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2. Juki

Hanauer Anzeiger

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zier bei dem Probcf»hrtSk»»i««l»d», schließlich erster Offizier wif iem großen KreuzerKaiserin Augusta" in Ostasien; in diesem Sommer war seine Dienstzeit brauten abgelaufen, und er sollte in die Heimath zurückkehren, reo er zur Verfügung de4 Stationschcfs der Ostsee gestellt werden solle. D« trachen die Wirre» in China aus, er mußte weiter Dienst in Ostasien thun und fand dort seinen Heldentod.

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Telegramme:

Bertin, 1. Juli. Nach einer Meldung aus Kiel hielt gestern Nackmittag der Generalinipekteur der Marine, Admiral »»n Köster auf dem Kasernenplatz eine Musterung über das seldmarschmißig ausgerüstete See-Bataillon ab. Der Admiral ermahnte die Leute, in der Ferne für den Schutz des Vaterlandes gegen diejenigen Uebergriffe in gleicher Weise zu kämpfen, wie die Gardisten, die vor dem Kaiser gestanden, auf heimischen Boden für deutsches Recht und Ehre ein- getreten sind.

Bertin, 1. Juli. DerLokal-Anzeiger" meldet aus London: Aus Jaku berichtet eine Depesche des Laffans Burea«, daß die Kolonne, welche den Entsatz Seymours be­wirkte, unter dem Oberbefehl des russischen Obersten Stöffel steht und jetzt vermuthlich auf dem Wege nach Peking ist. Im Ganzen sind bisher 3200 britische, 1300 deutsche, 4500 russische und 500 französsische, 330 amerikanische, 200 italienische, 150 österreichische und 3600 japanische Mann­schaften gelandet worden. Außerdem werden noch weitere 2000 japanische Mannschaften ausgeschifft. Ein französisches Bataillon von Saigon wird stündlich erwartet. Der eng­lische Torpedoboot-ZerstörerFane" ging ein Stück weit ober­halb Tientsin den Peiho hinauf und untersuchte das Fort von Hsinchung. Man fand es verlassen und zerstört. Leutnant Fayne vom amerikanischen KriegsschiffNem-Iork" râgnoszirte die Gegend zwischen Taku und Tientsin.

London, 1. Juli. Aus Shanghai wird gemeldet, daß die ganze Provinz Shantung sich in vollem Aufruhr be­findet. Die Boxer sollen die deutschen Kohlenwerke in Jtschaufu zerstört, Tsingtau erobert und die Missionshäuser vernichtet haben. Die Missionare hätten sich noch flüchten können. Weiter sollen die Boxer Niutschwang, welches von russischen regulären Truppen und japanischen Freiwilligen vertheidigt wird, bedrohen.

Berlin, 2. Juli. Nach einer Depesche aus London meldet der britische Konsul in Tschifu, es bestätige sich, daß der deutsche Gesandte in Peking am 13. Juni von chinesischen Soldaten ermordet wurde.

Berlin, 2. Juli. DerLokal-Anzeiger" meldet aus Wilhelmshaven, auf Grund neuerlicher Bestimmungen wird die ostasiatische Expedition schon heute Abend 6 Uhr in See gehen. Die Einquartirung erfolgte nach Ankunft des Kieler Bataillons heute Nacht drei Uhr. Nachmittags fand die Ein­holung der Fahne durch eine in Tropcnuniform gekleidete Kompagnie des Bataillons vom Stationskommando und da­ran anschließend die Jnspizirung statt.

London, 2. Juli. Aus Tschifu wird gemeldet, eine starke Abtheilung Boxer befindet sich auf dem Wege nach Tschifu. Die Kriegsschiffe landen Truppen zum Schutze der Stadt.

London, 2. Juli. Aus Shanghai wird berichtet, zu­verlässigen Nachrichten aus chinesischer Quelle zufolge sind in der Umgebung des Arsenals von Kiantnau chinesische Torpedos gelegt. Die chinesischen Truppen sind entschlossen, die Forts am Jangtse Flusse von Nanking bis Wusung aufs Energischste zu vertheidigen.

London, 2. Juli. DieDaily Mail" meldet aus Tientsin, die russischen Truppen übten Repressalien gegen die Chinesen in der Gegend von Taku aus. Viele Chinesen

dient als Restaurant, in dem holländische Mädchen in der malerischen Tracht ihres Landes die Gäste bedienen.

