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du Zeile 20 ^,, Lutwärtt 30 ^.

Vie einzeln«

Staunet kostet 19 *

Amtliches Organ für Slaöl- unS LanSKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

». 141.

Mittwoch den 20. Juni

1900

Amtliches Aufgebot.

Die Inhaber der Urkunden über folgende zu Gunsten des Landwirthes Conrad Lottich 3 in Niederissigheim im Art. 51 des Grundbuches von Niederissigheim eingetragene Hypotheken, nämlich 1. Abt. III Nr. 15: 700 Mk., und 86 Mk. 05 Pfg. Kosten, 2. Abt. III Nr. 16: 380 Mk., werden aufgefordert, spätestens im Aufgebotstermine am 15. Oktober 1900, vormittags 9 Uhr, ihre Rechte bei dem Gerichte anzumelden und die Urfunben vorzulegen, widrigenfalls diese für kraftlos werden erklärt werden.

Hanau den 14. Juni 1900.

Königliches Amtsgericht 5. 9862

Wegsperre.

Wegen der Verlegung des eisernen Oberbaues der Rodau­brücke zu Mühlheim (im Zuge der Kreisstraße Offenbach- Hanau) bleibt die Nothbrücke daselbst von Freitag den 22. Juni, vormittags 6 Uhr, bis Sonntag den 24. Juni, vor­mittags 6 Uhr, gesperrt. Fuhrwerke haben während dieser Zeit den Weg über Lämmerspiel und Bieber zu nehmen.

Offenbach den 19. Juni 1900.

Großherzogliches Krcisamt.

Haas. 9877

Beisetzung des Grotzherzogs von Oldenburg.

Der Großherzog Peter von Oldenburg, der, wie wir be­richteten, am Mittwoch voriger Woche in seiner Sommer- residenz Rastede gestorben ist, wurde gestern feierlich zu Grabe getragen. Zur Theilnahme an der Beisetzung ist am Mittag, von Wilhelmshaven kommend, der Kaiser sowie Prinz Hein­rich von Preußen in Oldenburg eingetroffen. Der Kaiser, den der Großherzog Friedrich August am Bahnhöfe empfing, wurde auf dem Wege zum Schloß von der Menge ehrfurchts­vollst begrüßt. Im Schlosse, wo die Leiche im Audienzzimmer aufgebahrt war, fand um 10 Uhr vormittags eine kurze An­dacht statt, bei der Hofprediger Ramsauer das Gebet sprach; die zahlreich zur Betheiligung an der Beisetzung eingetroffenen Fürstlichkeiten wohnten dieser Feier bei. Die Stadt ist nach dem Willen des verstorbenen Großherzogs einfach, aber würdig, mit Trauerfahnen, schwarzen Drapericen und dunklem Tannengewinde geschmückt. Auf dem Wege zum Schloß bis zum Gertruden-Kirchhof, wo sich das großherzogliche Mauso- leum befindet, bilden das Militär, die Schulen, Krieger­vereine und andere Vereinigungen, sowie die Innungen Spalier.

Mit dem Kaiser waren in Oldenburg eingetroffen : Der Ober­hofmarschall Graf Eulenburg, der Kommandant des Kaiser­lichen Hauptquartiers General von Plessen, die Flügeladju- tanten Oberstleutnant Freiherr v. Berg und Korvetten-Kapitân Grumme, der Chef des Civilkabinets, Wirklicher Geheimer Rath von Lukaiiiis, der Chef des Marinekabinets, Vizead­miral Freiherr vonSenden-Bibran, Generalfeldmarschall Graf Waldersee, der Gesandte Graf Wolff-Metternich und der Generalarzt Dr. v. Leuthold.

