Einzelbild herunterladen
 

M«««««t»> Prriâ :

Mchch 9 â

Wührl. 4 v* 50 ^$.

Werttljährlich

2 «Ä 25 ^.

Wir auSwârtigy Mssmentm mit de» idreffenben Paftaufschla^

Wr einzeln« Swwt kostet

Amtliches Organ Mr Staöt- unS LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit dlu-nahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

inrâ<fK«g*> gebühr

stk Stadt» und Larck» trete Hanau 10 ^ Mi «gespaltene Garmond» zeilt oder deren Raum, für Au,wärt« 16 4

Im ReklamentheU die Zeile 20 ^, für

Au,wärt« 30 ^.

M 147.

Mittwoch den 27. Jirni

1900

Amtliches.

Stadt- und Landkreis Hanan.

Nachdem Stadt- und Landkreis Hanau wieder frei von Maul- und Klauenseuche sind, gestatte ich für den Umfang des Stadt-- und Landkreises Hanau unter Aufhebung meiner Bekanntmachung vom 14, August v. Jahres P 7429 die Abhaltung der für die beiden Kreise angesetzten Viehmärkte.

Ich mache hierbei auf Nachfolgendes zur besonderen Be­achtung aufmerksam:

Sämmtliche Wiederkäuer und Schweine, und zwar sowohl die mit der Eisenbahn wie auch die unter Benutzung der Landwege auf den Markt -gebrachten, dürfen nur durch die vom hiesigen Obcrbürgermeisteramte veröffentlichten Stadt- eingänge (Kontrolstationen) eingebracht werden.

Nach § 3 der landespolizeilichen Anordnung vom 21./6. 97 ist das Aufbringen von Wiederkäuern und Schweinen auf den Viehmarkt nur dann gestattet, wenn den marktpolizei- lichen Organen eine von der zuständigen Orts­behörde ausgestellte Bescheinigung vorgelegt wird darüber, daß in der Ursprungsgemeinde seit 4 Wochen nicht die Maul- und Klauenseuche

bei Schweinen weder die Maul- und Klauen­seuche, noch eine der Schweineseuchen herrscht, und daß die Ursprungsgemeinde in den letzten vier Wochen nicht zu einem Beobachtungsgebiet im Sinne des § 59a der Bundesrathsinstruktion gehört.

Die Bescheinigungen haben eine fünftägige Gültigkeit, den Ausstellungstag eingerechnet.

Der Transport von Schweinen und Kälbern darf nicht durch Treiben erfolgen, sondern die Thiere müssen getragen oder gefahren werden.

Schließlich verweise ich noch auf die Polizeiverordnung vom betreffend die Listenführung über den An- und Verkauf von Rindvieh, Schafen, Schweinen, Pferden durch Viehhändler.

Gleichzeitig ordne ich hiermit im Interesse einer besseren Beaufsichtigung und Ueberwachung der Viehmärkte an, datz der Auftrieb auf den Markt in der Stadt Hanau nicht vor sieben Uhr morgens statt- sinden darf.

Hanau den 25. Juni 1900.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor:

P 5504 __________v. Schenck.______

Gesundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Kneifer mit Nickeleinfassung. 2,49 M. daar. 1 Schachtel mit verschiedenen Handschuhknöpfen. 1 viereckiges, innen blau ausgeschlagenes Etuis. 1 silberne Damenuhr mit Goldrand, mit der Nr. 109363/7.

Hanau den 27. Juni 1900.

Unsere wirthschaftlichen Interessen in China.

Das Deutsche Reich hat bei den Wirren in China nicht nur seine Misstonsanstalten zu schützen, sondern auch beträcht­liche wirthschaftliche Interessen. An der Erschließung Chinas hatte sich deutsches Kapital bis vor Kurzem nur in geringem Umfange betheiligt. Erst die Schaffung einer deutschcnJnteressen- Sphäre und der Erwerb von Konzessionen für geschlossene deutsche Niederlassungen in einigen Vertragshäfen hat hier Wandel geschaffen.

