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3m RcNamcmhcil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

M. 102.

Mittwoch Den 2. Mai

1900

Amtliches.

Bekanntmachung.

Für Postanweisungen, welche

a) zwischen Deutschland einerseits und Deutsch-Neu- Guinea, Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Kamerun, Kiautschou, Samoa und Togo andererseits,

b) zwischen den vorgenannten deutschen Schutzgebieten unter einander

ausgetauscht werden, gelten vom 1. Mai ab dieselben Ge-

bühren wie für Postanweisungen

i des inneren deutschen Ver-

kehrs, nämlich: bis 5

Mark

.....10 Pfg.

über 5 bis 100

ff

.....20 „

„ 100 „ 200

ff

......30 „

„ 200 „ 400

ff

.....40 „

„ 400 „ 600

ff

.....50 „

„ 600 „ 800

ff

......60 „

Die sonstigen Versendungsbedingungen für die Post­anweisungen des deutsch-kolonialen Verkehrs bleiben unver­ändert, insbesondere ist im Verkehre mit Deutsch-Ncu-Guinea und Samoa der Meistbetrag einer Postanweisung nach wie vor auf 400 Mark beschränkt. Im Verkehre mit Kiautschou wird die ermäßigte Gebühr von 10 Pf. für diejenigen Post­anweisungen von mehr als 5 bis einschließlich 15 Mark auf­recht erhalten, welche an Mannschaften der Besatzungstruppen gerichtet sind.

Berlin, W. 26. April 1900.

Der Staatssekretär des Reichs-Postamts, von Podbielski.

^taöt^reis ^anavu

Unter dem Pferdebestande deSBrauereibesitzers Orsch ler hier ist die Influenza (Brustseuche) ausgebrochen.

Hanau den 1. Mai 1900.

Königliche Polizei-Direktion.

P 3861 I. A.: Valentiner, Reg.-Assessor.

Beschluß.

Das Verfahren zum Zwecke der Zwangsversteigerung der in Dörnigheim und der Gemarkung von Dörnigheim be­legenen, im Grundbuche von Dörnigheim Art. 465 auf den Namen des Schreiners Ernst Christian K e g e l in a n n, Johannes II. Sohn in Dörnigheim eingetragenen Grundstücke:

1. K 95 im langen Gewann, Acker,

2. U 197 die Wallburgwiesen, Wiese,

3. CC 9 auf der Dietrichslache, Acker,

4. N 16 Frankfurterstraße 24'/a und 24

a. Wohnhaus mit Hofraum,

b. Stall (A), c. Wohnhaus mit Hofraum, d. Stall (A)

wird aufgehoben, da der Versteigerungsantrag zurückgenommen worden ist.

Der auf den 26. September 1900 bestimmte Termin fällt weg.

Hanau den 21. April 1900.

Königliches Amtsgericht, Abth. 2- 7271

Gefundene und velLorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1,50 M. baar (3 Fünfzig-Pfg.-Stücke), 1 Portemonnaie mit 32 Pfg. Inhalt.

Verloren: 1 Trauring, geg. K A 1898, 1 Monats­fahrkarte zwischen Mainkür-Hanau, gültig vom 1. Mai er., 1 Herrenuhr.

Zugelaufen: 1 junger schwarzer Jagdhund mit weißer Brust, w. Geschl.

Hanau den 2. Mai 1900.

Folgen einer Blockade.

