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Hanauer Anzeiger
12. Juli
aber in Anbetracht der vorausgegangenen Reizung mit einer Geldstrafe von 20 Mk. davon. — Die zwei Kinder des Bürstenmachers B. hier gingen vom Paradeplatz nach der Fahrstraße, wobei das ältere Kind das kleinere fortwährend mißhandelte, weil es nicht mit wollte. Dies sah der 11 jährige Schüler S. und dieser bemühte sich, das ältere Kind von der Mißhandlung des Kleinen abzuhalien. Nun kam zufällig auch der Vater der beiden Kinder und dieser stürzte sofort auf den Schüler, der lediglich aus Mitleid für das kleine Kind gehandelt hatte, los und mißhandelte den Jungen derart, daß sich Nachbarn ins Mittel legten und sich des Jungen annahmen. B. erhält in Anbetracht der Rohheit seiner Handlungsweise 40 Mk. Geldstrafe. — „Da kommt ja auch ein Nachtwächter!" meinte der Goldarbeiter B. von hier, als er inmitten einer angeheiterten Schaar Begleiter in der Nacht vom 20. zum 21. Mai d. I. auf der Straße Hanau-Langendiebach einer uniformirten Persönlichkeit begegnete. Letzteres war aber keineswegs ein Nachtwächter, sondern der in Langendiebach stationirte Gendarm, was B. auch recht gut erkannt hatte. Nun gilt ja allgemein das Nachtwächteramt auch als ein recht ehrenwerthes, aber der Gendarm hatte doch aus dem verächtlichen Ton die beleidigende Absicht herausgehört und deshalb Strafantrag gestellt. Das Gericht zieht die seitherige Unbestraftheit des Angeklagten in Betracht und erkennt auf eine Geldstrafe von 15 Mk., dem Gendarmen wird die Publikationsbefugniß des entscheidenden Theils des Urtheils im „Hanauer Anzeiger" zugesprochen. — Der Silberfabrikant K. ist des Vergehens gegen die R.-G.-O. beschuldigt, weil er einen unter 14 Jahre alten Lehrling über 6 Stunden pro Tag beschäftigte und auch die polizeiliche Anmeldung des Lehrlings unterließ. Urtheil 30 Mk. Geldstrafe. — Einem hiesigen Offizier wurde ein Fußsack gestohlen. Der Verdacht lenkte sich auf den Kutscher L. hier und fand bei diesem ein Kriminalschutzmann größere Menge Wurstwaaren sowie einen Hobel, auf dem der Name der Firma Scherf stand; Die Wurstwaaren hatte der Kutscher von seinem Kollegen, dem Fuhrkutscher D. erhalten, den Hobel hatte er gefunden und wollte nachher aus Vergeßlichkeit denselben nicht abgeliefert haben. Die Wurstwaaren hatte der D. nun wiederum von einem Kollegen erhalten, der aber inzwischen verschwunden ist. Sie waren dem Metzgermeister H. gestohlen worden. D. und L.sind des Diebstahls bezw. der Hehlerei angeklagt, werden aber freigesprochen, weil es sich bezüglich der Würste um einen Mundraub handelt, der verjährt ist, bezüglich des Hobels die Angabe des Angeklagten glaubhaft erscheint, daß er aus Vergeßlichkeit gehandelt. — Der Tüncher A. von Aschaffenburg fuhr am 15. April vom hiesigen Ostbahnhof mit einem Billet 4. Klasse in einem Koupee 3. Klasse nach Frankfurt. Von der Eisenbahndirektion ist deshalb gegen den Fahrgast Anzeige wegen Betrug erstattet, wie dies jetzt in jedem derartigen Falle geschieht. Das Gericht erkennt auf eine Geldstrafe von nur 10 Mk., weil es sich um einen geringen Betrag handelt und weil der Angeklagte von Hause aus gut beleumundet ist. — Der Kutscher W. erhielt ein Strafmandat von 2 Mk., weil er mit einer Chaise in übermäßig schnellem Tempo durch die Stadt raste. Sein Einspruch wird verworfen. — Das Dienstmädchen W. hier hatte beschlossen, seinem äußeren Menschen zum Lambopfest ein besonders wirkungsvolles Ansehen zu verleihen, zu welchem Zweck es bei einer Firma in der Langstraße sich am 9. Juni 4 Stück Blousen im Werth von 32 Mk., „zur Auswahl" mitgeben ließ, von denen sie die Schönste für das Lambopfest reservirre. Sie hatte dabei den Namen ihrer Herrschaft angegeben, die mit der Firma in Geschäftsbeziehung stand. Aus gleicher Ursache zog sie auch einen Schuhwaarenhäudler zu Hilfe, dem sie auf den Namen einer Herrschaft, bei der sie früher gerade einen halben Tag bedienstet gewesen war, 4 Paar Schuhe im Werthe von 46 Mk. abschwindelte, wovon ebenfalls das beste Paar den Lamboywald mitzufeiern be
stammten Feindschaft zwischen Frankreich und dem Jnselreiche jenseits des Kanals ein Grab gegraben zu haben glaubte. Aber die Feindschaft ist noch viele Male wieder rege und lebendig geworden, nur mit jener blendenden Pracht-Entfaltung, die dem denkwürdigen Turnier den Namen féte du Drap d’or eingetragen hat, nahm es ein für allemal ein Ende. Feste freilich sind darum noch gefeiert worden. Wir brauchen auf unserm Wege nur ein wenig weiter zu eilen, so finden wir Marie-Antoinette in Trianon. Allerdings sind es Schäferfeste, die sie feiert, einfache unschuldige Freuden des Landlebens, die mit dem Tode unter dem Beil des Henkers gesühnt werden sollen.
