Die einzelne
Nummer kostet
19 -A
«L 104.
Abonnements- Preis :
Jährlich 9 *. Halbjährl. 4 ^ä 50 ^J.
Vierteljährlich
2 M 25 4.
Für auswärtige Abonnenten mit dem betressenden Postausschlag.
EinrückungS- gebühr
für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Jj die ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.
Amtliches Organ für Htâöt- und Lanökreis Ranau. .
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Frcllllfl okn 4. Mai
1900
Streikklausel
Der Uebermuth der Sozialdemokratie vermag nicht anders gedämpft, ihr unheilvoller Einfluß nicht anders gehemmt zu werben, als wenn sich die Arbeitgeber der verschiedenen Erwerbszweige zu thatkräftiger gemeinsamer Abwehr zusammenschließen. Alle Maßnahmen, die solcher Abwehr dienen, entsprechen zugleich dem Interesse der bestehenden Staats- ünd Gesellschafts-Ordnung, deren Todfeindin die Sozialdemokratie ist. Unter diesem Gesichtspunkte muß auch die sogenannte Streikklausel, zu deren Einführung sich neuerdings einzelne Arbeitgeber-Verbände entschlossen haben, gewerthet werden.
Mit der Streikklausel hat es die folgende Bewandtniß. In den Bauverträgen oder Verträgen über sonstige von Unternehmern fertigzustellende Arbeiten wird gewöhnlich für die Fertigstellung ein bestimmter Termin festgesetzt; für jeden Tag, um welchen diese Frist überschritten ivird, ist eine Konoentional- Strafe zu zahlen. Diese Verpflichtung der Unternehmer nun wird häufig zur Jnscenirung von Streiks benutzt. Die Arbeiter werden verleitet, die Zwangslage der Arbeitgeber zu mißbrauchen, um durch plötzliche Arbeits-Einstellung gänzlich unbillige Forderungen durchzusctzen. Um nun diesen fortdauernden Anreiz zu unberechtigten Streiks zu beseitigen und sich vor Schädigungen zu bewahren, stellen einzelne Arbeit- geber-Verbände an ihre Mitglieder die Forderung, nur solche Verträge einzugehen, welche die Bestimmung enthalten, daß bei Ausbruch eines Streiks die Lieferungsfrist um die Dauer des Streits verlängert werde. Das ist die Streikklausel.
Man wird bei vorurtheilsfreier Prüfung zugeben müssen, daß hier ein einfacher Akt der Nothwehr vorliegt. Die Arbeiter werden sehr häufig nur durch das Fehlen der Streikklausel zu Ausständen veranlaßt und erhalten während der Dauer derselben aus den Streikkassen Ersatz für den Ausfall an Löhnen. Der Arbeitgeber aber hat während der über ihn verhängten Sperre nicht nur keinen Verdienst, sondern soll obendrein auch noch die von ihm unverschuldeten Konoentional- Strafen zahlen. Das kann doch kein rechtlich denkender Mensch billigen. Den Parteien werden diwch eine Verlängerung der Lieferungszeit um die Dauer des Ausstandes höchstens gleiche Waffen in die Hand gegeben; von einseitiger Förderung der Arbeitgeber-Interessen kann daher bei einer Anerkennung der Streikklausel keine Rede sein.
Die Einführung der Streikklausel ist so wenig eine Partei- Maßnahme, daß sie sich vielmehr auch für die Arbeiterschaft nutzbringend erweisen wird. Die meisten Streiks haben seit lange bereits den Charakter von Lohnkämpfen im Sinne der Paragraphen 152 und 153 der Gewerbe-Ordnung verloren und sind vielmehr in der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Fälle nur das Erzeugniß von Hetzarbeit. Der gewissen- lose Hetzer weiß ganz genau, daß der Arbeitgeber, um sich
Feuilleton.
Die TorPedobootsdivisim auf dem Rhein.
