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Nr. 137. Freitast den 15. Juni 1900

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Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 3 Pfg. 1 kathol. Gesangbuch. Auf der Straße BruchköbelLangendiebach ver­schiedene Theile eines Fahrrads; Empfangnahme bei dem Herrn Bürgermeister zu Bruchköbel. Am 13. d. Mts. im Lamboywald ein rosa Sonnenschirm.

Verloren am 13. d. Mts. im Lamboywald : 1 Porte­monnaie mit 3 Pfg. 1 Herrenuhr. 1 goldene Halskette nebst Herz mit Gravirungen, einen Engel darstellend.

Hanau den 15. Juni 1900.

Deutschland in Paris.

Was Wissenschaft und Kunst, Technik und Gewerbefleiß an Erzeugnissen edelster Schaffenskraft der deutschen Nation an die Seine gesandt haben, bildet darüber besteht bei Freund und Feind schon heute kaum noch eine getheilte Meinung ein neues großartiges Ruhmesblatt in der jüngsten Geschichte deutschen Könnens. Das abschließende Facit aus den Gesammtleistungen der Nationen, wie sie sich auf der großen Pariser Weltmesse darstellen, zu ziehen, muß einem späteren Zeitpunkt überlassen bleiben, wenn die maß­gebenden Beurtheiler in der Lage sein werden, sich ihr End- urtheil zu bilden. Aber auch jetzt liegen bKeits in genügend großer Zahl Aeußerungen von Sachverständigen deutscher und fremder Nationalität nor, welche das Zeugniß ausstellen, daß die Ergebnisse der deutschen Arbeit hinter den hochgespannten Erwartungen nicht zurückbleiben, eher sie noch übertreffen. Dies gilt von den Einzelleistungen in gleichem Maße, wie von der Gesammtanlage und deren Ausführung in den einzelnen Abtheilungen der Ausstellung. Der Grundgedanke der Kollektiv-Veranstaltungen für jeden großen Gewerbszweig ist folgerichtig festgehalten worden und feiert in seiner mit größtem Geschmack und Geschick durchgeführten Anwendung wahre Triumphe. Mit stolzer Bescheidenheit ist der einzelne Aussteller zurückgetreten, um im Ganzen zu um so höherer Geltung zu kommen. Der Gegensatz der ins Unabsehbare gehenden Zersplitterung der französischen Abtheilungen zu der deutscherseits angewandten Methode der Unterordnung des In­dividuums unter die höhere Einheit trägt nur dazu bei, die Vorzüge der letzteren in die hellste Beleuchtung zu setzen. Vor einigen Wochen hat derFigaro" Deutschland auf dem Gebiete der Spielwaaren-Jndustrie gerade mit Rücksicht auf das eingehaltene System der Kollektiv-Ausstellung rückhaltlos den Sieg über seine Landsleute eingeräumt. Nach überein­stimmenden Urtheilen läßt sich dieses Urtheil mehr oder minder auf alle Abtheilungen übertragen. U. a. hat der vorzügliche Aufbau der Krefelder Seidenindustrie eine derartige Wirkung erzielt, daß die alte und doch gewiß mit, großartigen Mitteln ausgestattete Seidenindustrie von Lyon sich veranlaßt gesehen hat, ihre bereits fertiggestellte Installation zurückzuziehen und von Grund aus neu zu schaffen.

Heute liegt ein neues Zeugniß aus französischer Feder vor, welches das sieghafte Auftreten der deutschen Leistungen in beredtesten Worten verkündet. Emile Gautier verbreitet sich imFigaro" unter dem StichwortMade in Germany über den Eindruck der deutschen Ausstellung, indem er zunächst daran erinnert, wie Diejenigen bei seinen Landsleuten keinen Glauben fanden, welche vorhersagten, daß die Weltausstellung von 1900 eineApotheose" der deutschen Industrie bilden werde. Es genügten, wie der Gewährsmann des Pariser Organs hervorhebt, einige Wanderungen aus dem Marsfelde, um von der Richtigkeit jener Ankündigung überzeugt zu wer­den und zu erkennen, daß die deutsche Industrie-Ausstellung wunderbar, außerordentlich, kolossal, wie man jenseits des Rheines sagen würde", sei. Som Kaiser angefangen bis zum bescheidenen Arbeiter hinab hätten Alle zu dem Ergebniß dcigetragen. Herr Gautier fährt alsdann fort:

