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Nr. 118.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Montag den 2*. Mai

1900

mittelnden Eingreifens in den Krieg zwischen Eng­land und den südafrikanischen Republiken zur Folge haben könnte. Delegirter Geza Pap weist darauf hin, daß ungarische Staatsbürger sich zuweilen, weil sie bei den österreichischen Konsulaten nicht den nöthigen Rechtsschutz finden, an die Konsuln Deutschlands wenden. Dies sei be­schämend.

Der Minister des Aeußern Gr a f G olu ch o w ski dankt dem Referenten zunächst für die überaus freundlichen, schmeichel­haften Worte, mit denen die Diskussion eingeleitet worden sei, und erwidert dann auf die Frage, ob eine Verständigung zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn bezüglich Albaniens bestehe, daß ein solches Separatabkoinmen nichtvor­handen sei, doch sei Oesterreich-Ungarn mit Italien bezüglich des prinzipiellen Standtpunktes vollkommen einig, daß, an welchem Punkte der Balkan-Halbinsel auch immer, eine ein­seitige Aenderung des statu» quo ohne Zustimmung aller be- thciligten Mächte nicht herbeigeführt werden könne. WaS Bulgarien betreffe, so mässe Redner vor Allem bemerken, daß die vorgekommenen Ereignisse vielfach aufgebanscht worden seien; würden dieselben auf den wirklichen Stand der Thatsachen reduzirt, so werde sich dabei sehr wenig ergeben. Bezüglich Albaniens sei bemerkt worden, daß dort eine besondere Gährung herrsche; es sei aber auch in dieser Hin­sicht viel mehr erzählt und geschrieben worden, als den That­sachen entspreche, was geeignet gewesen sei, eine gewisse Un­ruhe in vielen Kreisen hervorzurufen; in Albanien fei gerade in diesem Jahre weniger als in früheren Jahren vorgekommcn. Rücksichtlich der Erhöhung der Wcrthzölle in der Türkei bemerkt Graf Goluchowski, daß die türkische Regierung anfänglich allerdings sehr einseitig vorge- gangen sei und einen erhöhten Werthzoll am 15. Mai habe einführen wollen. Dagegen hatten jedoch alle Mächte ein­stimmig vrotestirt und es sei der rechtliche Standpunkt voll­kommen gewahrt worden, indem die Pforte ihre Absicht vor­läufig aufgegeben habe und Verständigung mit den Mächten anstrebe. Jedenfalls werde Oesterreich-Ungarn seine In­teressen positiv wahren und dabei im Einvernehmen mit den anderen Mächten Vorgehen. Bezüglich der Haager Kon­ferenz und der Frage, warum die Beschlüsse derselben nicht ins Leben getreten seien, führt der Minister aus, daß alle Maßregeln hierzu getroffen seien und daß in der aller­nächsten Zeit zur Aufstellung des internatio- nalenSchiedsgerichtswerdegeschritten werden. Auf die Anfrage Apponyis über die verschiedenen Missionen in Bulgarien bemerkt der Minister noch, daß Oesterreich- Ungarn über dieselben unterrichtet worden sei und daß die russische Regierung mit Rücksicht auf das abgeschlossene Ucbcr- 1 cinkommen vollkommen logisch und korrekt vorgegangen sei.

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Legitimationskarte für Emil Keller aus Oberstem, 1 Quittungskarte Nr. 7 für den Tagelöhner Caspar Schäfer aus Wahlert, Kreis Schlüchtern.

Dom Wasenmeister am 18. d. Mts. eingefangen: 1 geschorener schwarzer Pinscher m. Geschl.; am 19. d. Mts.

1 schwarzer Bastard mit weißen Abzeichen w. Geschl.

Hanau den 21. Mai 1900.