Die Handelsbeziehungen mit China waren aller- dings bereits vor Jahrzehnten nicht ohne Bedeutung. Deutsch- - land führte im Jahre 1898 nach China für 48 Millionen § Mark Waaren aus und führte aus China für 21, < Millionen Mark Waaren ein. Deutsche Handelshäuser bestehen in, der englischen Kolonie Hongkong und den _ chinesischen Plätzen Hankow, Swatow, Amoy, Futschau, Tschifu, Tientsin und Shanghai, im Ganzen 105 Häuser. Für 62 davon Md 1 t Millionen Mark Kapital ausgegcben, für die 43 Handels Hauser von Shanghai liegen gar keine Angaben vor und da diese bei weitem die bedeutendsten sindstist das hier thatsächlich ar­beitende Handelskapital als ein vielfaches des genannten Be­trages anzusehen. Ebenso steht es mit den Krediten, die nur für 21 Hongkonger Handelshäuser mit 46 Millionen Mark feststehen.

Man wird demnach Betriebskapital und Kredite der in China ansässigen deutschen Handelshäuser mit weit über 100 Millionen Mark eher zu niedrig als zu hoch ansetzen können. Der Handel aller dieser Hauser mit Deutschland ist bedeutend und umfaßt in der Einfuhr Haupt­

sächlich Maschinen und Eisenwaaren, in der Ausfuhr Thee, Reis und Federn.

Industrielle Unternehmungen gibt es wenig. Nur in Shanghai wird eine Baumwoll- und Seidenspinnerei und eine Dockanlage mit annähernd 7 Millionen Mark Kapital betrieben. Außerdem ist deutsches Kapital an eng­lischen Gesellschaften betheiligt, vor Allem an Schifffahrts-, Dock- und Versicherungsgesellschaften in Hongkong mit ca. 50 Millionen, in Shanghai mit 75 Millionen Mark. Den Bau von Eisenbahnen beabsichtigt das Teutsche Schautung Eisenbahn-Syndikat mit 54, den Abbau von Kohlenbergwerken das Schantung-Bergbau-Syndikat mit 12 Millionen Mark zu betreiben.

Der gesummte Grundbesitz von deutschen Reichs­angehörigen in China läßt sich schwer schätzen, dürf te aber nach den Angaben in den einzelnen fremden Niederlassungen ungefähr einen Werth von 8 Millionen Mark haben. Plantagenbau ist nicht in deutschen Händen vorhanden, abgesehen von 61 Hektar Weinbergen in Tschifu im Werth von 100,000 Mark. An sonstigen deutschen Kapitalsinteressen ist zu erwähnen: das Kapital der deutsch-asiatischen Bank in Shanghai mit 10 Millionen Mark, die außerdem noch eine Forderung von 2'/, Millionen an der in chinesischem Staats- Eigenthum stehenden Bahn TientsinTaku hat und das Geschäft der deutschen See- und Feuerversicherungs-Gesellschaften mit 2 Millionen versicherten Risiken.

Im Ganzen dürften die deutschen Interessen in China die in Kiautschou angelegten Kapitalien nicht gerechnet 3 0 0 Millionen Mark übersteigen.

Diese gewaltige Summe steht jetzt für uns auf dem Spiel und ist verloren, wenn es uns im Verein mit den andern Mächten nicht gelingt, wieder Ordnung in China zu schaffen. Einen kläglichen Eindruck macht die Behauptung einiger Nörgler, diese Lage sei nur eine Folge der Weltpolitik. Allerdings, wer hübsch daheim hinterm Ofen bleibt, der läuft nicht Gefahr, sein Leben und sein Gut gegen fremde Angriffe vertheidigen zu müssen; aber er erringt auch nicht den hohen Gewinn, der nur dem Kühnen beschieden ist.Und setzet Ihr nicht das Leben ein, Ni» wird Euch das Leben ge­wonnen sein!" So heißt es im Reiterljed in Wallensteins Lager. Das gilt auch von den Völkern. Und so müssen wir unserem Kaiser dankbar sein, daß er Alles aufbietet, um mit dem Ansehen und der Ehre des Vaterlandes sowie dem Leben der Reichsangehörigen auch unsere wirthschaftlichen Interessen im fernen Osten zu schützen.

