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Nr. 123.
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für Stadt- und Landkreis Hanau 10 4 dx 4gespaltene Gannoud- zeil« oder deren Nau«, für AuSwârl« 15 ^
Im Reklamentheil die Zeile 20 4 für
Auswärts 30 ^.
Amtliches Organ für Skaöl- unö LanöKreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Montag den 28. Mai
1900
Amtliches.
Konkursverfahren
Das Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Zeuner £ C o. zu Hanau, das Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Emil Zeuner zu Hanau und das Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Wilhelm Zeuner zu Hanau wird, nachdem der in dem Vergleichstcrmine vom 20. März 1900 angenommene Zwangsvergleich durch rechtskräftigen Beschluß vom 22. Mai 1900 bestätigt ist, hierdurch aufgehoben.
Hanau den 22. Mai 1900.
Königliches Amtsgericht 5. 8659
Handelsregister.
1. Neu eingetragen ist die Firma Daßbach & Geier, offene Handelsgesellschaft in Hanau, und als ihre Inhaber der Diamantschleifer Jean Daßbach in Hanau und der Diamantschleifer Conrad Geier in Hanau.
2. Gelöscht sind folgende Firmen:
*. Ludwig Craß & Co. in Hanau,
b. Zeuner & Co. in Hanau.
Hm»au den 25. Mai 1900.
Königliches Amtsgericht 5. 8660
M
arnrrng für Fuhrwerke.
Wegen Umbaues der Rodaubrücke in Mühlheim (im Zuge der Kreisstraße „Offenbach-Hanau^) darf der vorläufig stehen bleibende Theil der Drücke und die später zu benutzende Nothbrücke nur mit Fuhrwerken bis zu höchstens 6000 kg Gesammtgewicht befahren werden. Schwerere Fuhrwerke haben den Weg über Lämmerspiel und Bieber zu benutzen.
Offenbach den 25. Mai 1900.
Großherzogliches Kreisamt.
J. V.: Valckenberg. 8665
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 neuer Zollstock, 1 seidenes, kleines, weißes Taschentuch, gez. E, 1 Gebund Schlüssel (8 Skück, der größte Schlüssel ist mit der Nr. 21 bezeichnet), 1 Buch mit dem Namen H. Becker, Naturgeschichte.
Hanau den 28. Mai 1900.
Milizheer und Burenkrieg.
Nach den ersten großen Erfolgen der Buren in ihrem Kriege gegen England konnte man hier und da die Meinung
hören, daß doch vielleicht die Bedeutung von Milizen bisher unterschätzt worden sei. Natürlich haben unsere sozialdemokratischen Schwärmer für Milizheere diese Erfolge weidlich in ihrem Partei-Interesse auszubeutcn versucht. Nur nebenbei sei bemerkt, daß dabei von vornherein einmal die Gering- wcrthigkcit der englischen Landarmere und dann die den Buren eigenthümliche Ausbildung im Schießen und Reiten, die einen Vergleich mit Milizheeren nach den Wünschen der Sozialdemokraten ausschließt, mit Unrecht außer Acht gelassen wurde. Der weitere Verlauf des Krieges hat aber auch schlagend bewiesen, daß das Burenheer trotz jenes ihm eigenthümlichen Vorzuges an den Mängeln aller Milizen gescheitert ist. Denn woraus erklärt ei sich, daß sich in der zweiten Hälfte des Krieges ein Mißerfolg an den andern reihte? Nack zuverlässigen Berichten sind die fortgesetzten Niederlagen der Buren nach den ersten glücklichen Operationen auf folgende Ursachen zurückzuführen:
Den Buren fehlte fast völlig der Geist der Initiative und die Lust zum Angriff. Sie sind zwar in Natal und in der Kapkolonie vorgerückt und haben die ihnen entgegen tretenden Truppen wiederholt geschlagen, aber wenn sie auch strategisch die Angreifer waren, sind sie, sehr wenige Fälle ausgenommen, taktisch die Angegriffenen gewesen. Den wiederholt in offener Flucht zurückweichenden Feind haben sie nie verfolgt, selbst nicht mit Artillcriefeucr. Ihre Stärke ist, eine gute Stellung einzunchmen und zu halten; weicht der Feind zurück, so heißt es, „laßt ihn laufen", die Buren kehren in ihr Lager zurück und trinken Kaffer.
