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für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ bk 4gespaltene Garinond- zeile oder deren Raum, für Ausiüârts 15 ^.
Im RcklamcntheU bie Zeile 20 ^, fix «urwärt, 30 4.
Nr. 131.
Donnerstasi den 7. Juni
1900
Amtliches.
Polizeiverordnung.
Auf Grund der §§ 6, 12 und 13 der Allerhöchsten Verordnung vom 20. September 1867 (T.-S. S. 1529) imb der §8 137, 139 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 31. Juli 1883 (G.-S. S. 195) verordne ich mit Zustimmung des Provinzialraths für den Umfang der Provinz Hessen-Nassa« was folgt:
§ 1. Die öffentliche Ankündigung von Geheimmitteln, welche dazu bestimmt sind, zur Verhütung oder Heilung von Pfianzenkrankheiten zu dienen, ist verboten.
8 2. Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeiverordnung werden, falls nicht nach allgemeinen Strafgesetzen eine höhere Strafe verwirkt fft, mit Geldstrafe bis zu 60 Mk., im Fall des Unvermögens mit entsprechender Haft bestraft.
Cassel, am 4. Mai 1900.
DSt Ober-Präsident.
__________Zedlitz._____
^taöUtretö ^anan.
Bekanntmachung.
Die Lamboystraße wird am 13. Juni d. Js. auch für die Zeit von 8 Uhr abends ab versuchsweise für Personen- und Droschkenfuhrwerke freigegeben und zwar unter nachstehenden Bedingungen:
1. Alle Personen- und Droschkenfuhrwerke haben in kurzem Trabe zu fahren und stets die äußerste Fahrbahn einzuhalten.
2. Das Ueberholen eines Fuhrwerks ist strengstens untersagt.
3. Von der BrSning'schen Villa in der Wilhelmstraße, übet die Wilhelmsbrücke dis zur Nordstraße und umgekehrt, darf nur im Schritt gefahren werden.
4. Mit Fahrräder« darf die Lamboystraße von 8 Uhr abends ab nicht mehr befahren werden. Alle Fahrräder sind von diesem Zeitpunkte ab zu schieben und zwar auf der Mitte des FahrdammS.
5. Für sonstiges Fuhrwerk «nd Wagen jeder Art bleibt die Lamboystraße am 13. Juni d. Js. von 8 Uhr abends ab gesperrt.
6. Kinderwagen, welche als solche benutzt werden, dürfen am 13. Juni von 8 Uhr abends ab ausnahmsweise den Bürgersteig (Fußgängersteig) längs des ExerzierplccheS nach der Stadt befahren unter entsprechender Rücksichtnahme auf die Fußgänger.
Sollten durch den Fuhrverkehr in der Lamboystraße Unzutrâglichkeiten für das Publikum zu Tage treten, so behält sich die Polizei-Direktion vor denselben sofort einstellen zu lassen.
Feuilleton.
Indische Sommeifnschcn.
Bon G. v. Minckwitz.
(Nachdruck verboten).
Ist der Juli herangekommen, dann beginnt bei uns bereits der Exodus aus den großen Städten, die Flucht zu Berg und See. Die Sonne wird uns zu stark — unsere freundliche, milde mitteleuropäische Sonne! Ach, als welche Wohlthat würde« ihre uns so grausam dünkenden Strahlen von den Bewohnern des alten Wunderlandes Indien empfunden werden! Wenn dort mit dem Mat die kalte Jahreszeit endet, denn verfällt alles dem giftigen Banne der unerbittlichen tropischen Hitze; eine Dackosenluft brennt in den Städten; unbeschreibliche Mattigkeit bemächtigt sich der Menschen und die bösen Seuchen schleichen umher, das Fieber, die Cholera, der Typhus. Ganz besonders ist der Europäer den Gefahren des indischen Sommers ausgesetzt und es hat daher seit geraumer Zeit die britische Regierung Bedacht darauf genommen, Sommerstationen zu schaffen, in die die europäische Bevölkerung während der heißen Jahreszeit sich flüchten kann, um dort in reinerer und kühlerer Luft den Gefahren des Sommers zu entgehen. So entstanden Indiens eigenthümliche Sommerfrischen, die „hill stations“, die von Wäldern umrauscht und von Schneelüften umfächelt, die Vor- berge des gewaltigsten Gebirgs unseres Planeten, des Himalaya, in weiter Linie vom Osten bis zum Westen des mächtigen Bergzuges, von Assam und Sikkim bis nach Kaschmio hin begleiten.
