Einzelbild herunterladen
 

Abonnements- Preis :

Jährlich 9 M.

Hatbjährl. 4 ^ 50 ^J.

Vierteljährlich

2 M 25 ^.

Aür auswärtige Abonnenten mit dem beirejiendeii

PoKaufjchlag.

Die einzelne

Nummer tostet

10 «X.

Zugleich

Amtliches Argun für Htaöt- unö Lanökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Vinriukuirgs. gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamcnihetl die Zeile 20 .H, für Auswärts 30 A

Nr. 165.

Mittwoch den 18. Juli

1900

Amtliches Handelsregister.

Die Firma Leopold Greif in Hanau soll von Amts- wegen gelöscht werden. Der Firmeninhaber oder seine Rechts­nachfolger haben einen Widerspruch hiergegen bis zum 9. November 1900 geltend zu machen.

Hanau den 9. Juli 1900.

Königliches Amtsgericht 5. 11364

Gesundem und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 blaues Kinderkleid. 2 neue Frauen­sacken, die eine weiß und roth, die andere blau mit kleinen Blümchen.

Entflogen: 1 schwarze Bagdettentäubin. 1 rothe Brüner Taube.

Hanau den 18. Juli 1900.

Die Wirren in China.

Eins der letzten Lebenszeichen der Opfer von Peking.

Ein Stimmungsbild aus Pdking, das unmittelbar vor dem Beginn der Angriffe auf die Gesandtschaftsgebäude ent­worfen ist, enthält ein von denTimes" veröffentlichter Privatbrief eines jungen Attachès der englischen Gesandtschaft. Das Schreiben ist vom 10. und 11. Juni datirt und wohl einer der letzten Briefe, der aus Peking nach Europa gelangt ist. Er sprudelt förmlich über von jugendlichem Uebermuthe und der Freude über die Aussicht aus einen ernsthaften Strauß mit den Boxern und auch mit den chinesischen Sol­daten, wenn diese mit den Ersteren gemeinsame Sache machen sollten. Nach einer Schilderung einiger ziemlich harmloser Zusammenstöße mit Boxern, die die Rennbahn der Ausländer bei Peking niedergebrannt hatten, kommt folgende hochbedeut­same Stelle:

Die chinesischen Truppen haben nichts zur Unterdrückung der Boxer gethan, die ganz nach Gefallen gebrannt, gesengt und gemordet haben und deren Endziel die Vernichtung aller Ausländer ist. . . Missionare sind gestern und heute in unsere Gesandtschaft geströmt und kampiren überall auf dem Platze, und heute Abend kam ganz unerwartet für uns nicht Eingeweihte jede in Peking anwesende Dame zu uns. Die schärfsten Vorsichtsmaßregeln gegen eine Ueberrumpelung werden getroffen und Folgendes ist der Grund: Ein Minister des Tsungli-Damen erzählte heute die Kaiserin-Wittwe sei heute Nachmittag vom Sommerpalaste nach Peking gekommen, in furchtbarer Wuth über die anmaßende Weise, mit der die