Außerdem gehört ein steinerner Tempel mit Proben japa- nesischer Architektur und Skulptur zu dieser Abtheilung. Von einer anderen Seite her schallen unmelodische Klänge von Pfeifen und harten kurzen Trommelschlägen, die durch häufige minutenlange Pausen unterbrochen werden. Das ist die Musik der Egypter, die sie hier zum Besten geben, aber trotz aller Klanglosigkeit der melancholischen Weisen schaaren sich doch immer Neugierige um die hageren großen Musikanten, die in ihren einstmals weißen Turbanen und langen dunklen Kaftanen nicht sehr glücklich aussehen.

Um die Theestunde findet man sich am Pavillon von Ceylon ein, wo unter den schattigen Bäumen der Trocadero- gärten Tische und Stühle zum Ausruhen einladen. Hoch­gewachsene, kräftig gebaute Singhalesen in weißen Anzügen bringen geschäftig Thee und Kuchen und die dünnsten aller Butterbrodschnitten, wie sie zu einem richtigen afternoon-tea gehören, herbei. In der Mitte des Kopfes, auf dem glän­zend schwarzen glatten Haar, das fest im Nacken in einen Knoten geschlungen ist, tragen diese Leute einen runden hoch­stehenden Kamm, der einem Krummkamme ähnlich sieht, nur daß die offene Seite nach vorn gekehrt ist. Ein japanisches Theehaus zieht ebenfalls die der Erfrischung Bedürftigen an, und in einer Reihe von offenen Buden, die stufenweise am Abhange des Hügels absteigen, werden japanische Waaren zum Verkauf ausgeboten. Leider fehlt hier die charakteristische Tracht des Landes, die von den Männern gänzlich verschmäht wird, und unter den Verkäuferinnen giebt es nur eine Japanerin mit all dem wunderlichen Zubehör des Nationalkostümcs. Dafür stolziren zahlreiche Chinesen und sogar vereinzelte Chinesinnen in der Pracht ihrer bunten Gewänder und im Gefühle großer Ge­nugthuung über die Länge ihrer Zöpfe einher und empfangen mit Bücklingen und liebenswürdigen Grimassen die Käufer,' die zu ihren Porzellanausstellungen kommen. Sie scheinen

vor der Bühne cnlstand, erschwerte bru unter den Hallen Sitzenden d«s Sehen dich ganz wesentlich und dasSchirm zu" undHut ab" der Benachlheiliglen verhallte natürlich auch wirkungslos. Aber tritzdem blieb noch genug übrig, um erkennen zu lassen, mit welcher Sorgfalt die Mitwirkenden sich bemüht hatten, den Abend zu einem höchst glanzrollen und schönen zu gestalten, der denn auch noch genügend zur Geltung kam, »as nicht zum Wenigsten der tagehellen, von den Herren Ohl & Dietrich installirten elektrischen Beleuch­tung z» verdanken war. Der musikalische Theil war für den Samstag Abend der Ulanenkapelle übertragen worden unb nachdem diese das Ihrige zur Eröffnung gethan, »ah« der stellvertretende Kreisiurnwart, Herr Ott» E ch a i t- Hanau, das Wort:

