Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Abonnements- Preis :

Jährlich 9 X. Halbjährl. 4 ^ 50 ^J.

Vierteljährlich

2 M 25 ^.

Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenben Postaufschlag.

Die einzelne

Nummer kostet

10

Cinrückungs» gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die ägespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Rcklamcnthcil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

M. 103.

Amtliches Argan für Htsöt» unö LanöKrels Hannu.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Doimcrsmg Den 3. Mai

1900

Amtliches ^anö&rets ^anau. Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Unter dem Schweinebestand des Bürgermeisters Clauß in Ravolzhausen ist die Rothlaufseuche festgestellt und infolgedessen Gehöftssperre angeordnet worden.

Hanau den 3. Mai 1900.

Der Königliche Landrath.

V 4205 v. Sch enck.

SlcrHlâvsis ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Am Freitag den 4. Mai 1900, nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rath­hauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbe- gerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau den 2. Mai 1900.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.

vr. Bulle. ' 7369

Handelsregister.

Die unter Nr. 386 eingetragene Firma P h. Brenner soll von Amtswegen gelöscht werden. Die unbekannten Rechts­nachfolger des letzten Firmeninhabers haben einen etwaigen Widerspruch hiergegen spätestens bis zum 20. August 1900 geltend zu machen.

Hanau den 25. April 1900.

Königliches Amtsgerichts.^ , 7346

Handelskammer zu Hanau.

Die seit dem Jahre 1880 erschienenen Patentschriften über die von dem Kaiserlichen Patentamte zu Berlin in den sämmtlichen 89 Patentklagen ertheilten Patente können in dem Sekretariate der Handelskammer (Stadtschloß hierselbst) an Werktagen von 9st,"12l/s Uhr vormittags und von 35 Uhr nachmittags von Jedermann unentgeltlich eingesehen werden.

Um answärts wohnenden Interessenten Ge­legenheit zu geben, sich über ertheilte Patente zu unterrichten, gibt das Sekretariat einzelne Nummern der Patentschriften aus kürzere Zeit auch leihweise ab.

Hanau den 3. Mai 1900.

Die Handelskammer.

Canthal. ~

214 Der Sekretär: Steller.

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 16 Jnvaliditätsmarken â 20 Pfg., 1 blau und weiß karrirter Brödchenbeutel mit 7 Stück Brödchen, 1 Aufsteckkamm (in der Langstraßc.)

Hanau den 3. Mai 1900.

Die Dotationen der Provinzialverbände.

Durch die vom Abgcordnetenhause vorgestern beschlossene Verweisung der von nationalliberaler und von freikonservativer Seite ciugebrachten Anträge zur Dotationsstage der Provinzial­verbände an eine Kommission dürfte den Wünschen aller An­tragsteller entsprochen sein. Die Abgeordneten v. Epnern und Genossen, welche den Provinzialverbänden aus den Ueberschüssen des Etatsjahres 1899 einen Fonds von 50 Millionen Mark überweisen wollten, werden im Laufe der an ihren Antrag wiederholt anknüpfenden parlamentarischen Verhandlungeir, wie wohl nicht zu bezweifeln ist, die Ueber­zeugung gewonnen haben, daß mit der einmaligen Zuwendung eines den Ueberschüssen des Etats entnommenen Kapitalien­fonds an die Provinzialverbände ihren eigenen Absichten nur sehr unvollkommen gedient wäre. Eine wirksame und dauernde Erleichterung der auf den provinziellen und kommunalen Selbstverwaltungsinstitutionen ruhenden Lasten läßt sich eben nicht erzielen durch die einmalige Darreichung eines Kapitals, dessen Zinsertrag im Vergleich zu den Jahresrenten, welche den Provinzen auf Grund der früheren Dotationsgesetzc zu­fließen, und zu dem Gesammtumfange der bisherigen Pro­vinzialbesteuerung nur einen verhältnißmâßig geringfügigen Betrag ausmachen würde. Soll also der in einzelnen Provinzen zu Tage getretenen Ueberlastung nicht nur vorüber­gehend begegnet werden, so muß die Dotationsfrage umfassen­der und tiefer erwogen werden. Hierzu drängen auch prinzipielle Erwägungen, die aus dem Gesetz über die Tilgung von Staatsschulden von 1897 und aus dem gesummten finanziellen Verhältniß der Kommunen zum Staat sich er­geben. Vor Allem aber wird bei einer etwaigen Neube­willigung von Staatsdotationen mit dem völlig unzulänglichen bisherigen Vertheilungsmaßstab gebrochen werden müssen. An Stelle einer nach dem Gesetz vom 8. Juli 1875 vorzu­nehmenden mechanischen Austheilung von Staatsgeldern, wo­bei zwischen bedürftigen und reichen Landestheilen ein zweck­entsprechender Unterschied nicht gemacht werden könnte, muß ein die ungleiche wirthschaftliche Entwickelung der Provinzen berücksichtigender gerechter Ausgleich zu ermitteln gesucht werden. Vorbedingung hierzu ist, daß eingehende Erhebungen über die Belastung der Provinzen und ihrer Einwohner, so­wie über deren Bedürfnisse und Einnahmequellen veranstaltet werden. Erst auf einer, solchen Unterlage wird eine be­

friedigende Revision der Dotationsstage sich anftreben lassen. Die Annahme des Antrages Epnern hätte bestenfalls ein Pflaster auf eine wunde Stelle gelegt, während zur Heilung der wahrgenommenen Schäden eine organische Neuordnung am Platze ist.

