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Auswärts 30 ^.

Nr. 176.

Dienstag den 3L Juli

1900

Amtliches.

^anö&re 10 ^attait.

Bekamtmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die an der evangel. Volksschule zu Ravolzhausen neugegründete zweite Lehrerstellc soll zum 1. Oktober d. Js. besetzt werden. Das Grundgehalt der Stelle beträgt neben freier Wohnung 1200 Mark.

Der Einheitssatz der Alterszulage ist auf 150 Mark festgesetzt. Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeug­nissen binnen 4 Wochen dem Herrn Lokalschulinspektor Pfarrer Bechtel in Ravolzhausen einreichen.

Hanau den 25. Juli 1900.

Namens des Schulvorstandes, Der Königliche Landrath.

V 6813 v. Schenck.

Bei der Landgemeinde Langenselbold (Kreis Hanau, Re­gierungsbezirk Cassel) ist eine Gemeindeförsterstelle neu zu besetzen. Nur Forstverstchcrungsbcrcchtigte und Reservejäger der Klasse A wollen ihre Meldungen unter Beifügung aller be­züglichen Schriftstücke (Militärpapiere, Dienst- und Führungs­zeugnisse re.) innerhalb 4 Wochen einreichen. Das Anfangs­gehalt pro Jahr beträgt 1500 Mark und steigt dasselbe bei guten Leistungen von drei zu drei Jahren um je 100 Mark bis zum Höchstbetrage von 1800 Mark.

Bewerbern, welche auch im Wegebau und allen dahin ein­schlagenden örtlichen Arbeiten und Berechnungen gut bewandert sind, wird der Vorzug gegeben. Gleichstellung mit den König­lichen Förstern bezüglich des Einkommens, der Pensions­ansprüche rc. kann in Aussicht gestellt werden, wenn nach mindestens öjähriger zufriedenstellender Dienstführung definitive Anstellung unter Verzichtleistung auf Rücktritt in den Staats­dienst gewünscht, beziehungsweise genehmigt werden sollte.

Langenselbold den 28. Juli 1900.

Der Gemeindevorstand.

J. A.: Roese. 12044

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Korb nebst 2 grauen Säcken; Empfang­nahme bei Dienstmann Stötter, Nordstraße 47. 1 weißes Rouleaux nebst Holzstange. 2 Schlüssel. 1 Milchkanne; abzuholen bei Metzger A. Lohne, Hospitalstraße.

Hanau den 31. Juli 1900.

Der König von Italien ermordet!

Diese erneute Schreckenskunde, wohl eine der furchtbarsten, welche in den letzten Jahren die zivilisirte Welt erschütterte,

überbrachte uns gestern Vorm, der Telegraph. Unglaubliches ist geschehen. Einer der mildesten, leutseligsten Herrscher ist von frevelhafter Bubenhand kaltblütig durch eine meuchlerische Kugel zusammengeschossen worden und eine Stunde darauf gab der zum Tode Verletzte seinen Geist auf. Schauder er­greift uns angesichts solch einer teuflischen That, einer Bestie, die sich Mensch nennt, die mit frecher Stirn den schauerlichen Mord cynisch lächelnd eingesteht. Schauder ergreift uns bei dem Gedanken, daß ein Kind des eigenen Landes es über sich bringen konnte, inmitten der Lust und Freude eines Volks­festes, zu dem der huldvolle Monarch persönlich erschienen war, um demselben einen besonderen Glanz zu verleihen, das tödtliche Blei dem ahnungslosen „Vater des Vaterlandes" ins Herz zu jagen. Fürsten-Attentate sind in Italien nichts neues, und auch der arme Umberto hatte, als er bereits als zweiter König des neu geeinten Italiens den Thron be­stiegen, ein Attentat zu bestehen. Damals entging er mit knapper Noth dem ihn bedrohenden heimtückischen Mordgewehr, das ein fanatischer Tollhäusler auf ihn gerichtet. Damals wie jetzt war es ein Angehöriger des italienischen Volkes selbst, der dem beliebten, volksthümlichen Herrscher nach dem Leben trachtete, demselben Herrscher, dem das italienische Volk so Vieles zu verdanken hat, der getreu bemüht war, den Pflichten seines dornenvollen Amtes gerecht zu werden, ge­recht, soweit es unter den eigenartigen Zuständen des uns verbündeten Landes möglich gewesen ist.