Anläßlich der von einer Torpedodivision auf Befehl des Kaisers unternommenen Rheinfahrt wird geschrieben: Kaum 20 Jahre find verstrichen seit der Schaffung der Torpedoflotte, um deren Entstehung der damalige Chef der Admiralität, General v. Caprivi, sich große Verdienste erworben hat, deren Organisation und höchste Leistungsfähigkeit aber das Werk unseres jetzigen Staatssekretär des Reichsmarineamts,' Vizeadmiral Tirpitz ist; welche gewaltige Rolle hat die Torpedo- waffe, obwohl sie eigentlich nie so recht Gelegenheit gefunden, sich im Seekriege zu bethätigen, dennoch in der Entwickelung der Kriegsflotte gespielt! Sie hat eine ganz ungeheure Industrie, die in Deutschland durch Schichau zur höchsten Spezialität ausgebildet worden ist, geschaffen und die gewaltigsten Umwälzungen in der Scetaktik hervorgerufen, und doch darf man sie nur als eine sekundäre, als eine Gelegenheitswaffe betrachten. Auch die Rheindivission ist auf der Schichauwerft vor etwa 15 Jahren entstanden. Die Torpedos, die unsere Marine verwendet, sind zwar nach dem Whiteheadschen Prinzip konstruirt, werden aber von unserer eigenen Torpedofabrik gebaut und weichen in ihren Einzelheiten erheblich von denen anderer Marinen ab. Wenngleich die Konstruktionsprinzipien der Fischtorpedos allgemein bekannt sind, so wird die Waffe doch immerhin als sekret betrachtet und wir dürfen den Rheinländern daher auch nicht mehr verrathen, als daß ein Torpedo aus Phosphorbronze gebaut ist, vorn in dem sogenannten Kopfe eine Sprengladung aus Schießwolle von 60—120 Kilogramm trägt, eine Luftkammer 80—90 Atmosphären Druck zum Betriebe der kleinen dreigliedrigen Maschine hat, welche die beiden zweiflügeligen Propeller treibt, und in
nicht großen pekuniären Verlusten durch Zahlung von Kon- ventional-Strafen auszusetzen, bei vorkommenden Ausständen genöthigt ist, selbst ungerechtfertigte Forderungen vorübergehend zu bewilligen, und darauf hin wird der Streik mit Erfolg ins Werk gefetzt. Bei den Arbeitern wird aber damit die Meinung erweckt, daß die für kurze Zeit künstlich zu ihren Gunsten veränderten Lohn- und Arbeits-Bedingungen solche seien, die immer gehalten werden müßten und könnten, und stellt sich dies dann bald mit unausweichlicher Nothwendigkeit als irrig heraus, so ist ein neuer Quell der Unzufriedenheit und des Mißmuthcs erschlossen. Das liegt aber gewiß nicht im Interesse der Arbeiter, und so wird die Streikklausel, indem sie derartigen Täuschungen und Irrthümern vorbeugt, zwar dem Einflüsse sozialdemokratischer Hetzer entgegenstehen, im klebrigen jedoch durchaus arbeiterfreundlich wirken.
Tagesschau.
Kommentare über die Reise Kaiser Franz Josefs.
Nahezu sämmtliche Wiener Blätter knüpfen an die Reise Kaiser Franz Josefs nach Berlin Kommentare voll sympathischer Zustimmung und geben dem Dank für die großartigen Empfangsvorkehrungen in Berlin Ausdruck. Das „Fremdenblatt" betont, daß der Bundesgedanke nicht nur beim Deutschen Kaiser und den deutschen Fürsten, sondern auch beim Volke ungeschwächt fortlebe. Auch der Kronprinz von Italien, schreibt das Blatt, werde sich unter den fürstlichen Besuchern befinden; so ergebe sich von selbst eine Manifestation des Zusammenstehens der drei Dynastien, und in dem sich das Volk dieser Manifestation anschließe, verstärke sich ihre Kraft. — Das „Neue Wiener Tageblatt" schreibt: „In Berlin wehen fchwarzgelbc Fahnen. Die Hohenzollern- I stadt hat ihr Festkleid angethan, um den Habsburger Fürsten zu empfangen, und aus den Spalten der reichsdeutschen Presse tönt eine Innigkeit, wärmer und eindringlicher als sie die bloße Politik äußern könnte. Bei uns zu Lande empfindet man das dankbar nach".
General der Infanterie von Kummer f.