Die auswärtigen Fragen in der ungarischen Delegation

Pest, 19. Mai. (Ungarische Delegation.) Im Auswärtigen Ausschuß erklärt Referent Dr. Falk, er wünsche nur das wichtigste Ereigniß in der Zeitperiode seit der letzten Tagung der Delegation, nämlich dieBerlinerEntrevue hervorzuheben, weil diese einen eklatanten Triumph jener Politik bedeute, welche die ungarische Delegation seit zwanzig Jahren wärmstens unterstützt und zuletzt geradezu begeistert gefeiert habe. Die ungarische Delegation könne nicht umhin, ihrer Freude Ausdruck zu geben, daß die innige Liebe und Verehrung, welche die ganze Nation für die Person des Monarchen hege, außerhalb des Landes ein so erfreuliches Echo gefunden habe. Redner erwähnt sodann die Nachricht, daß außer dem Dreibunde noch ein separates Abkommen zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien bezüglich Albaniens bestehen soll, und ersucht den Minister des Aeußern, falls dieser die Erörterung nicht für inopportun halte, darüber Aufklärung zu ertheilen. - Nach alledem, schließt Redner, verstehe cs sich von selbst, daß er, wie in so vielen vorangegangenen, auch in diesem Jahre, ja in diesem Jahre mit noch viel größerer Berechtigung beantrage, dem Leiter der auswärtigen Ange­legenheiten für diese, von so glänzenden Erfolgen ge­krönte Politik das vollste Vertrauen und wärmste Anerkennung zu votiren und das Budget des Ministeriums des Äußern anzunehmen. (Lebhafte Zustimmung.) Delegirter Georg Gyurkovics erörtert das Verhält- niß Bulgariens zu Rußland und sagt, obwohl das Ausmaß der russischen Unterstützung so auffallend sei, daß diese vielfach als beginnendes Protektorat bezeichnet werde, so wolle er doch nicht annehmen, daß die russisch­bulgarischen Beziehungen im Widerspruch mit dem Ueberein­kommen vom April 1897 ständen. Delegirter Berze- wicztz spricht überdieHaagerFr^edenskonfcrenz, fragt, weshalb das internationale Schiedsgericht noch nicht ins Leben getreten sei, und erwähnt die aufgetauchte Vermuthung, daß die Pcrfektionirung der Beschlüsse angeblich^ hintertrieben sein, weil dies den Versuch eines ver-^

Auf eine"'Bemerkung des Delegirten Geza Pap, daß ungarische Unterthanen sich wiederholt um Rechtshülfe an die Konsuln Deutschlands gewendet hätten, erwidert Sektionschef Graf Szecsen, daß dies nur der Fall sein könne, wenn kein Vertreter Oesterreich-Ungarns in dem betreffenden Orie anwesend gewesen sei. Es geschehe ebenfalls, daß deutsche Staatsangehörige in Ermangelung eines Vertreters ihres Landes sich an die österreichisch-unga­rischen Vertreter wenden; eS beruhe dies auf einem Ueber- cinkommcn zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn. Nach­dem der Präsident festgestcllt hat, daß der Antrag des Refe­renten seinem vollen Umfange nach angenommen sei, wird dem Minister des Aeußern für die Leitung der auswärtigen An­gelegenheiten wärmste Anerkennung und zugleich vollstes Ver­trauen ausgesprochen. Das von dem Minister vorgelegte Budget wird hierauf als Grundlage für die Spezialberathung angenommen und die Sitzung sodann geschlossen.

Deutschland auf der Pariser Welt­ausstellung.