Der Trauerzug verließ unter dem Geläute aller Glocken das Schloß. Voran ritten Gendarmen, ihnen folgten die Truppen, welche die militärische Trauerparade bildeten, die Dienerschaft, Hofkavalicre, und Flügeladjutanten mit Ordens­kissen, alle mit langen Trauerfloren. An diese schloß sich die evangelische Geistlichkeit. Danach kam der mit acht Pferden bespannte Leichenwagen, an dessen Seiten der Oberstallmeistcr und ein Adjutant ritten. Die Zipfel des Bahrtuches wurden von den Mitgliedern des Staatsministeriums gehalten. Den im Uebrigen einfach gehaltenen Sarg zierte eine Kröne. Hinter dem baldachinartigen Wagen wurde das Leibpferd des Großherzogs geführt. Nun folgten die Fürstlichkeiten: an ihrer Spitze der Kaiser in der Uniform des 1. Garde-Dra- goner-Negiments, ihm zur Linken der Großherzog Friedrich August und der Herzog Alexander von Oldenburg als Ver­treter des Kaisers von Rußland, ferner Prinz Heinrich von Preußen, Prinz Alfons von Bayern, Prinz Johann Georg von Sachsen, der Erbgroßherzog von Baden, Herzog Regent Johann Albrecht von Mecklenburg, Prinz Bernhard Heinrich von Sachsen-Weimar, die Herzöge Adolf und Heinrich zu Mecklenburg, Prinz Heinrich XVIII. Reuß, der Fürst non Waldeck, Herzog Ernst Günther von Schleswig Holstein, der Erbprinz. von Anhalt, Prinz Ernst zu Sachsen-Meiningen, Fürst Georg von Schaumburg-Lippe, Prinz Friedrich Leopold von Preußen, die Prinzen des oldenburgischen Hauses und Andere. Nunmehr folgten : Die Mitglieder des diplomaiischen Korps, das Gefolge Sr. Majestät des Kaisers, die Minister und Generale, die Mitglieder des Landtags, das Offizierkorps, die Beamten, die Geistlichen der anderen Konfessionen, die Mitglieder des Magistrats der Stadt Oldenburg und zahl­reiche Deputationen. Militär schloß den Zug. Dumpf hallten die Trommelwirbel zu den Klängen der Trauermärsche. Das Gold und Silber der Gala- und Parade-Nniformen ver­schwand unter dem Flor. Langsam bewegte sich der Zug durch die Stadt zum Mausoleum. Die fürstlichen Damen begaben sich zu Wagen nach dem Mausoleum.

Der Leichenzug traf gegen 11 Uhr vormittags im Groß- herzoglichen Mausoleum auf dem Gertrudenkirchhof ein, wo bereits vorher die Großherzogin und die Herzogin Charlotte zu Wagen angelangt waren. Unter Gesang des Kirchenchors

wurde der Sarg ins Mausoleum getragen. Oberhofprcdigcr Hansen hielt die Trauerrede über das BibelwortDer Herr, Dein Gott, hat Dich gesegnet in allen Werken Deiner Hände." Sodann wurde der Sarg unter Gesang in die Gruft gesenkt, während die Trauerparade Salven abgab. Der Kaiser kehrte zu Wagen ins Schloß zurück und reifte, nach Verabschiedung von dem Großherzog und der Großherzogin, gegen 12 Uhr nach Wilhelmshaven ab. Dort begab er sich unmittelbar nach der Ankunft auf die Kaiserliche Werft und ging sodann an Bord der AachtHohenzollern" wieder in See.

Gutenberg und das Reich.

In allen zivilisirten Ländern, besonders natürlich im Deutschen Reiche, das stolz auf seinen großen Sohn ist, wird in diesen Tagen der fünfhundertste Geburtstag Gutenbergs festlich begangen. Wenn die Presse zur Verbreitung und Ver­allgemeinerung des festlichen Gedenkens gerade dieses Tages beiträgt, so ist dies nur zu erklärlich, denn sie sieht ja in ihm gewissermaßen ihren Vâter.jDie ungeheuere Verbreitung, die die Zeitungen gefunden haben, wäre ohne das Werk des großen Meisters völlig undenkbar gewesen.

Man feiert Gutenberg heute in zahllosen feuilletonistischen Artikeln; aber auch der Politiker hat Anlaß seiner in Dankbarkeit zu gedenken, weil Gutenbergs große That einen stillen, aber daruni nicht minder bedeutsamen Antheil an der Schaffung des deutschen Einigungswerkes hat.