Ausländer hier Alles kommandirten. Sie lasse sich durch Nichts beruhigen, habe ihren Kopf aufgesetzt, wolle sich dies nicht länger gefallen lassen und habe, mit ihren 910,000 Soldaten hinter sich, den Befehl ertheilt, in dieser Nacht noch jeden Ausländer in Peking umzubringen. Daß diese Nach­richt zuverlässig ist, geht aus der Thatsache hervor, daß Sir Robert Hart, der die Chinesen wahrscheinlich besser kennt als irgend ein Anderer, jede der ,jZoll-Damen" (Hart ist der Leiter des Zollamtes) ohne Zeitverlust nach der Gesandtschaft geschickt hat, nach thräuenreichem Abschiede von Gatten und Freunden, und daß alle Briten den Befehl erhalten haben, sich hier einzustellen. Seit 14 Tagen hat Jeder von uns sein Martini-Gewehr mit Munition; Jedem ist ein Ver­theidigungsposten angewiesen und heute Abend sind wir Alle aus demQui vive". Wenn diese Alarmnachricht wahr ist, und wir heute Nacht von 10,000 Mann angegriffen werden, so wird es uns vielleicht schlecht ergehen. Wir sind gut be­waffnet und werden ihnen mit Hilfe unserer Marinesoldaten und deren Maximgeschützen einen warmen Empfang bereiten, aber ich glaube nicht, daß wir uns längere Zeit gegen eine große Uebermacht halten können. Wir haben Vorräthe für eine Woche, aber ich glaube, wir ymrden doch einige Schwierigkeiten haben, die Kerle bei einem organisirten An­griffe abzuschlagen." Der Schreiber bedauert, daß die Frauen und Kinder nicht schon früher fortgesandt worden seien, da die Männer dann leichteren Herzens kämpfen würden. Jetzt sei es zu spät, wenn nicht Mannschaften von der Flotte ge­landet würden und den Weg nach Tientsin öffneten. Der Briefschreiber erzählt dann, wie er und einige Andere, von einer Abtheilung Marinesoldnten begleitet, sich am Morgen des 11. nach dem Bahnhof begeben hätten, um die von Taku erwarteten Verstärkungen zu enipfangen. Aber sie kamen nicht, und statt dessen traf die Nachricht ein, daß ein scharfes Scharmützel an der Bahnlinie, an dem Platze, wo die Boxer sie zerstört hatten, stattgefunden habe. Die Engländer gelangten unbeschädigt nach der Gesandtschaft zurück, aber der Sekretär der japanischen Gesandschaft, der ganz allein nach dem Bahn­hof hinausgefahren war, wurde auf der Rückfahrt am Dun- tingmen, dem ersten großen Thore der Chinesenstadt, von einigen Soldaten aus dem Wagen gerissen und in Stücke gehackt.

Die Opfer.

fs Es sind an die 1000 Menschenleben, deren Verlust die gesittete Welt heute betrauert, einsame Matrosen, hervorragende Diplomaten, Kinder im zartesten Alter, vornehme Frauen, wetterharte Soldaten. Einige Aufstellungen, die man in Paris und London veranstaltet hat, lassen den Umfang des Dramas einigermaßen errathen. Eine Berechnung, die der Figaro" vor einigen Tagen eingestellt hat, umfaßt allein'

171 Mitglieder der französischen Kolonie, nämlich 17 Per­sonen der Gesandtschaft, darunter sechs Frauen und zwei Kinder, 75 Offiziere und Seeleute, die als Schutzmannschast nach Peking gesandt wurden, 17 Beamte und Kaufleute, darunter vier Frauen und vier Kinder, 49 Personen, die den Missionen angehörcn, darunter der Bischof Favier. Ferner glaubt man, daß drei Ingenieure und 10 Werkmeister, die beim Bau der Hankau-Eisenbahn beschäftigt waren, sich nach Peking geflüchtet haben. Auch die Anzahl der britischen und amerikanischen Staatsangehörigen beläuft sich auf mehrere Hundert. Der britischen Gesandtschaft gehören 29 Personen an, darunter 3 Frauen und 4 Kinder. Die amerikanische Gesandtschaft zählt 22 Personen, darunter 12 Frauen und 4 Kinder. Zu dem Stab der chinesischen Seczollverwaltung gehören 24 Erwachsene, darunter 6 Frauen, außerdem zahl­reiche Kinder. Diese Personen sind nur zum größten Theil Briten, es sind wahrscheinlich auch Deutsche darunter. Die britischen und amerikanischen Kaufleute werden mit 23 angegeben, nebst 8 Frauen und mehreren Kindern. Sehr zahlreich ist ferner das Missionspersonal englischer Zunge: 33 Geistliche und Missionare, 58 Frauen, wahrscheinlich auch eine Anzahl Kinder. Was die Schutzmannschaften betrifft, so mögen sie mit Einschluß der Truppenabtheilungen, die kurz vor dem Ab­bruch des Verkehrs mit Peking dort eintrafen, die Zahl 450 erreichen; den Oberbefehl über diese vereinigten Truppen führte nach Angabe der englischen Blätter ein österreichischer Marineoffizier.