In der nichts weniger als deutschfreundlichen „Daily Mail" veröffentlicht ein gleichgesinnter Journalist folgenden uns ehrenden Herzensschrei: „Die Deutschen sind nach ihrer Gewohnheit wieder allen andern voraus. In der That, ich möchte die große Rolle, die sie auf dieser Aus­stellung spielen, als das vielsagendste Zeichen der Zeit hin­stellen. Der Kaiser erntet endlich einige Früchte seiner Ver­söhnungs-Politik gegen Frankreich. Man muß es hier ein- gestehen, daß er bei all seinen Ideen, die uns so oft über­raschen und entrüsten, in diesem Falle mit Ausdauer und Erfolg seinen Zweck erreicht hat, mit dem Erfolg, daß die Deutschen die zahlreichste Besucherschaar bilden und die deutschen Erzeugnisse mehr ins Auge fallen, als die irgend einer andern Nation. Ich will ein vielsagendes Beispiel an­führen. In der Schifffahrts-Abtheilung sollte Jedermann England am stärksten vertreten erwarten. Doch jeder Be­sucher könnte die Ueberzeugung davontragen, daß die wirk­lich große Seefahrer-Nation der Welt Deutsch­land ist. Zwei Gebäude stehen nebeneinander, das eine groß, schön, imposant, das andere klein, niedrig, halb ver­steckt. Das erste gehört den Deutschen, das andere rcpräsen- tirt die Schifffahrt Englands, der Herrin der See ... . Andere Abtheilungen gewähren dasselbe Bild. Unter den Maschinen hebt der große Krahn aus Berlin englische Güter. Deutsche Dynamo-Maschinen erzeugen zwei Drittel der elek­trischen Beleuchtung der Ausstellung. Wer gut essen will, i geht am besten in das geräumige deutsche Restaurant in der : Rue des Nations. Und hier erlebte ich eins der merk-

Feuilleton.

Die Pariser Weltausstellung.

V.

Italien auf der Pariser Weltausstellung.

Ein heiteres Volk bleiben sie, diese Italiener, ein beweg­liches Volk, das sich für den Fortschritt begeistert und gleich­zeitig mit ganz erstaunlicher Zähigkeit am Alten festhält! Verständlicher und verständiger Weise, denn nichts ist dem italienischen Volksgeiste fremder und unvereinbarer, als jene neuerstandcne Formenwelt, die sich als „neuer" Stil bei den germanischen Völkern eingebürgert hat. Deshalb haben denn auch die Italiener klug gehandelt, indem sie nicht versuchten, an der Völkerstraße ein Gebäude neuen Stils zu errichten. Ihr Bau ist vielmehr eine geschickte Verschmelzung der Formen verschiedener altbekannten italienischen Gebäude ein Stück Dogen-Palast, ein Stück Markuskirche, etwas vom großen Mailänder Hospital, von Modencnser Bauten kurz, ein Stück italienische Architektur alten Stils, das von einem vor­züglich geschulten Geschmack aus verschieden _ vorhandenen Elementen zu einheitlicher Wirkung zusammengefaßt ist.

Von außen goldene Kuppeln, durchbrochene Marmor- skulpturen, gewundene Säulen, Statuen und Statuetten, eine wohlthuende Mischung von röthlichen und . gelblich-weißen Farbentönen, innen schimmernder Goldglanz in den Kuppel­wölbungen, weite Wandslächen in Goldgrund non^ dunkel- grünen Eichenlaub-Ornamenten, halb modern, halb spätgothisch durchzogen. Ringsum eine Gallerie mit Nischen und Loggien, deren Wandflächen mit Stoffen in Gobelin-Imitationen be­hangen sind, Bogenwölbungen, Ueberschneidungen und^ inter­essante Perspektiven, wohin man sich wendet; jeder Säulen- träger zeigt die Nachahmung einer andern und wieder einer

andern Art von Gestein, roth, gelb, grün, bläulich und was man sich sonst noch an verschiedener Marmorirung vor­stellen kann.