Empörung aber muß die ganze Menschheit erfüllen gegen die Bande, welche unter einer politischen Flagge dem Mörder­handwerk fröhnt. Italien hat leider schon manchen anar­chistischen Attentäter hervorgebracht, man wird nicht verkennen dürfen, daß der Anarchismus gerade in letzter Zeit eine starke Ermunterung durch die belgischen Vorgänge erhielt. Wenn der Versuch eines Attentates auf den englischen Thronfolger, der doch klar erwiesen ist, mit einer Milde angesehen wird, als handelte es sich um einen Dummenjungenstreich, dann muß ja dem anarchistischen Gesindel der Kamm schwellen, es muß ja zu erneuter Bethätigung seiner verbrecherischen Ge­sinnung herausgefordert werden. Milde bedeutet hier nichts weiter als die Aufforderung zur Begehung neuer Attentate. Wenn die Mächte auch noch so eingehende Vereinbarungen über Maßnahmen zum Schutze ihrer Staatsoberhäupter treffen, sie werden dadurch nicht den Anarchismus und demgemäß auch nicht die Gier nach dem Königsmorde aus der Welt schaffen. Die Gerichte der einzelnen Staaten aber haben die heiligste Pflicht, solche Attentate mit den schärfsten Strafen, die ihre Gesetze kennen, zu ahnden. Nur dadurch wird diese Gier möglichst zurückgehalten. Und sind die Gesetze selbst nicht so beschaffen, daß von ihrer Anwendung durch die Ge­richte ein solcher Erfolg zu erwarten ist, so müssen sie ent­

sprechend geändert werden. Das ist eine Forderung, der sich kein Staat entziehen darf, wenn er nicht zur Untergrabung der Grundlagen der Gesittung beitragen will.

Aus dem Leben des Königs Humbert

theilt ein Berliner Blatt verschiedene interessante Züge mit: Der verstorbene König erfreute sich, ebenso wie " seine Ge­mahlin, die Königin Margherita, bei seinem Volke einer außerordentlichen Beliebtheit. Ueber seine Vermählung wird aus Wien geschrieben: Ehe es zur Heirath des Königs Humbert mit seiner Cousine Margherita kam, holte er sich an verschiedenen Höfen Körbe, den letzten in Wien, wo die Tochter des Erzherzogs Albrecht, Mathilde, welche bald nach der Werbung Humberts einen schrecklichen Tod durch Ver­bbennen fand, von dem italienischen Freier nichts wissen wollte. Nicht viel mehr als sechzehnjährig, folgte Margherita dem „Cousin mit dem finsteren Blick und dem martialischen Schnurrbart" zum Altar, und ganz Italien bereitete rauschende Feste vor, die in Turin mit einem Turnier, bei dem der Herzog von Aosta die Nolle des sieghaften Ritters spielte, ihren Anfang nahmen. In der Hauptstadt Florenz hielt dann die märchenhaft schöne Prinzessin ihren Einzug im historischen Telemachwagen mit den klassischen Malereien. Von fürstlichen Gästen, die zur Hochzeitsfeier in Turin ge­blieben waren, blieb Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere Kaiser Friedrich, dem jungen Paar zur Seite, und machte den ganzen Triumphzug durch Italien mit. Der Kronprinz schlug dann seinen Wohnsitz in Neapel auf, lind hier wurde anderthalb Jahre nach der Hochzeit der Sohn geboren, der jetzt als Viktor Emanuel III. den Thron besteigt. Das Savoyische Hausgesetz bestimmt, daß die Mitglieder der Re­gierung bei der Geburt des Thronerben anwesend sein müssen, und da die Vermuthungen über den Zeitpunkt der Geburt sehr schwankten, brachten die damaligen Minister vier Wochen auf Reisen zwischen Neapel und Florenz zu. Die Stadt Neapel wurde Taufpathin des neugeborenen Prinzen, und Ver­treter aller Stände vom Fürsten bis zum Schifferjungen leisteten bei der Taufe Assistenz. Die Wiege, ein Meister­werk aus Gold und Perlmutter, war ein Geschenk der Stadt, und Bilder des Prinzen in der Wiege mit der Prachtgestalt der neapolitanischen Amme wurden im ganzen Reich gekauft. Es folgten keine weiteren Kinder, und aus der überschlanken, mädchenhaften Prinzessin wurde eine stattliche Dame, die, seit sie Königin ist, sich gerne prunkhaft kleidet und womöglich ihren ganzen reichen Schmuck auf einmal aulegt. König Humbert ist im ganzen Land als echter Bürgerkönig beliebt gewesen, noch mehr aber die Königin wegen ihrer bestrickenden Liebenswürdigkeit. Auch der Prinz war als solcher beliebt, nur ist es gewiß charakteristisch, daß, obwohl er heute 31

