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Amtliches Organ für Sfaâf- unö Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Sinrkckung».

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stk Stadt- und Laâ trete Hanau 10 ^ Ne ^gespaltene Garmond- zeile ober deren Nau», für AuSwârtt 15 4

Im ReNamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärt« 30 ^.

Nr. 139.

Montag den 18. Ium

1900

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Amtliches. Bekanntmachung.

Der Plan über die Errichtung oberirdischer Telegraphen­linien in Hanau liegt bei dem Postamte in Hanau aus. Cassel, 6. Juni 1900.

Kaiserliche Ober-Postdirektion.

J. V.: Schreiner. 9749

^mtdürei^ ^mtau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

An der katholischen Volksschule in Fechenheim sollen zwei weitere Lehrkräfte (ein Lehrer und eine Lehreriir) angestellt werden.

Das Diensteinkommen der beiden Stellen ist wie folgt festgesetzt:

a. für die Lehrerstelle:

Grundgehalt ..... 1400 Mk., Miethsentschädigung . . . 400 „

Einheitssatz der Alterszulagen 150 „

b. für die Lehrerinstelle :

Grundgehalt ..... 1120 Mk.,

Miethsentschädigung . . . 270 „

Einheitssatz der Alterszulagen 100 „

Bewerber resp. Bewerberinnen um die beiden Stellen wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen binnen 14 Tagen dem Herrn Lokalschulinspektor Kuratus von Jage­mann in Fechenheim einreichen.

Hanan den 15. Juni 1900.

Namens des Schulvorstandes.

Der Königliche Landrath.

V 5554 I. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.

Gesundem und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Paar weiße Militärhandschuhe. 1 Korallen-Vorstccknadel.

Verloren: 1 Portemonnaie mit 6,70 Mk. und mit 2 Uhrschlüsseln. 1 schwarzscidener Damenregenschirm mit silbernem Griff, auf der Messe abhanden gekommen. 1 Herren­regenschirm im Lamboywald am 13. d. Mts.

Hana« den 18. Juni 1900.

Die Eröffnung des Elbe-Trave-Kanals.

Lübeck, 16. Juni. Die Ankunft des Kaisers erfolgte bei herrlichstem Wetter um Veö Uhr nachmittags. Se. Maje­stät trug Admiralsuniform. Zur Begrüßung waren er­schienen der präsidirende Bürgermeister Dr. Klug und die Senatoren Dr. Brehmer und Dr. Schoen. Ferner waren auf dem Bahnhöfe anwesend der Vertreter Lübecks im Bundesrath Dr. Klügmann, Graf Wolff-Metternich, der preußische Konsul Tesdorpf, der Sekretär der hanseatischen Gesandtschaft Graf Schönborn, Regierungsrath Textor von der Lübcck-Büchencr Eisenbahn. Der Kaiser bestieg mit Bürgermeister Dr. Klug eine zweispännige Equipage und fuhr um die Wälle zum Kaiserthor am Kanal. Hier bestieg Se. Majestät den Dampfer „Lubeca", der alsbald die Kaiserstandarte hißte und sich nach dem Kanalhafen in Bewegung setzte.