Wohlthuend berührt vor allem im Gesammt-Aufbau die Art, wie Farben-Anordnung und Charakter des Materials von unten nach oben, vom Schweren zum Leichten aufsteigcn und wie dabei jene Eintönigkeit vermieden ist, da man es verstanden hat, überall angenehme Unterbrechungen einzufügen. Sehr geschickt sind auch zumeist die Hintergrund-Farben für die verschiedenen Ausstellungsgruppen gewählt. Und was es zu sehen gibt? Nun natürlich alles das, was man in Italien zu sehen gewöhnt ist — manches auch, was der gewöhnliche Jtalieureisende gerade in Italien nicht zu beachten pflegt. So z. B. allerlei Eisenwerkzeuge, denen auch das Laienauge anmerkt, wie stark gerade in Italien noch die Ueberlieferung des Handwerks ist, wie sehr noch der Arbeiter im innern Herzen spürt, „was er erschafft mit seiner Hand." Dann sicht man alle Getreidearten und vielerlei Pflanzen, die auf italienischem Boden gedeihen; ferner sind die Zeichenschulen der verschiedenen italienischen Kunstzentren mit Schüler­arbeiten vertreten, vor allem aber ist das Gebäude angefüllt, mit allen jenen kunstgewerblichen Erzeugnissen, die seit Jahr­hunderten als speziell italienisch der gesummten Kulturwelt bekannt sind: die Holzskulpturen der Venetianer, die Floren- I tiner, die Mosaiken, die Glaswaaren, die Intarsien, Terra­kotten, Marmorskulpturen, Stickereien, Spitzen, Bronzen, Majoliken, Porzellan, Schildpatt, Korallen, Korbflechterei, Strohflechterei und was es sonst noch gibt.

Man kann nicht sagen, daß viel Neues und Ueber- raschendes geboten würde, denn durchweg sind die Sachen, wenn auch technisch hoch vollendet, doch ihrem Gedankeninhalt ; nach nicht neu, und die Welt von heute will nun einmal das Neue, so daß pessimistisch veranlagte Menschen den I Italienern, die auf der Ausstellung so außerordentlich stark

vertreten sind, einen nur geringen Erfolg ihrer gewaltigen Anstrengungen voraussagen dürften. Indessen handelt es sich hier nur um eine vorübergehende Modelaune, und die italienischen Prachtarbcitcn werden niemals aufhören, sich ihres altbewährten Schönhcitsrcizes und seiner Erfolge über­all da zu erfreuen, wo es darauf an kommt, große Pracht und Eleganz zu entfalten. Schon zeigen viele jener alt­bekannten italienischen Glaskronen durch beständiges Auf­flackern und Blitzen auch am helllichten Tage, daß sic es verstanden haben, sich den Bedingungen der modernen Be­leuchtungstechnik anzupassen, und daß cs den Italienern von heute durchaus nicht an Erfindungskunst fehlt und an der Befähigung, sich eigene charakterfeste Bahnen zu brechen, er­kennt man u. a. an einer neuen Art leichter Ziermöbel, die sie einzuführen versuchen. Es handelt sich um leichte Holz­gestelle, die mit Pergament (Trommelleder) bespannt werden. Graziöse Ornamente im japanischen oder maurischen Charakter sind in das Leder eingebrannt und geben den Möbelstücken ein gefälliges Äussehcn, das namentlich da willkommmen sein wird, wo cs sich darum handelt, den Wohnräumen einen sommerlich kühlen Anstrich zu geben.

Das Lob, seine Eigenart unentwegt festzuhaltcn, verdient Italien in hohem Grade. Da und dort darf man wohl von Auswüchsen dieses Festhaltens an der Eigenart reden. So z. B. ist alles das, was mit der kirchlichen Kunst der Neu­zeit in Verbindung steht, von so zweifelhafter „Zuckerbäcker- manie" befallen, daß man nicht versteht, warum nicht die katholische Kirche darauf Bedacht nimmt, sich auf diesem Ge­biete den Zusammenhang mit der lebenden Gegenwartskunst zu sichern; ihre Macht über die Gemüther würde sich dadurch wesentlich erhöhen. Ein Mann im schwarzen Priestergewande mit dem bekannten breitrandigen Filzhute steht vor diesen Arbeiten, die ihn interejsircn, die italienischen Arbeiter, die hier in dieser entlegenen Ecke noch sehr geschäftig sind, er-