Und auf dem Wege dahin rauscht noch so manches dunkle Blatt aus der französischen Geschichte an uns vorüber. Wir sehen zu, wie Katharina von Medicis mit zagender Hand das Schriftstück unterzeichnet, dem die Bluthochzeit der Bartholomäusnacht folgte. Dann wieder ein lachendes Bild. Der temperamentvolle Heinrich IV., der Mann mit den feinen durchgeistigten Zügen, der Schatten- und Lichtseiten des Erden- daseins nach allen Richtungen hin so vortrefflich auszukosten verstand. Am Fenster der schönen Gabriele d'Estrees reitet er mit ritterlichem Gruß vorüber. Gleich darauf erblicken wir die Porträt-Statue seiner zweiten Gemahlin, Maria von Medici, jener zweiten Tochter des alten Florentiner Apotheker- geschlechtes, der das zweifelhafte Glück zu Theil wurde, Königin von Frankreich zu sein. Sie hat den Tag überleben müssen, wo der Dolch des Ravaillac ihren königlichen Gatten ius Herz traf; ihr ist der vielleicht noch schwerere Tag nicht erspar: geblieben, wo ihr eigener Sohn das VerbannungsUrtheil des Kardinals Richelieu gegen sie selbst unterzeichnete. Ein schwerfälliger, einsilbiger Mann war dieser ihr Sohn, König Ludwig XIII. „Pflichttreu, wie ein Hohenzüller,' immer in erster Linie auf das Wohl des französischen Volkes bedacht", sagen moderne französische Schriftsteller von ihm,
stimmt wurde. Die übrigen Schuhe sowohl als auch die Blousen ließ sie liegen, feierte ein vergnügtes Lambopfest und — wanderte am 15. Juni ins Gefängniß, denn sie war inzwischen ermittelt worden. Die Angeklagte erhält 6 Wochen Gefängniß.
Sprechsaal.
Für die unter dieser Rubrik eiliges antteu Notsien übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.
Anfrage.
Einsender möchte sich die Anfrage erlauben, ob die in der gestrigen Nummer Ihres geschätzten Blattes veröffentlichte Entscheidung des Bezirks-Ausschusses in Cassel wegen der in Hanau erhobenen Kanalbetriebsgebühren endgiltig ist. Seines Wissens kann im vorliegenden ,Falle noch die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes angerufen werden und es läßt sich doch kaum annehmen, daß die städtische Verwaltung sich bei einem so einschneidenden Urtheil beruhigen wird, ohne die Streitsache durch alle Instanzen durchzufechten. -r.
Anm. der Red.: Wir verweisen auf die im lokalen Theile enthaltene diesbezügliche Notiz.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Secwartc.
(Telegramm aas Hamburg vom 12. Juli, (9 Uhr 55 Min.)
Ein Hochdruckgebiet lagert über Centraleuropa, ein Maximum über der südwestlichen Ostsee, eine Depression über den britischen Inseln und Frankreich, ein Minimum unter 750 mm westlich Schottlands und dem Kanal. In Deutschland ist das Wetter etwas wärmer und heiter, bei schwachen Nordost- bis Südostwinden. — Prognose für den 13. Juli: Wenig Aenderung wahrscheinlich.
Barometerstand
mittags 12 Uhr am 11./7. 12./7.
Sehr trocken Beständig
Schon Veränderlich
Regen (Wind
Viel Regen
Sturm
Mainwasterwârme heute Bormittag 16'/» Grad.
UerriusWKchrichteu
für Donnerstag den 12. Juli.
