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Amtliches Organ für Stadt- unö LanöKrsis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 125.

Mittwoch den 30. Mai

EinrückuagS» »ebuhr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ kN 4gespaltene Garmond- zeile oder deren Naum, für Auswärts 15 -4

Im Reklamenlheil Ne Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

1900

Amtliches.

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Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Polizeiverordnung.

Auf Grund der §§ 5 und 6 der Allerhöchsten Verordnung über die Polizei-Verwaltung in den neu erworbenen Landes- Iheilen vom 20. September 1867 und der §§ 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung des Kreisausschusses für den Bezirk des Landkreises Hanau folgende Polizei­verordnung erlassen:

8 1.

Die Aufstellung und jede Veränderung des Standortes eines zum Kochen von Viehfutter rc. bestimmten, trans­portablen Herdes, sog. Dämpfers, ist nur mit Genehmigung der Ortspolizeibehörde zulässig.

§ 2.

Der Herd muß nachstehenden Altforderungen genügen: a) Er muß in allen Theilen mit feuersicheren Wandungen hergestellt, das Ofenrohr mit starkem Eisenblech und standsicherer- Befestigung ausgeführt, sowie mit dem Herd dicht und feuersicher verbunden sein.

b) Der Herd muß einen dicht schließenden, in feuersicherem Material hergestellten Aschenfall besitzen.

c) Der Standort des Herdes muß einen nnverbrennlichen Belag besitzen und von Gebäuden 5,0 m entfernt sein.

d) Das Rauchrohr muß mindestens 1,0 m über die Trauf- kante der benachbarten Gebäude hochgeführt werden. Besitzen dieselben offene Dachgaupen, so sind die Rauchrohre 1 m über diese hochzuführen.

§ 3.

Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften dieser Polizei­verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. (dreißig Mark) oder "im Unvermögensfalle mit Haft bis zu 3 (drei) Tagen bestraft, sofern nicht nach § 368 Nr. 6 des Straf- Gesetzbuches eine höhere Strafe verwirkt ist.

8

Diese Polizeiverordnung findet auch auf schon vorhandene Dämpfer Anwendung.

§ 5.

Die Polizeiverordnung tritt am 20. Juni d. J. in Kraft.

Hanau den 20. Mai 1900.

Der Königliche Landrath.

v. Schenck.

Zum Kochen von Viehfutter sind vielfach im Landkreise transportable Herde, sog.Dämpfer" im Gebrauch, welche meist auf den Höfèn aufgestellt werden.

v So sehr es sich auch empfiehlt, das Viehfutter zu kochen, so sehe ich mich doch veranlaßt, auf die große Feuergefähr­lichkeit hinzuweisen, die mit der leichten Bauart und der Ver- setzbarkeit der genannten Herde verbunden ist. Es kann da­her den Landwirthen nur dringend empfohlen werden, falls sie nicht auf die Aufstellung dieser Herde gänzlich verzichten wollen, dieselben nicht im Freien, sondern innerhalb der Ge­bäulichkeiten am besten in einer Futterküche aufzustellen.

Hanau den 20. Mai 1900.

Der Königliche Landrath.

V 3965 v. Schenck.___

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 neuer, gelber Kinderschuh mit schwarzen Lackeinsätzen, 1 Schrotleiter, 1 gelbe Peitsche.

Zn geflogen: 1 Kanarienvogel.

Hanau den 30. Mai 1900.

Tagesschau.

Ein deutscher Bischof über die Sozialdemokratie.

Der Bischof von Trier, Dr. Korum, hat neulich bei der Einweihung eines katholischen Vereinshauses m A,rter, eine Rede gehalten, die folgende bemerkenswerthen Stellen enthalt: Wenn ihr das Wort der edeln Männer, die eurer Be­lehrung widmen, hört, dann vibriren die Sacken, dann ff echte Gleichheit und Brüderlichkeit da. Wenn ich davon Hore muß ich an die gräßlichen Szenen, die sich rer mehr a hundert Jahren in Paris ereigneten, denken. Ba» ja - sonders den Arbeitern gesagt, damit sie sich nicht betrugen lassen durch gewisse Volksaufwiegler, die ein neues schaffen wollen. Gerade so haben sie es im ^ahre l?l Paris gemacht . . . Als die Handwerker sahen, daß die Re­

Arbeiten am 7. Juni, an welchem Tage er die Interpellation Brömel-Langerhans beantworten wird, Anlaß nehmen, auf die Frage des Mittellandkanals zurückzukommen.

Berlin, 29. Mai. Hinsichtlich der Namensänderung jüdischer Staatsangehöriger hat der Minister des Innern an die Regierungs-Präsidenten einen Erlaß gerichtet, demzufolge die in jedem Falle, in dem sie die beantragte Namensände­rung für erwägenswert!) halten, erst die Zustimmung des Ministers einzuholen haben. Hiernach steht also fürderhin den Regierungs-Präsidenten zwar das Recht zu, die bean­tragte Namensänderung nach eigenem Ermessen abzuweiscn, nicht aber sie ohne Zustimmung des Ministers zu ge­währen.