Feuilleton.

Die Pariser Weltausstellung.

XV.

I m Marsfeld-Gebäude.

Oft genug geräth der Besucher der Pariser Weltausstellung in die Lage, zu fragen, worin denn eigentlich das Großartige, Ueberraschende, Nochniedagewesene dieser Ausstellung beruhe. In der That ist es keine Ausstellung des Nochniedageweseven. Die sogenannten „Attractions", daß heißt der Jahrmarkts­kram der sich an jede Ausstellung zu heften pflegt, ist höchst untergeordneter Natur und man thut wohl, allen Lobes- Erhebungen, die darüber ausgestreut werden, mit großem Mißtrauen zu begegnen. Außer dem Kostüm-Palast, der wahrhaft Schönes bietet, ist wenig Erquickliches vorhanden; selbst der Palast der Optik ist mit verschwindenden Aus­nahmen in seinen Darbietungen minderwerthig; das Schweizer­dorf und Alpen - Panorama wird Niemand mit Genuß besuchen, der einmal in den Alpen war, kurz, das Spielzeug für Erwachsene, das hier geboten wird, ist nicht von bester Beschaffenheit.

Für Restaurants und Erfrischungs-Lokale ist aus­reichendem Maße gesorgt und Niemand wird z. B. im deutschen Spatenbräu hinter dem Marsfeld-Gebäude (gegen­über der Sektion Transportmittel) die Preise allzu hoch finden; gute französische Küche findet man in einem Restau­rant hinter dem linksseitigen Marsfeld-Gebäude in der Nähe der Porte Rapp, wo das Döjeuner mit Wein 2 Fres. 50 Ctms. kostet. Wer alle „Attractions" besuchen will, thut wohl, sich einen Ausstellungsbon zu 5 Frcs. 40^ Ctms. zujkaufen, auf welchen bei allen diesen Darbietungen Ermäßigung gewährt wird. Im Uebrigen aber behalte man im Auge,

Tiefen erbeutet, um die Sprachen der Höhen beherrschen zu können. Nach anderer Richtung hin wird der Uebergang vom Bergbau zum Maschinenbau gekennzeichnet: in der deut­schen Abtheilung z. B. durch Maschinen für Bergwerks-Be­trieb, in der ungarischen durch eine Schiffsschraube und der­gleichen mehr. Der deutsche Bernstein ist im Anschluß an diese Gruppe in reichhaltiger künstlerischer Ausgestaltung unter anderm auch als Einlegematerial für Möbel vertreten, ferner wird der Uebergang zur Hütten-Chemie, zum Färbereiwesen u. s. w. hier deutscherseits charakterisirt. Auf dem Wege über das Seilereiwesen, das ja für den Bergbau unentbehr­lich ist, gelangt man in die Textil-Abtheilung, die bekanntlich mit Maschinen, namentlich deutschen, durchsetzt und von allen Kulturvölkern beschickt ist. Der außerordentlich weite Raum, der dieser Gruppe angewiesen ist, zeugt allein schon für seine Wichtigkeit; er ist bis an die Elektrizitätsabtheilung hinange­baut, an die sich dann die Abtheilung „Heizungswesen" und zu beiden Seiten des Festsaales „Landwirthschaft und Nahrungs­mittel" anschließen.

