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Hanauer Anzeiger
10 Juli
wurden. Für eine kleine Gemeinde immerhin ein großer Ausfall.
Wiesbaden, 9. Juli. Der Maur erstreik ist nach zwölfwöchentlicher Dauer am Samstag für beendigt erklärt worden. Die Ausständigen sind das Feiern überdrüssig geworden und haben sich, nachdem immer mehr Kollegen von ihrer Sache abfielen, namentlich in der letzten Woche, bereit erklärt, die Arbeit unter den früheren Bedingungen wieder aufzunehmen. Daraufhin ist heute eine große Zahl derselben wieder eingestellt worden.
Mainz, 9. Juli. Um 4 Uhr gestern Früh wurde auf der Kaiscrstraße ein dort herumspazierendes chikes „Dämchen" von zwei Schutzleuten festgeuommcn und auf den Bezirk gebracht. Sie gab an, Elli Wehner zu heißen und Kellnerin aus Köln-Nippes zu sei. Wegen obdachlosem Umhertreiben blieb diese „Elli Wehner" in Polizeigewahrsam und wurde morgcns^nach der üblichen Verwarnung, sich innerhalb drei Tagen Stellung und Obdach zu suchen, entlassen. Kaum war nun das Mädchen entlassen, als uom 1. Bezirk die telephonische Meldung kam, daß der 15jährige Peter W. von hier (geboren am 11. Januar 1885) die Kleider seiner «Schwester angezogen und sich von zu Hause entfernt habe. Dieser junge Mann war nun das wegen Obdachlosigkeit aufgegriffene „Dämchen", das seine Frauenrolle so täuschend, auch stimmlich, zu spielen weiß, daß Niemand das wahre Geschlecht des „Jüngling-Fräuleins" zu errathen vermag. Wie wir noch hören, hat der Betreffende schon 14 Tage lang in Darmstadt als Kellnerin gearbeitet und zwar zur vollen Zufriedenheit seines Prinzipals. In Frauenkleidern hat er auch die Zahlbacher Kirchweihe besucht. Liebesbriefe an Herrn zu schreiben, ist auch eine Lieblingsbeschäftigung von ihm. Rendezvous hat er auch schon gehabt. Die Herren sollen ob der Anmuth und Eleganz, mit der sich das „Jüngling-Fräulein" zu bewegen verstand, entzückt gewesen sein. Wegen seines gestrigen unüberlegten Streiches hat sich Peter W. übrigens eine Anzeige wegen groben Unfugs und falscher Namensangabe zugezogen.
Offenbach a. M., 9. Juli. Der zur Zeit in Paris tagende aus allen Theilen der Welt beschickte internationale Genossenschaftskongreß ernannte den Anwalt der deutschen landwirthschaftlichen Genossenschaften, Geheimrath Haas aus Offenbach, zum Ehrenpräsidenten.
Leiber, 8. Juli. In der gestern stattgehabten Gemeindebürgerversammlung wurde die Einverleibung der hiesigen Gemeinde in den Stadtbezirk Aschaffenburg ein- hellig beschlossen. Die Eingemeindung soll am 1. Januar 1901 erfolgen.
Pforzheim, 8. Juli. In der letzten Bürgerausschußsitzung unserer Nachbargemeinde Brötzingen wurde mit großer Mehrheit die Eingemeindung zu Pforzheim beschlossen. Es ist dies sowohl für Brötzingen selbst als auch für Pforzheim in mancherlei Hinsicht ein großer Vortheil. Von den vielen in Pforzheim zur Miethe wohnenden Arbeitern wird es mit Freuden begrüßt, da dadurch billige Bauplätze und infolgedessen auch billige Wohnungen geschaffen werden. Eine ganz primitive Wohnung von zwei Zimmern in Pforzheim kostet manchmal bis zu 300 Mk. pro Jahr. Mancher muß Vt oder */, oder gar noch mehr seines Verdienstes nur/ für Hausmiethe bezahlen.
Bolkswirthschaftliches.