:f: -i-

*

Es ist schon wiederholt auf die Achulichkeit der Lage zwischen der Zeit, als im Jahre 1860 die verbündeten Eng­länder und Franzosen vor Peking standen, und der heutigen aufmerksam gemacht. Ueber den damaligen Frevel gegen das Völkerrecht, den die Chinesen durch die Gefangennahme der Parlamentäre und die Marter begingen, der sie die Gefangenen unterworfen, schreibt Graf d'Herisson in dem von ihm heraus- gegebcncn Buche:

Das gefangene Personal der Gesandtschaften bestand aus den Franzosen Oberst Foullon de Grandchamps, Hauptmann Chanoine (dem späteren Kriegsminister des Drcyfushandcls), den Leutnants Ader und Gagny, dem Unterintendauten Dubut, dem Dolmetscher Abbe Duluc und den Diplomaten de Lauterak, Grafen de Bastard und de Meritans, und aus den Engländern Oberstleutnant Walther u. s. iv. Bei den Verhandlungen mit dem Prinzen Kong an der Mauer Pekings war unsere größte Sorge die um das Leben unserer Lands­leute. Die Botschafter sagten Kong, daß ein in den Annalen der Menschheit unerhörtes Verbrechen in Tang Tschcn verübt worden sei, daß man dort Parlamentäre überfallen, wegge- schlcppt und, wie zu befürchten wäre, gebunden nach Peking

Feuilleton.

Skizzen aus Petschili.

Von Otto Leonhardt.

(Nachdruck verboten.)

Jäh und unvermuthet sind wir Deutschen in die Lage gekommen, von einem Kriegsschauplätze zu sprechen, auf dem unsere wackeren Jungen ernste Kämpfe bestanden haben und vielleicht noch schwerere zu bestehen haben werden. Dieser Kriegsschauplatz ist die chinesische Provinz Petschili, und sehr natürlich ist der Wunsch, von diesem für bie nächste Zukunft so bedeutsamen Stück Erde eine möglichst deutliche Vor­stellung zu gewinnen. Petschili bietet aber auch abgesehen von diesem aktuellen Interesse so manches Bemerkenswerthe. Freilich, wer zu See sich seiner Küste nähert, dem erscheint sie keineswegs sehr verlockend. Er sieht einen schmalen schmutziggelben Streifen Landes, der so stach ist, daß man auf zwei (engl.) Meilen Entfernung kaum überhaupt noch Land erkennen kann; die einzig hervorragenden Gegenstände am Ufer sind jene die Mündung des Peiho beherrschenden Takuforts, die durch die jüngsten Ereignisse allgemein so wohlbekannt geworden sind. Und dieser unfreundliche Ein­druck bessert sich zunächst auch nicht, wenn man tiefer in das Land vordringt. Man durchschneidet dann erst das sumpfige und häufigen Ueberschwcmmungcn ausgesetzte Küstengebiet, dann aber eine breite Zone öden Flachlandes, das aus auf­geschwemmten Lehm, Sand und Thon besteht und fast nur längs der Flußläufe kultivirt und bewohnt ist. Dies ganze, ziemlich ausgedehnte Gebiet macht den Eindruck, als wäre es erst gestern dem Meere abgerungen; seine Vegetation be­steht ausschließlich aus Schilf, Binsen und Pflanzen, die sumpfigen oder salzigen Boden lieben. Ganz wcrthlos aber

ist dies öde Küstengebiet nicht, da es eine einzige große Saline darstellt; in großen glitzernden Pyramiden haben die betriebsamen Chinesen das gewonnene Salz aufgeschichtet und ein überaus lebhafter Salztransport blüht auf dem Peiho. Hier am Flusse konzentrirt sich überhaupt alles Leben, aller Verkehr; hier wimmelt es von Dschunken, hier liegen zahl­reiche aus Lehm gebaute, äußerlich ärmliche, in Wirklichkeit aber oft recht wohlhabende Dörfer und die große Zufuhr an Lebensmitteln, die die Bewohner dieser unwirrhlichen Gegenden brauchen, trägt wesentlich zur Erhöhung des Lebens auf und an dem Flusse bei. Geht man aber dann weiter ins Innere, so nimmt die Fruchtbarkeit des Bodens in dem Maße zu, als das Land sich langsam hebt.

