Einzelbild herunterladen
 

Die einzeln«

Hemmer kostet

10 4-

MrmrementS.

Preis:

Jährlich 9 =46. Wltjährl. 4 <^t 50 ^J.

Vierteljährlich

2 ^6 25 ^

Für auswärtige Mennenten mit dem

Betreffenben

Pestaufschlag.

Zugleich

Amtliches Grgan für Sisöt- unö/LauöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

.......................- ....... ----------z -...................

Sinrückungs» gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die Sgespaltme Garmond­zeile oder deren Raum, für AuSwärt» 15 ^

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

LuSwärt» 30 ^.

Nr. 124.

Dienstag dm 29. Mai

190©

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 23.

Amtliches. Rechnungsabschluß der Hanauer Ortskrankenkasse pro 1899.

a) Einnah men: Mk. Pf.

1. Kassenbestand am 1. Januar 1899 . . 6 63

2. Zinsen von Kapitalien ...... 3651 15

3. Eintrittsgelder........ 3248 70

4. Gesammtbeiträge ........ 116796 47

5. Ersatzleistungen Dritter nach dem Kranke«- und Unfallversichcrungsgesetz .... 1716 57

6. Aus verkauften Werthpapieren und zu- rückgez. Kapitalien re. ..... . 10619 68

7. Sonstige Einnahmen im Ganzen . . . 639 23

8. Summe der Einnahmen . . . 136678 91

b) Ausgaben:

1. Für ärztliche Behandlung ..... 17595 45

2. Für Arznei und sonstige Heilmittel . . 12847 97

3. Krankengelder:

a) an Mitglieder ....... 66956 40

b) an Angehörige der Mitglieder nach § 7 Absatz 2 des Gesetzes..... 1229 26

4. Unterstützungen an Wöchnerinnen . . 4923 08

5. Sterbegelder ......... 3242 50

6. Kur- und Verpstegungskosten an Kranken- anstalten .......... 11008 63

7. Ersatzleistungen für gewährte Kranken- unterstützung . . . . .... . . 2076 48

8. Zurückgezahlte Beiträge u. Eintrittsgelder 183 17

9. Für Kapitalanlagen, Anlagen bei Spar­kassen rc........... 4030 89

10. Verwaltungsausgaben:

a) persönliche ........ 9290 46

b) sächliche......... 1665 18

11. Sonstige Ausgaben ...... . 1599 72

42. Summe der Ausgaben . . . 136649 19

c) Abschluß: Summe der Einnahmen . . . 136678 91 Summe der Ausgaben . . . . 136649 19

Ergibt für den Schluß des Rechnungs­jahres einen Kassenbestand von . 29 72

Bestand des Reservefonds am 81. Dezember 1899 91299 09 , 31. 1898 97887 86

Mithin weniger gegen das Vorjahr 6588 77 Aufgestellt: Carl Jahn, Bureau-Vorstand.

Die vorstehende Rechnung pro 1899, Einnahmen und Ausgaben, wurde gemäß $ 71 des Kassenstatuts geprüft und in allen Theilen für richtig befunden, was durch Unterschrift hiermit bescheinigen.

Hanau, 3. April 1900.

D ie Revisoren:

Wilh. Bang. J. Steinleitner. K. Hau.

Hanau, 29. Mai 1900.

Der Vorstand.

.___________Ph. Müller, Vorsitzender. ____________ 8732

Warnung für Fuhrwerke

Wegen Umbaues der Rodaubrücke in Mühlheim (im Zuge der KreisstraßeOffenbach-Hanau") darf der vorläufig stehen bleibende Theil der Brücke und die später zu benutzende Nothbrücke nur mit Fuhrwerken bis zu höchstens 6000 kg Gesammtgewicht befahren werden. Schwerere Fuhrwerke haben den Weg über Lämmerspiel und Bieber zu benutzen.

Offenbach den 25. Mai 1900.

Großherzogliches Kreisamt.

