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Nr. 110.

Freitag den N. Mai

1900

Amtliches.

SlcrHMr^eis S^anau.

Die Influenza (Brustseuche) unter den Pferden des Drauereibesitzers O r s ch I e r ist wieder erloschen.

Hanau den 11. Mai 1900.

Königliche Polizei-Direktion.

P 3871 I. V.: Valentiner, Reg.-Asfessor.

^artö^ret^ ^mtoxu

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Gcmeindekassen zur alsbaldigen Ablieferung der bis zum 30. April d. J. für dieKrciskommunalkasse vereinnahmtenZwangsvollstreckungs­gebühren zu veranlassen.

Hanau den 9. Mai 1900.

Der Königliche Landrath.

A 2034 v. Schenck.

SlâHM^eis ^anait.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmach»««.

Die zu den Erweiterungsbauten des hiesigen Schlachthofes erforderlichen:

1. Erd- und Maurerarbeiten,

2. Steinmetzarbeiten,

3. Lieferung schmiedeeiserner Träger,

4. Zimmerarbeiten,

5. Dachdeckerarbeiten,

6. Spenglerarbeiten,

7. Schreinerarbeiten,

8. Schlosserarbeiten,

9. Glaserarbeiten,

10. Weißbinderarbeiten

sollen in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden.

Pläne, Arbeitsauszüge und Bedingungen liegen von heute an bei der unterzeichneten Amtsstelle — Rathhaus, Zimmer 24 — werktäglich während der Sprechstunden von 10—1202 Uhr morgens für Interessenten zur Einsicht aus, daselbst sind auch die Arbeitsauszüge gegen Entrichtung der Schreibgebühren erhältlich.

Verschlossene, mit entsprechender Aufschrift versehene An­gebote sind längstens bis zum Eröffnungstermin Dienstag den 15. d. Mts., vormittags 11 Uhr, im Zimmer Nr. 23 des Rathhauses einzureichen, woselbst um

Feuilleton«.

Sonnenschein als billigste und beste Desinfektion.

Bo« Dr. med. H. Hövler.

(Nachdruck verboten.)

Die Luft, die wir einathmen, die unser Lebenselement ist, verdankt dem Lichte den alles belebenden Sauerstoff, der unter seiner Einwirkung von den grünen Pflanzentheilen ausge­schieden wird.Das Licht ist es, das, wenn auch in der unmittel­baren Beeinflussung des thierischen und pflanzlichen Lebens weniger kenntlich, dennoch eine große hygienische Rolle spielt, weil es der Erreger vieler chemischen Prozesse, ja des Lebens selber ist.

Unter dem Einflüsse des Sonnenlichtes, des Sonnen­scheines wird der Sauerstoff der Luft zum Theil gebildet, zum Theil verbessert, ozonisirt. Unter der Wirkung des Sonnenscheines entwickeln sich die Pflanzen der höchsten Gattungen, während sich bei Lichtmangel, beim Mangel der direkten Sonnenstrahlen nur die Anfänge des Pflanzenlebens entwickeln.

Die einzige Wärmequelle, also auch einzige Lebensquelle für unsere Erde ist die Sonne. Ihren Strahlen verdanken wir unser Dasein, unser Leben. Würde die Sonne plötzlich auf­hören zu strahlen, dann wäre es aus mit der Erde. Doch das ist Alles hinreichend bekannt. Weniger bekannt ist, daß die Sonnenstrahlen eine desinsizirende Kraft haben. Die Sonnenstrahlen zerstören die schädlichen Miasmen in der Natur, indem sie dieselben höher oxidiren, das heißt in einer besonderen Art zersetzen, verbrennen und so zu anderen unschädlichen Körpern machen.

obengenannte Zeit die Eröffnung der Angebote im Beisein etwa erschienener Bieter erfolgt.

Hanau den 7. Mai 1900.

Stadtbauamt I.

Thyriot. 7625

Gesuydene und verlorene Gegenstände etc.

Verloren: 2 Stück schwarzes Sammetband.

Hanau den 10. Mai 1900.

Nachklänge.

Fast die gedämmte europäische Presse ist einig darin, nicht nur, daß die Berliner Festtage äußerlich glänzend verlaufen sind, sondern auch, daß ihnen weit über den Rahmen eines Familienfestes hinaus die Bedeutung eines internationalen Friedensfestcs zukommt, das sich unter der machtvollen Aegide unseres Kaisers und unter Betheiligung von Vertretern aller Herrscherhäuser Europas und großer Kulturstaaten vollzog. Insbesondere wird ziemlich allgemein anerkannt, daß der spontane Entschlnß des Kaisers und Königs Franz Joseph, nach Berlin zu gehen, zu einer deutlichen Bekräftigung des ungeschmächten Fortbestehens des mitteleuropäischen Bündnisses als eines der wichtigsten Faktoren für den europäischen Frieden geführt hat' Die französischen Versuche, Mißtrauen bei den Verbündeten des deutschen Reiches zu erregen, sind vorläufig verstummt.

