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Amtliches Avgan für Sfaöi- unö LsuSkreis Hanau.
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Gsscheist täglich »it AsSmch»e der ©enn» und getertege, mit belletristischer Vellage.
Nr- 160.
Donnerstag den 12. Ink
1900
Amtliches.
Bekanntmachung.
Auge laufen dahier ein großer, schwarzer Hund mit weißer Brust, m. Geschl.
Entlaufen dahier ein ^e Jahr altes weißes Schwein mit stumpfem Schwanz.
Mittelbuchen den 9. Juli 1900.
Die Ortspolizeibchörde. 11034
Politische und unpolitische Nachrichten.
Berlin, 11. Juli. Der Ausschuß des Bundesraths für auswärtige Angelegenheiten trat heute Vormittag unter dem Vorsitz des Ministers von Crailsheim zu einer Sitzung zusammen. Nachdem den anwesenden Herren mitgetheilt war, welche Schritte Deutschland zur Wahrung seiner Interessen in China unternommen habe, erklärten die Vertreter der Einzel-Regierungen einmütig ihre Zustimmung zu diesen Maßnahmen.
Berlin, 11. Juli. Unter dem Vorsitz des bayerischen Gesandten Grafen Lerchenfeld fand heute die. Konstituirung des deutschen Hülfskomitees für Ostasien statt. Das Komitee wird in engster Anlehnung an das Zentralkomitee vom Rothen Kreuz Vorgehen. Zum ersten Präsidenten wurde der Herzog von Ratibor, zum zweiten Präsidenten der Gesandte Graf Lerchenfeld, zum Generalsekretär Fabrikbesitzer Celberg gewählt. Es wurde beschlossen, einen Aufruf zu erlassen.
Berlin, 11. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Schlachtvieh- und Fleischbeschaugesetz. — Das „Reichsgesetzblatt" veröffentlicht die Gesetze betreffend Abänderung der Unfallversicherungsgesetze, betreffend Unfallfürsorge für Gefangene sowie eine Bekanntmachung des Stellvertreters des Reichskanzlers betreffend die Durchführungs- bcschränkungen zur Abwehr von Cholera und Pestgefahr.
Berlin, 11. Juli. Im Stolper Krawallprozeß wurden von den 23 Angeklagten 22 zu Strafen von 4 Monaten Gefängniß bis zu 3 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Ein An- ’ geklagter wurde freigesprochen.
Die Wirren in. China.
Ueber die deutschen Truppen-Entsendungen
▼ nach Ostasien
schreibt Oberst Keim in der „Allg. Marinekorresp." : „Die Landstreitkräfte, welche Deutschland demnächst nach Ostasten entsenden wird, sind zahlreicher, als seither allgemein angenommen wurde. Es handelt sich nicht um eine sogenannte gemischte Brigade in der sonst üblichen Zusammensetzung,
sondern um ein Truppenkorps, welches etwas über 10 0001 Mann stark sein wird. Bei der Zusammensetzung desselben; ist mit großer Umsicht und unter sorgfältiger Berücksichtigung der besonderen militärischen Bedürfnisse, wie sie die eigen- artigen Verhältnisse in Ostasien erheischen, die Zutheilung der einzelnen Waffengattungen erfolgt. Die Hauptmasse des Expeditionskorps wird naturgemäß aus Infanterie bestehen. Es ist ins Auge gefaßt, Regiments-Verbände 311 organisiert und zwar in der Weise, daß zwei Bataillone eines Infanterie- Regiments zur Ausreise bestimmt werden, während das dritte als Ersatzbataillon in der Hcimath verbleibt. Die Kopfstärkc der einzelnen Bataillone soll 800 Köpfe nicht überschreiten, also hinter der etatsmäßigen Kriegsstärke um 200 Mann Zurückbleiben. An Kavallerie werden gegen 1000 Pferde vorgesehen. ' Es hat sich gegenüber der zahlreichen Reiterei der Chinesen, welche nicht nur im Kriege gegen Japan, sondern ganz besonders in dem französisch-englischen Feldzug von 1860 gegen China eine bedeutende Rolle spielte, das Bedürfniß ergeben, auch eine stärkere Kavallerie zur Hand 31t haben. Im Kriege 1860 traten cnglischrrscits zwei und ein halbes Kavallerie-Regiment auf, welche ausgezeichnete Dienste sowohl im Erkundigungswesen wie auf dem Schlachtfelde geleistet haben. An Feldartillerie werden 3 Feldbatterien und 1 Mörserbatterie gestellt werden. Da sich bereits 3 Feldbatterien in Kiautschou bezw. in Ausreise mit den beiden Seebataillonen befinden, so würden im Ganzen 36 Feldgeschütze zur Verfügung stehen. Besondere Berücksichtigung erfährt das Bedürfniß nach technischen Truppen. Bei bett schwierigen Geländeverhältnissen, der Unwegbarkeit der meisten Landstraßen und der Gewohnheit der Chinesen, möglichst ausgiebigen Gebrauch von Verschanzungen zu machen, sind verhältnißmäßig starke Entsendungen von Pionieren nöthig geworden. Da cs ferner wichtig ist, die theilweise von den Chinesen zerstörten Eisenbahnlinien möglichst rasch militärisch