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Amtliches Organ Mr Staöt- uuö LauSKreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Im ReNamentheil die Zeile 20 ^, sie

AuSwärtS 30 ^.

Nr. 149.

grcitQß den 29. Juni

1900

Amtliche Beilage" Nr. 27.

Amtliches. LârrHâvois ^anaxt»

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Unter dem Viehbestand der Mühlenbesitzer Gebrüder Ströbel in Windecken ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Ueber das Ströbel'sche Gehöft wurde die Sperre verhängt.

Hanau den 28. Juni 1900.

Der Königliche Landrath.

V 5978 v. Schenck.

Hanauer Ortskrankenkasse.

Bekanntmachung.

Die Markenverkaufsstelle befindet sich von Dienstag den 3. Juli d. J. ab im Bureau der Kasse, franz. Allee Nr. 18 I.

Der Verkauf der Marken findet Montags, Dienstags und Mittwochs von vormittags 9 bis 1 Uhr statt. An anderen Tagen und Stunden bleibt die Markenverkaufsstelle geschlossen.

Hanau, 29. Juni 1900.

Der Vorstand der Hanauer Ortskrankenkasse.

Müller, Vorsitzender. 10314

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gesunden: Am 20. d. Wts. auf dem Wochenmarkt stehen geblieben 1 Damenregenschirm mit weißem Griff. 1 Biblische Geschichte mit dem Namen Carl Becker.

Zugelaufen: 1 brauner Hühnerhund, männl. Geschl., bei Pulverarbeiter Fr. Hahn, Rückingen.

Vom W a s e n m e i st e r am 28. d. Mts. cinge­fangen: 1 schwarzer Spitz m. Geschl.

Hanau den 29. Juni 1900.

Vom Kriegsschauplatz in Süd-Afrika.

Die Nachrichten von den südafrikanischen Gefechtsfeldern werden immer spärlicher. Lord Roberts berichtet augen­scheinlich sehr ungern und fast immer stark verspätet über Niederlagen; sehr schnell dagegen über die kleinsten Erfolge. Seine letzte Meldung wurde am 26. Juni aus London hier­her übermittelt. Sie betraf die schweren Verluste des Derbyshire- Regiments am 7. Juni und die Gefangennahme des ganzen Restes durch die Buren, sowie die gleichfalls wegentele­

Feuilleton.

Dkl Klausner.

Der Klausner zu Wilhelmsbad Wahrheit und Dichtung aus dem Wilhclmsbader Walde. Das vor­liegende, im Selbstverlag des Verfassers erschienene Merkchen ist in Wort und Bild recht hübsch ausgestattet und hat den in der engeren JieimatEj nicht ganz unbekannten Herrn Franz Jos. Dörr, einen Hanauer Poeten, zum Verfasser, der sich bereits durch Herausgabe seinerLieder eines Nichtgelchrten", sowie durch kleinere Novellen als Dichter bethätigt hat. Herr Dörr ist kein Dichter von Beruf, sondern Goldschmied, aber neben dieser edlen Kunst greift er auch oft zur Feder und wer seine Arbeiten kennt und vorurthcilsfrei betrachtet, wird manches Gute darin enthalten finden.

DerKlausner" ist eine Erzählung über die Entstehung unseres prächtigen Wilhelmsbades, sowie über die haupt­sächlichsten Vorkommnisse in demselben bis in die Jetztzeit von übersichtlicher und verständlicher Art. Für auswärts wohnende Freunde von Wilhelmsbad dürfte das Büchlein ein finniges Geschenk und willkommener Führer sein. Der Verfasser hat in seinem Poem den Klausner selbst zum Erzähler gewählt und damit beabsichtigt, die Dichtung als Wahrheit erklingen zu lassen. Er gab dem Klausner dadurch ein bestimmtes Woher". Wie in Hauff'sPhantasien im Bremer Raths­keller" der steinerne Roland lebend Thaten »errichtet, so auch der Klausner des Verfassers. Die Herausgabe des Merkchens war übrigens bereits vor mehr denn 20 Jahren beabsichtigt, die Idee gelangte aber nicht zur Ausführung, weil die 100jährige Feier zur Erinnerung an die Erbauung Helmsbads (1879) nicht zu Stande kam. In seinen dama­ligen Vorbereitungen zur Herausgabe desKlausner" wandte