Die Wirren in China

Endlich eine Nachricht über Tientsin und über das Schicksal der Gesandten, eine Nachricht, die freudige Hoffnungen erweckt, wenn sie auch noch Manches im Dunkeln

läßt. Die Depesche des deutschen Konsuls in Tschifu, Admiral Seymour 20 km von Tientsin sein soll mit Gesandten und hartbedrängt durch Boxer und Soldaten daß am 24. ein Hilfskorps von Tientsin zu Seymour gegangen sein soll, nachdem das Ersatzkorps von Taku

daß den und ab-

am

23. in Tientsin eingezogen war, wird an Berliner amtlicher Stelle für glaubwürdig gehalten, weil man annimmt, daß der Konsul ein bloßes Gerücht, von dessen Zuverlässigkeit er in der Hauptsache nicht überzeugt gewesen wäre, nicht depcschirt haben würde. DieFrkf. Ztg." bemerkt in einem Berliner Telegramm hierzu: Die Quelle seiner Nachricht gibt der Konsul leider nicht an, und das veringert den Werth der Meldung. Man muß also annehmen, daß Tientsin bereits am letzten Samstag Nachmittag durch die von Taku aus entsandten Hilfstruppen entsetzt worden ist, und daß die Situation es sogar gestattet hat, schon am nächsten Tage ein Hilfskorps dem Admiral Seymour entgegenzusenden. Danach müßte man annehmen, daß für Tientsin selbst keine große Gefahr mehr besteht. Ob nun Seymour in Peking war, wie aus chinesischer Quelle der Gouverneur von Kiautschou meldet, die Gesandten befreit hat und sich mit ihnen auf dem Rückzug befindet oder ob die Ge­sandten aus Peking entkommen find unter dem Schutze chinesischer Truppen, wie eine andere Depesche sagt, und auf ihrem Wege zur Küste auf Seymour gestoßen sind, das bleibt nach wie vor unklar. Man ist nur auf Vermuthungen an­gewiesen, denn bis zur Stunde liegen irgendwelche Meldungen von amtlichen Persönlichkeiten aus direkten Quellen nicht vor. Es bleiben also noch viele Zweifel bestehen und es ist leider auch unzweifelhaft, daß Seymours Truppe sich mit den Ge­sandten in bedrängter Lage befindet. Die Mittheilung, daß Boxer und Soldaten, also wohl reguläre chinesische Truppen ihn bedrängen, zeigt wieder, daß es sich nicht nur um einen Aufstand der Boxer, sondern zum Mindesten um eine Mit­wirkung chinesischer Truppen und Beamten handelt. Es ist

nun zu hoffen, daß in den nächsten Tagen genauere Mit theilungen eingchcn werden, da die Verbindung Taku-Tientsin und darüber hinaus bis zu Seymour nun wohl aufrecht er­halten werden wird.