nutzbar zu machen, so begleiten auch Abtheilungen der Eisenbahuregimcntcr und der Verkehrstruppen überhaupt das Expeditionskorps. Endlich ist auf eine sachgemäße Organisation des Sanitätswesens Rücksicht genommen worden, während das Transportwesen in der Hauptsache erst an Ort und Stelle geregelt werden kann. Der europäische Zuschnitt des Transportwesens versagt eben in Ostasien, allein schon wegen der miserabelen Beschaffenheit der Straßen. Man wird deshalb bestrebt sein, die Wasserwege möglichst für alle Zwecke des Transportes und des Nachschubes nutzbar zu machen, wobei die überaus zahlreichen Kanäle und die großen Flußläufe ausgezeichnete Dienste zu leisten im Stande sind. Ferner ist bei der Organisation des Expeditionskorps darauf Rücksicht genommen, daß es nicht nur auf kurze Zeit, sondern unter Umständen auf längere Dauer an Ort und Stelle allen
Anforderungen zu entsprechen vermag, welche der Gang der Ereignisse stellen könnte. Rechnet man die 8300 Mann Landtruppen hinzu, welche die drei Scebataillone zählen, so würden in absehbarer Zeit etwas über 15000 Mann vor trefflich ausgebildeter, zu kriegerischen Leistungen ersten Ranges befähigter Laudtruppen aller Waffengattungen in Ostasien zur Stelle sein, um die deutschen Interessen zu vertreten und zu vertheidigen. Andererseits schließt die Bemessung der Stärke des Expeditionskorps aus, daß Deutschland irgendwie gesonnen sei, in Ostasien aggressive Politik zu treiben — denn zu einer solchen Politik würden ganz andere militärische Machtmittel gehören — und dieses Maßhalten ist aus allgemein politischen Gründen geboten. Es entspricht im klebrigen vollkommen den Zielen, welche die überseeische Politik Deutschlands im Auge hat."
Ueber Tientsin und das Bormarschgelände
bis Peking wird geschrieben: Tientsin, in dessen Besitz sich am 30. Juni die europäischen Kontingente unter Führung des russischen Generals Stößel setzten, ist als Stützpunkt der ferneren Operationen gegen Peking von außerordentlichem Werth, denn die Bahn, die eine einzige gute Nachschubslinie von Taku nach Peking bildet, sowie der Peiho, der mit flach- gehenden Flußböten den Hecresnachschub zu unterstützen vermag, würden, wenn Tientsin in den Händen der Chinesen wäre, gesperrt sein. Es muß daher auch Alles versucht werden, die Stadt zu halten. Tientsin, die Hauptstadt der Provinz Petschili, liegt 7'/, deutsche Meilen in der Luftlinie von Taku und 20 Meilen von Peking am Peihofluß. Die Chinesenstadt Tientsins mit einer Bevölkerung von einer Million Einwohner, die fremdenfeindlich sind, erstreckt sich etwa ff, Meile an beiden Peiho-Ufern entlang, oberhalb der europäischen Niederlassungen. Letztere liegen in folgender Reihenfolge unterhalb der Chinesenstadt am rechten Pciho- Ufer: zuerst die französische an die Chinescnstadt grenzende Konzession, dann die britische Konzession, hierauf die deutsche, die noch kaum besiedelt ist. Die Eisenbahnstation und eine Anzahl chinesischer Tempel liegen den europäischen Niederlassungen am linken Flußufer gegenüber. Schiffbrücken bilden die Verbindung zwischen beiden Ufern, von denen die am meisten flußabwärts gelegene von der französischen Niederlassung zur Eisenbahnstation führt. Die fremden Niederlassungen bilden mit ihren Kirchen, öffentlichen Gebäuden, großen Handelshäusern und schönen Privatbcsitzungen nächst Shanghai die größte und blühendste europäische Stadt in China. Der Import und Export Tientsins erreichte, nach den Berichten der Verwaltung der Kaiserlichen Seezölle, 1899 nahezu 87 Millionen Hattwan Taels oder etwa 260 Millionen Mark, von denen fast die Hälfte auf ausländische
Feuilleton.
Vor dreißig Jahren.
Zur Erinnerung an den 13. Juli 1870.
Ems, 12. Juli.
Am östlichen Ende des Kurgartens von Ems liegt, in den Boden eingelassen, ein bescheidener Marmorstein, der die schlichte Inschrift trägt:
13. JULI
1870
9 UHR 10 MIN.
MORGENS.
Wenig Worte nur und doch von inhaltsschwerer Bedeutung. Hier war es, wo am 13. Juli 1870 die Langmuth König Wilhelms durch unerhört anmaßende Forderungen der Pariser Regierung endlich erschöpft wurde und die Zudringlichkeit des französischen Botschafters Grafen Benedetti die gebührende Zurückweisung erfuhr. Ein weltgeschichtlicher Augenblick, Verdichtung und Errichtung eines Kaiserthrones zugleich in seinem Schoße bergend. Heute, nach dreißig Sommern, geziemt es r^ohl, des Tages ganz besonders zu gedenken.