, J. V.: Valckenberg.8665

Militärische oder radikale Diktatur in Frankreich.

Während der zwei Jahre hindurch Frankreich nnausge- sttzt in Athem haltenden Dreyfus - Affaire spielten die R»litisirenden Militärs eiine große Rolle. Da waren Generäle, die Brandreden gegen die damals schnell wechseln­den Ministerien hielten, da waren andere Generäle, die man nicht mit Unrecht in dem Verdachte hatte, mit den monarchistischen Feinden der Repuplik zu konspiriren, da waren Majore und Hauptleute, die aufs Schnellste die Presse

und zwar meist die der Regierung feindliche Presse

über alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Ent­schlüsse des Kriegsministeriums auf dem Laufenden hielten und gelegentlich auch kein Unrecht darin sahen, sogar geheime Dokumente den Zeitungen auszuliefern.

Optimistische Gemüiher hatten nun die Hoffnung gehegt, daß diese die französische Armee schändenden Zustände mit der Beendigung des Dreyfus-ProzesseS gleichfalls ein Ende finden wurden; diese Hoffnung erschien um so begründeter, als an der Energie des Kriegsministers Gallifct kein Zweifel gehegt werden durfte. Aber die Erwartung sollte zu Schanden wer­den. General Gallifet hat in öffentlicher Scumssitzung zu- gcstehen müssen, daß noch in jüngster Zeit ein Offizier geheime Dokumente in die Öffentlichkeit gebracht habe. General Galli­fet ist, wie nicht geleugnet werden kann, auch in diesem Falle energisch verfahren, denn er hat den schuldigen Offizier kurzer­hand davongejagt. Er hat ferner erklärt, daß er derartige Zustände, die leider nicht vereinzelt seien, nicht mehr dulden werde.

Allen Respekt vor der Energie und Ehrlichkeit des fran­zösischen Kriegsministers, aber es ist doch sehr die Frage, ob eS ihm gelingen wird, seinen löblichen Vorsatz durchzuführen. Gerade der Fall, um den es sich hier handelt, beweist, daß es sich um ein tief eingewurzeltes Uebel handelt. Einmal hat der betreffende Offizier, als er von dem Kriegsminister zur Rede gestellt wurde, geantwortet, er habe einen politischen Akt ausgeführt, er hat also offenber geglaubt, etwas durchaus Berechtigtes zu thun, und er hat mit dieser Antwort zu er­kennen gegeben, daß es sich hier nicht um einen einzelne« pflichtvergessenen Offizier handelt, sondern daß die Ueber­zeugung eines wohlbegründeten Rechts auf politische Pfuscherei tief im französischen Offizierskorps wurzelt. Zum Zweiten hat ein hoher Militär, der General Lambert, in der offenen Senatssitzung dem Kriegsminister das Wort entgegengeschleudert, der schuldige Offizier habe recht gehandelt. Man sieht daraus, daß die Verwechselung militärischer und politischer Obliegen­heiten nicht blos bei jüngeren Offizieren, sondern auch bei hochgestellten Generälen obwaltet; beiläufig bemerkt, ist es ein Zeichen beschämender Disziplinlosigkeit, wenn im Parlament ein General dem Kriegsminister gegenübertrüt.

Ein Einzelner, er mag noch so schneidig sein, wird nie die Gesinnung des gesammteu Ofsizierkorps umwandeln können, denn auch der energischste Wille wird stumpf durch den passiven Widerstand einer geschlossenen Masse. Deshalb wird im französischen Offizierkorps trotz aller scharfen Erklärungen des Kriegsministers ruhig weiter politisirt werden. Wenn aber im Heere Politik getrieben wird, so kann es nur geschehen, um die militärische Diktatur vorzubereiten. Denn zu welchem Zwecke sollten sich sonst die Offiziere mit Interessen beschäftigen, die ihnen an sich fernliegen. Ob der eine oder andere Civilist Präsident der Minister ist, kann den Offizieren schließlich ziemlich gleichgültig sein. Wenn aber einer von ihnen an der Spitze des Staats steht, denn so argumentiren sie, wird der Säbel das Land regieren, und es wird dem gesummten Offizierkorps an materiellen und ideellen Vortheilen nicht fehlen. Die Geschichte des großen Soldatenkaisers gibt dieser Argumentation ja auch Recht.