Wie ein Telegramm aus Hannover berichtet, ist dort der General der Infanterie von Kummer im Alter von 84 Jahren gestorben. Mit ihm ist einer der bekanntesten und verdientesten Feldherren aus den Jahren 1870/71 aus dem Leben geschieden; die von ihm damals geführte 3. Reserve- division, die „Division Kummer", hat sich ja einen besonders ehrenvollen Platz in der Geschichte des großen Feldzuges errungen. Ferdinand von Kummer war 1834 in die preußische Armee eingetreten und avancirte schnell. 1866 nahm er als Kommandeur der 25. Infanterie-Brigade am Mainfeldzuge hervorragenden Antheil und erhielt ben Drben pour le mérite.
seinem cylindrischen Theile eine höchst sinnreiche Vorrichtung' lampe. Die Heizung erfolgt durch eine Centraldampfleitung enthält, die auf dem Grundsätze des hydrostatischen Druckes durch alle Räume. Seine Steuerung erfolgt mittelst eines
beruht und bewirkt, daß der Torpedo während seiner Fahrt durchs Wasser eine ganz bestimmte und beabsichtigte Tauchtiefe, sagen wir 1,5 bis 2 Meter unter der Oberfläche, wo nämlich der Panzerschutz der Schlachtschiffe aushört, innehält. Die Geschwindigkeit, mit welcher die neuesten Torpedos durchs Wasser laufen, beträgt 30 Knoten und die Waffe ist im Laufe der Zeit so ausgebildet und vervollkommnet, daß man allgemein eine Treffsicherheit auf 500 Meter annimmt. Die Wirkung des Torpedoschusses ist an alten Fahrzeugen zur Genüge erprobt und man weiß, daß die Explosion eines Torpedos an der Schiffswand eines noch so starken Schlachtschiffes dieses in seinen Konstruklionstheilen derartig erschüttert, daß es auf seine eigene Rettung Bedacht nehmen muß. Die Kosten eines Torpedos belaufen sich auf 8—10000 Mark. Vorn auf dem Boot erhebt sich die über die 'ganze Schiffsbreite reichende Kommandobrücke, unter der sich das kleine Kartenhäuschen und an der Steuerbordseite (rechts) die Küche für Offiziere und Mannschaften befindet. Die Wshnräume sind natürlich, bei der Kleinheit des Fahrzeuges, dessen größter Raum durch die Maschinen und Kessclanlagen in Anspruch genommen
wird, äußerst beschränkt; aber unsere Seeleute wissen es sich überall behaglich zu machen und sich unter den schwierigsten Verhältnissen einen gewissen Komfort zu verschaffen. Während
die Mannschaften ihren Wohnraum vorn unter dem sogen. ■ rüfhmg besteht in zwei schwenkbaren Breitseitlanzirrohren Walfischdeck haben, sind die Unteroffiziere getrennt von ihnen auf dem Hinteren Deck und einem über Wasser münbenben in einem kleinen Raum im Hinteren Schiff untergebracht. Bugrohr für 35 Centimeter-Fischtorpedo. Noch beschränkter Hinter der Maschine, durch einen Thurmeingang zugänglich, als auf dem v-Boote sind hier die Räumlichkeiten. Der liegt die gemeinschaftliche, kleine, aber Helle Messe für die Kommandant hat im mittleren Schiff einen leidlich großen Offiziere; zu beiden Seiten deren Kammern, von dem Meß- Raum; der erste und leitende Maschinist muß sich schon mit raum durch Schiebethüren getrennt. Der Kommandant hat einem kleineren behelfen, während die Mannschaften im einen winzig kleinen Naum für sich. Tas Divisionsboot ist vorderen Torpedoraum unter dem Walfischdcck logiren, welcher elektrisch beleuchtet und führt sogar als Topplicht eine Glüh- von dem vorderen Kommandothurm, der auch gleichzeitig
1870 erhielt er das Kommando der genannten Division, die zu einem großen Theile aus Landwehrtruppen zusammengesetzt war, und an der Belagerung von Bèctz theilnahm. Hier erwarb sich die Division unter Kummers umsichtiger Führung in dem harten Kampfe bei Noisscvillc unvergänglichen Ruhm. Im ziveiten Theile des Feldzuges wurde Kummer zum Kommandeur der L5. Infanterie-Division ernannt und focht mit dieser in allen großen Schlachten im Norden von Amiens, an der Halluc, bei Bapaume und bei St. Quentin, mit großer Auszeichnung. Nach dem Kriege wurde er Divisions- Kommandeur in Köln, 1875 zum General der Infanterie ernannt unb 1877 zur Disposition gestellt.