Am Kanalhafen gewährte der Festplatz, in dessen Mitte sich der Kaiserpavillon erhob, 'mit seinem reichen Blumen- And Flaggenschmuck ein festlich heiteres Bild und auf dem Wasser wiegten sich zahlreiche Schiffe mit Festwimpcln. Die Tribünen, die Wege, die Schiffe, die Fenster und Dächer der umliegenden Häuser waren dicht von Menschen besetzt, die in lauten Jubel ausbrachen, als das Kaiserschiff unter der letzten Brücke durchfuhr und die sperrende Schnur zer­schnitt. Vom alten Burgthor her ertönten^ gleichzeitig die Fanfaren. Unter dem Pavillon harrten der Senat der L-tadt Lübeck, der Vizepräsident des Staatsministeriums Dr. von Miquel, der Handelsminister Breseld, der Landwirthschafts­minister Frhr. von Hammerstein, der Minister des Innern Frhr. v. Rheinbaben," der Staatssekretär des Reichspostamts v. Podbielski, der Präsident des Herrenhauses Fürst zu Wied, der Oberpräsident der Provinz Sachsen v. Boetticher, der Obcrpräsident der Provinz Schleswig-Holstein v. Koeller Und der Vertreter Lübecks im Bundesrath Dr. Klügmann der Ankunft des Kaisers. Die kurze Strecke vom Anlegeplatz bis zum Kaiserpavillon legte Se. Majestät zu Wagen zurück, ^n Begleitung des Kaisers befanden sich der Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg, der Chef des Militârkabineis General der Infanterie ,. .Cahnke, der General-Adjutant General der Infanterie v. Plessen, der Flügeladjutant Oberstlt. Freiherr v. Berg, der Flügcladjutant Koroetten-Kapitän Grumme, der

Chef des Zivilkabincts Wirklicher Geheimer Rath Dr. von Lucanus, Graf Wolff-Metternich, der Vize-Admiral Frhr. von Senden-Bibran und Gmeral-Feldmarschall Graf Waldersee. Nachdem der Kaiser die Front der Ehrenkompagnie abge­schritten und die direkten Vorgesetzten derselben begrüßt hatte, betrat er den Pavillon. In diesem Augenblick stimmte ein Chor von 400 Personen die von Professor Stiehl komponirte Festkantatc an. Der präsidirende Bürgermeister Dr. Klug nahm sodann das Wort und dankte Sr. Majestät für sein Erscheinen. Er betonte die Bedeutung der neuen Verbindung der Elbe mit der Ostsee und die Nothwendigkeit, bei dem blühenden Wirthschaftsleben des Vaterlandes neben den Schienenwegen Wasserwege zu schaffen. Die alte Hauptstadt der Hansa sei berufen, dem neuen Verkehrswege als Stütz­punkt zu dienen. Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, welches donnernden Widerhall fand. Alsbald wurde die Nationalhymne angeftimmt und drei Strophen von den Anwesenden gesungen. Se. Majestät der Kaiser, welcher dem präsidircndcn Bürgermeister Dr. Klug die Hand gereicht hatte, trat nun vor und hielt folgende Rede:

„Ich spreche der Stadt Lübeck von ganzem Herzen Meinen Glückwunsch zu dem heutigen Tage aus. Voran schicke Ich Meinen herzlichen Dank für den wundervollen Empfang, den Sie Mir bereitet haben. Ich habe aus der Haltung und den Mienen der Lübecker gelesen, wie freudig bewegt Ihre Herzen heute sind; denn Sic wissen, daß auch Ich regen Antheil nehme an dem, was Ihre Gemüther bewegt. Möge der Kanal, den Sie mit unverwüstlicher hanseatischer Thatkraft in Angriff genommen haben, in jeder Beziehung Ihren Erwartungen entsprechen! Ich hege die Ueberzeugung,., dâ wird er thun! Sie sehen an dem ferliggestellten Werke, was er für eine Bedeutung hat, daß ein einiges Deutsches Reich besteht. Was Lübeck war, verdankt es den Deutschen Kaisern, und was Lübeck jetzt ist, verdankt es dem Deutschen Reiche. So möge sich überall in unserem Reiche und Volke die Ueberzeugung immer mehr Bahn brechen, daß durch das Wiedererstehen und Erstarken des Deutschen Reiches jene alten Aufgaben von neuem an uns herantretcu, die durch die Uneinigkeit unserer Vorfahren leider verloren gingen und nicht gelöst werden konnten. Zuversichtlich hoffe Ich, daß unter Meinem Schutze Lübeck sich weiter entwickeln wird. Ich würde die e Hoffnung nicht mit der Freudigkeit aussprechen können, wenn Ich nicht jetzt vor Ihnen stünde, freudig gehoben dadurch, daß wir die Aussicht haben, einmal eine deutsche Flotte zu bekommen. (Lebhaftes Bravo!) Für eine See­stadt kann ein Kaiser nur dann den Schutz übernehmen, wenn er ihre Flagge, sei es die lübeckische, sei es die ham­burgische, sei es die bremische, sei cs die preußische, bis in die entferntesten Fernen der Welt durch seine Kanonen schützen kann. (Erneutes Bravo!) Möge uns denn ver­gönnt sein, durch den Ausbau unserer Flotte nach außen den Frieden miterhalten zu können, und möge es uns ge­lingen, durch den Ausbau unserer Kanäle im Innern die Erleichterung des Verkehrs zu erreichen, deren wir bedürfen! Der Segen wird bei unseren Wasserstraßen niemals aus- blcibcn!" (Lebhaftes Bravo und Hochrufe.)