Natürlich fehlt es auch nicht an schiefen Urtheilen. So hatte sich ein Berliner Lokalblatt, das gern Sensation erregt, von einem österreichischen „Staatsmann" allerlei ungereimte Dinge erzählen lassen: Italien sei bisher durch den Drei­bund gehindert gewesen, die Freundschaft mit England zu pflegen, das werde nun anders werden. Das bekannte Wort Bismarcks von den geringen eigenen politischen Interessen des Reiches an den Vorgängen im nahen Orient gelte nicht mehr, wir trieben dort längst schon eine aktive Politik u. dgl. Kein großes Blatt hat diese Erzählungen ernst genommen und mit Recht. Gerade die Berliner Festtage haben wieder Gelegenheit geboten, zu betonen, daß der Dreibund keines seiner Mitglieder hindere, gute Beziehungen zu andern Mächten zu pflegen. Wie Deutschland sich gut zu dem russischen Nach­bar zu stellen wichte und frühere Trübungen der traditionellen deutsch-russischen Freundschaft geschwunden sind, so ist es bis­her Italien unbenommen gewesen und wird es bleiben, sich den Beistand Englands bei Wahrnehmung seiner Mittelmeer- Interessen zu sichern. Ebenso ist unsere Stellung zu den Orientfragen dieselbe geblieben wie früher. Haben sich auch die wirthschaftlichen Beziehungen (anatolische Bahnen, Bagdad- Bahn) bedeutend gehoben, so verfolgen wir eben nach wie

I Was wären Bäche, Flüsse und selbst Seen ohne die direkte Einwirkung der Sonnenstrahlen? Sie würden ohne dieselbe längst Stätte des Grauens sein, denn die Sonnenstrahlen sind es in erster Linie, welche die den Wässern zugeführten schädlichen Stoffe, wie es namentlich bei großen Städten ge­schieht, zersetzen, desinfiziren. Jede kluge Hausfrau weiß, daß Kleidungsstücke und Bettzeuge im direkten Sonnenlicht besser auslüften als im Zimmer oder im Schatten.

Analog wirken auch die Sonnenstrahlen auf den Men­schen, auf dessen Wohlbefinden, ja selbst auf dessen Blut­bildung. In dieser Hinsicht geht es dem Menschen genau wie der Pflanze. Bleich ist der Mensch, welcher in der Dunkelheit lebt, selbst wenn er in seiner Dunkelheit die reinste Luft hätte. Der Aufenthalt in dunklen Räumen macht den Menschen apathisch, träge, bleichsüchtig, skrophulös, weil sich in seinem Blute Miasmen bilden, die nur das Licht, der Sonnenschein, zerstören kann.

Es ist bekannt, von welch' großem Einflüsse das Licht und der Sonnenschein auf die Gemüthsstimmung und das Nervenleben des Menschen sind. Lichte, sonnige Tage wirken auf uns erheiternd und anregend. Nichts isi gesunder und belebender als ein Sonnenbad, das heißt, sich von den Son­nenstrahlen treffen und erwärmen lassen. Natürlich kann auch hier des Guten zuviel geschehen. In sehr heißen Tagen wür­den die Strahlen auf die Dauer nicht mehr desinfiziren son­dern geradezu versengen. Die nöthige Vorsicht ergibt das Gefühl von selbst. Es ist eine feststehende Thatsache, daß Sonnenstrahlen die besten und billigsten Desinfektionsmittel sind. Im Sonnenschern entwickeln sich keine Miasmen, keine Bazillen, die entstehen nur in der Dunkelheit, das Sonnen­licht würde ihre Bildung nicht dulden.

Ein schwacher, ein genesender Mensch wird sich leicht! schneller stärken und erholen, wenn er sich oft, womöglich! täglich von der Sonne bescheinen läßt. Diese Heilwirkung'

vor nur wirthschaftliche Interessen ohne politische Aspirationen, die den Knochen des pommcrschen Grenadiers gefährlich werden könnten.

Weder in diesen noch in irgend welchen andern Be­ziehungen haben die Unterredungen unseres Kaisers mit seinen hervorragendsten Gästen, die längere Audienz des Grafen von Bülow beim Kaiser Franz Joseph im Königlichen Schlosse und sein Gedanken-Austausch mit dem österreichisch ungarischen Minister des Auswärtigen, Neuerungen für das Vertrags- Verhältniß oder für die sonstige Stellung des Reiches nach außen ergeben. Dazu lag und liegt kein Anlaß vor, und cs mag uns vollständig genügen, daß sich die kaiserliche Politik, gestützt auf den Dreibund und die Freundschaft mit Rußland, wieder weithin sichtbar als Friedenshort bewährt hat.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 10. M a i.)

