Erstes Blatt.
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Nr. 128.
Samstag den 2. Juni
1900
Amtliches.
StâSL^ers >anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Nachdem der Baufluchtlinienplan für das Gelände nördlich der Akadcmiestraße auf Grnnd des Gesetzes vom 2. Juli 1875 förmlich festgestellt ist, liegt derselbe von jetzt an auf dem Stadtbauamt II (Langstraße 41) zu Jedermanns Einsicht offen.
Hanau den 29. Mai 1900.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 8998
Vereinsregister.
Eingetragen ist heute der Turn- und Fechtklub zu Hanau (gegründet 1869). Eingetragener Verein mit dem Sitz in Hanau. Die Satzung ist am 4. April 1900 errichtet. Der Vorstand vertritt den Verein durch den Vorsitzenden und den Schriftführer oder deren Stellvertreter. Die Beschlußfassung über den Haushaltsplan und über die Belastung des Vereins mit Grundschulden ist der Hauptversammlung Vorbehalten. Den Vorstand bilden der Kaufmann Jean Bauer, erster Vorsitzender, der Kaufmann Louis Birkner, zweiter Vorsitzender, der Kasstrer Georg Fliedner, erster Schriftführer, der Lehrer Heinrich W i l l am o w itz, zweiter Schriftführer, der Weißbinder- meister Jean Förster, Kasstrer, der Lehrer Andreas Lohfink, erster Turnwart, der Bijoutier Karl Schwahn, zweiter Turnwart, der Sattler Heinrich Ziegler, Fechtwart, der Kaufmann Conrad Goebel, Zeugwart, sämmtlich in Hanau.
Hanau den 28. Mai 1900.
Königliches Amtsgericht 5. 9038
Handelskammer zu Hanau.
Auf Grund der Vorschrift in § 31 Abs. 1 des Gesetzes über die Errichtung der Handelskammern vom 24. Februar 1870/19. August 1897 hat die Handelskammer beschlossen, zur Beschaffung ihres Aufwandes für das Rechnungsjahr 1900/1901 zehn Prozent der Gewerbesteuer von den beitragspflichtigen Firmen ihres Bezirkes zu erheben.
Denjenigen Gemeinden, in welchen beitragspflichtige Firmen ihren Sitz haben, werden die von der Handelskammer auf Grund der Gewerbestcuerlisten festgestellten Hebelisten überwiesen, soweit die Handelskammer die Beiträge nicht selbst
Feuilleton.
Der Scblossgaarte.
Aus „Kanau nm das Jahr 2000".
Von H. G.
Der „uralte Hanauer" erzählt: wie er als kleiner Bub ein Gespräch seiner Mutter mit ihrem Bäschen belauscht hat, worin von dem großen Zorn seines Vaters die Rede war, als di- „Remis" und die „viele Bee»" ans dem Schloßgartcn entfernt wurden.
Es hat berr iwwern Vatter sich
Die Mutter aanst beschwert
Un dacht net, daß e Knorz wie ich
Da aach schonn mit druff hert.
Sie hat gesucht zum Bäsche: „Sich,
Ich meegt's net mehr erlebe! —
Mei Mann is forchbar ärgerlich;
's werd widder su was gebe:
Wie selwigmal mit der Remis,
Die abgcbroche wore is,
Un käme so viel Beem maus; Herrgott, wie sach der Mann da aus!
Err bracht ka Wort eraus vor Wuth,
Dhat mit de Hänn nor fechte,
Schmiß uff de Erd sein'n neue Hut
Vom beste Filz, vom echte,
Un trampelt druff erom wie toll, Als wer err wie e Volleul voll; —
Ich dacht: ach kem em nor die Sprach! Su rihrt'n noch gewiß der Schlag! —
einzieht. Die Gemeinden haben nach § 28 des bezeichneten Gesetzes die Erhebung der Handelskammerbeiträge gegen eine Vergütung von höchstens drei vom Hundert der cingczogcnen Beiträge zu bewirken und die eingezogenen Summen durch Vermittelung der Königlichen Kreiskassen an die Handelskammer abzuführen.
Die Handelskammerbeiträge sind öffentliche Lasten. Rückständige Beiträge werden in derselben Weise wie Gemeinde- abgaben eingezogen.
Einsprüche gegen die Heranziehung zu Handelskammerbeiträgen sind innerhalb zweier Wochen nach der Zahlungsaufforderung bei der Handelskammer anzubringen, die darüber beschließt. Der Einspruch hat keine aufschiebende Wirkung. Einsprüche, welche sich gegen den dem Handelskammcrbcitragc zu Grunde liegenden Satz der staatlich veranlagten Gewerbesteuer richten, sind unzulässig.
Hanau den 31. Mai 1900.
Die Handelskammer.
Wilh. Fu es.
8844 Der Sekretär: I. V. Klciß.
Handelskammer zu Hana«.
Die seit dem Jahre 1880 erschienenen Patentschriften über die von dem Kaiserlichen Patentamte zu Berlin in den sämmtliche« 89 Patentklage« ertheilten Patente können in dem Sekretariate der Handelskammer (Stadtschloß hierselbst) an Werktagen von 9*/i—120a Uhr vormittags und von 3—5 Uhr nachmittags von Jedermann unentgeltlich eingesehen werden.
Um auswärts wohnenden Interessenten Gc- legenheit zu geben, sich über ertheilte Patente zu unterrichten, gibt das Sekretariat einzelne Nummern der Patentschriften auf kürzere Zeit auch leihweise ab.
Hanau den 2. Juni 1900.
Die Handelskammer.
Canthal.
214 Der Sekretär: Steller.
BeLâRRtMâchANg.
Königliche Oberförsterei Wolfgang.