Die französische Landwirthschaft ist natürlich vorwiegend durch Weinbau beschäftigt; das „Champagner-Schlößchen", das Panorama der Gironde und das große, in die franzö­sische Weinabtheilung hineingebaute Schiff werden viele Be­sucher anlocken. Der vom Trocadero rechtsseitig gelegene Flügel des Marsfeldgebäudes zerfällt in die Abtheilung Chemie, Jngenieurwesen und Tranzportmittel, Unterichtswesen, Buch­gewerbe und Wissenschaften. In dieser letzten Abtheilung fesseln besonders die Säle der französischen periodischen Presse, die verschiedenen photographischen Abtheilungen ~ die deutsche ist im deutschen Hause zu suchen — das Wagenmuseum, die Papierindustrie und Anderes mehr. Ueberall im Marsfeld- Gebände wird man die Beobachtung machen können, daß Deutschland den größten Antheil an der Herstellung ein­schlägiger Maschinen hat.

daß gerade diese Pariser Jahrhundert-Ausstellung durchaus keine Belustigungs - Ausstellung sein will. Wer nur auf oberflächliches Vergnügen bedacht ist, wird wohl thun, es im laufenden Jahre nicht in Paris zu suchen. Der aller­flüchtigste Besuch des Marsfeld-Gebäudes bedeutet eine an­strengende Arbeit, bei welcher durch sechsstündiges Umher­gehen und Besichtigen kaum eine solide Grundlage gewonnen werden kann. Dem eilig flüchtigen Besucher wird dieser Riesenbau immer nur als architektonische und dekorative Studie nützen können.

Einen Hauptreiz dieses Gebäudes bildet außerdem die Vertheilung des elektrischen Lichtes. Man muß sich das ganze .Gebäude als zwei vom Elektrizitätspalaft ausgehende Flügel vorstellen, denen unten seitlich noch je zwei Abzweigungen nach rechts und links vorgelagert sind. Die Endpunkte der beiden langen Gebäudeflügel treffen, allerdings in beträcht­lichem Abstand auf die Stützpunkte des Eiffelturmes auf. Der sogenannte Elektrizitätspalaft ist ebenso wenig wie das Wasserschloß als Einzelbau zu denken. Alles greift vielmehr in einander, derart, daß sich die Elcktrizitäts-Abtheilung dem großen wundervoll dekorirten Festsaal vorlagert und vor jene wieder das Wasserschloß. Letzteres erscheint trotz der großen Wassermengen, die es verbraucht, fast dürftig im Ver­hältniß zu dem riesenhaften Maßstabe des Gebäudes. Der Gesammtbau gewinnt so ungeheure Ausdehnungen durch die Thatsache, daß Lichthöfe und Querflügel ihn mehrfach durch­schneiden, auch ist er zweistöckig, sodaß überall Erdgeschoß und Obergeschoß zu besichtigen ist, ausgenommen am Wasserschloß, wo sich die Bogengrundlage bis zur Höhe des Obergeschosses erhebt.

Der vom Trocadero links, vom Wasserschloß rechts ge­legene Flügel beherbergt zunächst das Bergwerkswesen. Ein fröhliches Glockenspiel krönt gewissermaßen diesen Theil der Ausstellung, um anzudeuten, wie der Mensch die Schätze der