wildes verläßt, die Axt einen Weg bahnen. Ter nord­östlich zum Amur strömende Sungari ist der eigentliche Hauptfluß der Mandschurei; wegen der zeitweisen Weiße seiner Wasser hat er den poetischen NamenMilchblume" erhalten, und er muß ein schöner Strom genannt werden. An manchen Stellen ist er bis zu zwei Kilometern breit und zu Myriaden nisten an seinen sumpfigen, von üppigster Vegetation bedeckten Ufern die Schwalben; während dergroßen