Schon wiederholt hatten wir die Ehre, die Turner des Mittelrheinkreise« in unserer Mitte begrüßen zu können, theils zu ernster turnerischer Ar­beit, theil« zu frohen gestern Heute nun sind die Vertreter der Vereine unseres engeren Gauverbande» Ossenbach-Han«», welchen morgen deren VereinSangehörigc in großer Anzahl folgen werden, mit uns vereinigt zur Feier des 2bjährigen Jubelfestes und nehme ich gerne Veranlassung Euch, liebe Turngenossen, die Ihr schon seit Jahrzehnte» mit u»S im Dienste unsrer Turnsache thätig seid, iw Namen und Auftrag der Turu- gemeinde und Turngesellschaft und deS Festausschusses aus das herzlichste zu begrüßen. Zur besonderen Freude gereicht eS uns aber, außer dm Angehörigen unseres Gauverbandes auch liebe Freunde auB den benach­barten Gauen des Mittelrheinlrciscs unter uns zu sehen, insbesondere be­grüße ich die Mitglieder des Kreisausschusses, unsere KreiBeertreter Roth­ermel und Schmuck-Darmstadt und Kreisiurnwart Heidecker Wiesbaden. Wie wir aus der von unserem früheren verdienstvollen Vorsitzenden Herrn Reallchrcr L. Stahl mit großem Fleiß ausgearbeilclcn Festschrift ersehen, erfolgte die Gründung des Gaues am 21. Sonbr. 1875 durch 5 Vereine mit 460 Mitgliedern. Dank der zähen, ausdauernden, be­harrlichen Arbeit einer großen Anzahl von Männern, welche im Verein, im Gau- und Kreisverband unermüdlich für die Verbreitung des turn- wesens wirkten, zählen wir heute 17 Vereine mit 3373 Mitgliedern. Ein gewaltiger Fortschritt, zugleich aber auch ein sprechender Beweis dafür, daß unsere Turnsache voltSthümlich geworden ist und ein nothwendige» Glied der nationalen Erziehung des deutschen Volles bildet. Erfreulicher­weise hat das Interesse für die Leibesübungen in den letzten Jahren be­deutend zugenommen, was zum großen Theil auch den Sportvereinen zuzuschreiben ist, welche mehr an die Ocjsenllichkcit treten wie wir Turner, wenn es uns dennoch gelingt, unsere Vereine auf gleicher Höhe zu er­halten, so zeigt dies, daß die Begeisterung, welche Altmeister Jahu in schwerer Zeit der deutschen Jugend cinzuflößcn gewußt, noch nicht er­loschen ist, so zeigt dies, daß die Tausende von Jünglingen unb Männern, welche in uneigennütziger, aufopfernder Weise ihre Kräfte der deutschen Turnsache widmen, von dem hohen Werth derselben durchdrungen und sich bewußt sind, daß sie nicht einseitigem Vereinsintercssc dienen, sow dem im Dienste unseres geliebten deutschen Vaterlandes stehen, welches in der Stunde der Gefahr kräftiger, tüchtiger Männer bedarf. Und so möge denn unser 25. Gauturnfest einen Markstein bilden in der Ge­schichte unseres Gauverbandes ! Wohl vorbereitet findet Ihr, liebe Turn genossen, die Stätte Eurer Wirksamkeit, eine den Turnern wohlgesinnte Bevölkerung verfolgt mit Interesse Eure Uebungen, sorgt Eurerseits da­für, daß sowohl morgen wie alle Zeit die ernste turnerische Arbeit den Hauptbestandtheil unserer Feste bildet, dann wird uns gelingen, unserer lieben Turnsache immer mehr Anhänger zu gewinnen und dazu beizu- tragen, sie zu dem zu gestalten, was sie ihrer Bedeutung nach zu werden verdient: Gemeingut des gejammten deutschen Volkes.

Der Gauvertreter Herr Schäfer- Offenbach a. M. er­widerte :

Werthe Festversammlung, liebe Gäste und Turner i Die Turnerschaft Hanaus hat uns durch unseren stellvertretenden Kreisiurnwart ihre herz­lichsten Grüße entbieten lassen, was uns verpflichtet, dafür den Dank der Turner des Gattes auszusprechen. Mit vieler Lust und großer Hi» gebe sind die Hananer, unsere allezeit treuen Gaugenossc», in die Vor­bereitungen eingetreten und ein schönes Fest steht zu erwarten. Auch die Bürgerschaft Hanaus nimmt an dem Feste regeren Antheil, wie wir es anderwärts gesehen, ja die Bürgerschaft fühlt sich zur Turnerei hinge- zogen und mit ihr verwandt, seit Jahren entsprossen aus ihr hervor­ragende Preistumer. Rückblickend steht vor unserem Auge noch das so mustergiltig verlaufene Kreisturnfest, in der älteren Geschichte besannt ist die entscheidende Versammlung Jahns und der Auszug der Turner nach Baden. Wen» man nun alle diese Beweise der Liebe für die Turnsache betrachtet, die Anerkennung, die dieselbe findet, dann tritt an uns, als Turner, die Frage heran, was müssen wir demgegenüber thun, um uns würdig zu zeigen, was erfordert die Sache unserer deutschen Turnerei, welches sind die Pflichten für den, der sich Turner nennt? Wir haben noch keine Welt erobern können, unser Ziel ist vielmehr Sclbsterziehung, vertrauend auf die eigene Kraft, Hingabe an die Turnsache itnb Be­wahrung unseres Ideals, dasselbe rein und unversehrt der nachfolgenden Jugend zu überantworten. Wenn wir auch stark sind, bedürfen wir doch auch fernerhin Männer, um Jahns Vermächtniß hoch und hehr zu halten. Daß uns Hanau in seiner Gesinnung als Turnerstadt erhalten bleibe, darauf ein dreifaches Gut Heil!