Berlin, 29. Mai. Auf dem Tempelhofer Felde fand heute Vormittag das Excrziren der zweiten Garde-Infanterie Brigade unter dem persönlichen Befehl des Kaisers und in Anwesenheit der Kaiserin statt. Der Kaiser führte gegen Mittag das Garde-Füsilier-Regiment in seine Kaserne und nahm daselbst bei dem Offizier-Korps das Frühstück ein.

Berlin, 29. Mai. Nach einer Meldung aus London schildert die Situation in Pretoria ein Korrespondent der Daily Mail", der sich verkleidet nach Pretoria eingeschlichen hat, folgendermaßen: llcberall herrscht Panik und Verwirr­ung. In einiger Entfernung von Pretoria steht ein Zug mit geheizter Lokomotive bereit, um den Präsidenten Krüger nach der Küste zu bringen, von wo aus er sich wahrscheinlich nach Holland begeben wird. Bereits sind nach Holland 36 Kisten mit Gold, jede mit 6500 Pfund abgcgaugcn. Im Schatz ist kein Gold mehr, sondern nur Banknoten, die werthlos sind. Sobald Roberts in Pretoria einrückt, wird der Sitz der Regierung zuerst nach Watervalbouveu und dann nach Lydeuburg verlegt. Es sind teilte sichtbaren Vor­bereitungen zur Vertheidigung von Johannesburg und Pre­toria getroffen worden. Die Eisenbahn ist überfüllt mit Burenflüchtlingen, die die Buren-Regierung vergeblich zu überzeugen bemüht ist, daß, wenn sic an Ort und Stelle bleiben,' ihr Eigenthum weniger durch die Engländer gefährdet ist, als wenn sie fliehen. Die Frage der Sprengung der Goldminen wird lebhaft diskntirt. Der neu ernannte Staatsminen-Jngenieur Munnik wurde privatim auf die per­sönliche Gefahr aufmerksam gemacht, der er sich aussetzc, wenn er die Minen sprengen lasse. Er erklärte, keinerlei Absicht dazu jx haben. Das Gerücht sei nur ausgesprengt, um eine Intervention zu veranlassen. In allen Kreisen macht sich der Durst nach Rache gegen die Uitländer be merkbar. Im Allgemeinen aber fühlt man, daß die Sache zu Ende geht und fängt an, sich mit der Situation abzu finden.

Wien, 29. Mai. Der Graf und die Gräfin Lonyay- reisen am 8. Juni nach Paris, wo die Zusammenkunft mit dem König der Belgier stattfindet.

Ueber die Wirren in China liegen nach Privattelegr. derFrankf. Ztg." folgende Be­richte vor:

London, 29. Mai. Dem Bureau Dalziel wird aus Shanghai von heute Vormittag 9 Uhr 50 Min. gemeldet: Die Rebellion um Peking nimmt einen gefährlichen Umfang an. Die Boxer sind überzeugt davon, daß sie von der Kaiserin, den Prinzen Kangvi und Ching Tuan sowie der ganzen Manschu-Armee unterstützt werden. Ueberall int Norden werben sie zahllose Horden verzweifelter Leute an, welche die Fremden vertreiben sollen. Die Boxer nahmen und ver­brannten die Eisenbahnstation Luko Ehiao an der Luhan-Linie. Ein französischer Ingenieur wurde verwundet. Ein nach Pastinfu gehender Zug wurde angehalten, während alle Tele- graphcndrähte durchschnitten wurden.

Später, um 11.50 vormittags, meldet derselbe Korrespondent: Man glaubt, Rußland werde von Port Arthur aus, wo es 20,000 Mann bereit hat, in Taku Truppen landen. Die Zerstörung der Luhan-Eisenhahn wird systcniatisch der süd­lichen Sektion entlang fortgesetzt. Alle Bahnverbindungen zwischen Peking, Tientsin und Pastinfu hat aufgehört. Dem Bureau Reuter wird dagegen aus Tientsin von heute Vor­mittag gemeldet, daß 200 chinesische Soldaten die Eisenbahn zwischen Tientsin und Peking wieder frei gemacht haben und der gewöhnliche Bahnoerkehr wurde mittags wieder ausge­nommen. Das Bureau Dalziel weidet ferner aus Shanghai, der russische Gesandte habe telegraphisch angeordnct, daß alle verfügbaren Kanonenboote nach Taku kommen sollten. Die Chinesen sollen große Massen Truppen über Land von Hunan und Kiangnan bringen. Punglu, 6er Oberstkommandirende, weigert sich immer noch, das Kommando zu übernehmen, da er krank sei.

volution ihnen nur Ruinen brachte, wurden vicrundzwanzig non ihnen beim Konvent vorstellig, die Stellvertreter der Zünfte, und verlangten die Freiheit, mit der man sie ge­tröstet. . . . Man hörte sie an, überstimmte sie, und am nächsten Tage fielen die vierundzwanzig Köpfe der Zunft­meister; die soziale Frage war gelöst so löst sie die Re­volution ! So sollen auch heute die Arbeiter den Sturmbock machen, um niederzuwerfeu, was den Sozialdemokraten ge­fällt; Andern zu dienen, dazu sind sie gut genug. Die blutige Arbeit können sie machen. Wenn aber der Kampf vorüber, wenn die Arbeit gethan ist, dann können sie nur hoffen auf Hunger und Blut; das allein bietet ihnen die Revolution/ Diese Gedanken muß man den Arbeitern näher bringen, denn der Arbeiter ist meistens ein Bethörter."

