Erstes Blatt.
Vie einzelne
Vummer kostet
10
Nr. 122.
AS,«nement». Preis:
Jährlich 9 M. Ml^ährt. 4 v< 50 ^J. vierteljährlich 2 °« 2b ^.
Für auStnörtig^ Mennenten mit dem
Betreffenden Postaufschlag.
Einrückung», gebühr
st, Stadt- und Land- freiS Hanau 10 -4 H« 4gefpaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^
AmMches Grgsn Mr Ktaöt- unö LsnöKreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Samstag den 26. Mai
1900
Amtliches.
^anö&reis ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Massenheim, Ober-Eschbach und Petterweil (Kreis Friedberg) ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Hanau den 25. Mai 1900.
Der Königliche Landrath.
V 4941 v. Schenck.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvsrsteher des Kreises, in deren Gemeinden bezw. Gutsbezirken Zu- und Abgänge an Einkommen- und Ergänzungssteuer vom 1. April d. I. ab bis jetzt vorgekommen sind, fordere ich auf, mir die vorgeschriebenen Auszüge aus den Zu- und Abgangskontrollen alsbald einzureichen.
Hanau den 22. Mai 1900.
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer-VeranlagungS-Kommission J. St 1983 für den Landkreis Hanau.
J. V.: Valentiner, Reg.-Rssessor.
Bekanntmachung.
Da der Schlußbestimmung des § 10 unseres Kassenstatuts, betr.
Die Anmeldung von Lohn-Veränderungen, nicht von allen Arbeitgebern die nöthige Beachtung geschenkt wird und es sich sehr häufig erst nach Krankmeldung eines Mitgliedes herausstellt, daß dasselbe in eine höhere Klasse gehört, als für welche es seither Beiträge gezahlt hat, richten wir hiermit an alle Arbeitgeber das dringende Ersuchen,
die vorgeschriebenen Lohn-Berânderungs- Z-tt-l
für die Folge umsomehr rechtzeitig einzurcichen, als im Unterlassungsfall und nach erfolgter Feststellung nicht nur die fehlenden Beiträge, sondern auch die etwaigen Mehrbeträge an Krankengeldern von dem Arbeitgeber zu ersetzen sind. Eine öftere Prüfung, ob sich die Mitglieder in der ihrem Lohn entsprechenden Klasse befinden, ist daher unerläßlich. Lohn-Veränderungszettel sind an der Kasse zu haben.
Gleichzeitig wird wiederholt darauf hingewiesen, daß nach dem Kranken-Vers.-Gesetz und diesseitigem Statut
alle Personen bei diesseitiger Kasse anzumelden find, welche in einem Gewerbe- oder Handelsbetrieb gegen Gehalt, Lohn oder Naturalbezüge thätig sind, und daß auch Dienstmädchen anmeldepflichtig werden, sobald sie geschäftliche Verwendung finden.
Ueber Nichtanmeldepflichtige und sog. berechtigte (freiwillige) Mitglieder gibt das Statut weitere Auskunft.
Schließlich wird noch darauf hingewiesen, daß die Unterlassung einer Anmeldung strafbar ist und daß säumige Arbeitgeber außer der zu erwartenden Strafe auch sämmtliche Aufwendungen zu ersetzen haben, die der Kasse etwa bei nicht rechtzeitiger Meldung erwachsen (§ 50 des Krankenversich.- Gesetzes).
Hanan, 28. April 1900.
Der Vorsitzende der Hanauer Ortskranken-Kasie.
Müller,
Vorsitzender. 7009
Polizeiverordnrmg.
Auf Grund der M 5 und 6 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landestheilen vom 20. September 1867 wird hiermit für den Gutsbezirk Wilhelmsbad unter Aushebung der Polizeiverordnung vom 29. Mai d. I. folgende Polizeiverordnung erlassen.
8 1.
Ebenso wie das Befahren der Promenadenwege und Plätze in den Parkanlagen mit Fahrrädern ist auch das Schieben der Fahrräder auf diesen Wegen und Plätzen verboten. 8 2.
An Sonn- und Feiertagen und Mittwochs in der Zeit vom 15. April bis 15. September ist von 2 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends das Befahren der Landstraßen
a) an der Häuserreihe entlang,
b) von der Burg nach dem Kurhaus mit Fahrrädern verboten.
Den Radfahrern ist es jedoch gestattet, das Fahrrad neben sich her zu führen.
8 3.
Fuhrwerke aller Art müssen auf den im $ 2 bezeichneten Straßentheilen und in den daselbst angegebenen Zeiten Schritt fahren.
8 4.
Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu neun Mark bezw. entsprechender Haft bestraft.
8 5.
Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft.
Wilhelmsbad am 15. Juli 1897.
Der Ort-polizcivcrwalter Bauer.
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 goldmer Ohrring mit Stein, 1 Rolle Zinkdraht.