Wenn die Anstrengung heroisch gewesen ist, so ist der Erfolg ein Triumph, insbesondere aus den Gebieten der Chemie und Elektrizität. Was gibt es Emdrmks- volleres als die Ausstellung der chemischen^«- dustrien Deutschlands? Jedermann muß sie aus­suchen. Selbst die Laien werden verblüfft zuruckkehren. Was die Kenner betrifft, so werden sie festgewurzelt stlll- stehen. Aber in ihre Begeisterung wird sich einige eiser- süchtize Beschämung mischen, bei dem Gedanken, daß die Chemie, dieses ehemals so hervorragend französische Gebiet, «m zu solcher Höhe emporzusteigen, in frembe Hande hat übergehen müssen. Unsere Chemie nimmt noch einen her­vorragenden Platz in der Welt ein. Allein cs thut Not^, Hr zuzurufen: Sieh' Dich vor!

Unpersönlich unb kollektiv, ist die deutsche Ausstellung in der Mitte der Halle für chemische Industrien unterge­bracht. Sie umfaßt insgesammt zwanzig gleichartige Schränke von Eichenholz in reinstem Renaissancestil, deren Vornehmheit, in Verbindung mit einer aus einem Salzblock gearbeiteten allegorischen Gruppe und einer prächtigen, den Geist der Wissenschaft darstellenden Bronzefigur bezeugen, daß die Deutschen künstlerischen Bestrebungen keineswegs so verschlossen sind, wie es oberflächlichen Geistern zu be­haupten gefüllt."

Herr Gautier spricht sich alsdann in Ausdrücken höchster Anerkennung über die einzelnen Gruppen der deutschen chemischen Ausstellung aus und schließt mit den Worten:

Ich halte inne, nachdem ich augenscheinlich genug ge­sagt habe, um eine summarische Vorstellung zu geben von der erstaunlichen Entwickelung dieses deutschen Industrie­zweiges, dessen Erscheinung uns erdrückt, der jedoch barum nicht weniger ruhmvoll gewirkt hat weshalb soll man es nicht anerkennen? für das Glück, die Macht unb die Wohlfahrt des menschlichen Geschlechts. Wir können cs beklagen, daß wir hinsichtlich dieser Industrie keine solche Stellung einnehmen auf einem Gebiete, welches ehe­mals das unserige gewesen ist, aber es heißt nicht gegen die Vaterlandsliebe sündigen im Gegentheil !, wenn man mit Bewunderung und Achtung begrüßt und mit An­erkennung wahrnimmt ein solches Werk, welches von Anderen vollendet worden ist."

Möge dieses warme Lob von einer Seite, die gewiß keine Ursache hat, zu Gunsten Deutschlands befangen zu sein, ein Ansporn sein, unermüdlich vorwärts zu streben zur Ehre und zur weiteren Hebung der Wohlfahrt unserer Nation l

Tagesschau.

Unsere Flotte.