Gerüchte über eine bevorstehende schärfere Beeinträchtigung des Gastwirthegewerbes durch Polizeischluß um zehn Uhr abends und unausgesetzte Ueberwachung gingen dieser Tage durch die Presse. Wir nahmen keine Notitz von ihnen, da wir ihnen keine Glaub­würdigkeit beimaßen. Wie recht wir damit hatten, erfahren wir jetzt aus den nachfolgenden Mittheilungen der ministeriellen Berl. Korr." :Verschiedene Zeitungen bringen die Meldung, daß im Ministerium des Innern der Entwurf einer neuen Polizeiverordnung über den Betrieb des Schankgewerbes aus­gestellt und den Provinzialbehörden mitgetheilt worden sei. Die Nachricht ist unzutreffend' Der Sachverhalt ist vielmehr der, daß derDeutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke" eine (übrigens im Buchhandel erschienene) Denkschrift über die Bekämpfung der Trunksucht auch dem Ministerium des Innern eiugcreicht hat, in welcher in Form eines Vor­schlages ein solcherEntwurf" enthalten war. Diese Denkschrift ist den Provinzialbehörden zur Kenniuißnahme und Prüfung mitgetheilt worden. In Uebereinstimmung mit den erstatteten Gutachten muß, vorbehaltlich einer Ergänzung der in ver­schiedenen Bezirken bestehenden polizeilichen Vorschriften nach der einen oder der anderen Richtung, der aufgestellteEnt­wurf," insbesondere die Bestimmung des Geschäftsschlusses aller Gast- und Schankwirthschaften um 10 Uhr abeuds. als weit über das berechtigte Ziel hinausgehend und deshalb als nicht annehmbar bezeichnet werden."

Der Grenzverkehr mit Frankreich.

Aus Metz wird geschrieben: Die Thatsache, daß die zwischen Deutschland und Frankreich bestandene Spannung etwas nachgelassen hat, macht sich besonders auch im Grenz­verkehr bemerklich. Noch vor wenigen Jahren war es nicht möglich, nach Belfort, Nancy oder Pout-ü-Mousson zu kommen, ohne belästigt zu werden, wenn man als Deutscher erkannt wurde. Die Unfreundlichkeit der Grenzbewohner ging sogar so weit, daß den Schlachtfeldbesuchern dringend angerathen werden mußte, die jenseits der Grenze gelegenen Schlachtortc zu meiden. Daß unter diesen Umständen der Grcnzvcrkehr sich auf das Nothwendigste beschränkte, ist selbstverständlich. Seit Jahresfrist hat sich dies wesentlich geändert. Man kann jetzt vollständig unbelästigt in den französischen Grenzorten verkehren und auch die zum Besuche der Schlachtfelder an­läßlich der 30. Gedenkfeier der großen Augustschlachten nach Metz kommenden altdeutschen Kriegervereine können ungehindert die auf französischem Gebiete gelegenen Theile der Schlacht­felder betreten. Umgekehrt kommen jetzt auch zahlreiche Fran­zosen hierher; dies war namentlich auch in den letzten Tagen während der Anwesenheit des Kaisers der Fall und zwar schienen namentlich ' die aus diesem Anlässe angeordneten militärischen Veranstaltungen eine besondere Anziehungskraft auf die französischen Grenzbewohner auszuüben.

Politische und unpolitische Nachrichten. Depejchen-Bureau Herold.

Berlin, 29. Mai. Wie diePost" erklärt, ist an unterrichteter Stelle nichts davon bekannt, daß wegen Ge­währung von Tagegeldern an Reichstagsabgeordnete zur Zeit in Bundesrathskrcisen Erwägungen schweben sollen.

Berlin, 29. Mai. DiePost" schreibt: Die Nachricht desHannov. Kur.", daß eine neue Kanal-Vorlage kurz nach der Pfingstpause im preußischen Landtage cingebracht werden würde, müsse schon mit Rücksicht auf die parlamen­tarische Lage als völlig haltlos bezeichnet werden. Der Land­tag habe noch fünf Gesetze zu verabschieden, was die Tagung bis zu einem verhältnißmäßig späten Zeitraum verlängern werde. Sodann sei es durchaus unzutreffend, daß die Vor­lage bereits für das Parlament spruchreif wäre. Es sei im Gegentheil noch eine Reihe finanzieller und wirthschaftlicher Vorarbeiten zur Fertigstellung der Vorlage unerledigt. Im Uebrigen werde voraussichtlich der Minister der öffentlichen