Durch die unerwarteten und unerwünschten Erfolge, die Preußen im Jahre 1866 auf Böhmens Schlachtfeldern errungen hatte, sah sich die französische Politik aus der führenden Stellung verdrängt, die sie seit dem Pariser Frieden von 1856 theils wirklich eingenommen, theils zu behaupten geglaubt hatte. Revanche pour Sadowa — das ward die Losung der Franzosen in Presse, Kammer, auf den Boule
vards. An Revanche mußte auch Napoleon denken; nur wenn seine Politik im Einklang blieb mit dem nationalen Empfinden und Begehren, nur wenn er die Sehnsucht der Gallier stillte nach Ruhm und Landerwerb, konnte er hoffen, seinem Hause Dauer zu verleihen. Nachdem aber Napoleons dreiste Bündnißanträge in Berlin, wie seine ränkevollen Angriffe auf das linke Rheinufer, Belgien, Luxemburg und andere Gebiete an dem urdeuischen Sinn und der diplomatischen Ueberlegenheit Bismarcks gescheitert waren, gedachte der Kaiser gegen Preußen zu erlangen, was er mit Preußen zu erreichen vergeblich sich. bemüht hatte. Darüber gab man sich in Berlin nicht der geringsten Täuschung hin, daß eine Abrechnung mit dem Frankreich Ludwigs XIV. und Napoleons I. über kurz oder lang kommen müsse. Wenn Bismarck, entgegen der Meinung Moltkes, im Frühjahr 1867 den Luxemburger Handel nicht zum Streitfall machte, so geschah es, weil er einerseits in seinem tiefreligiösen, durch Dogmen nicht beengten Sinne vorbeugende Kriege für unsittlich hielt, „da man der Vorsehung nicht in die Karten sehen kann, um der geschichtlichen Entwickelung nach eigener Berechnung vorzugreifen" ; anderseits den Krieg mit ■ Frankreich, an dessen Nothwendigkeit zur endgiltigen Verwirklichung des deutschen Gedankens er nicht im Geringsten zweifelte, hinausschieben wollte, „bis unsere Streitkräfte durch Anwendung der preußischen Wehrgesetzgebung nicht bloß auf Hannover, Hessen und Holstein, sondern . . . auch auf die Süddeutschen gestärkt wären." Die spanische Königsfrage sollte endlich die äußere Veranlassung abgeben, in einem gewaltigen Kriege die innere Spannung auszulösen und die nationale, sittliche und wirthschaftliche Gemeinschaft der Deutschen auch politisch zur Wahrheit werden zu lassen.
In Spanien war im September 1868 die Königin Isabella verdientermaßen vertrieben worden. Die einstweilige Regierung mit den Marschällen Serrano als Regenten und
Prim als Ministerpräsidenten an der Spitze, ebenso wie die Mehrheit der Cortes, war durchaus monarchisch gesinnt; man hoffte, der Republikaner wie Carlisten und anderer Gegner Herr zu werden, und gedachte, auf Spaniens Thron eine neue Dynastie zu berufen. Aber woher einen König nehmen? In einer von dem spanischen Staatsrath Salazar y Mazarredo im Februar 1869 veröffentlichten Denkschrift ward in erster Linie der Titularkönig Ferdinand von Portugal, in zweiter dessen Schwiegersohn, der Erbprinz Leopold von Hohen- z 0 ller n - S i g mar in ge n für die Krone empfohlen. Marschall Prim war für Ferdinand; als dieser aber im April 1869 abgelehnt hatte, auch der Herzog Amadeo von Aosta, der zweite Sohn des Königs Viktor Emanuel von Italien, nicht zu haben war, wandte sich der Marschall wegen des Prinzen Leopold an dessen Vater, den Fürsten Karl Anton von Hohenzollern, wurde aber auch hier abschläglich beschieden. Trotzdem erschien im September desselben Jahres ganz im Geheimen Salazar beim Fürsten Anton auf Schloß Weinburg in der Schweiz. Er wurde zwar höflich empfangen, mußte sich aber mit dem Bescheide des Fürsten begnügen, daß er erst dann, wenn ihm die spanische Regierung die Ueberzeugung verschaffe, daß Kaiser Napoleon und König Wilhelm mit der Thronbesteigung seines Sohnes einverstanden seien, der Frage näher treten könne. Prim wandte sich nun abermals nach Italien, und fast schien es, als habe er in der Person des jungen Herzogs Thomas von Genua, eines Neffen des Königs, für dessen Kandidatur Napoleon lebhaft eintrat, einen Träger der Krone gefunden, da scheiterte auch dieser Plan an dem Widerstand der Cortes, die keinen minderjährigen Prinzen als König wollten, und an der Abneigtmg der Mutter des Herzogs gegen das spanische Abenteuer. So kam man in Madrid, da Prim bei seinem eigenen Widerwillen gegen den Herzog von Montpensier und dem naturgemäß zu erwartenden Einspruch Napoleons gegen diesen