Ferner ist der Bure zwar in gewisser Weise beweglich und bringt auch einen einmal gefaßten Entschluß schnell zur Ausführung, aber die Entschlußfassung selbst ist bei ihm langsam. Wird er in seinem Plan gestört, greift der Feind nicht da an, wo der Bure es erwartete, muß er seine Stellungen und Verfügungen ändern, so wird er verwirrt, und es dauert geraume Zeit, bis er sich in die neue Lage zurechtgefunden hat. Weiter treten bei ihm, wenn cs gilt, die Ochsenwagen und das darauf verladene Besitzthum zu retten oder Beute, besonders an Pferden und Vieh zu machen, alle anderen Gedanken in den Hintergrund. Ehe der Bure sein Besitzthum im Stiche läßt, läßt er sich lieber selbst fangen. Cronje hätte, wenn er seinen Train im Stiche gelassen hätte, der Einschließung durch die Engländer ganz entgehen oder sich, ehe sie ganz vollendet war, auch durchschlagen können.
Endlich aber ist die wichtigste Ursache der jetzigen Lage der Mangel an Disziplin. Es gibt, wie gesagt, wenig Völker, die so vorzügliches Material zum Kriege liefern, wie die Buren. Der einzelne Mann ist ein guter Reiter und Schütze; sich im Gefecht, besonders in der Vertheidigung sachgemäß zu bewegen, ist ihm angeboren, und doch erzielt er
mit diesen Eigenschaften eigentlich keine dauernden Erfolge. Es fehlt der Gehorsam und die bedingungslose Unterwerfung unter die Führer. Die Unterbcfehlshabcr befolgen nicht die Befehle der Oberbefehlshaber, und die einzelnen Leute die Befehle ihrer Kommandanten und Feldkorncts nur, wenn cs ihnen gut dünkt. Der Führer, der die Dispositionen für ein Gefecht gibt und die Verkeilung und die Thätigkeit der einzelnen Kommandos anordnet, ist nie sicher, ob sie in kritischen Momenten auch »usgcführt werden. General Joubert hatte im gewissen Sinne recht, als er in einem in Natal abge- haltcncn Kricgsrathe, dem Vorschläge Bothas, angriffsweise »orzugchcn, mit der Begründung widersprach, cs sei zwecklos, einen Angriff zu planen, da von den zum Vorgehen beorderten 2000 Leuten doch nur 200 kommen würden. Es ist wiederholt vorgekommen, daß Kommandanten auf den ihnen gesandten Befehl, sofort zur Verstärkung einer im Kampf begriffenen Kolonne vorzurücken, einfach haben zurücksagen lassen, es sei zu gefährlich, sie wollten ihre Leute nicht exponircn. An diesem Ungehorsam ist der Angriff auf Ladysmith am 6. Januar hauptsächlich gescheitert.
Dieser Krieg liefert also den unumstößlichen Beweis, daß cs ohne Disziplin nicht geht, und daß das beste Volksheer, aus dem besten Material zusammengesetzt und zweifellos von höchster Vaterlands- und Freiheitslicbe beseelt, einem starken diSziplinirten, wenn auch oft schlecht geführten Heer, auf die Dauer nicht gewachsen ist. Die Nichtigkeit der sozialdemokratischen Ideen von der Volksmiliz wird in diesem Kriege auf das Klarste bewiesen.
Deutsche* Reichstag.
(Sitzung vom 26. Mai.)