Verloren: 1 Spazierstock mit silbernem Griff, auf dem Wege von Ostheim nach Himbach, 1 kleine, grüne Geldbörse mit gelbem Bügel, mit 1,20 bis 1,30 M. Inhalt, 1 goldener Trauring, gcz. M. Hannes 19./11. 99, 1 Sparkassenbuch.
Zugelaufe«: 1 weißer, junger Foxterrier mit gelben Flecken, m. Geschl., 1 junger, schwarzer Dachshund, bei Gastwirth Wenzel in Gronau 1 großer Hund, anscheinend Zughund, von grauer Farbe mit weißer Brust und zwei weißen Vorderbeinen, m. Geschl., in Großkrotzenburg 1 weißer Foxterrier mit schwatzen Abzeichen m. Geschl.
Vom Wasenmeister am 25. b. Mts. einge fangen: 1 schwarzer, schottischer Schäferhund mit gelben Abzeichen, m. Geschl.
Hanau den 26. Mai 1900.
Politische und unpolitische Nachrichten.
Depeschen-Bureau Herold.
Berlin, 25. Mai. Laut „Militärwochenblatt" richtete der Kaiser an den K r o n p r i n z e n am 6. Mai morgens folgende Ansprache: Du thust heute einen wichtigen Schritt ins Leben. Der Ranz bei Kronprinzen ist durch Deinen hochseligen Großvater, der die längste und wichtigste Zeit seines Lebens in dieser Stellung gewesen ist, so emporgchoben worden, daß eS der Arbeit eines Lebens und Deiner ganzen Manneskraft bedürfen wird, um diese Stellung so zu erhalten, wie sie seit Deinem Großvater im Herzen des deutschen Volks und der Armee fortlebt. Zuerst als Kronprinz von Preußen, dann als Kronprinz des Deutschen Reiches, als dieses 1870/71 zusammengeschweißt war, ragt die herrliche Gestalt, die zuletzt so unsagbar gelitten hat, in der Geschichte hervor, lebt sie im Herzen des Volkes als Kronprinz par excellence. Das Ansehen, das Dein Großvater der Stellung des deutschen Kronprinzen in der Welt und bei seinem Volke verschafft hat, ist für Dich eine Erbschaft, welche Du «ngeschwächt zu erhalten und zu mehren hast. Mache es Dir klar, daß Du Deiner ganzen Manneskraft bedarfst, um dieser hohen Aufgabe gerecht zu werden. Das ist der Gedanke, der mich bewegt, wenn ich Dich heute in persönliche Beziehungen znm Regiment Kronprinz bringe.
Berlin, 25. Mai. Wie der „Reichs-Anzeiger" meldet, hörte der Kaiser heute Vormittag im Gelände südlich von Wiesbaden die Vorträge des Ministers von Thielen, des Regierungs-Präsidenten Dr. Wentzel, bei Polizeipräsidenten Prinzen von Ratibor, sowie des Oberbürgermeisters Dr. von Jbell über die Umgestaltung der gesammten Bahnhofs-Anlage der Stadt und nahm später im Schloß die Vorträge der Chefs bei Militär-Kabinets von Hahnke und des Chefs des Civil-Kabinets von Lukanus entgegen.
Berlin, 25. Mai. Im besonderen Auftrage der Kaisers hat sich der „Post" zufolge LegationSrath von Etzdorf-Elbing nach London begeben. Derselbe wird sich zunächst bei der deutschen Botschaft melden und dann nach Windsor weiter reisen, um dort von der Königin Viktoria empfangen zu »erden. Die Reise stellt sich alS eine vertrauliche Mission dar, zu welcher Herr von Etzdorf persönlich in Urville vom Kaiser Auftrag erhalten hat.
Berlin, 25. Mai. In der Wohnung des Stadtver- ordneten-Vorstehers Dr. Langerhans sind heute Morgen anläßlich seines heutigen 80. Geburtstages zahlreiche Glück- wunsch-Telegramme und Blumenffenden eingetroffen. Eine Reihe von Deputationen brachten dem Jubilar ihre Glückwünsche dar. U. A. erschienen im Namen der Freisinnigen Vereinigung die Reichstags-Abgeordneten Rickert, Pachnicke und Schrader, die eine Bronce-Figur im Namen der Fraktion überreichten; ferner Vertreter der sozialistischen Fraktion unter
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhattungsblatt 14 Seiten.