Wie die Dinge einmal in Frankreich liegen, so gibt cs gegen die drohende militärische Diktatur nur ein Mittel: die Diktatur des entschiedenen Radikalismus. Daß der Minister­präsident nach mancherlei Schwankungen zu dieser Erkenntniß gekommen ist, hat seine Rede beim Wiederzusammentritt der Deputirtenkammer dargethan; sein Programm war ein voll­kommen radikales, vor allen Dingen in den beiden Haupt­punkten : der Bekämpfung des Klerikalismus und der Durch­führung der Einkommensteuer. Mit der ersten Maßregel verfeindet sich die bestehende Regierung endgültig mit der katholischen Kirche. Mit der zweiten Maßregel erbittert der Ministerpräsident die große Klasse der eine Spezialität Frank­reichs bildendenSechsdreierrentiers". Diese guten Leute sind so lange Republikaner, als ihr Geldbeutel dabei wohl fährt. Wenn aber an ihre Kasse Ansprüche gemacht werden, so ist es um ihre Zuneigung fürGleichheit und Brüderlich­keit" schlimm bestellt.

So sieht sich das gegenwärtige Ministerium mehr und mehr darauf angewiesen, seinen Rückhalt allein bei dem ent­schiedenen Radikalismus zu suchen. Es versteht sich von selbst, daß es sich damit auch mehr und mehr von diesem Radikalismus abhängig macht, der bestrebt sein wird, seine Auffassungen in jeder Beziehung zur Durchführung zu bringen; oder mit anderen Worten, der ebenso rücksichtslos bemüht sein wird, seine Diktatur zu errichten, wie die Nationalisten die militärische Diktatur aufrichten möchte.

So ist für absehbare Zeit die Herrschaft eines allein die Stabilität der Zustände garantirendcn gemäßigten Republi­kanismus ausgeschlossen.

Politische und unpolitische Nachrichten.

Depesiben-Bureau Herold.

Berlin, 28. Mai. Her Kaiser nahm heute Vormittag im hiesigen Schlosse die Vorträge des Staatssekretärs Grafen Bülow, des Staatssekretärs Tirpitz, des Chefs des Civil- kabinets von Lxcanus und des Chefs des Marine-KabinetS von Seuden-Bibran entgegen.

Berlin, 28. Mai. DieNordd. Allgemeine Zeitung" schreibt in offiziösem Sperrdruck an der Spitze ihrer'heutigen Nummer: DieDeutsche Tageszeitung" läßt sich versichern, Prinz Ludwig von Bayern habe durch einen höfischen Vor­gang während der Festtage zur Feier der Großjährigkeits­erklärung des Kronprinzen Anlaß zu Mißstimmung erhalten. Diese Behauptung ist wahrheitswidrig. Es ist 'nicht das Geringste vorgefallen insbesondere auch nicht auf höfischem Gebiete, waS als Anhaltspunkt für dergleichen leichtfertige Ausstreuungen dienen könnte. Uebrigcns war Prinz Ludwig während der Festtage am Anfänge des Monats gar nicht in Berlin. Der Vertreter des bayerischen Königshauses während jener Festtage war Prinz Leopold, der wie immer so auch damals den höflichsten und freundlichsten Empfang gefun­den hat.