graphischer Störungen" verspätet gemeldete Wegnahme eines von 150 Hochländern begleiteten Konvois von 50 Wagen. Am Tage vorher, 25. Juni, berichiete der Feldmarschall, daß die berittene Infanterie des Generals Hutton im Südostcn von Pretoria ein erfolgreiches Scharmützel mit Buren-Patrouillen gehabt habe. Warum dieses Patrouillen-Scharmützcl so be­sonders bemerkens- und meldcuswerth gewesen ist, erfährt man nicht. Ein deutscher Offizier würde über Zusammenstöße von Patrouillen untereinander nur dann berichten, wenn es die erste Berührung mit dem Gegner gewesen wäre oder etwas von besonderer Wichtigkeit sich dabei ereignet hätte. Hier stehen sich die Heere seit längerer Zeit gegenüber und irgend eine Thatsache von größerer Bedeutung ist nicht vorgekommen. Eine Meldung darüber war also mindestens überflüssig. Ueber das letzte Ereigniß von größerer Bedeutung, das mehrtägige Gefecht von Brackhorst, etwa 50 Klm. östlich von Pretoria gegen 8000 Buren unter General Botha, ist nichts weiter veröffentlicht worden, als daß die Engländer einen Verlust von etwa 120 Mann gehabt, die Buren sehr entschlossen gekämpft, zum Schluß sich aber zurückgezogen haben. Wohin sie gegangen sind und ob sie verfolgt wurden, ob Gefangene gemacht und Geschütze erobert sind, wird nicht bekannt gegeben. Die Verluste der Buren werden als empfindlich bezeichnet, Zahlen darüber aber nicht mitgetheilt. Ein Verlust von 120 Mann kann für eine Truppe, die gegen einen tapferen 8000 Diann starken Gegner mehrere Tage erfolgreich kämpft, nicht als bedeutend angesehen werden. Gewöhnlich haben aber die Buren während dieses Krieges bei allen Gelegenheiten einen weit geringeren Verlust zu erleiden gehabt als die Engländer. Die Stärke der bei Brackhorst im Kampfe getretenen britischen Truppen ist nicht gemeldet. Jedenfalls sind die Buren durch diesen Kampf, der vom 18. bis 20. Juni gedauert hat, nicht sehr erschüttert, denn denTimes" wird jetzt aus burischer Quelle berichtet, daß die Buren in beträchtlicher Stärke sich in den Hügeln jenseits Middelburg verschanzen, dort also von Neuem Widerstand leisten wollen. Vermuthlich sind damit die Höhen etwa 16 Klm. westlich von Middelburg gemeint, die sich am Olifantsfluß, einem rechten Nebenfluß des Limpopo, auf seinem rechten (östlichen) Ufer entlang ziehen. Der im Allgemeinen von Süden nach Norden fließende Olifantsfluß schneidet hier die von Middelburg nach Pretoria führende Straße. Die Buren werden darauf gefaßt sein müssen, bei Middelburg nicht nur von Lord Roberts aus Pretoria, sondern auch gleichzeitig von General Buller aus Standerton und General Hunter aus Heidelberg angegriffen zu werden. Alle drei Orte liegen ungefähr gleichmäßig 150 Klm. entfernt von Middelburg, Pretoria im Westen, Heidelberg im Südwestcn und Standerton im Süden von diesem Ort. Telegraphisch wird darüber berichtet:

der Verfasser sich an keinen Geringeren als den berühmten Dichter Viktor von Scheffel in einem längeren Poem, um von diesem die Mittheilung zu erlangen, ob seinTrompeter von Säkkingen" einst wirklich existirte, oder ob er lediglich als ein dichterisches Erzeugniß zu erachten sei.

Darauf lief zwei Tage später von Viktor von Scheffel folgendes Schreiben ein:

Herrn

Fr. Dörr, Kirchgasse 15,

Hanau.

Beiliegend der Grabstein von

Drus Franciscus Werner Kirchhofer und

Maria de Schönau

aus dem Jahre 1690, wie solcher noch heute an der Mauer des Friedhofs von Säkkingen am Rhein zu schauen. Rn diesen knüpft sich die Ueberlieferung vom

Tompcter von Saekkingen."

Was nun Wahrheit und Dichtung in meiner Erzählung ist, mögen die geneigten Leser herausfinden.

Karlsruhe, 6. März 1876 am Fridolinstag

Scheffel."

Bei dem Brief befand sich eine Photographie des in beut Schreiben erwähnten Grabsteins. Demnach scheint Scheffel zu seinemTrompeter von Säkkingen" auch keine weiteren greifbaren Thatsachen wie diesen Grabstein gehabt zu haben. Was nun Wahrheit und Dichtung imKlausner" ist, werden die geneigten Leser ebenfalls herausfinden müssen. N. T.