Vorlage betr. die militärische Strafrechtspflege in Kiautschou. Es sollen daselbst für das Militär die in der neuen Militâr- strafgcrichtsordnung für das Verhältniß an Bord gegebener Vorschriften Anwendung finden. — Abg. Bassermann (nl.) meint, in der 2. Lesung werde zu prüfen sein, ob nicht eine Begrenzung der Dauer dieses Gesetzes in dasselbe aufzunehmen sei, vielleicht auf fünf Jahre. — Staatssekretär des Rcichs- marineamts Vizeadmiral Tirpitz erwidert, für die Mann­schaften an Bord sei doch dieses Verhältniß auch ein dauerndes, weshalb solle nicht ebenso auch die Regelung für das Kiant- schougebiet ein dauerndes sein? — Abg. Eickhoff (fr. Vp.) ist mit dem Vorschlag des Abg. Bassermann einverstanden. — Abg. Rickert (fr. Vp.) äußert sich in dem gleichen Sinne, wie der Vorredner. — Vizeadmiral Tirpitz bemerkt, er glaube nicht, daß die Verhältnisse dort nach fünf Jahren Andere sein würden. Abg. Kirsch (Ctr.) kann die Noth­wendigkeit einer Fristbestimmung nicht Ansehen; erforderlichen Falls könne ja nach fünf Jahren das Gesetz geändert wer­den. Seine Freunde würden aber den Antrag Bassermann abwarten. Damit endet die Debatte. — Die 2. Lesung wird für heute von der Tagesordnung abgcsctzt. — Die Be­rathung des Gewerbe-Unfalloersicherungsgesctzes wird fortge­setzt bei § 79a. Hier wird ein sozialdemokratischer Antrag, wonach die bei Erlaß von Unfallvcrhütungsvorschriften mit- wirkenden Arbeitervertreter in geheimer, direkter und gleicher Wahl von allen beteiligten Arbeitern gewählt werden sollen, abgelehnt. — Dem § 81 will ein sozialdemokratischer Antrag den Zusatz geben, daß Polizeibehörden, Gewerbe- und Berg­aufsichtsbeamte, auch Hafcninspektoren gegen Unternehmer, welche eine Unfallverhütungsvorschrift der Genossenschaften nicht befolgt haben, Geldstrafen bis 150 Mk. oder Haft bis sechs der Sonne hat man sehr oft und deutlich in Krankenhäusern beobachtet. Es liegen sehr viele und schlagende Beweise vor, daß Genesende durch direktes Sonnenlicht rasch gekräf­tigt wurden, während Patienten in nach Norden gelegenen, dunklen Zimmern länger auf volle Genesung warten mußten.

Daß das Sonnenlicht den Stoffwechsel beschleunigt, also die Zersetzung und Verbrennung befördert, geht auch aus dem Umstande hervor, daß die Menge der ausgehauchten Kohlen­säure mit dem Vorhandensein des Lichtes, des Sonnen­scheines, wächst, und daß sie ihre niedrigste Grenze in völliger Dunkelheit erreicht.

So gelingt auch ferner die Mästung im Dunkeln leichter, weil mehr Fett darin gespart wird. Freilich ist solche Mästung im Dunkeln keineswegs gesund, sie ist vielmehr krankhafter Natur. Wie viele Menschen greifen in Krankheitsfällen zu allerhand Desinfektionsmitteln und verschmähen das beste und billigste, den Sonnenschein.

Gewiß, nicht immer hat man Sonnenschein und nicht in allen Fällen ist er in Anwendung zu bringen. Hat man bei­spielsweise einen ansteckenden Gegenstand berühren müssen, so ist Waschen der Hände mit Essig, Branntwein oder Ehlorwasser das sicherste Mittel, um das Ansteckungsgift zu zerstören; aber selbst wenn das nicht geschähe, würde einem in Licht und Sonne gekräftigten Körper das Gift nichts schaden, denn in einem solchen Organismus fließt gesundes Blut, das wie der Sonnen­schein jeden Bazillus vernichtet.

Wie viele Menschen räuchern ihre Wohnungen bei Epi­demien oder in Krankheitsfällen mit Ehlorgas aus, statt Luft und Sonnenlicht in dasselbe eindringen zu lassen. Sonnen­licht und frische Luft schaden niemals, dagegen ist das Einathmcn von Chlorgas der menschlichen Lunge höchst gefährlich und schädlich.

Unbestreitbar besteht das Hauptschutzmittel gegen an­steckende Krankheiten darin, gesunde und helle Wohnungen