Berlin, 28. Mai. Bei dem Festmahl, welches anläß­lich der Kreisthierschau in Oldenburg in Holstein stattfand, hielt der Oberpräsidcnt von Köller einen Trinkspruch, in welchem er nach einem Bericht derDeutschen Tageszeitung" u. A. sagte: Trotzdem ich vom Kaiser zu den verschiedensten Aemtern berufen worden bin, haben meine besonderen Sympa­thien für die Landwirthschaft nicht erschüttert werden können, nicht etwa weil ich als Landmann da mein Fortkommen ge­habt hätte, sondern weil ich erkannte, daß es für unser Vater­land zum größten Schaden gereichen würde, wenn Berather des Kaisers einmal ohne genügende Beachtung des Landwirth- schafts-Standcs auszukommen meinen. Ohne den Stand der Bauern, ohne die Thätigkeit auf dem Lande wird unser Vaterland nicht bestehen können. Die Landwirthschaft sei und bleibe das Fundament unseres Vaterlandes.

Berlin, 28. Mai. Der Unterstaatssekretär im Kultus­ministerium, Dr. v. Barth, welcher an den Folgen einer schweren Influenza leidet, hat seine Versetzung in den Ruhe­stand zum 1. Juli erbeten. Er vertritt bis auf weiteres den beurlaubten Kultusminister.

Berlin, 28. Mai. Wie derRcichsanzeiger" meldet, legt der preußische Hof für den Prinzen Wilhelm von Hessen eine fünftägige Trauer an.

Berlin, 28. Mai. Der Schah von Persien wird nach den bis jetzt getroffenen Dispositionen von Petersburg kommend voraussichtlich am 23. Juli offiziell in Berlin ein- treffen und mit seinem Gefolge als Gast des Kaisers im Schlosse Bellevue Wohnung nehmen. Sein Aufenthalt ist nur auf vier Tage berechnet.

Dortmund, 28. Mai. Nach dem großartigen Zapfen­streich, der am Samstag Abend stattfand, erfolgte gestern Mittag die Begrüßung der Amerikaner durch den Oberbürger­meister Schmieding, der gleichzeitig an das Sternenbanner ein prachtvolles Fahnenband knüpfte. Der Newyorker Prä­sident Müller dankte und versicherte, daß diese Stunden in Dortmund ihnen unvergeßlich bleiben würden. Der Artillerie­verein stiftete für das Sternenbanner einen goldenen Nagel. Die Amerikaner trugen ihre Namen in ein goldenes Buch ein. Nach der Feierlichkeit wurde ihnen von der Stadt ein Imbiß angeboten. An dem historischen Festzuge, der nach­mittags stattfand, nahmen 25 000 Personen theil.

Breslau, 28. Mai. Die gejammten am Oberschlcsischen Lahnhof bediensteten Kutscher, 50 an der Zahl, haben heute rüh 5 */» Uhr die Arbeit eingestellt, nachdem ein Gesuch um Lohnverbesserung, welches sie am letzten Freitag an die Ver­waltung richteten und dessen Beantwortung sie bis heute früh erbeten hatten, erfolgslos geblieben war. Der bisher gewährte Anfangslohnsatz beträgt 1,70 Mk., der Maximal-Lohnsatz 2,10 Mk. pro Tag. 9

Hannover, 28. Mai. Der Kaiser wird am 15. Juni zur Theilnahme an der Gedenkfeier des Sieges bei Waterloo hier eintreffen und bei dieser Gelegenheit das Königs-Ulanen- Regiment auf der Vahrenwalder Heide besichtigen

Nördlingen, 28. Mai. Anläßlich der 36. Wander- versammlung der bayerischen Landwirthe hielt Prinz Ludwig von Bayern eine längere Rede, in welcher er darauf himvics, daß Industrie und Landwirthschaft sich gegenseitig ergänzen müßten. Dabei kam er auch auf die über seine Straubinger Rede veröffentlichten Kritiken zu sprechen und meinte, man soll nicht blos Auszüge aus solchen Reden veröffentlichen, da hierdurch ein unrichtiges Bild von dem, was gesagt worden ist, entstehen könnte. Im Laufe seiner weiteren Aus-