Gutenberg ist geboren in einer Zeit, in der das deutsche Reich mehr und mehr verfiel. Der deutsche Kaiser cxistirtc nur noch dem Namen nach, die Städte schlugen sich mit der Ritterschaft herum und die Ritterschaft mit den Fürsten. Der Unfriebe, der über dem Reiche waltete, war wenig ge­eignet, Wohlstand und Kultur zu fördern. Die Bildung war ein nur wenigen Auserwählten verliehenes Gut, während die große Masse des deutschen Volkes in stumpfer Resignation dahinlebte.

Der Mann aber, dessen Leben in jene Zeit des Verfalls deutscher Macht und Herrlichkeit fiel, hat, wie nur Wenige, dazu beigetragen, daß das Reich nach Jahrhunderten schwerer Leiden zu neuer Herrlichkeit erstanden ist. In jenen Zeiten der tiefsten Schmach Deutschlands wäre nur noch der Name Deutsch" den Deutschen gemeinsam geblieben, ein bloßer Schall, wenn nicht die gemeinsame Geistesbildung der Form auch Inhalt verliehen hätte. Sonst war nichts, was die Deutschen an ihre Stammesgemeinschaft erinnert hätte. Der wüthendste Religionshader hatte zwei Jahrhunderte lang die deutschen Stämme mit einander verfeindet, den Bruder vom Bruder getrennt. Von einer gemeinsamen deutschen Politik war nicht die Rede, da die oberste Spitze, das Kaiserthum,

Feuilleton.

Die Pariser Weltausstellung.

IX.

D euts ches Eisen.

Ein Regentag in Paris! Nicht als ob Regentage in Paris eine große Seltenheit wären, aber dieser hier ist in ber That ein seltener Tag unter seinesgleichen. Dicht und eilig zieht das flüchtige Wolkengewebe hintereinander drein. Um die Spitze des Eifelthurmes hängt es sich, so daß ein Theil dieses wunderlichen Gebildes der Menschenhand verhüllt erscheint und von den Speichen des riesigen Ferry-Rades, dieser staunenswcrthen Leistung der modernen Technik ist schier gar- nichts zu gewahren. Wir draußenstehenden Menschenkinder, die wir in der Welt der Technik nicht zu Hause sind, nehmen diese und tausend andere ihrer Leistungen hin, wie etwas Selbstverständliches. Nur selten machen wir uns klar, was es heißen will, ganz genau bis ins kleinste zu berechnen, wie es anzustellen ist, daß alle diese hunderttausend Theilchen sich zu einem festen Ganzen zusammenschließen, dem man sorglos die Sicherheit vieler Menschenleben anvertrauen kann.

Wie eine Art Spielzeug für Erwachsene betrachten wir diese Dinge, die lediglich der Sensation zu dienen bestimmt find. In unsern ernsten philosophischen Augenblicken sind wir geneigt, solchen Eisenbauten gegenüber die Thorheit der Menschen zu verspotten, die so viel Mühe aufwenden, ledig­lich um einmal etwas anderes zu haben, als das Natürliche und Alltägliche. Allmählich aber, wenn man so täglich aus- und eingeht unter diesem Hünen von Eiffelthurm,. erwacht der Sinn für das Gewaltige und das Poetische, das in ihm liegt. Denn es gibt eine Poesie des Eisens, und jetzt, wo in der großen Maschinenhalle auf dem Marsfelde die Räder sich zu

drehen beginnen, wo es stampft und keucht an allen Ecken und Enden, wo das todte Eisen erwacht zu einer lebendigen schaffenden Wirklichkeit jetzt sind auch die Tage der Poesie des Eisens gekommen. Etwas von dieser Poesie des Eisens steckt im Eiffelthurm, im Ferry-Rad, eine blendende, ver­blüffende Poesie des Eisens. Das befreienbe Wort in der Sprache des Eisens ist in den Mund des Volkes gelegt worden, dessen Dichter in den Anfangsjahren des neunzehnten Jahrhunderts von dem Gott sangen, der Eisen wachsen ließ.