Weitere Kämpfe

in dem ganzen Aufstandsgebiete von Taku bis Peking sind bereits im Gange oder stehen unmittelbar bevor, denn nach Depeschen aus Shanghai ist eine Streitmacht von 8000 Mann auf dem Vormarsch nach Tiemsin; sie besteht meistens aus japanischen Truppen. Die Engländer sollen 2000, die Deutschen 1200 Mann stark sein. Das Kommando führt der japanische General Fukushima. DerIltis" patrouillirt jetzt die Ufer entlang, um die Rebellen von dort zu verjagen, die die Kriegsschiffe durch Flintenschüsse belästigen. Zu dem gleichen Zweck patrouillirt ein russischer rorpedcbootzer- störer, der die Gebäude der Eingeborenen, wo sich die Feinde verborgen halten, beschießt. Die letzten Gerüchte aus Tientsin besagen, daß dort fürchterliche Verhältnisse herrschen; alle Banken, einschließlich der Filialen der deutschen Banken sollen zerstört sein. Die Chinesen tragen sich mit der Absicht der Wiedereroberung von Taku. Dichte Haufen sind im Vor­marsch auf Wegen, wo sie von den Kriegsschiffen nicht er­reicht werden können. Viele ausländische Flüchtlinge kommen aus dem Innern in Shanghai an. Die internationalen Truppen sollen durch eine große japanische Armee verstärkt werden. Der Kommandant des italienischen Kriegsschiffes ist schwer verwundet. DemDaily Expreß" wird aus Shanghai telegraphirt: Es zirkuliren hier weitere Gerüchte über die Vernichtung einer weißen Kolonne sieben Meilen westlich von Langfang. Andererseits verlautet aber auch, daß xine Abtheilung ausländischer Truppen am 22. Juni acht Meilen südlich von Pekiyg gesehen worden sei. In Nanking sei die Unruhe im Wachsen begriffen. Der Vizekönig ListMM tclegraphirte den britischen Behörden, er habe die fünf bei Shanghai liegenden chinesischen Kreuzer nach Nanking beordert. Offiziell wird gemeldet, daß in Peitaho und Shanhaikivan Kosaken gelandet sind, um die von der Mandschurei nach Tientsin gehenden chinesischen Truppen abzuschneiden. General Ma's Corps von viertausend Mann marschirte vor einer Woche aus Shanhaikwan nach Peking ab, und General Sungschings Corps von 2500 Mann marschirte am fünf­zehnten von Shanhaikwan ab. Die chinesischen Truppen um Peking werden auf dreihundertsechzigtausend Mann geschätzt. Sie besitzen zweihundertzwanzig Sieben-Centimeter Creusot- Geschütze, achtzehn Krupp- und hundertfünfzig Maximgeschütze, aber drei Viertel der Soldaten sind unausgebildete Truppen ohne Kenntniß moderner Waffen.

*

*

* Telegramme:

Berlin, 27. Juni. In militärischen Kreisen erhält sich demLokal-Anzeiger" zufolge das Gerücht, daß außer den beiden auf Kriegsstärke gebrachten See-Bataillonen weitere Trup pe n - Ab t h e i lu n g e n in die chinesischen Ge- wässer entsandt werden sollen. Man spricht von 6000 Mann. Hierzu bemerkt derLokal-Anzeiger:Wir glauben annehmen zn dürfen, daß zwar hierüber noch keinerlei de­finitive Entschlüsse gefaßt worden sind, daß aber allerdings angesichts der ungemein bedrohlichen Lage im nördlichen China und der zunehmenden Unruhen in den mittleren und südlichen Provinzen mit der Möglichkeit einer weiteren Ver­stärkung unseres militärischen Machtaufgebotes ge­rechnet wird.

Wilhelmshaven, 27. Juni. Die Mobilmachung vollzieht sich in vollster Ruhe.

Berlin, 27. Juni. Nach einein Telegramm desLokal- Anzeigers" aus London durchbrachen nach einer Meldung aus Ta kn vom Sonntag Nacht die verbündeten Truppen nach großen Anstrengungen die chinesischen Linien und erreichten am Samstag Tientsin. Dort fand ein ernster Kampf statt, aber die Verluste der Verbün­deten waren nicht erheblich. Die Entsatztruppen marschirten dann weiter, um Admiral Seymour zu Hilfe zu kommen, der am 10. Juni Tientsin verlassen hatte. Weitere Truppen-Abtheilungen werden jetzt nach Tientsin zur Be­wachung der Verbindungs-Linien nachgeschoben. Ueber Sey­mours Lage sind weitere Nachrichten nicht eingetroffen. Ver­schiedene Anzeichen sprechen dafür, daß er Peking noch nicht erreicht hat.