Der dritte Festredner war der Kreisoertreter Herr Roth­ermel- Darmstadt:

Das deutsche Turnen, vor mehr als 100 Jahren vorbereitet durch Guts Muths, begründet durch Friedrich Ludwig Jahn und seinen Schüler E i s c l a n, im Laufe der Jahrzehnte erweitert, ausgebaut und in neue Bahnen gelenkt durch treffliche Turnmeister, als deren treff­lichsten ich nur den unvergeßlichen Adolf Spieß nennen will cs ist entstanden zu einer Zeit, in welcher das deutsche Vaterland, unter­drückt von dem fränkischen Eroberer, ohnmächtig am Boden lag entstanden aus der Absicht, ein Mittel zu ersinnen, um die Bolksgc- sundung, die Volkskraft und das Volksbewnßtscin zu ^stärken und zu vaterländischen Tharen zu begeistern. Wir wissen, wie Jahn seine Ab­sicht in die That umzusetzen verstand, wir wissen auch, wie schlecht ihm Unverstand, Mißgunst und Polizei-Willkür seine herrliche That gelohnt haben. Andere Zeiten kamen, das Jahrzehnte lang durch hie Kurz­sichtigkeit und Engherzigkeit der Regierenden unterdrückte Turnen wurde in seine früheren Rechte eingesetzt, wurde zum Unterrichts-Gegenstand in den Schulen (wenn auch zum Theil heute noch nur auf dem Papier) erhoben und das Vereins-Turnen nahm einen großartigen Aufschwung, der auch durch die trüben Jahre der nach 1848 eintretenben rückschritt­lichen Bewegung nur vorübergehend beeinträchtigt werden konnte. So sind wir heute durch das Turnen im Besitz eines Erziehungsmittels für Körper und Geist, das, unbeschadet früherer Emrichtungcn ähnlicher Art, zu einem Vorbild für die ganze gesittete Welt geworden ist. Eine so große Aufgabe, an welcher mitzuwirken gar Viele sich berufen fühlten, während doch nur Wenige die Auserwählten sind, brachte naturgemäß verschiedene Anschauungen und deren Bethätigung zu Tage. Während Einige unverrückt auf dem Standpunkt des unverfälschten Jahn'schen Turnens mit all seinen Unvollkommenheiten unb Aenherlichkeüen stehen geblieben sind, glaubten Andere den veränderten Verhältnissen des heutigen gesellschaftlichen, Verkehrs- und Kulturlebens Rechnung tragen zu sollen, unb wieder Andere erblickten und erbltckcn heute noch das Heil der Menschheit in einer möglichst getreuen Nachahmung der altklasjischcn olympischen Spiele oder in dem eifrigen Betrieb der auch von Jahn ge­wollten und geförderten Volks- unb Jugendspiele. Es ist nicht unsere Aufgabe, zu untersuchen, welcher der genannten Richtungen der Vorzug gebührt. Aber feststellen wollen wir, daß, wie schon die olympischen Spiele im klassischen Griechenland eine vaterländische That waren, auf's Jnnigfte verwachsen mit den politischen, religiösen und sittlichen An­schauungen des Volkes, so das Jahn'jche Turnen den ausgesprochenen

setzten ihre Wvhnhauscr in Brand. Die Lage ist äußerst gefährlich.

London, 2. Juli.Daily Expreß" meldet aus Nan­king : Der Dizekönig Liu-Kun-Di habe ein Telegramm des Generals Pu-Lu erhalten, worin die Lage Pekings als sehr ernst bezeichnet wird. Dieser gibt die Zahl der fiemden Truppen in der Nähe van Peking auf 3040 000 Mann an, zusammengcstellt aus acht verschiedenen Nationen. Der General fügt dem Telegramm hinzu, Peking könne nur vier Tage Widerstand leisten.

Londor», 2. Juli. Aus Shanghai wird gemeldet: Gerüchtweise verlautet, daß der Günstling der Kaiserin Kangyi, welcher mit einer geheimen Misst»» nach Nanking abgesandt wurde, infolge deS Mißlingens dieser Mission in Ungnade gefallen sei. Die meisten Ansiedler in Nanking haben ihre Frauen uub Kinder nach Japan gesandt. Die Nachricht fügt hinzu, Prinz Tuan, welch er sich zum Vorsitzenden des Tsung- li-Pamens ernennen ließ, hege einen heftigen Groll gegen die Minister, weil sie sich weigerten, die Jnthronisirung seines Sohnes zu vollziehen.

Aus Stadl- und Landkreis Harm«. Nachdruck unserer Lolalartikel nur mit Ouellenangode »Hau Anz.' gestattet

25 jähriges Jubiläum des Gaues Lffenbach-Hanau.