Petschili besteht seiner Bodengestaltung nach aus zwei ganz verschiedenen Theilen. Der Süden der Provinz nimmt die Ebene ein, der nördliche Ausläufer jener großen chinesischen Ebene, die Richthofen wegen der für sie charakteristischen Farbe dieGelbe Ebene" zu nennen vorgeschlagen hat, und die bis Peking und Jung-ping reicht. Den nördlichen und westlichen Theil Petschili's aber füllen Bergzüge, zum Theil von erheblicher Höhe, aus. Darnach trägt natürlich auch das Land einen ganz verschiedenen Charakter. Verfolgen wir zunächst, um die große Ebene näher kennen zu lernen, den Peiho in seinem vielfach gewundenen Lauf, so bemerken wir, wenn wir das langgcdehnte Tientsin hinter uns haben, bald, daß der die Lehmschicht überlagernde Humus an Tiefe und Fruchtbarkeit stetig zunimmt. Damit verliert das Land auch den Charakter der Oede. Besonders im Sommer gewährt die zu beiden Seiten des Stromes sich fast vollkommen hori­zontal ausdehneude Ebene einen recht freundlichen Anblick. Zwischen grüne Kornfelder sind Baumpflanzungen und Gärten eingestreut; größere und kleinere Dörfer, die ihre Häßlichkeit hinter Obstgärten oder hübschen Daumgruppen verbergen, so­wie einzelne Farmen tauchen auf. Je mehr wir uns Peking

nähern, desto lebhafter und hübscher wird das Bild der Ebene, desto intensiver Kultur und Anbau. Es zeigen sich pittoreske alte Klöster; zahlreich sind die Grabdenkmäler und Begräbniß- plätze vornehmer Familien, die durch ihre schönen Fichteu- und Juniperushaine angenehm ins Auge fallen; handelt es sich um die Begräbnißstätten von Prinzen oder von Mit­gliedern fürstlicher Familien, so pflegen kolossale Löwen aus Marmor oder Bronze den Eingang zu hüten, zuweilen fuhren auch ganze Alleen von Thierfiguren zu diesen Friedhöfen hin. An andern Stellen der Ebene ragen Marmordenkmäler auf, die die Gestalt einer riesigen Schildkröte haben, aus deren Rücken aufrecht eine Jnschrifttafel steckt. Außerordentlich reich ist die Ebene in der Nähe von Peking an Dörfern und Farmen, die durch ungezählte Fußpfade mit einander ver­bunden sind. Die Dörfer sind gewöhnlich langgestreckt, die Dächer der Häuser mit grauen Dachpfannen bekleidet, während im Gebirge zumeist Schieferdächer verwandt werden. In jedem Dorfe findet man ein oder mehrere Wirthshäuser, Thee- häuser und gewöhnlich in der Nähe auch ein Kloster. In dieser Gegend ist der Anbau des Bodens sehr intensiv. Die wichtigsten Bodenprodukte sind Hirse, Mais, Buchweizen, während Weizen und Reis weniger gebaut werden. Große Flächen bedeckt die am Boden forlkriechende Batate mit einem dichten Blätterteppich. An den Feldrändern steht die Ricinus- staude, deren Oel hier gern als Lanepenöl verwandt wird. Der Obst- und Küchengarten zeigt etwa dieselben Früchte wie bei uns; Pfirsiche und Aprikosen gedeihen in ausgezeichneter Güte; Knoblauch wird, entsprechend dem massenhaften Ver­brauche dieses angenehmen Gewächses bei Arm und Reich, in großen Mengen gebaut. Sehr sorgfältig wird der Boden gedüngt; in Peking sowohl wie auf den Landstraßen trifft man zahlreiche Leute, die alle menschlichen und thierischen Exkremente, deren sie habhaft werden können, sorgfältig sammeln und den Landleuten zuführen; das Gewerbe der Menschen,