T.-O.: Zunächst Berathung der Vorlage, belr. Verlängerung des Handelsprovisoriums mit England. — Abg. O e r t e l-Sachscn (kons.) fragt an, ob in der nächsten Session dem Hause das neue Zolltarifgcsetz werde vorgelegt werden. — Staatssekretär Graf Posadowsky erwidert, daß die Regierung bisher noch zu keinem endgiltigen Abkommen mit England gekommen sei, liege an den äußeren Verhältnissen. Trotzdem bitte er, die Vorlage in derselben Form wie früher anzunehmen. Die deutsche Regierung habe selbstverständlich das größte Interesse daran, daß in den gedeihlichen Handelsbeziehungen zu England keinerlei Störung eintrete. Die Vorbedingung für die bevorstehende große handelspolitische Mion sei das Zustandekommen des Zolltarifs. Die Vorbereitungen seien so weit gediehen, daß zu hoffen sei, daß es möglich sein werde, in der nächsten Tagung ein neues Zolltarifgesetz nebst Zolltarif einbringen zu können. — Abg. Möller-Duisburg (natl.) äußert sich anerkennend über die sorgsame Bor-
Feuilleton.
Tic Paiisci Wcltcaèstklluiig.
VI.
Das deutsche Haus.
In der Rue des nations, der Völkerstraße, ragt aus dem koketten Durcheinander von Architekturstilen ein Thürmchen empor, schaut vorwitzig über Fluß und Brücken, freut sich seiner strahlenden Pracht und dünkt sich aus seiner luftigen Höhe über die Dächer und Kuppeln seiner Umgebung unendlich erhaben. Es gehört zum deutschen Hause, das von dem Kaiserlichen Post-Bauinspektor Johannes Radke im deutschen Renaissancestil geplant und erbaut worden ist. Die Keckheit des Thürmchens hat ihren unbewußt berechtigten Grund; sie lenkt die Aufmerksamkeit auf den bescheiden einwärts gerückten Bau, der in seiner Seitenwirkung von dem dreist bis zur Rampe sich vordrängenden spanischen Renaissance-Palast und dem norwegischen Holzpavillon beeinträchtigt wird. Nach dem Flusse hin aber entfaltet unser Haus ungeschmälert das stattliche Bild eines gedrungenen Herrensitzes, der mit seinem Thürmchen, seinen Erker- und Balkon-Anlagen und seinen hochrothen steilen Ziegeldächern an ähnliche Bauten des 16. Jahrhunderts erinnert.
Dom ersten Geschoß bis zur Spitze ist es mit Malereien bedeckt. In der Völkerstraße gibt es keinen andern Pavillon, der in ähnlicher Weise äußerlich schon die Neugier reizte. Die Malereien, das Werk R. Böhlands aus Berlin, gehören stofflich zum Theil einer Märchenwelt an, die den Franzosen durch Wagners Nibelungenring geläufig geworden ist und für sie keine Hieroglyphen mehr darstellt, so der Zwerg Mime, der das Eisen schmiedet; so Brunhilde und Siegfried. Ihr verbindender Gedanke, ihr Motiv, liegt aber nicht in der
Märchenwelt, sondern in der Idee von den vier Elementen: Erde, Wasser, Luft und Feuer.
Von außen germanisch, ist das Haus im Innern mit französischen Zimmer-Dekorationen und Kunstwerken ausgestattet — das gibt zu denken. Wenn der Abkömmling des großen Preußenkönigs Friedrich II. dessen kostbarste französische Schätze aus Berlin und Potsdam hergibt, um ein Haus zu schmücken, das grundsätzlich deutschen Fortschritten geweiht sein soll, dann bedarf es keiner großen Phantasie, um darin eine Zuvorkommenheit zu sehen, deren Tragweite die einer benachbarten Nation gegenüber zu beobachtende Höflichkeit beträchtlich überholt. Oft und in mannigfachster Weise hat sich des Kaisers Liebe«swürdigkcit gegen die Franzosen schon geäußert; nie aber vielsagender als jetzt im deutschen Hause. Was die Idee des Kaisers auszeichnct, ist ihr organischer Charakter; sie wuchs nicht etwa aus dem bloßen Besitz der französischen Kunstwerke heraus, sondern aus dem Bewußtsein des Einflusses, den zur Zeit Friedrichs des Großen französische Kunst und französisches Wesen auf unsere Entwicklung ausgeübt haben.