Kohlen in Süvbeutfchland. Einer der fachmännischen Mitarbeiter der „Kölnischen Volkszeitung" schreibt unterm 7. Juli 1900 folgendes: „Die steigende Richtung, die den süddeutschen Kohlenmarkt seit einigen Wochen neuerdings beherrscht, konnte in der abgelaufenen Woche noch mehr sich äußern, da die Nachfrage nach Kohlen, namentlich nach Hausbrandkohlen, immer mehr sich steigert. Erreichen doch die Anlieferungen seitens der Zechen nicht die vollen Vertragsmengen, und so können die im Frühjahr eingegangenen Verpflichtungen der Großhändler nur unzureichend erfüllt werden und bleibt nur wenig für die jetzt auftretende außerordentlich lebhafte Nachfrage. Der englische Markt verzeichnet ebenfalls steigende Preise und sucht von der Lage möglichst viel Nutzen zu ziehen dadurch, daß, besonders in Nußkohlen, nur geringe Mengen angeboten werden, die aber stets von weiteren Angeboten, welche natürlich wieder durch höhere Preise sich auszeichnen, überholt werden. So werden heute für englische Trebles und Doubles, also die unseren Ruhr- nüssen 1 und 2 entsprechenden Sorten, Mk. 25—26 die Tonne frei Schiff Mannheim-Ludwigshafen verlangt und auch anstandslos bewilligt, da viele Händler, denen Ruhrnüsse vollständig fehlen, bereits dazu übergegangen sind, ihre Abnehmer ausschließlich mit den meist stark rauchenden und rußenden englischen und schottischen Kohlen zu bedienen. Im Allgemeinen ist das Großgewerbe noch besser mit Kohlen versehen, als der Hausbedarf, der infolgedessen auch mehr unter der heutigen Marktlage leidet."
Marktberichte.
Frankfurt n. M., 9. Juli. Amtliche Notirung der Vieb- martt-Prelse. Zum Verkauf standen: 457 Ochsen, 52 Bullen, 741 Kühe und Färsen, (Stiere und Rinder), 249 Kälber, 246 Schake m t HLmmel und 1271 Schweine. Bezahlt wurde für loO Md. Schlacht
Omen: L. vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerths bis zu b Jahren Mk. 67 -69, b junge fleischige, nicht aus- gemästete und ältere ausgemästete Mk. 63 -65, c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere Mk. 57—62, d. gering genährte jeden UlterS Wh 00—00. Bullen: a. vollfleischige höchsten Schlachtwerthek Mk.^ 55—56, b. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere M. 51—52, c. gering genährte Mk. —.—. Kühe und Färsen: (Stiere und Rinder): a. vollfleischige, ausgemästete Färsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwerthes Mk. 61—64, b. vollfleischige, ausge- «astete Kühe höchsten Schlachtwerthes bis zu 7 Jahren Mk. 55 bis 57, c. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 39—41, d. mäßig ge
Vermischte Nachrichten.
Gold auf Helgoland ? Um einem auch nach Berlin gemeldeten Gerücht mit Sachkunde an Ort und Stelle auf den Grund zu gehen, daß man nämlich auf der Insel Helgoland goldhaltiges Gestein gefunden zu haben glaube, werden sich in nächster Zeit der Direktor der Bergakademie in Begleitung eines seiner Beamten nach Helgoland begeben und sich die erforderlichen Aufschlüsse zu verschaffen suchen.
Ausbreitung der Pest. Der Sanitätsrath erklärte, wie aus Bukarest gemeldet wird, das ganze Vilajet Trapezunt mit sämmtlichen Häfen des Schwarzen Meeres und das ge- sammte Vilajet Äidin mit den Mittelmeerhäfen, einschließlich Smyrnas, als von der Pest ergriffen. Schiffe, Reisende und Waaren unterliegen in Sulina einer zehntägigen Quarantäne. Verboten ist die Einfuhr von gebrauchten Effekten âd Stoffen sowie rohen Häuten, Thierprodukten, Wolle, Baumwolle, Obst, Vegetabilien und Konserven. Der übrige Theil der Küste der asiatischen Türkei wurde als pestoerdächtig erklärt. Die Provenienzen aus diesem Theile der Türkei werden einer strengen ärztlichen Beobachtung und Reisende einer zehntägigen ärztlichen Untersuchung in ihrem Aufenthaltsorte unterworfen.