Bei dem Inkrafttreten des jetzt vom Reichstage bewilligten erweiterten Flottengesetzes ist die stattliche Anzahl von 14 Kriegsschiffsneubauten mit Folge- nnd Schlußraten auf dem nächstjährigen Reichshaushaltetat zu übernehmen. Für die nächsten Jahre ist jetzt regelmäßig die alljährliche Inangriff­nahme von 6 Kriegsschiffsneubauten nach dem neuen Flotten- ausbauplan 2 Linienschiffe, 1 großer Kreuzer, 3 kleine in Aussicht genommen. Im Jahre 1901 werden in dem Marineetat zunächst Forderungen im Ganzen für 20 Schiffâ- bauten ausschließlich der üblichen Titel für den Ausbau des Torpedobootsmaterials erscheinen. Diese 20 For­derungen werden sich auf neun Linienschiffe, drei große sieben kleine Kreuzer und ein Kanonenboot verthellen. Im Allgemeinen kann behauptet werden, daß nach dem nun geltenden Flotten- gesctz die Zahl von 20 gleichzeitig im Bau begriffenen Schiffen für die Dauer der nächsten Jahre der Durchschnitt sein wird, während im Jahr 1895 fünf, 96 neun, 97 zehn, 98 gleichfalls zehn, 99 zwölf und im Jahre 1900 gleichfalls zwölf Schiffe gleichzeitig auf den heimischen Werften auf dem Stapel lagen. Nach der aufgestellten Uebersicht über die Kosten für Schiffsbauten, Armirungen usw. wie sie dem abgeänderten Kommissionsbericht zu Grunde liegen und der auch zur Ausführung kommen soll wird sich die Bauzeit eines Linienschiffes auch in Zukunft auf vier Etatsjahre ver­theilen, die der großen Kreuzer soll auf drei Rechnungsjahre reduzirt werden, die der kleinen Kreuzer wird gleichfalls drei Jahre betragen.

Neue Kanalrede des Prinzen Ludwig.

In der bayerischen Kammer der Reichsräthe sprach bei der Berathung des Etats des Donau-Mainkanals Prinz Ludwig in längerer Rede über die bayerischen Kanalprojekte. Dabei begrüßte der Prinz den Fortschritt der Mainkanalisation und sprach seine Freude darüber aus, daß ein Staatsvertrag mit Preußen und Hessen in Bälde bevorstehe. Wie der größte Theil Norddeutschlands einen Zugang zur See habe, wie Mitteldeutschland durch Ströme und Kanäle geeignete Schifffahrlsstraßen besitze, so wünsche man für Bayern gleiche Vortheile durch die Verbindung von Rhein und Donau. Prinz Ludwig wies sodann den Vorwurf zurück, daß er partikularistische Interessen verfolge. Wenn er partikularistischen Interessen huldigen würde, würde er sich damit begnügen, daß der Main bis Aschaffenburg kanalisirt werde. Denn dann wäre auf bayerischem Boden ein Umschlagplatz für bayerische Schiffe zum Seeverkehr. Er wünsche aber, daß der Verkehr durch ganz Bayern hindurchgche und daß ganz Bayern dem Großschifffahrtswege zugeführt werde. Werde der Großschiff­fahrtsweg AschaffenburgPassau gebaut, so würden nicht nur bayerische Schiffe, sondern die Schiffe des ganzen Deutschen Reiches diese Wasserstraße beleben. Er wünsche also, daß Bayern in den Weltverkehr hineingezogen werde.

Atttzercourssotzitng.

Die vom Bundesrath beschlossene A u ß e r c o u r s s e tz u n g der Goldmünzen zu fünf Mark soll vom 1. Oktober d. Js. ab in Kraft treten. Die Münzen gelten dann nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel. Es ist von diesem Zeit­punkt ab außer den mit der Einlösung beauftragten Kassen Niemand verpflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen. Bis zum 30. September 1901 werden Ncichsgoldmünzeu zu fünf Mark bei den Reichs- und Landeskassen zu ihrem gesetz­lichen Werthe sowohl in Zahlung genommen als auch gegen Neichsmünzen umgetauscht. Die Verpflichtung zur Annahme und zum Umtausch findet auf durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte, sowie auf verfälschte Münzstücke keine Anwendung.

Zur Erhöhung der Kohlenpreise.