Tagesschau.

Die angebliche Steuerüberbürdung.

Im Abgeordnetenhause führte der am Dienstag verhandelte Antrag v. Epnern auf Ueberweisung von 50 Millionen Mark an die Provinzen zu einer längeren Debatte, welche besonders interessant sich infolge des Eingreifens des Finauzministers und der Aufschlüsse gestaltete, welche derselbe über die günstige Lage der preußischen Finanzen ertheilte. Gegenüber dem seitens einer skrupellosen Opposition immer wieder aufge­frischten Märchen von der Steuerüberbürdung in Preußen wies Herr v. Miquel an den Ziffern des Berichterstatters über das französische Budget Herrn Pelletan nach, daß die Steuern in Preußen ungleich niedriger 30 Fres. auf den Kopf der Bevölkerung sind, während die französischen, auch von den ärmsten Familien zu tragenden Steuern häufig 25 pCt. des Arbeitseinkommens aufzehrcn! In Preußen betragen die direkten Steuern überhaupt nur 5 pCt. auf den Kopf der Bevölkerung, und zwar sind sie überdies durchaus nach der Leistungsfähigkeit vertheilt, so daß von einer Steuer- überbürdung nicht die Rede sein kann, was auch durch die Thatsache des Anwachsens des steuerbaren Vermögens um 4^2 Milliarden binnen 3 Jahren erwiesen wird. Nicht anders steht es um das oppositionelle Tendeuzmärchen, als habe der preußische Staat für Kulturzwecke nichts übrig. Während Frankreich in den letzten zehn Jahren seine Aus­gaben für staatliche Kulturzivccke nur um 30 Millionen er­höhte, sind in Preußen in dem gleichen Zeitraum die Auf­wendungen für Kulturzwecke um 200 Millionen Mark erhöht.

Die Veranlagung zur Einkommensteuer

für das Jahr 1899 hat ein Mehr von nahezu 13 Millionen Mark gegen das Vorjahr ergeben. Die Veranlagung für 1900 dürfte ein mindestens ebenso hohes Plus gegen das Jahr 1899 ergeben haben, so daß das Veranlagungs - Soll dieser Steuer in zwei Jahren nicht weniger als um 26 Mill. Mark gestiegen sein wird. Ein Anwachsen des Steuer-Solls von solcher Höhe entspricht ungefähr einer Vermehrung des steuerbaren Vermögens um nahezu eine Milliarde. Da das Einkommen aus Handel und Gewerbe, Kapitalvermögen und gewinnbringender Beschäftigung zu einem großen Theile nach dem Durchschnitt der letzten drei Jahre berechnet wird, rührt diese ganze Vermehrung des steuerpflichtigen Einkommens von den Jahren 1898/99 her. Diese beiden Jahre und das

Feuilleton.

Das Maxim-Mafchimn-Gewehr.

Aus den letzten Manövern wird Manchem, der sie beim Gardekorps, beim 1, und 14. Korps milgemacht hat, er­innerlich sein, daß bei einigen Jäger-Bataillonen eine ganz neue Art Schnellfeuer-Waffen probeweise zur Verwendung gelangt ist: das Maxim-Maschinen-Gewehr, auch Maxim- Geschütz genannt. Letzteres jedoch fälschlicher Weise ; denn es ist kein Geschütz, sondern ein richtiges kleinkalibriges Gewehr, mit demselben Lauf, denselben Patronen, demselben Kaliber wie unser Dienftgewehr.

Was hat es aber nun mit diesen Maschinenwaffen auf sich? Wodurch unterscheiden sie sich von unserm und andern modernen Mehrladern, welche Vortheile bieten sie für die Kriegsführung? Ich will versuchen, dies im Folgenden darzulegen, so, wie es mir selbst kürzlich erklärt worden ist:

Es war bei einem Besuch in den riesigen Werkstätten einer unserer größten Waffenfabriken. Ich hatte alle die neuen und neuesten Gewehr-Modelle in Arbeit gesehen, bis zu dem famosen Buren-Gewehr dessen großartige Treff- fähigkeit die Engländer jetzt so bitter zu spüren bekommen bis zu dem allerneusten deutschen Gewehr, das unsere Marine demnächst erhält, von dem ich aber nichts weiter verrathen darf, als daß es eine herrliche Waffe ist, auf die wir wieder einmal stolz sein können.