Ueber den chinesischen Soldaten berichtet ein Kenner der Verhältnisse in der „Köln. Ztg." das Folgende: Der Soldat ist in China fast noch mehr verachtet, als der Schauspieler. Die Soldaten schauen nichts weniger als martialisch drein. Die Uniform, die in einem blauen oder rothen Kittel (Keo) mit auf der Rückenseite in weißem Felde angebrachter Bezeichnung des Regiments und in weiten, dunkelfarbenen Beinkleidern, die oberhalb der Fußknöchel mit Tuchstreifen umwickelt sind, besteht, hängt schlotternd am Leibe, die Bewaffnung, besteht in einem Gewehre irgend eines Modells mit Bajonett. Auffällig ist, daß die Chinesen, sobald der Feind herannaht, eine Unmasse papierner rother Fähnchen mit großen schwarzen Lettern die ganze Front ihrer Stellung entlang in die Erde stoßen. Ich sah in den Kämpfen um Langsou auf den von den Chinesen besetzten Berghohen ungeheuer lange Reihen solcher Flaggen. Ich kann mir dies nicht anders erklären, als daß die räthselhaften Dinger Gebetzettel sind, die den Schutzpatronen ihrer Träger geweiht sind; ihre große Zahl schließt die Annahme aus, daß es Feldzeichen sein können. Jedenfalls ist dieser seltsame Brauch für den Gegner aus leicht begreiflichen Gründen von großem Vortheile. Des Weiteren fiel mir die Art und Weise auf, wie diese gelben Marsjünger ihre Signale geben. Dies geschieht durch schnell aufeinanderfolgende Hornstöße — das Signalhorn ist ein drei bis vier Fuß langes Messinginstrument, dessen obere Hälfte sich in die untere einschieben läßt — die in einem langgezogenen Tone ausklingen. Im Allgemeinen entwickeln die chinesischen Soldaten wenig Muth; sie scheuen den Kampf mit der blanken Waffe und ergreifen meistens die
nährte Kühe und Hälfen (Stiere und Rinder) Mk. 31—33, e. gering genährte Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) Mk. 28—30 Be zahlt wurde für 1 Pfund Schlachtgewicht: Kälber: a. feinste Mast- (Vollm. Mast) und beste Saugkälber 76—80 Pf., b. mittlere Mast- und gute Saugkälber 70—73 Pf., c. geringe Saugkälber 59 bis 62 Pf., d. ältere gering genährte Kälber (Fresser) —.— Pf. Schaff: a. Mastlämmer und jüngere Masthämmel 64—66 Pf., b. ältere Masthämmel 54—58 Pf, c. mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 00—00 Pf. Schweine: a. vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu IVi Jahren 51—00 Ps, b fleischige 53—00 Psg., c. gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 00- 00 Pf., d. ausländische Schweine (unter Angabe der Herkunft) —.— Vf. Bezahlt wurde für 1 Pfund Lebendgewicht: Kälber a. 46-48 Pfg., b. 42-44 Pfg„ Schweine a. 42-00 Pfg, b. fleischige 41 Pfg. — Aus Oesterreich standen 92 Ochsen und 4 Bullen zum Verkauf Geschäft gut, Ueberstrnd unbedeutend.
Frankfurt a. M. 9. Juli. Es notiren je nach Qualität: Netzen, hiesiger und Westerauer Mk. 16.90—17.10, kurbeffifÄer M. 17-17.10, norddeutscher Mk. 16 85-17, russischer Mk. 18-19, Nedwinler Mk. 18 40-18.8 j, Kansas Mk. 18.20-18 50, La Plata Mk. 17.60—18.25. Roggen, hiesiger, Mk. —.—, russischer Mk. 15 75—16,10. Gerste, geschäftslos. Hafer, hiesiger Mk. 14 75 bis 15 50, bayerischer Mk. 15—15.50, russischer Mk. 13 75 bis 15.50, Mais mixed Mk. 12-12,30, Lay lata Mk. 12.25—12.75 Alles per 100 Kilo netto effektiv iaco hier. — Mehl etwas ruhiger. Es notiren nach Qualität: Weizenmehl hiesiges Nr. 0 Mè. 25.75-26.25, feinere Marken Mt. 28.75—29 25, Nr. 1 M. 24.75 bis 25.25, feinere Marken Mk 25.50-26, Nr. 1 Mk. 23.75-24.25, feinere Marken Mk. 24.50-25, Nr. 3 Mk. 21.75-22.25, feinere Marken Mk. 22.75-23.25, Nr. 4 Mk. 19.75-20.50, fernere Marken Mk, 20 75—21.25, Roggenmehl, hiesiges Nr. 0 Mk. 24—25 Nr. 1 Mk. 21.50-22.50, Nr. 2 Mk. 15.50-16. Alles net 100 Kilo inkl. Sack loco hier. — Futterartikel unverändert. Es notiren ■ Weizenschalen Mk. 4.75-4.85, Weizenkleie Mk. 4.85—4.90 Roggen- kleie Mk. 5.65-5 75, Futtermehl Mk. 6.50-7,25, Biertreber, getrocknet Mk. 5.35—5.40 je nach Qualität. Alles Der 50 KUo netto effektiv loco hier.