Das Fletfchbeschaugcsctz.
Das Kompromiß wegen des Fleischeinfuhrverbots wird jetzt veröffentlicht. Danach soll der streitige Paragraph 14a wie folgt gefaßt werden:
Die Einfuhr von Fleisch in luftdicht verschlossenen Büchsen (Ober ähnlichen Gefäßen, von Würsten und sonstigen Gemengen aus zerkleinertem Fleische in das Zollinland ist verboten.
Im klebrigen gelten für die Einfuhr von Fleisch in das Zokinland bis zum 31. Dezember 1903 folgende Bedingungen :
1. frisches Fleisch darf in das Zollinland nur in ganzen Thierkörpern, die bei Rindvieh ausschließlich der Kälber und bei Schweinen in Hälften zerlegt sein können, eingeführt werden; mit den Thierkörpern müssen Brust und Bauchfell, Lunge, Herz, Nieren, bei Kühen auch Euter in natürlichein Zusammenhang verbunden sein; der Bundesrath ist ermächtigt, diese Vorschrift auf weitere Organe auszudehnen;
2. zubereitetes Fleisch darf nur eirgeführt werden, wenn nach der Art seiner Gewinnung und Zubereitung Gefahren für die menschliche Gesundheit erfahrungsgemäß ausgeschlossen sind ober die Unschädlichkeit für die menschliche Gesundheit in zuverlässiger Weise bei der Einfuhr sich feststellen läßt. Diese Feststellung ist unausführbar, insbesondere bei Sendungen von Pökelfleisch, sofern das Gewicht einzelner Stücke weniger als vier Kilogramm betrügt. Auf Schinken, Speck und Därme findet diese Vorschrift keine Anwendung. Fleisch, das zivaö einer Behandlung zum Zwecke seiner Haltbarmachung unterzogen worden ist, aber die Eigenschaft frischen Fleisches im Wesentlichen beibehalten hat ober durch entsprechende Behandlung wicdergcwinnen kann; ist als zubereitetes Fleisch nicht anzusehen, Fleisch solcher Art unterliegt den Bestimmungen in Ziffer 1.
Für die Zeit nach dem 31. Dezember 1903 sind die Bedingungen für die Einfuhr von Fleisch gesetzlich von Neuem zu regeln. Sollte eine Neuregelung bis zu dem bezeichneten Zeitpunkte nicht zu Stande kommeu, so bleiben die in Absatz 2 festgesetzten Einfuhrbedingungen bis aufWeitcrcs maßgebend.
durch alle Räume.
Seine Steuerung erfolgt mittelst eines
Dampfapparates unter der Kommandobrücke, von dieser aus mittelst eines Handrades. Das Divisionsboot führt zwei kleine Kutter als Rettungsboote und ein kleines Boot aus Stahlblech mit Luftkästen, ein sogen. Dingi, zu Verkehrs- zwecken. Für jeden Mann der Besatzung ist für Seegefahr eine Rettungsweste aus wasserdichtem Zeugstoff und mit Rennthierhaar gestopft, vorhanden. Die Rettungswesten sind an den eisernen Geländern an Deck aufgehängt und ohne weiteres von Jedermann zu erreichen. Die Bewaffnung der Unteroffiziere und Mannschaften besteht aus einem breiten Entermesser und einem Revolver, der in einer Ledertasche am Koppel getragen wird. Die 6 Torpedoboote sind unter sich völlig gleich und im Grunde genommen Divisionsboote in Miniature. Sie sind aus nur 5 Millimeter starkem, verzinkten Stahlblech gebaut und ihre Wasserverdrängung beträgt den etwa vierten Theil des D-Bootes, 85 Tonnen, bei voller Ausrüstung. Cie sind 36 Meter lang, 4,1 Bieter breit und gehen hinten, infolge der tiefliegenden Schraube,
1,8 Meter tief. Ihre Maschinen entwickeln 1000 Pferdekräfte und ihre Geschwindigkeit beträgt etwa 18 Knoten. Die Boote sind mit einem 5 Centimcter-Schncllladegeschütz armirt, das auf dem Hinteren Thurm auf einer Pivotlafette steht und nach allen Richtungen zu feuern vermag. Die Torpedoaus-