Se. Majestät unterhielt sich sodann noch eine Zeitlang mit den Würdenträgern und fuhr dann sofort zum Bahnhof durch das alte Burgthor, von der Spalier bildenden Menge jubelnd begrüßt.

Lübeck, 16. Juni. Bei dem Empfang im Rathhause sprachen noch die außerordentlichen Gesandten Dr. Herslow für Schweden und Lund für Norwegen die Glückwünsche ihrer Staaten aus. Der Senat ließ aus Anlaß des heutigen Tages eine Denkmünze prägen. Bei der Ankunft des Kaisers meldete auf dem Bahnhöfe Korvetten-Kapitän Nitzke dem Kaiser die beiden zur Feier entsandten Kanonenboote „Skor­pion" und „Natter" zur Stelle; beide Schiffe lagen im Hafen. Hinter dem Kaiserschiff passirten sogleich die ersten beflaggten und geschmückten Schleppzüge den Kanal.

Lübeck, 16. Juni. Am Abend fand im Rathhause ein großes, von der Stadt Lübeck gegebenes Festmahl statt. Im oberen Saale speisten der Senat, sämmtliche anwesende Minister, Generalfeldmarschall Graf Waldersee, die Generalität, die Deputationen, in den Räumen des Rathsweinkellcrs die übrigen Gäste, etwa 500 an Zahl. Das Fest verlief auf das Glänzendste.

Lübeck, 16. Juni. Bei dem Festmahle im oberen Saale des Rathhauses hielten u. A. Reden der präsidirende Bürger­meister, die Minister v. Miquel und v. Thielen und der Wortführer der Bürgerschaft Dr. Brehmer. Dr. Klug schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Minister von MiquA führte. in seiner Rede aus, daß die Besorgnisse und Befürchtungen,1

die sich an jede geplante Verbesserung der Verkehrsmittel knüpfen, nach der Fertigstellung der letzteren schwänden. So sei es beim Elbe-Trave-Kanal gewesen, und dasselbe werde der Fall beim Mittellandkanal sein. Der Minister schloß mit einem Hoch auf den Senat und die Bürgerschaft von Lübeck. — Im unteren Saale hielten Senator Brehmer und Kommer- zienralh Frentzel Reden. — Der Marktplatz, auf dem Musit- korps spielten, war am Abend prächtig illuminirt, und eine große Menschenmenge erfüllte die Plätze und Straßen.

Brimsbüttelkoog, 16. Juni. Der Kaiser traf abends 9 Uhr 25 Minuten mit der Eisenbahn hier ein und ging so­fort durch die Kaiserhalle an Bord der Dacht „Hohenzollern", welche in der Schleuse liegt.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 16. Juni.)

Auf der Tagesordnung steht die Berathung von Petitionen.