Aus Kunst und Leben

Ein Maneranschlag der Boxer. In vielen chinesischen Städten sind Maucranschläge der Boxer ange­bracht, in welchen zur Verbreitung und Niedermachung der

London, 28. Juni. DieTimes" veröffentlichen eine Depesche aus Lourcnq.o Marques von gestern, die nach Transvaalqucllen berichtet, daß die Buren sich in beträchtlicher Stärke in den Hügeln jenseits Middelburg verschanzen.

lieber die den Engländern in der letzten Zeit von den Buren zugefügten Niederlagen schreibt dieSt. James- Gazette", es sei im südafrikanischen Feldzüge unangenehm häufig vorgekommen, daß britische Soldaten sich unter Ver­hältnissen ergeben hätten, die, soweit es beurtheilt werden könne, die Möglichkeit erfolgreichen Widerstandes nicht aus­geschlossen hätten. So habe De Wct am Rhenoster bei Mondschein das Derbyshire-Miliz-Bataillon überrascht, das sich nach Verlust von 100 Mann ergeben habe. Es sei un­erklärlich, wie eine britische, nicht auf dein Marsche befind­liche, sondern die Bahnlinie bewachende Truppe derartig habe überrumpelt werden können, und weshalb sie nicht verschanzt gewesen sei. Es sei den britischen Traditionen nicht ent­sprechend, daß ein Bataillon sich ergebe, so lange es Mittel zur Vertheidigung oder zum Durchbrechen durch die feind­lichen Reihen besäße. Derartige Zwischenfälle berührten um so peinlicher, als fortwährend aus jener Gegend berichtet werde, der Widerstand der Buren sei völlig gebrochen. Nur ein oder zivci Tage nach der Gefangennahme der Derbyshire- Miliz sei ein neuer Angriff an der gleichen Stelle am Rhe­noster gemacht worden. Bei dieser Gelegenheit aber hätten die bei der Wiederherstellung der Bahnlinie beschäftigten Truppen so lange Widerstand geleistet, bis von Süden Hilfe kam. Es sei zu hoffen, daß die Fälle von Ucbergabe von Nicholsons Neck bis Rhenoster daraufhin genau unter­sucht würden, ob die Haltung der Offiziere und Mannschaften dabei den zu stellenden Anforderungen entsprochen habe.

*

Telegramme:

London, 29. Juni. Der vier Spalten einnehmende Bericht des Times-Korrespondenten ans Südafrika über die unglaubliche Organisation des englischen Sanitätsdienstes auf dem Kriegsschauplatz hat im ganzen Lande ungeheures Auf­sehen erregt und wird Anlaß zu heftigen Kammerdcbattcn seitens der Oppositions-Parteien geben, welche heute schon eine Interpellation über die groben Fahrlässigkeiten im Ambulanzdienste anbahnen. Es unterliegt nach dem Gut­achten hiesiger Militärkritiker keinen Zweifel, daß die Zahl der Kranken (Typhus), die augenblicklich in den Fcldlazarethen und Spitälern in Südafrika liegen, 35 bis 40 000 Mann beträgt. Die 220 000 Mann starken Streitkräfte Roberts sollen durch Tod, Verletzungen und Krankheiten auf 150 bis 160 000 zusammengeschmolzen sein.

fremden Teufel" aufgefordert wird. Eins dieser Plakate lautet nach dem in einer chinesischen Zeitung veröffentlichten Urtext in deutscher Uebersetzung:

Die Götter helfen den Boxern,

Dem patriotischen, harmonischen Korps, Und zwar darum, weil die fremden Teufel

Das Reich der Mitte stören.

Sie nöthigen das Volk, ihre Religion anzunehmen,

Dem Himmel den Rücken zu kehren, Die Götter nicht zu verehren

Und die Vorfahren zu vergessen.

Männer verletzen die menschlichen Verpflichtungen,

Frauen begehen Ehebruch.

Fremde Teufel sind nicht von Menschen erzeugt;

Wenn ihr es nicht glaubt,

So seht sie genau an,

Die Augen aller fremden Teufel sind bläulich.

Kein Regen fällt, die Erde wird trocken,

Dies geschieht, weil die Kirchen den Himmel verschließen.

Die Götter zürnen, die Genien sind ärgerlich:

Beide kommen herunter von den Bergen, Um ihre Lehre zu predigen.

Das ist kein Gerücht.

Die Uebungen der Boxer werden nicht vergebens sein.

Schiebt die Eisenbahnschienen zur Seite,

Reißt die Telegraphenstangen heraus, Und gleich hierauf zerstört die Dampfer.

Das große Frankreich

Wird kalt im Herzen und kleinmüthig werden, Die Engländer und Russen werden zersprengt, Laßt die verschiedenen fremden Teufel alle getüdtet werden, Möge das ganze elegante Reich der großen Ching-Dynastie immer gedeihen.