Gegenüber der Meldung, daß in Syndikatskreisen die Absicht bestehe, noch in diesem Jahre die Kohlenpreise zu erhöhen bczw. in eine diesbezügliche Erwägung einzutreten, ivird jetzt darauf hingewiesen, daß die gerammte Förderung der rheinisch- westfälischen Verbandszechen an Kohlen bekanntlich zu den jetzigen Preisen schon bis 1. April 1901 fest verkauft ist, frühestens also zum genannten Zeitpunkt eine Erhöhung der Kohlenpreise eintreten könnte. Nichtig ist, daß die Kohlen­noth fortbesteht; letztere hat sogar entschieden auch jüngst noch eine weitere Verschärfung erfahren. Zur Illustration der gegenwärtigen Lage auf dem Kohlenmarkte diene u. A. folgende Thatsache : Dieser Tage ging von Ucrdiugen ans ein vollständiger Eisenbahnzug daselbst gelandeter englischer Kohlen in das Kohlenrevier, Richtung Oberhausen, woraus hervor­geht, daß die Ruhr-Bergwerke noch nicht in der Lage sind, den Verbrauch vollständig zu befriedigen, sodaß die Industrie gezwungen ist, noch ausländische Kohle in die Mitte des Kohlenreviers hineinzubeziehen. Koks bleibt ebenfalls sehr knapp, sodaß auch in diesem andauernd die Erzeugung hinter dem Begehr ganz erheblich zurückstcht.

Deutsch-englische Konkurrenz in Russisch-Polen.

Der englische General-Konsul zu Warschau hat dem Aus­wärtigen Amt in London einen Bericht über die dcutsch-cng- lische Konkurrenz im russischen Polen cingereicht, der einen neuen Beweis dafür liefert, wie der deutsche Kaufmann in allen Theilen der Welt den englischen Konkurrenten allmählich, aber erfolgreich verdrängt. DieZentralstelle für Vorb. von Handelsverträgen" theilt aus dem interessanten Berichte folgende Einzelheiten mit:In keiner einzigen Branche be­hauptet der englische Handel seine Stellung, geschweige denn, daß er an dem durch die industrielle Entwicklung des Gebiets hervorgerufenen Aufschwung entsprechenden Antheil nimmt." Als Artikel, in denen z. Z. die Konkurrenz ant schärfsten ist, werden Kognak, Weine, Treibriemen, Schmiermittel und tech­nische Artikel genannt. Der General-Konsul betont alsdann, wie wichtig der Gebrauch der russischen Sprache, Währung, Maaße und Gewichte im Geschäftsverkehre ist. Die deutschen Firmenpaßten sich dem an; doch ist es aussichtslos, zu hoffen, daß englische Handlungsreisende jemals die Landes­sprache lernen, sie können aber im hiesigen Gebiete auch schon mit deutsch durchkommen.

Zur Lage in Marokko

wird demDaily Chronicle" aus Tanger unter dem 12. Juni berichtet:Der Tod des Großveziers von Marokko, Ahmed bin Musa, hat nicht die vorhcrgeseheneu Unruhen verursacht. Erstens hat Mulai Abdul Aziz, der junge Sultan, der von seinem mächtigen Großoheim Mulai al Amin unterstützt wird, mit starker Hand die Zügel der Regierung ergriffen, und zweitens ist der unruhige Stamm der R'hamna, der in früheren Tagen stets zu Austuhr geneigt war, fast gänzlich zerstreut worden. Unter diesen Umständen ist in Marakesh Friede«, und der Schauplatz der nächsten Gefechte ist Tarudant oder dessen Umgebung im Sus-Distrikt. Nach zuverlässigen Be­richten sind hier die Sherrofian-Truppen geschlagen und ihr Anführer gelobtet worden. Die Gerüchte, wonach Mulai Mohammed, der Stiefbruder des Sultans, gefangen gehalten wird, sind unwahr. Der Sultan hat ihm die Freiheit ge­schenkt und die meisten seiner Besitzungen konsiszirt, während der Prinz nach Mequinez, dem Wohnorte seiner Mutter, ge­gangen ist. Die Stämme in den Distrikten um Wad Nu« befinden sich unter der Anführung Dahmat Beituks in Re­bellion. Man sagt, daß französische Intriguen für diesen Auf­stand verantwortlich sind, und dieser Glaube gründet sich wahrscheinlich auf den Besuch von einigen Sheriffs aus Wazzan bei den Häuptlingen der Stämme. Wazzan ist das Centrum des französischen Einflusses und der französischen Intrigue. Widersprechende Gerüchte von einem Vormarsch der Franzosen von den südlichen und östlichen Oasen laufen fortwährend in