Denn cs hat fast jeder Theil des großen Reiches, soweit e^ an den mächtigen Bergwall im Norden anstößt, seine eigenen Erholungsstationen. Die Briten im Pandschab suchen
Den Anweisungen der Polizeibeamten und Gendarmen ist Jedermann unverzüglich nachzukommen verpflichtet.
Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen werden, soweit nicht höhere Strafbestimmungen Platz greifen, mit Geldstrafe bis zu 15 Mark, im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft geahndet.
Hanau, am 30. Mai 1900.
Königliche Polizei-Direktion.
P 4962 v. Schenck.
^taöt&reiö ^banau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Zur Unterstützung invalid gewordener Hanauer, welche 1870/71 den Krieg gegen Frankreich mitgemacht haben, sowie den Familien der in diesem Kriege gefallenen oder nachweisbar an den Folgen desselben gestorbenen Hanauer steht dem Magistrat ein Fonds zur Verfügung, aus welchem eventuell die Zinsen zur Vertheilung kommen sollen.
An die betreffenden ehemaligen Militärs, bezw. an die Wittwen und Waisen von solchen oder deren Vormünder, welche an jenen Fonds Ansprüche zu machen gedenken, ergeht daher die Aufforderung, sich unter Vorlage der Militärpapiere und allenfallsigcr ärztlicher Zeugnisse bis zum 30. Juli d. I. entweder schriftlich zu melden, oder auf dem Rathhause, Zimmer Nr. 18, zu Protokoll vernehmen zu lassen.
Hanau den 1. Juni 1900.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 9174
Bekanntmachung.
Nachdem der Baufluchtlinienplan für die Straße am Mainkanal auf Grund des Gesetzes vom 2. Juli 1875 förmlich festgestellt ist, liegt derselbe von jetzt an auf dem Stadiba«- amt II (Langstraße 41) zu Jedermanns Einsicht offen.
Hanau den 1. Juni 1900.
Der Magistrat.
Dr. G c b e s ch u s. 9184
Bekanntmachung.
Die diesjährige Heu- • und Grummeternte auf den in Dörnigheimer Gemarkung am Wasserthurm liegenden, der Stadt Hanau gehörenden Wiescnflächen, soll
Montag den 11. Juni 1900, nachmittags ^ Uhr,
im Sommer Dharmsala mit seinem wasserreichen Thale und seinen fast über dem Orte hängende Schneeberge auf. Wer in Affam lebt, dem bietet Shittong mit seinen grünen Bodenwellen, seinen dichten Wäldern und seiner weiten Aussicht über den Brahmaputra Erholung. Badschputana hat das majestätische Abu, dessen dunkle Granitmassen geradezu erhaben wirken; Beludschistan rühmt sich Quetta's mit seinem Panorama von Kalksteinformationen, die sich dürr und nackt hoch emporthürmen. In all' diese Orte strömt im Sommer der Schwarm der erholungsbedürftigen Briten und ihnen nach strömt die Fluth modernen Lebens, das so mit seinen Bedürf- nissen und Einrichtungen in den alten Himalaya selbst eindringt. Natürlich zeigt der Charakter und das Leben in diesen Stationen viel Uebereinstimmendes und wir werden sie darum am besten kennen lernen, wenn wir einzelne, in dieser oder jener Hinsicht besonders interessante von diesen indischen Sommerfrischen herausgreifen und ihnen im Geiste einen Besuch abstatten.
Die Gefundheitsstation für die nordwestlichen Provinzen ist Naini-tal. Als der Ort 1815 in britischen Besitz kam, bestand er aus ein paar Hindutempeln mit wenigen Hütten! heut hat er sich zu einer lieblichen und ansehnlichen Ansiedelung mit Villen und Klubhäusern entwickelt. Vor allen andern indischen Sommerfrischen rühmt sich Naini-tal eines großen Vorzuges: seiner Lage an dem etwa 1 exgl. Meile langen und etwa halb so breiten See der Göttin Naini, nach dem die Ortschaft sich benennt. Ein See aber ist ein seltenes Kleinod im Himalaya, und der Naini See ist darum doppelt berühmt. Doch er verdient seinen Ruhm. Stattliche, bis zu 2500 Meter hohe Berge umrahmen ihn, flotte Pachten schaukeln sich aus seinen Fluthen; und wenn der Mondschein über dem See träumt, aus dem Hindutempel Tamtamschlag und Glockengeläut, aus dem Bazar das ferne Geschrei der Feilschenden und aus dem Ballsaal des Konservationshauses
an Ort und Stelle, unter den vor der Versteigerung besamt gegebenen Bedingungen meistbietend versteigert werden.
