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Dienstag den 17. Juk

1900

Aufruf

Bei der ernsten Wendung der Ereignisse in China hat das Zentral-Komitee der unter Allerhöchstem Protektorat stehenden deutschen Vereine vom Rothen Kreuz nicht gesäumt, die Unterstützung der amtlichen Sanitätspflege durch die Vereinsorganisation dem Reichs-Marineamt anbieten zu lassen.

Dieses Anerbieten ist angenommen worden. Die erste Sendung reichhaltiger Materialien für Verpflcgungszwecke, die Gestellung von freiwilligem Personal für Lazarethpflege, so­wie die Errichtung zunächst eines überseeischen Vereins-Laza- reths sind in Vorbereitung.

Das Zentral-Komitee erachtet es für seine Pflicht, allen Kreisen in Deutschland, welche an dem Loos unserer braven Truppen herzlichen Antheil nehmen, hiervon Kenntniß zu geben.

Beiträge zur Verwendung für die obengenannten Bedürf­nisse nimmt die Schatzmeisterkasse des Zentral-Komitees, König­liche Haupt-Seehandlungskasse, Berlin W., Jägerstraße 21, entgegen.

Die Bildung weiterer Sainmelstellen ist erwünscht.

Berlin den 8. Jnli 1900.

Das Zentral-Komitee der Deutschen Vereine vom Rothen Kreuz.

B. von dem Knesebeck,

Vorsitzender.

von Spitz, General der Infanterie z. D., L stellvertretender Vorsitzender.

Havenstein, Präsident der Seehandlung, Schatzmeister.

Dr. Koch, Präsident des Reichsbank-Direktoriums, Wirklicher Geheimer Rath, II. stellvertretender Vorsitzender.

Dr. Lieber, Generalarzt a. D., Generalsekretär.

Vorstehender Aufruf wird hiermit zur öffentlichen Kennt­niß gebracht.

Beiträge werden hier bei der Stadthauptkasse (Rathhaus) und bei der Kreiskommunalkasse (im Landrathamtsgebäude gleicher Erde, Zimmer Nr. 11) in Empfang genommen.

Die Herren Bürgermeister des Landkreises werden ersucht, in ihren Gemeinden Sammelstellen zu errichten, solche durch ortsübliche Bekanntmachung zu bezeichnen und die einge­gangenen Beträge bis zum 15. August d. Js. an die hiesige Kreiskommunalkasse abzuführen. Letztere wird über den Empfang quittiren.

Hanau, am 17. Juli 1900.

Zweigverein vom Rothen Kreuz.

Der Vorsitzende.

v. Schenck, Königlicher Landrath.

Feuilleton,

Die Pariser Weltausstellung.

XIII.

Im Palast der schönen Künste.

Ein wohlgeratener Bau, auf den Frankreich stolz sein kann, dieser Palast der schönen Künste, den man auf den Champs Elysècs errichtet hat. Ein Kuppelbau von Glas in Eisengerüstfassung bildet den Mittelpunkt, lange Flügel- Hallen strecken sich nach beiden Seiten, und ein Mantel von Sandsteinsäulen, der nach der Jnvaliden-Esplanade hin mit prächtigem Portal und abermaliger eigener Kuppclwölbung abschließt, hüllte das Ganze ein. Da ist nichts absonderlich Neues in dem Bau, kein Haschen nach niemals dagewesenen Effekten, nur schöne Gliederung, schlichte Zweckdienlichkeit und ein gewisser Ausdruck würdiger Prachientfaltung, wie er von den Lcbensbedingungen eines Monumentalgebäudcs unzertrennlich ist. In der ornamentalen Formensprache kommt eine starke Anlehnung an die Ausdrucksweise Berninischer Hochrenaissance zum Durchbruch.

Drinnen rèiht sich Halle an Halle, jede zur Aufnahme von Kunstwerken bestimmt, die Wände mit dunkelrothem oder wohlthuend grünem Stoffbezug bekleidet; in der Deckcn-Ver- zierung kommt die zu Grunde liegende, Eisenstruktur zur Geltung, natürlich von dem erforderlichen schützenden Farben­anstrich verhüllt, so daß die Erinnerung an venetianisches, schweizerisches oder flämisches Deckengebälk wach wird, nur ist alles freier, leichter und beweglicher, was sich ja beim Gisen von selbst versteht. Erdrückend ist natürlich die Fülle dessen, was in diesem Zweckmäßigsten aller modernen Aus- stellrmgsgcbäude geboten wird. Es ist die sog. rückblickende Kunstausstellung, d. h. die Ausstellung von Werken aller

Jnvaliden-Priisungs-Geschiist.

Das diesjährige Jnvaliden-Prüfungs-Geschäft findet am 18. und 19, Juli d. Js., jedesmal um */«9 Uhr vor­mittags, in Hanau im Sandhof statt.