Dem kaiserlichen Gedanken sind die besten fiußwärts gelegenen Gemächer des ersten Stocks nutzbar worden. Angesichts der Sorgfalt, die auf sie unter der Leitung Professor Paul Seidels verwandt worden ist, angesichts der kostbaren Kunstwerke, die für sie bestimmt sind, angesichts auch ihrer politischen Bedeutung, wird durch sie der Schwerpunkt des Hauses gleichsam in eine andere Kulturperiode hinein verlegt; der Geist Friedrichs des Großen scheint dort umzugchcn. Schon wenn man von der Straßenseite in die stattliche Vorhalle tritt, haftet das Auge unwillkürlich an dem Medaillon des großen Königs, das über der Rampe in der Krönung der zum großen Salon führenden Thür angebracht ist. Steigen wir nun eine der beiden Marmortreppen hinauf und treten unter dem Medaillon in den Hauptsalon ein, so befinden
wir uns in der fianzösischen Rokoko-Atmosphäre des 18. Jahrhunderts, so wie Friedrich unter Mitwirkung von Knobelsdorff sie auf seinen Schlössern schuf: in der nach Paris verpflanzten Atmosphäre von Sanssouci. Das eigentliche Schmuckkästchen der gesammten Rokoko-Einrichtung ist aber das Vor- und Wartezimmerchen, das sich auf der Ostseite des deutschen Hauses an das Empfangszimmer des Reichskommissars an- schlicßt. Der Kronleuchter stammt unmittelbar aus dem Neuen Palais, die grünen Seidcntapctcn, sorgfältig wie im Bibliothekzimmer ihrem berühmten Muster nachgewebt, stimmen vortrefflich zu der Cedcrnholz-Täfelung, die bis in die tiefen Boiserien hinein durchgeführt ist.
Auf die Rokokozimmer folgt auf der Westseite der von Bernhard Schacde, Lehrer am Kunstgewerbe-Museum in Berlin, eingerichtete Saal für soziale Wohlfahrtspflege. Ausgehend von der richtigen Idee, daß Deutschland in der Wohlfahrtspflege allen andern Nationen vorausgcht und sein Licht nach alle« Seiten fruchtbringend ausstrahlcn läßt, brachte B. Schaede an der Decke unmittelbar vor der Längsseite eine Sonne an, ihr mit dem Rücken zugcivandt zwei Halbmonde und im kon- ceutrischen Halbkreise um die Sonne herum die zwölf Himmels- gestirnc; radienförmig versendet die deutsche Wohlfahrtssonne ihre röthlichen Strahlen nach der Peripherie, erhellt sich abends bei elektrischem Lichte und verstärkt die gemalte Täuschung. Auf einem Tische in der Mitte sind noch meisterhafte Modelle hervorragender Wohlfahrts-Einrichtungen ausgestellt, und eine Menge von bildlichen Darstellungen an den Wänden — Arbeiter- wohnungen, Haushaltungsschulen, Erholungshäuser, Asyle — zeugt von der wachsenden Fürsorge für Kinder und Erwachsene, Arbeiter und Hülfsbedürftige. Die übrigen Zimmer des Hauses sind dem Buchgewerbe in dessen verschiedenen Zweigen gewidmet.
Um zu sehen, aus welch duftender, wohlschmeckender und künstlerisch ansprechender Grundlage das deutsche Haus ruht,