Sie werden bemerkt haben," sagte jetzt der mich führende höhere Beamte,daß selbst die neuesten Modelle alle unserm Gewehr 88 ganz ähnlich sind, bis auf geringe Verbesserungen.

Es wird Ihnen aber auch klar geworden sein, besonders wenn Sie an die älteren Infanterie-Gewehre, Modell 71

Ich hatte sofort Folgendes erkannt:

1. Die Schüsse kamen nicht aus einem dicken Geschütz­rohr, sondern aus einem einzelnen dünnen Gewehrlauf. Das, was ich für das Rohr der Maschine angesehen hatte, war nur ein sehr weiter, kupferner Laufmantel.

2. Die Patronen, die zu diesem unaufhörlichen Schießen nöthig waren, saßen aufgereiht eine hinter der andern auf einem breiten Gurtband, welches selbstthätig durch den Ver­schluß immer weiter gezogen wurde, und Patrone auf Pattone in den Lauf abgab.

3. Der Schütze that nichts weiter, als daß er am Ab­zugshebel zog. Der Verschluß aber öffnete und schloß sich in rasender Schnelligkeit von selbst, während die leeren Patronen­hülsen vorn unterhalb des Laufes herausspritzten, und sich dort zu einem kleinen Berge aufthürmten.

Wie war das möglich ? Wol er kam dieser Waffe die fast unheimliche eigene Kraft?

Mein Begleiter klärte mich mit wenigen Worten auf: Sie wissen", sagte er,wie heftig beim Schießen jede Waffe, z. B. das Gewehr, nach rückwärts, gegen die Schulter des Schützen geschlagen wird. Es geschieht dies durch dieselbe Kraft, welche das Geschoß nach vorn aus dem Lauf treibt: durch die Kraft der Pulvergase, hierRückstoß" genannt.

Der geniale Erfinder des Maschinen-Gewehres, Hiram Maxim hat sich nun gesagt: wenn ich die Waffe auf ein festes Gestell lege, den Lauf beim Schuß festhalte, den Ver­schluß aber so einrichte, daß ein starker Druck ihn nach hinten bewegen kann, so muß es also möglich sein, die Pulverkraft, die alsRückstoß" wirkt, dazu zu verwenden, daß sie mir den Verschluß nach jedem Schuß öffnet! Dies gelang! Und nun war es ein Leichtes, durch eine starke lieber den geöffneten Verschluß wieder vorschnellen zu lassen, so daß er den Lauf wieder verschloß, genau so, wie beim Ladegriff des Schützen.

oder gar an das Zündnadel-Gewehr denken, daß unser ganzes Streben in der Konstruktion der Feuerwaffen danach geht, eine Vereinfachung der Ladegriffe zu erreichen, damit der Schütze hierbei Zeit und Kraft spart. Umso schneller wird er wieder schußfertig sein, umso weniger wird er selbst bei anhaltendem Schnellfeuer ermüden.

Zur Zeit Friedrichs des Großen gebrauchte der Musketier noch 14 Griffe, ehe er wieder anlegen konnte; auch bei den besten modernen Massen muß man noch wenigstens zwei Ladegriffe machen: das Einladen eines neuen Patronen- Packets diesen Griff freilich immer nur nach je 5 Schuß und das jedesmalige Oeffnen und Schließen des Ver­schlusses.

Nun aber werde ich Ihnen eine Waffe zeigen, bei der sogar die Griffe wegfallen können, wo der Schütze nur noch abzudrücken braucht. Alles andere besorgt das Gewehr selbst; es ist eben eine Maschine, die arbeitet, wenn sie einmal in Gang gesetzt."

Wir traten in die große L-chießhalle der Fabrik, und plötz­lich, ehe ich mich noch umgeschen hatte, tönte mir ein ohren­zerreißendes, unaufhörliches Geknatter entgegen, a.s ob eine ganze Kompagnie das heftigste Schnellfeuer abgäbe.

Das ist das Maschinen-Gewchr," sagte mein Führer lächelnd,bitte, treten Sie näher!" Und nun sah ich im Schießstande einen einzelnen Mann in bequemster Stellung auf einem bockartigen Gestell sitzend, vor sich in Anschlaghöhe ein Ding, wie ein kleines Geschütz ohne Räder, aus dessen Mündung unaufhörlich und mit rasender Schnelligkeit die Feuergarben unzähliger Schüsse heraussprühten. Der Schütze that nichts. Er hatte die rechte Hand unbeweglich am Ab­zug, diesen zurückgezogen, und sah ruhig über das Visir nach dem Ziel.

Jetzt ließ der Zeigefinger los, und im selben Augenblick hörte das Schießen auf.