Hanau ben 5. Juni 1900.
Wasserwerks-Direktion. 9173
Konkursverfahren
In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Maurermeisters G e o r g S ch i l d g c r zu Ravolzhausen ist zur Prüfung der nachträglich angcmsldetcn Forderungen Termin auf
den 23. Juui 1900, vormittags 9 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichte hier anbemumt.
Langenselbold den 29. Mai 1900. 9185
Der Gerichtsschreiber des Königlich«! Amtsgerichts.
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 goldener Trauring, gez. E 8 10./3.95; Empfangnahme bei Gastwirth Meyer, Wilhclmsbad. 1 grauer Hcnkelkorb mit Fleisch.
Verloren: 1 goldene Nadel in Form eines Kleeblattes. 1 Portemonnaie ohne Schloß mit ca. 36—38 Mk. 1 Brillen- etnis zum Anhängen.
Zu geflogen: 1 weiße Taube mit blauem Kopf und Häubchen und mit geschnittenen Flügeln.
Hanau den 7. Juni 1900.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 6. Juni.)
Am Bundesrathstische Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, die Staatssekretäre Tirpitz, Graf Bülow, Frhr. v.Thiclniann und Graf Posadowsky.
Das Haus ist gut besucht.
Der Agg. Dr. Vielhaben hat sein Mandat niedergelegt. — Zur zweiten Lesung steht die Novelle zum Gesetze betr. die deutsche Flotte, auf Grund des Berichts der Budgetkommission. Referent ist der Abg. Müller-Fulda. Die Kommission hat unter gänzlicher Aufhebung des bestehenden Gesetzes einen neuen Entwurf ausgearbeitet, der an die Stelle desselben treten soll und die Ausführung des in der Novelle enthaltenen bloßen Flottenprogramms im Laufe der nächsten 17 Jahre vorsieht. Die Vermehrung der Auslandskreuzer ist einstweilen abgelehnt worden.
Staatssekretär des Reichsmarineamts Tirpitz: Ein Mehrbedarf an Auslandsschiffen lag schon bei der Aufstellung des ersten Flottengesctzes im Jahre 1897 vor, und in dem genehmigten Etat für 1900 ist auch eine stärkere Besetzung der Auslandsstationen vorgesehen. Der Mehrbedarf an Aus-
Walzcrtönc herüberklingen, dann kkinn man sich wohl in ein Feenreich versetzt glauben. Am See entlang zieht sich die herrliche Promenade des Ortes, auf der in Dandistühlen, deren Last mittelst Stangen auf die Schultern Deines Kulis vertheilt wird, Albions Söhne und Töchter hoch daherwandeln; denn hier gilt es nicht für fashionabel, daß ein Weißer sich zu Fuße gehend den Eingeborenen zeige.
Ungleich stolzeren Charakter als das verhältnißmäßig entlegene Naini-tal trägt Simla. Simla ist die Sommerstatton der indischen Regierung, die etwa vom April bis Oktober ganz hierher übersiedelt, und es trägt in der That ganz den Charakter einer fürstlichen Sommcrresidenz. Hier herrscht der höchste Luxus, die Preise sind nur mit denen der theuersten Weltbadeorte zu vergleiche« — man zahlt bei bescheidenen Ansprüchen für die Pension täglich etwa 20 Mark —, und in der haute Saison jagt ein elegantes Fest das andere. Der schöne Palast des Vizekönigs, das Stadthaus, die Kirchen, Schulen, humanen und wissenschaftlichen Anstalten, die Hotels, Banken und europäischen Läden geben Simla ein geradezu großstädtisches Ansehen! die Häuser selbst aber sind in ihrer Mehrzahl zwar im europäischen Stile, aber leicht und unter Verwendung vieler Holztheile gebaut. So ist Simla das buen retiro der oberen Zehntausend Indiens geworden, eine Stätte üppigen Bade- und Gesellschaftslebens; und doch ist <8 erst etwa 80 Jahre her, seit sich hier in den Bergen der erste Europäer ein Haus bauen ließ (1822). Mag nun aber Simla's Luxus und Eleganz nicht nach Jedermanns Geschmack sein, — schön ist es ; diesen Ruhm kann Niemand der Sommerresidenz des Vizekönigs von Indien bestreiten. Es liegt auf einem schön bewaldeten Bergrücken und ist überaus weitläufig gebaut. Der Höhenunterschied zwischen der am niedrigsten und der höchsten gelegenen öffentlichen Anlage beträgt nicht weniger als 500 Meter; und diese lebhafte Bewegung des Terrain gibt natürlich zu zahlreichen über-