Führung des Abgeordneten. Eine Deputation des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung überbrachte den Ehren- bürgerbricf der Stadt Berlin. Oberbürgermeister Kirschner erwähnte in seiner Ansprache, daß Magistrat und Stadtverordnetenversammlung einmütig beschlossen hätten, Dr. Langer- Hans zum Ehrenbürger der Stadt Berlin zu ernennen. Reichs- tagS-Abgeordneter Max Hirsch brachte die Glückwünsche der deutschen Gewerkvereine. Gegen 12 Uhr erschien der Vizepräsident des Reichstages Schmidt-Elberfeld mit einigen Herren der freisinnigen Volkspartei, um im Namen derselben zu gratuliren und eine Palme zu widme«. Namens bei Vereins Berliner Künstler überreichte Anton dom Werner eine Adresse. Auch Fürst Hohenlohe gedachte bei Tage». Der Reichskanzler hatte den jüngsten Ehrenbürger Berlins „im Kreise der Achtziger" willkommen geheißen.
Poris, 25. Mai. Der Senator Chomie stellte heute Nachmittag an die Regierung die Frage, ob es wahr fei, daß Dokumente, welche mit der D r c p f n s - A n g c l e g e n - h e i t in Zusammenhang ständen, entwendet worben seien zum Zweck der Wiederaufnahme der Agitation in der Angelegenheit der Drcyfus-Affaire und welche Maßnahmen bei Kabinet zur Verhütung ähnlicher Vorkommnisse zu treffen gedenke. Ter Kriegsminister Gallifet antwortete, er habe nach der vorgestrigen Kammersitzung sich das gefammte Dossier der Dreyfus-Axgelezenheit unterbreiten lassen und thatsächlich nach eingehender Untersuchung fcstgestellt, daß Dokumente durch einen Offizier im Kricgsministcrimn entwendet worben seien. Diese Bestätigung rief große Sensation hervor.
• Der betreffende Offizier, so erklärte Gallifet weiter, erhielt I sofort seinen Abschied, besonders weil derselbe mir versicherte, es handle sich um einen politischen Akt. Der Kriegsminister erneuerte seine Worte, welche er in Form eines Tagesbefehls an die Armee in Betreff der DreyfuS-Affaire erlassen hatte nämlich: Die Drepfus-Affaire ist beendet. Der Kriegsminister versicherte schließlich, er werde Alles thun, was in seinen Kräften stünde, um die Disziplin in der Armee aufrecht zu erhalten. Diese Worte riefen einen ungeheuren Beifall hervor. Auch der Senator Choumie erklärte sich durch diese Ausführungen des Kriegsministers für befriedigt. Waldeck- Rousseau ergriff alsdann das Wort und erklärte, diese Angelegenheit betreffe auch sein Ressort. Er vertheidigte den Agenten Thomps, gegen welchen seit einiger Zeit eine verleumderische Campagne ins Werk gesetzt worden ist. Das gestohlene Dokument ist ein Brief eines gewissen Geiger über die DreyfuS-Angelegenheit. Dieser Brief wurde von dem betreffenden Offizier abgeschrieben und weiter verbreitet. Die Angelegenheit scheint auch in der Kammer Gegenstand einer Interpellation zu werden.
Bon der Armee.
Personalveränderungen. Generalleutnant von der Boeck, Direktor des Allgemeinen KriegS-Departe- ments im Kriegsministcrium, ist zum Kommandeur der 13. Division und Generalmajor von Einem genannt von Rothmaler, Abtheilungschef im Kriegsministerium, zum Direktor des Allgemeinen Kriegs-Departements ernannt. Generalmajor von Moßner, Kommandeur der Garde-Kavallerie-Division, unb Generalmajor von Bülow, Direktor bei Zentral-Departements im KriegS- ministerium, zu Generalleutnants befördert. Generalmajor Freiherr vonRechcnberg, Kommandeur der 21. Infanterie- Brigade, unter Beförderung zum Generalleutnant, zum Obcr- quartiermeister ernannt. Generalmajor von Lessel, beauftragt mit Wahrnehmung der Geschäfte eines Oberquartier- meisters, mit der Führung der 28. Division beauftragt. Oberst von Kloeden, Kommandeur bei Füsilier-Regiments Nr. 73, zum Generalmajor befördert und zum Kommandeur der 61. Infanterie-Brigade ernannt. Oberst von Katzler, Abtheilungschef im Kricgsministerium, mit der Führung der 37. Kavallerie-Brigade beauftragt und Oberstleutnant von Görne, Kommandeur des Dragoner-Regiments Nr. 23, all Abtheilungschef in das Kriegsministerium versetzt. Oberstleutnant von Sa lisch beim Stabe des 3. Garde-Regiments zum Kommandeur des Leib-Grenadier-Regiments Nr. 8 ernannt und Oberstleutnant von Schack vom Elisabeth-Regiment zum Stabe des 3. Garde-Regiments versetzt. Oberstleutnant von Arnoldi beim Stabe des 2. Garde-Regiments zum Kommandeur bei Königs Infanterie- Regiments Nr. 14ö, Major von Bodels chwingh, Bataillons-Kommandeur im Augusta-Regiment zum Kommandeur des Jäger-Bataillons Nr. 10 ernannt.