Die Petition des Kuratoriums der Pott und Carleschen Stiftung in Elbing um Zuwendung der Einkünfte aus dieser Stiftung an die Lehrer des Gymnasiums zu Elbing neben ihren normalen Bezügen beantragt die Unterrichtskommission, Berichterstatter Abg. v. Heim bürg (k.), der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen in der Richtung, daß die Zinsen des Stiftungskapitals von 15 000 Thl. im Sinne des Stifters zu (9 misten des Elbinger Lehrerkollegiums verwandt werden.

Der Kommissar des Kultusministers Gerichtsassessor Til­man u und Geh. Oberfinanzrath G e r in a r treten den Wünschen der Petenten entschieden entgegen und bitten, über die Petition zur Tagesordnung überzngehen.

Abg. Kirsch (C.) bemerkt, daß ein Rechtsanspruch in dieser Sache nicht verfochten werden könne, daß ein solcher vielmehr in allen Instanzen abgewicscn sei. Es frage sich aber, ob nicht Billigkeitsgründe für die Wünsche der Petenten sprechen, und er beantrage daher die Ucberweisung an die Regierung zur Erwägung.

Abg. Schall (k.) empfiehlt die Annahme des Kommissions­antrages.

Abg. Frhr. v. H e e r e m a n (C.) beklagt allgemein, daß die preußische Staatsverwaltung bei der Einziehung der milden Stiftungen zu fiskalisch vorgegangen sei in einer Weise, daß das Rechtsgefühl des Volkes verletzt sei. Gerade die Staatsverwaltung müsse das Rechtsgefühl des Volkes be­rücksichtigen.

Geheimrath G e r m a r weist den Vorwurf als unberechtigt zurück, daß die Regierung gegen das Rechtsgefühl verstoße.

Abg. Graf zu Limburg-Stirum: Ich bin mit Herrn von Hecreman darin einverstanden, daß dem Volke das Rechts­gefühl erhalten werden muß und der Fiskus keine Ungerech­tigkeiten begehen darf. In dem vorliegenden Fall kann ich der Ansicht der Kommission nicht zustimmen, daß der Fiskus zu fiskalisch verfahren sei. Der Stifter wollch wohl dem Gymnasium etwas zuwenden, aber nicht die Lehrer besser stellen, als alle anderen Lehrer gestellt sind.

Abg. Gabel (C.) meint, daß der Stifter bestimmt habe, daß die Lehrer etwas bekommen sollen, daß er aber sein Kapital nicht dem Staate vermacht habe.

Abg. Dr. Friedberg (nl.) theilt die Rechtsauffassung der Regierung, daß der Staat der Rechtsnachfolger der Stadt sei, da er die städtische Anstalt übernommen habe. Verletzungen des Rechtsgefühls kämen allerdings vor; ein eklatanter Fall sei derjenige gewesen, welcher zu der Petition des Halleschen Bankvereins wegen der Besteuerung Anlaß gegeben hat und in welchem die Regierung erst nachgegeben hat, nachdem die Sache in der Kommission des Hauses verhandelt war. In Bezug auf die Einziehung der Stiftung habe die Regierung in jedem einzelnen Falle nachgewiescu, daß sie richtig ver­fahren sei. Wenn auch in der Reihe des Centrums ein Verdacht bestehen möge, daß die Regierung unrichtig ver­fahren sei, so könne doch kein einziger solcher Fall nachgewiesen werdèn.

Nach weiteren Bemerkungen der Abg. Kirsch, v. Heere- m a n und Schaffner (nl.) und des Geheimraths G c r m a r beschließt das Haus nach dem Kommissionsantrage.

Ueber Petitionen von Eisenbahnschaffnern und Bremser um Gehaltsaufbesserung beantragt die Budgetkommission, mit Rücksicht auf die abgeschlossene allgemeine Gehaltsregelung zur Tagesordnung überzugehen.

Die Abgg. Kirsch (C.), Dasbach (C.) und Gold­schmidt (frs. Bp.) treten für die Ucberweisung der Petitionen an die Regierung zur Erwägung ein.