Verregnetes" hätte eigentlich noch vor die Ueberschrift gemußt, denn gerade, als am Samstag Abend die Begrü­ßungsfeier auf dem auf das Sorgfältigste installirten Festplatz ihren Anfang nahm, öffnete der Himmel seine Schleusen und spendete mit seltener Ausdauer sein höchst unwillkommenes Naß, zum Entsetzen des durch die böse Laune des Wetter- gottes mit einem Schlage auf das Empfindlichste getäuschten Festkomitees, das nach dem günstigen Verlauf der Vorfeier schon die schönsten Hoffnungen hegte. Und dabei hatte des hämischen Jupiter Pluvius Kollege, der Oberfeuerwerker Helios gerade bis zum Samstag uns Erdenkinder mit seinen Strahlen fast zu grell beschienen, wodurch die denn zwischen 7 und 8 Uhr niederfallenden Tropfen nur um so betrübender wirkten. Wollte man auf die Samstagsfeier nicht ganz verzichten, so blieb nichts Anderes übrig, als sich mit einem wasserdichten Regenschirm zu bewaffnen und cs einfach zu machen wie die Nürnberger, d. h. unter der himmlischen Begießung herzu­laufen. Und so machten es gar Viele; der Festplatz war so voll, daß man meinen konnte, der Himmel mache zu dem Jubiläum der Turner das freundlichste Gesicht. Freilich, ein­mal angefangen, hörte es auch nicht mehr auf. Es regnete Bindfaden und draußen klatschten die Wimpel an die Masten und die Festbesucher wurden unter die Hallen gejagt, die sich gar bald als zu klein erwiesen und auch im Freien ein wogendes Meer von aufgespannten Regenschirmen zeitigten- Aber auch den Glücklichen, die unter der Halle sich schön ge­borgen wähnten, sollte des Lebens ungemischte Freude nicht beschieden sein, denn diesem ausgiebigen Schütten gegenüber vermochten dieDächer" nicht Stand zu halten und wer gerade unter so einer mangelhaft hergestelltcn Naht saß, der weiß ja ein Liedchen zu singen. So tropfte es denn von den Dächern und Regenschirmen und zuletzt durch dieselben auf die Kleider und wässerte das Bier, fabrizirte Pfützen und schmutzige Schuhe und vermochte doch die Festfreude nicht zu trüben, denn es nahm trotz Allem und Alledem seinen programmmäßigen Verlauf, Dank der weisen Vorbereitungen, die das Festkomitee getroffen hatte, um auch einem solch macht­vollen Ansturm der bösen Wassergeister zu begegnen. Aller­dings etwas beeinträchtigen thaten sie es doch, denn der Wald von Parapluis, der bei einer jedesmaligen Aufführung

sich unter uns Europäern sehr wohl zu fühlen und nur, wenn das Gedränge zu groß wird, greifen sie schnell nach ihrem Zopfe und stecken chn in den Schlitz ihres Kleides, um ihn gegen entweihende Berührung zu bewahren. Den Gästen im chinesischen Restaurant machen sie allerhand Ge­schicklichkeitsproben mit Porzellanschalen vor und schwatzen dabei mit schrillen Stimmen durcheinander, sodaß man in einiger Entfernung dem Gezänk einer Schaar von Sperlingen zuzuhören glaubt.

Am Trocadero treiben all die kleinen Händler ihr Wesen und in den Straßen von Algier und Tunis kann man kaum wagen, den Blick auf die ausgelegten Sachen zu werfen, ohne mit Angeboten überschüttet zu werden. Nougat, der als Mittel gegen Krankheit und Sterben angepriesen, eine Art zuckeriges Gewebe, das auf Gabeln gespießt, den Vorübergehen­den hingehalten wird, Filigran- und Ledersachen, Teppiche und Stickereien bilden diese bunten Waarenlager. Algerische und tunesische Frauen mit und ohne Schleier, Nase und Wangen aber mit blauen Tüpfelchen bemalt und in den grellsten aller Farben gekleidet, laden in die verschiedenen Vergnügungs­stätten ein und Kinder in weißen, nicht immer sauberen Bur­nus mischen sich neugierig unter die Ausstellungsbesucher. Alle diese Leute scheinen bei bester Laune zu sein und nur vor den offiziellen Palästen halten stolze Araber mit uner­schütterlich ernsten Mienen und malerischer Gewandung Wache. Wo man sich auch hinwendet, immer neue Gestalten treten in den Rahmen. Neger von Dahome und dem Senegal, deren Hütten manche schaudererregenden Erinnerungen auf­weisen, tonkinesische Soldaten, deren flache Helme unter dem in einen Knoten geschlungenen Haar mit einem Bande fest­gehalten werden, Bewohner der verschiedenen französischen Kolonien beleben das Bild. Und dicht dabei, aber außerhalb der Kolonialabtheilung, erhebt sich der hohe Thurm der anda- I lusischen Stadt, wo Nachkommen der Mauren Tänze und I Ritte auf Pferden und Kameelen ausführen.