Aus Kunst und Leben.
Max Koner ^. Die Berliner Künstlerschaft hat einen sehr schweren Verlust erlitten. Professor Max Koner, der bekannte Porträtmaler, ist am Samstag Abend 10 Uhr in Berlin gestorben. Er war geboren am 17. Juli 1854 und hatte an der hiesigen Akademie seinen Studien obgelegen. Seine Thätigkeit entfaltete er hauptsächlich auf dem Gebiete des Porträts; neben vielen hervorragenden Bildern der Aristokraten- und Gelehrtenwelt hat er auch mehrere Porträts des Kaisers gemalt, von denen eines, das für den Fürsten Münster-Berneburg als Geschenk bestimmt ist, auf der Pariser Weltausstellung als besonders hervorragend angesehen wird. Er erhielt hierfür einen ersten Preis. Vermählt war er mit Sophie, geborene Steffen, die sich gleichfalls der Malerei gewidmet hatte. An Auszeichnungen für seine Leistungen besaß er die kleine und große Berliner Medaille, die goldene Medaille von Wien, die Medaille von Chicago, das Ehrendiplom von Dresden und die große goldene Pariser Medaille. Schon mit 38 Jahren war er zum Professor der k. Akademie der Künste ernannt worden.
Flucht, ehe es zum Handgemenge kommt. Nur wenn sie große Ueberzahl haben, halten sie einigermaßen Stand oder gehen wohl auch vor. Ich habe die Beobachtungen darüber zur Genüge während der für die Franzosen ungünstigen Kämpfe bei Tongkang (an der tonkinesisch-chinesischen Grenze 26. März 1885) und Langson (28. April 1885) gemacht. Wenn man in Erwägung zieht, daß die Streitmacht der Franzosen bei Langson nur aus etwa 1900 Mann bestand, während die Chinesen gegen 50,000 zählten, und daß dennoch der Rückzug der Franzosen in vollkommener Ordnung bewerkstelligt wurde, so kommt es Einem fast vor, als ob der Besiegte der Sieger und der Sieger der Geschlagene gewesen wäre.
Negertreue. Vor Kurzem wurde in Flensburg ein junger Neger begraben, dessen Leben mit seiner großen Aufopferung und treuer Liebe manche« Europäer zum Vorbild dienen könnte. Der Neger, welcher den Namen Schanisch 'ührte und in Deutsch-Ostafrika geboren war, wurde dort von dem jetzt in Flensburg ansässigen Polizeisergeanten Herdecke in Dienst genommen. Schanisch hing mit großer Liebe an einem Herrn. Einmal, während eines Kampfes drangen drei Mann auf den Sergeanten ein. - Er schien verloren, als Schanisch sich blitzschnell zwischen die Kämpfenden warf, den Einen hinderte zuzuschlagen und den Anderen durch einen Pistolenschuß kampfunfähig machte. Später wurde der Sergeant sehr krank; er wurde ins Lazareth gebracht, wo er 14 Tage ohne Besinnung lag. Als er wieder zu sich kam, sah er den Neger vor seinem Bette sitzen. Der Neger hatte die > ganze Zeit^für seinen Herrn gewacht oder vor seinem Belte ' gelegen. Schanisch reiste dann mit seinem Herrn nach Flens- 'burg, wurde hier aber von einer Lungenkrankheit ergriffen, an welcher er trotz sorgfältigster Pflege bald gestorben ist.