Kunstverein : In der Aula der Königl. Akademie- Ausstellung vor Gemälden.
Bürgerverein: Abends 7V- Uhr: (bei günstiger Witterung) Konzert.
Evang Männer- und Jünglingsverein: Bibelstunde (Evang. Vereinshaus). r
Christlicher Arbeiterverein: Gesangstunde im Vereinslokal „zum Ele< vhanten".
Arends'scher Stenographenverein (gegründet 1897): Vereinsabend in der Restauration „zur großen Krone".
Kaufmännischer Verein Hanau: Vereinsabend im Restaurant »Carls- bera".
aber seine Gemahlin, Anna von Oesterreich pflegte die Damen zu bedauern, die . er durch Artigkeit auszeichnete. Hier im Kostüm-Palast sieht man als Vertreterin seiner Regierungszeit die schöne Marion de Lorme, die in die Intriguen der Fronde verwickelt war.
Ein eigenartiges Genrebild ist in den Tagen des roi soleil Ludwig XIV., gewählt: der Großdauphin überrascht einige Hofdamen beim Rauchen. Gleich darauf haben wir Gelegenheit, uns mit Maria Lescynska, der Gemahlin Ludwigs XV., zu befreunden — ein gütiges Gesichtchen mit feinen, nervösen Zügen, eine Frau, deren Herz durch Höflinge und Beichtväter um die Liebe ihres Gemahls betrogen wurde. Man wohnt noch einer jener berühmten Levees der Königin bei, wo Damen des Königlichen Hauses ihrer Majestät den höflichen Morgengruß entbieten und erblickt dann, einige Genrebilder beiseite lassend, die Anprobe der Kaiserin Josephine am Vorabend ihrer und Napoleons Krönung durch Papst Urban VII., den der gewaltige Korse eigens zu diesem Zweck nach Paris hatte kommen lassen. Dieser wunderbar prächtigen Gruppe gegenüber sieht man in schneller Aufeinanderfolge Moden des 19. Jahrhunderts, unter denen besonders ein Kleid Nuance Bismarck aus dem Jahre 1867 interessant gefunden werden dürfte.
In den oberen Räumen wird noch die Geschichte der Haarfrisuren und des Korsets erläutert; hier ist auch eine große Ausstellung des Hauses Fèlix, in welcher die prächtigsten modernen Toiletten zu gefälligen Gruppen vereint werden. Alle Freitag erscheinen hier zwölf hübsche junge Mädchen in neuen und allerneuesten Toiletten. _n.
Aus Kunst und Lebers
Ausstellung moderner Kunst - Stickereien.
D a r m st a d t, 22. Juli. In der von Alexander Koch ver
Katholischer Männerverein : Vereinsabend in der „Restauratiou Mohr' (Krämerstraße)
Hanauer Fußball- und Cricketklub : Versammlung im Restaurant „zur Sonne".
St. Joseph Bauverein: Vereinsabend und Kassenauflage im Gasthaus „zur goldenen Gerste".
Radfahrerverein „Vorwärts": Zusammenkunft im Gasthaus „zur Sonne".
Erste Hanauer Poulegesellschaft- Preisspiel in der „Stadt Bremen".
Erster Hanauer Fußball-Klub 1893: Klubabend im Vereinslokal (Brauerei Kaiser, Altstadt).
Turn- u Fechtklub : Fechten.
Spessart-Touristenverein: Vereinsabend im Gasthaus „zum Elephanten".
Freiwillige Feuerwehr: 2. Komp im .Krahnen", 3 Komp. Hauptversammlung im „Karpfen", 6. Komp, in der Brauerei Beck.
Arss Provinz und Nachbargrhi-tsn.
Castel, 10. Juli. Von den 56 Mann, welche vom Husaren-Regiment Nr. 14 sich nach China gemeldet, sind 41 für tauglich zum Dienst in den Tropen befunden worden. Von Offizieren des nämlichen Regiments haben sich die Leutnants v. Häseler, Freiherr v. Sobeck und Schulz gemeldet.
Hofgeismar, 9. Juli. Gestern meldeten sich bei unserem Dragoner-Regiment auf eine telegraphisch eingelaufene Anfrage mehrer« Offiziere und 120 Unteroffiziere und Mannschaften für den Dienst in China. Die sofort vorgenommene ärztliche Untersuchung stellte ca. 85 tropendiènstfähige Mannschaften fest.
Brotterode, 10. Juli. Die Einweihung unserer neuen Kirche hat heute, am 5. Jahrestage des großen Brandes, in erhebender Weise unter allseitiger Betheiligung und in Anwesenheit des Herrn Regierungspräsidenten sowie der Vertreter der weltlichen und geistlichen Behörden stattgefunden. Nachmittags war Festessen im „Jnselsberger Hof". Die Festlichkeit wurde leider durch das herrschende Regenwetter sehr beeinträchtigt.