Am Freitag den 8. Juni 1900, soll
die diesjährige Grasnutzung von 2 ha Wicscnfläche in 11 Parzellen im Jagen 91a des Schutzbezirks Neu- wirthshaus, sowie die Weidenhceger und GraSnutzung in den Jagen 122c und 129a des Schutzbezirks Lamboybrück öffentlich meistbietend verpachtet werden.
Un als die Sprach em endlich kam, Wie hot er do geschollc, Uff den der Schuld — ich nenn kaan Nam — Un ach, die Flich, die tolle!
Wann er'n nor verriwwle kennt; — Du glaabst net, wie er'n hot genennt! Ich krisch — un konnt doch net eweck — Su lag merr in di Bää der Schreck.
Un lang nach bere Hauptattack
Da haw ich noch gezittert,
Vor der Remis, der Os Barack;
Der Platz en noch erbittert;
Da Hot err — als uffs neu gereizt —
Die uffgewihlte Erd bespeuzt
Un dhat er gar dernewe
Mit „Pfui!" noch Tritt druff gebe!
Un als derrsch glatt — nach längre Zeit —
Un widder schee is wore, Denkst Du, er hätt sich do gefreut?
Beim Däumchc! — Gott bewahre! —
Un seegt mei Bub: „wir schee egal Gezärkelt un mi'm Linial Gezogc die Figurc!"
Dhat er nor finster sture.
Guck Vatter! wie die Blimmchcr stehn, Akrat wie die Soldate!
Du kannst berr doch nix Schenres sehn? — Merr maant, es wer Parade! Un erscht die Mitt! Deß hat e Art! Deß is die reinst Kondittertart!
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Uuterhaltungsblatt 16 Seiten.
Zusammenkunft nachmittags */i6 llhr int Jagen 91a.
Nähere Auskunft ertheilen der Förster Lange und Forst- aufseher K l o tz, sowie der Unterzeichnete.
Forsthaus Wolfgang den 1. Juni 1900.
Der Königliche Forstmeister.
Fenner. 8981
Bekanntmachung.
Königliche Oberförsterei Wolfgang.
Am Freitag den 8. Juni 1900, von vormittags 9 Uhr ab, soll in dem hiesigen Gcschäftslokal : die Lieferung der für den Ausbau der Holzabfuhrwege und Landwege erforderlichen Kalk- und Basaltstcinc een ca. 200 cbm für die Schutzbezirke Oberrodenbach, Niederrodenbach, Neuwirthshaus und Lamboybrück öffentlich an den Mindestfordcrndcn vergeben werden.
Forsthaus Wolfgang den 1. Juni 1900.
Der Königliche Forstmeister.
Fenner. 8982
Bei der Stammkompagnie des Matrosenartiklerie- dctachement Kiautschou können noch zu Anfang Oktober d. J. Leute der Landbevölkerung als Dreijährig-Freiwillige ein- gestM werden. Dieselben müssen von kräftigem Körperbau, mindestens 1,67 in groß und vollkommen gesund (tropen- dicnstfähig) sein. Es werben nur Leute eingestellt, welche im Februar 1901 mindestens 19 Jahre alt sind.
Geeignete Leute haben sich unter Einsendung des Meldescheins möglichst bald an das unterzeichnete Kommando zu melden. Handwerker werden bevorzugt.
Den Meldeschein hat der Freiwillige bei dem Civil- vorsitzenden der Ersatzkommission seines Aufenthaltsortes zu erbitten und dabei folgende Papiere vorzulegen:
1) eine polizeiliche Bescheinigung, daß er durch Eivil- vcrhältnisse nicht gebunden ist und sich untadelhaft geführt hat,
2) eine schriftliche Einwilligung des Vaters oder des Vormundes,
3) ein Gcburtszcugniß (Auszug aus dem StandesamtS- reglstcr seines Geburtsortes).
Bemerkt wird noch, daß die Leute zunächst bei der III. Matrosenartillerie-Abtheilung in Lehe ihre erste militärische Ausbildung erhalten und Anfang März 1901 die Ausreise nach Kiautschou antreten, wo sie ca. 2 Jahre verbleiben.
Lehe den 15. Mai 1900.
Kommando der III. Matrosenartillerie-Abtheilung.
Guck Vatter! Gell, deß is doch schee? — Nach neue Beemcher wie ich seh! — Un Beem, die dhate berr ja leid, Die dHaist de doch beklage! —" Da dhat er endlich sage:
„Was nitzt mich dann der ganze Dreck! „Die große, schiene Beem sin weck!
„Deß Lombezeug?! — Bis deß is groß, „Lei lang ich in der Erde Schoos!"
Etz seegt wol Mancher: „'s is net wohr! — Daß aaner — beinah hunnert Johr!
Deß Alles von sci'm Alte Konnt je genau behalte. —
N», liebe Leut, seid net su streng!
Un treibt mich net su in die Eng!
Un bleibt merr nor gewoge! — k bissi werd geloge! —
Die Sucht nach dem „i".
„Bitte, nehmen Sie einen Augenblick Platz, Mama wird sogleich kommen.
Die kleine achtjährige Lotte führte mich in das Zimmer und fing an, Konversation zu machen. Sie nahm eine Disiten- kartcnschale von dem Tisch und zeigte mir kleine Briefe in Form der sogenannten Kinderpost.
„Das sind meine Einladungen, die ich den Winter über erhalten habe," sagte sie. „Lesen Sie doch einmal!" Ich ergriff den ersten Brief und las die Anrede: „Liebe Lotti . ." stand da geschrieben. Ich nahm die Anderen zur Hand und fand ähnliche Namensverdrehungen. „Heißt Du denn Lotti?" I fragte ich.