EineTrennungvon„siamestschenZwillingen". Aus Rio de Janeiro wird berichtet, daß den beiden Schwestern Rosalina und Maria, die wie die siamesischen Zwillinge miteinander verwachsen geboren wurden, die längst angekündigten Operationen vorgenommen wurden, durch die ihre Trennung bewirkt und Beiden ein gesondertes Leben verliehen wurde. Rosalina und Maria, die beiden kleinen Brasilianerinnen, sind etwa zehn Jahre alt. Da ihre Eltern über ihre Zukunft besorgt waren, entschlossen sie sich im vorigen Winter, die Hilfe der Chirurgen in Anspruch zu nehmen, und brachten die Zwillinge deshalb nach dem Misecicordia-HospItal in Rio de Janeiro, wo Dr. Alvara Romos sich ihrer annahm. Sie waren ähnlich wie die siamesischen Zwilliirge verwachsen, nur noch fester. Die Anwendung von Röntgenstrahlen ergab, daß die siebenten Rippen durch eine feste, knöcherne Bildung vereinigt waren und beide nur eine Leber hatten. Es war nicht schwierig, Fleisch und Knochen zu trennen; das Vorhandensein von nur einer Leber erregte bei dem behandelnden Dr. Romos dagegen größere Bedenken. Da es jedoch Fälle gibt; in denen ein Theil einer erkrankten Leber entfernt worden ist, glaubte der Arzt den Versuch wagen zu dürfen. Der erste Theil der Operation wurde zu Beginn des Winters ausgeführt, und zwar wurden bei dieser die Rippen auseinander geschnitten. Der Wundschreck war bei den Patienten so groß, daß man nothgedrungen eine Zeit lang warten mußte, ehe jetzt die weitere Trennung vorgenommen und glücklich durchgeführt werden konnte.
Voila inaman! Eine eigenartige Szene spielte sich vor Knrzem in Paris in einem Ansstellungstheater ab. Der Weinhändler Bazingue aus Bordeaux besuchte mit seinem fünfjährigen Töchterchen Aline die Ausstellung und gerieth dabei zufällig in ein Etablissement, in welchem sogenannte „exotische" Tänzerinnen auftreten. Die Vorstellung hatte gerade begonnen, als die kleine Aline plötzlich ausrief: „Voilâ maman!" In demselben Augenblicke brach eine der Tänzerinnen in Thränen aus und verschwand von der Bühne, während der biedere Weinhändler sich vor Verwunderung die Augen rieb und laut aufschrie. Das war in der That seine Frau, die sich mit irgend einem chemischen Produkt das Gesicht „bronzirt" hatte und mit aufgelösten Haaren dort oben den mit Recht so beliebten „Bauchtanz" tanzte! Herr Ba- zmgue ging sofort zum Kommissar der nächsten Polizeistation, welchem er erzählte, daß seine Frau vor 18 Monaten mit einem Individuum durchgebrannt sei und zweitausend Francs mitgenommen habe. Wenige Minuten später war die „exotische Hwau Bazingue verhaftet. Unter einem ergiebig fließenden Ohränenstrom erzählte sie, daß ihr Verführer sie in Pans habe sitzen lassen, nachdem er die zweitausend Francs auf den Rennplätzen verspielt hatte. Sie sei völlig mittellos gewesen und habe bittere Noth gelitten. Endlich habe sie in der Ausstellung ein Engagement gefunden und sich in acht Tagen seiner perfekten „arabischen" Bauchtänzerin ausgebildet. oie bat mit allen Zeichen aufrichtiger Reue um Verzeihung und Vergebung ihrer Sünden. Der Gatte fühlte ein menschliches Rühren und nahm seine bronzirte Gattin aus Liebe zu der kleinen Aline wieder in Gnaden auf. Arm in Arm verließ das Pärchen die Polizeistation, nachdem Frau Bazingue einen heiligen Eid geschworen, daß sie von jetzt an eine Mustergattin und — Mutter sein wörde.
Obsternteaussichten für 1900» Der „Erfurter Führer im Gartenbau" hat eine Enquete durch Hunderte seiner Vertrauensleute über die diesjährigen Obsternteaussichten veranstaltet. L^abei hat sich herausgestellt, daß die Ernte wesentlich günstiger ausfällt, als dies nach den herben Maifrösten, welche die Obstblüthe trafen, erwartet werden konnte. Aepfel sind zumeist befriedigend, auch Birnen. In Kirschen :st theilweise eine sehr gute Ernte zu verzeichnen, Pflaumen wird es weniger geben. Das Becrenobst ist nicht so gut wie rn anderen Jahren, es hat aber seinen alten Ruf, stets Ernten zu liefern, und deßhalb für den Hausgarten besonders wichtig zu sein, auch diesmal bewährt. Nur in Ost- und Weftpreußen und Schlesien fällt die Ernte in Beeren-