Es haben zu erscheinen:

Sämmtliche Invaliden und Unterstützungs-Empfänger aus dem Stadt- und Landkreis Hanau, deren Pension bezw. Unter­stützung mit dem 31. Oktober d. Js. abläuft, wie nachstehend angegeben:

Die Leute, die ihren Wohnsitz in Hanau und Groß­auheim, haben am 18. Juli cr., vormittags */s9 Uhr; die Leute, die ihren Wohnsitz in allen übrigen Ort­schaften des Landkreises Hanau haben, am 19. Juli er., vormittags ^$9 Uhr.

Bemerkungen:

Die Militärpapicre sind mit zur Stelle zu bringen!

Wer nicht erscheint, hat zu gewärtigen, daß er seiner Pension mit dem 1. November er. verlustig geht. Im klebrigen liegt es' im Interesse der Invaliden selbst, sich bei irgend welchen Zweifeln bei dem Bezirksfeldwebel in Hanau zur Be­scheidung zu melden.

Frankfurt a./M., im Juli 1900.

Königl. Bezirkskommando.

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: am 14. d. Mts. auf dem Marktplatz eine grau- und rothgestreifte Markttasche, Empfangnahme bei Hoffmann, Marktstraße 2, ein kleiner goldener Ring mit rothem Stein, Empfangnahme bei Möller, Gärtnerstraße 54, eine gelbe Brosche mit 2 Täubchen und einem weißen Stein, drei Gebund Schlüssel, ein Paar Militärhandschuh.

Verloren: ein Portemonnaie mit 30 Mk. Inhalt. Hanau den 17. Juli 1900.

Das Ende der Tragödie in Peking.

Am Morgen des 7. Juli haben die tapferen Vertheidiger der britischen Gesandtschaft in Peking mit ihren armen Schutz­befohlenen, den fremden Diplomaten, den Kaufleuten und Beamten, den Frauen und Kindern ausgelitten. Nach vielen Stunden des furchtbarsten Kampfes mußten sie sich wehrlos dem anstürmenden Feind aussetzcn, der sie Alle, ohne Unter­schied des Alters und Geschlechts, niedermachte. An dieser grauenvollen Thatsache ist auch kein Zweifel mehr. Einen anderen Ausgang konnte dieser tragische Kampf nicht nehmen, seitdem feststand, daß die internationalen Truppenführer in Tientsin einen Entsatz ihrer Brüder und Schwestern in der so nahe gelegenen Hauptstadt nicht glaubten ausführen zu

Künstler des verflossenen Jahrhunderts, die hier als An­sammlung einer Anzahl von Kunstwerken aus aller Herrn Länder auftritt.

Schon die Allee, die vom Haupteingang zum Palast der schönen Künste führt, bietet des Bewundernswerthen und Er­freulichen viel; vor Allem wird es die Deutschen wohlthuend berühren, so vielen guten Bekannten aus der Welt der bildenden Kunst zu begegnen. Gleich vorn links treffen wir Tuaillons Amazone, die zwischen dem Berliner Neuen Museum und der Nationalgalerie ihren ursprünglichen Platz hat. Von den vielen andern deutschen Sachen greife ich willkürlich heraus: Brütts „Schwerttönzerin", Schillings „Forelle", Cauers „Durft", Eberleins „Grablegung", Eplers „Sündfluth" u. s. w.

Hier unten gleich links vom Eingang haben wir die modernen Italiener, anmuthig und liebenswürdig wie immer, aber derart erfüllt von der Liebe zur schönen Linie, daß sie ihr da und dort den seelischen Inhalt der Arbeit opfern. Nicht als ob sie nicht ernst zu sein vermöchten; sie können erschreckend tragisch sein, und wenn sie es sind, so liegt eine gewisse Bitterkeit darin, ein leiser Groll gegen das Schicksal, der uns Deutsche nicht immer sympathisch berührt. Da sind z. B. Vincenzos Opfer der Arbeit mit großer technischer Meisterschaft dargestellt, aber ohne jene hohe Auffassung vom Adel der Arbeit, welche uns Deutschen den großen Belgier Konstantin Mennier so lieb und bewundernswert erscheinen macht. Drüben an der Linkswand des Längsflügels sehen wir seine Schnitter vnd Schnitterinnen im Kornfelde. Hier­weiter vorn, noch neben den Italienern und mit ihnen ge­mischt, treffen wir Portugiesen an: massiv in den Ausdrucks­mitteln, als ob der Stoff Hervorquellte unter beherrschter künstlerischer Leidenschaft, groß in den Gedanken, aber weniger beweglich wie die Spanier, die sich immer wieder zu fröh­lichem befreienden Lachen aufschwingen.

können. Auch hatte die heimliche Förderung der aufständigen Bewegung durch die chinesische Regierung zu erfolgreich ge­wirkt, als daß der im letzten Augenblick unternommene Ver­such des Prinzen Ching, die Fremden zu schützen, das ent­setzliche Ereigniß noch hätte abwenden können. So lastet denn auf dem ganzen himmlischen Reiche, seiner Regierung, seiner Armee und seinem Volke eine Blutschuld, wie sic schwerer kaum jemals eine andere Nation zu tragen hatte. Die Völker Europas nicht nur, sondern auch Amerikas und eines Theiles von Asien stehen vor einem Massengrabe, in dem Angehörige von ihnen einen gemeinsamen, schrecklichen Tod gefunden haben, gegen alles Recht, gegen Vernunft und Menschlichkeit. Sie werden nun auch einmütig zusammen­stehen, um diese Blutschuld zu sühnen. Sie werden nicht mehr mit einander rechnen und rechten, sie werden Alles daran setzen, jeden Mann und jeden Groschen, bis dieses ungeheuerliche Verbrechen die verdiente Strafe empfangen hat.