Offenbach, 11. Juli. In einer Wirthschaft im Großen Biergrund saßen gestern Nachmittag ein Maurerpolier aus
Fechenheim und ein Maurer beim Bier. Der Letztere verlangte dabei von dem Polier ein Darlehen von 1 Mark, und als ihm dies verweigert wurde, griff er nach seinem Bierglas und warf das dem Polier mit solcher Wucht in's Gesicht, daß es in Stücke ging und mehrere Schnittwunden veranlaßte. Der Vorfall wird natürlich ein gerichtliches Nachspiel haben.
)-( Jena, 11. Juli. Aus dem Kreise der deutschen Fürstlichkeiten, die jetzt auch um Mithilfe bei Begründung einer Zufluchtsstätte für alte oder kränkliche Schriftsteller und Journalisten (S ch r i f t st e l l e r h e i m in Jena) angegangen werden, sind bis jetzt schon ansehnliche Zuwendungen dafür erfolgt von S. K. H. dem Prinz-Regenten Luitpold von Bayern, II. KK. HH. dem Großherzog Friedrich und der Frau Großherzogin von Baden, S. H. dem Herzog-Regenten Johann Albrecht von Mecklenburg-schwerin, S. K. H. weiland Großherzog Peter von Oldenburg, S. K. H. dem Prinzen Albrecht von Preußen, Regenten des Herzogthums Braunschweig, S. H. dem Herzog Ernst von S.-Altenburg, s. H. dem Herzog Georg von S.-Meiningen und von II. HH. dem Herzog Friedrich und der Frau Herzogin von Anhalt,
Frankenthal, 11. Juli. Die soeben stattgefundene Generalversammlung der Schnellpressenfabrik Frankenthal Albèrt & Co. Akt.-Ges. hat die Vorschläge des Aufsichtsraths und des Vorstands einstimmig genehmigt, ebenso die statutenmäßig ausscheidcnden Aufsichtsrathsmitglieder Bankdirektor Friedr. Thorwart in Frankfurt a. M. und Fabrikdirektor Julius Ganß in Mannheim wiederum neu gewählt. Die Dividende mit 12°/o gelangt sofort an den bekanntm Stellen zur Auszahlung.
anstalteten Ausstellung moderner Kunststickereien in der Großherzoglichen Zentralstelle für die Gewerbe, welche sich eines überaus lebhaften Zuspruchs erfreut, sind bisher verkauft ,worden: 7 Kissen von Frau Margarethe von Brauchisch i in München, ein Kissen (zweimal) von Fräulein Pauline- Braun i n Darmstadt, ein großer Vorhang von Fräulein E. M. Risse in Frankfurt a. M., mehrere Tiscbläufer von ^Fräulein Ella Erber in München (Vereinigten Werkstätten), ein Entwurf von Friedrich Adler in Laupheim bei Ulm, bulgarische Handarbeiten, ein Tischläufer von Fräulein Else Oppler in München, ein Kissen von Fritz Rentsch in Dresden, eine Decke von Fräulein Martha Schlaffke in Breslau, ein Kissen von Fräulein Helene Schrader in Braunschweig, ein Kissen von Rudolf Wille in Berlin. Der Ausstellung sind in den letzten Tagen noch neu einverlebt worden zwanzig Arbeiten von Fritz Rentsch in Dresden. Es sind farbig prachtvoll gestimmte Kissen, ein paar große Vorhänge und vortrefflich komponirte Wanddekorationen. Auf einigen derselben finden wir ein Motiv aus des Künstlers Anfangszeit, als er als Erster mit seinen eigenartigen, stets geschmackvollen Seidenstickereien hervortrat : das Perlhuhn- und Pfauenmotiv, welches der Künstler von neuem in freier Wiederholung stets gleich glänzend behandelt. Das Publikum sei gerade auf die soeben neu aufgestellten Werke von Rentsch besonders aufmerksam gemacht.
Humoristisches.
Wörtlich zu nehmen. Besuch (Radfahrer, der eine sehr langweilige Geschichte erzählt): „Die Geschichte scheint Sie nicht sonderlich zu interessiren! Soll ich weiter erzählen?" — Hausherr: „Fahren Sie nur fort . . .!"
Aufmerksam. Gast: „Hören Sie, Herr Wirth, ich fische schon die dritte Fliege aus der Suppe!" — Dorfwirth: „Wollen Se net lieber a Sieb haben?" y