So viel Erfreuendes und bleibend Werthvolles auch im deutschen Hause und in der deutschen Kunstgcwerbe-Gruppe geleistet ist, so kann doch kein Zweifel darüber bestehen, daß Deutschlands Stärke auf der diesmaligen Weltausstellung in seiner Behandlung des Eisens und in der Welt der Technik zu suchen ist. Freilich ist man gezwungen, diese Welt der Eisen-Technik ziemlich mühselig in den vielen, vielen Ab­theilungen des großen Marsfeld-Gebäudes zusammenzusuchen, denn so schön sich Herrn Picards Gedanke der Vertheilung von Maschinen in den einzelnen Gruppen theoretisch aus­nimmt, so wenig zweckmäßig erscheint er im Interesse der Ausstellungsbesucher. Durch das ganze Riesengebäude hin­durch find kleine Flecken von Deutschland vertheilt, überall ist es cingczwängt zwischen die Erzeugnisse von Briten, Ameri­kanern, Niederländern, Skandinaviern, und nicht immer liegen seine Plätze so günstig wie z. B. diejenigen der ihm be­freundeten und verbündeten Oesterreicher, Ungarn und Italiener.

In Anbetracht dieser Ungunst der Umstände wird es umso anerkennenswerther, daß es unsern leitenden Kräften gelang, aus der Noth eine Tugend zu machen. Man hat überall in die Höhe gebaut, wo die Breite nicht ausreichte. Der sehr günstig gelegene deutsche Theil der großen Maschinenhalle wird vollständig beherrscht von dem bekannten Flohrschen Krahn, der während des Baues des Ausstellungs-Palastes bereits

! viele Dienste bei der Dachkonstruktion geleistet hat. Rings um die Gallerie dieses Theiles öffnen sich die Kojen ver­schiedener elektrischen Aussteller; Ledertreibriemen und ver­wandte Dinge sind hier zu suchen. Etwas weiterhin, einge­klemmt und fast ganz verdeckt von den amerikanischen Elek­trizitätswerken, steht der sogenannte Ehrenhof der deutschen Elektrizitätshalle, der von Professor Hoffacker für die Allge­meine Elektrizitäts-Gesellschaft entworfen wurde eine Arbeit voll von der Eigenart des Künstlers : vornehm, zurückhaltend, voll Hingabe an eine stille Welt poetischer Formen und be­seelt von dem eisernen Willen, das Eisen zu zwingen, die Sprache der Schönheit und der Wahrhaftigkeit zu reden auf seine eigenste Art; eine Blätterkrone ist um die Spitze des Pavillons gewunden, und viele Glühkörperchen sind hinein­geflochten, stark genug in ihrer vereinten Strahlenkraft, um trotz der eingeengten Lage der deutschen Technik jenes Plätzchen an der Sonne zu sichern, um welches es ringt unter der Schaar der Völker.

Dieser Kampf um ein Plätzchen an der Sonne tritt am deutlichsten vielleicht hervor an der künstlerischen Behandlung des Raiunes, welcher der deutschen Feinmechanik gewährt ist. Er befindet sich auf der obern Gallerie des rechtsseitigen Flügels vom Marsfeld-Gebäude (vom Eiffelthurm mit dem Rücken nach dem Trocadero gesehen). Ein ungemein geschickter Durchbruch ist hier gemacht worden, so daß sich die Gruppe Feinmechanik wie ein großer Thorbogen über die darunter befindliche Gruppe Maschinen für das Buchdruck-Gewerbe wölbt. Diese Gruppe ist von einem schönen Gitterthor ein­gefaßt, das Professor Rieth von der Berliner technischen Hoch­schule entworfen hat. Es ist ganz aus dem Geiste des Eisens heraus in Anlehnung an die schlichte Formensprache des Empire-Stils geschaffen, und charakteristisch ist für jene deutsche Eigenart, die nicht imstande ist, sich überall in spielend ele­gante Linien aufzulösen, die aber in ihrer massigen Geschlossen-