Eine ausführliche Beschreibung der

letzten heroischen Kämpfe der Gesandtschaft und der entsetzlichen Schlußkatastrophe liegt gleichzeitig in der „Times" und im „Daily Mail" in einem Telegramm vor, das gestern Abend um 8 Uhr in Shanghai aufgegeben ist. Danach begannen die Boxer und die ausständigen Truppen vom 25. Juni ab die britische Gesandtschaft, deren Gebäude die Zufluchtsstätte der Fremden bildete, mit einem immer stärkeren Cernirungsringe zu umschließen. Täglich und häufig auch während der Nacht machte das kleine Verthcidigungs- korps Ausfälle, die mit starken Verlusten für die Belagerer endeten. Der Muth und die Energie der Belagerten waren sogar so wirksam, daß es die Chinesen gerathen fanden, sich aus der unmittelbaren Umgebung des Legationsgebäudes im­mer mehr zurückzuziehen. Die Erfolge der Europäer hatten einen sichtlich entmuthigenden Einfluß auf den Feind, der sich in häufigen Meutereien und Desertionen unter den Truppen des Prinzen Ching bekundete. Dieser bemühte sich, die Be­lagerten zu unterstützen; schließlich aber entschloß sich Prinz Tuan zu einem energischen Angriff, der in drei starken Co- lonnen mit schwerer Artillerie ausgeführt wurde. Um sechs Uhr am Abend des 6. Juli begann die Beschießung des Gcsandtschaftsgcbäudes. Zwei Stunden lang wurden seine Mauern mit Granaten beworfen. Als sich ausreichend erscheinende Breschen zeigten, bliesen die Chinesen zum Generalangriff und rückten vor. In diesem Augenblick jedoch eröffneten die heldenmüthigen Vertheidiger ein so ver­nichtendes Gewehrfeuer auf die Angreifer, daß deren Reihen alsbald ins Wanken geriethen und sich unter Zurücklassung ungezählter Todter und Verwundeter Hals über Kopf zur Flucht wandten. Erst in Büchsenschuß­weite waren sie wieder zum Stehen zu bringen und

■ Im mittlern Theil des Flügels befindet sich Professor Breuers Verlorenes Paradies, jene ergreifende Adam- und Evagruppe, die, wenn sie recht verstanden würde, allem feministischen Geschwätz, aller albernen Emanzipationstheorie ein Ende machen müßte. Jst's denn etwa die Frau allein, die in der Welt leidet? Nein, antwortet Troubetzkoi,^ der Fraukorusse, dem wir gleich darauf begegnen, nein, die Frau leidet garnicht, die Frau Hats gut in der Welt, aber der Mann — der Mann ist ein Schlucker und die Frau ein be- gehrenswerthes Geschöpf. Seht doch meine Porträtstatuetten an — alles dem Leben abgelauscht, lauter glückliche Ver­bindungen glücklicher Augenblicks-Beobachtungen. Telle est la femme! Jawohl, Herr Troubctzkoi, sie ist io, und sie ist auch wieder nicht so. Sicherlich wäre cs ein Elend, wenn es die Saite in ihr nicht gäbe, auf der Sie zu spielen ver­stehen. Aber wir möchten all' die andern Saiten deshalb nicht missen. So z. B. den Pariser Skandinavier Vallgren nicht, der sich in Troubetzkois Nachbarschaft ebenfalls mit Statuetten sehen läßt — Statuetten, die Wunderdinge er­zählen möchten von dem Kampfe des Gedankens gegen den Stoff, von dem unendlichen Leid, das für die Menschheit, Weib und Mann, verbunden ist, mit dem Kampfe um das Werden und Vergehen. „Und doch triumphirt über das alles die Schönheit, die immer die Verkörperung der Wahrheit bleibt," setzt Vallgren hinzu. Und so geht es weiter.

Ungefähr an der Ecke des Flügels, der den Treppen-Auf- gang beherbergt, stehen die Engländer, die gern echte Sym- boliker werden möchten, wie die Deutschen, und doch immer in der Allegorie stecken bleiben, die theils keltisches Erbe ist, theils auf den alten und vielseitiges Beziehungen zum Morgenlande beruht. Rings um den weitern Theil der Halle sind überwiegend französische Arbeiten vertheilt, einige groß und ernst, andere glatt und inhaltlos, alle aber elegant. Viele Arbeiten neuerer französischer Bildhauer sind in den