Zu den merkwürdigsten Ereignissen der Geschichte unserer modernen Industrie gehört die Baumwollen-Hungersuoth von Lancashire in England, die, eine Folge der mit dem Sezessions­kriege der uordamerikanischen Südstaaten (1861 bis 1865) verbundenen Blockade, ein am Kriege durchaus unbeteiligtes Land in Mitleidenschaft gezogen hat, gerade als ob es selbst an dem Kampfe betheiligt gewesen wäre. Im neunzehnten Jahrhundert war England und insbesondere Lancashire zum Sitze der Baumwoll - Spinnerei und- Weberei geworden. Nach der Volkszählung 1861 beschäftigten die Baumwoll- und Flachs-Fabriken Lancashires mehr als 383 000 Personen. Das Rohmaterial für diese Industrie kam zum größten Theil aus dem Süden der Vereinigten Staaten von Nordamerika, bis im Jahre 1861 die Zufuhr infolge der Blockade der Häfen durch die Kriegsschiffe der Nordstaaten aufhörte. Die Folge war eine starke Erschütterung der englischen Baumwoll- Industrie, die dem National-Wohlstande schwere Verluste bereitete.

Schon im Oktober 1861 begann man in den Fabriken von Lancashire, nachdem das noch vorhandene Rohmaterial ver­arbeitet war, die Arbeitszeit zu verkürzen. Die Arbeiter mußten auf ihre Ersparnisfe zurückgreifen, um leben zu können, oder um Unterstützung einkommen. 916000 Pfund Sterling (18,3 Millionen Mark) wurden in jener Zeit aus den Sparkassen und Sparbanken herausgezogen; gegen 100 Millionen Mark wurden vom Staate und von den Gemeinden zur Unterstützung auf­gebracht ; die Konsum-Vereine und Unterstützungs-Genossen-1

schäften,die genossenschaftlichen Industrie-Unternehmungen der Ar­beiter gingen größtentheils zu Grunde, auch andere Gewerbe wurden stark geschädigt. Durch öffentliche Küchen, Arbeits­schulen für die Beschäftigungslosen suchte man weiter zu helfen; schließlich ging man daran, durch Auswanderungs- Gesellschaften den Abzug der Arbeiter zu fördern. Mehr als 25 000 nachweislich in der Baumwollen-Jndustrie beschäftigte Männer und Frauen haben zwischen 1861 lind 1864 Eng­land verlassen.

Die gedämmten Verluste und Einbußen der Unternehmer und der Arbeiter lassen sich nur annähernd berechnen. In Manchester allein verzeichnete man von 1861 bis 1864 1193 Bankerotte. Ein englischer Statistiker gibt die Verluste der Unternehmer in Lancashire von 1862 bis 1864 auf 28,5 Millionen Pfund Sterling an, die der Arbeiter auf 33 Millionen Pfund Sterling, die der Ladenbesitzer auf 4,6 Millionen Pfund Sterling; das sind im Ganzen 66 Mil­lionen Pfund Sterling oder mehr als 1300 Millionen Mark in den drei Jahren.

Ein Glück war es, daß die übrigen Industrien von Eng­land blühten und zum Theil gerade durch den amerikanischen Krieg Beschäftigung fanden, auch die Zufuhren aller übrigen Rohmaterialien ununterbrochen fortdauerten, die Ein- und Ausfuhrwege des Landes offen standen und die englische Ge- sammtwirthschaft im Uebrigen in einem vortrefflichen Zustande war. So hat man der Bevölkerung über die schwere Zeit hinweghelfen können.

Wenn die englische Arbeiterschaft heute mit großer Energie für die Aufrechterhaltung der britischen Herrschaft auf dem Meere und für die Schaffung einer starken Flotte eintritt, so denkt sie hierbei an die Leiden der Väter im Lancashire- Distrikt, auf die man immer wieder erinnernd zurückverweist. Der englische Arbeiter ist verständig genug, einzusehen, daß Erhöhungen der Abgaben von wenigen Shillingen zur Ver­stärkung der Rüstungen des Landes nicht in Betracht kommen gegenüber den Lasten einer Blockade, die für eine Familie von drei bis fünf Köpfen in den drei amerikanischen Kriegsjahren 1800 bis 3000 Mark betragen haben — Lasten, die natur­gemäß größer sein würden, wenn das eigene Land mit starkem Gewerbe-Betriebe blockirt werden sollte.

Tagesschau.

Der Kaiser und die ev. Arbeitervereine.

Auf das an ben Kaiser gelegentlich des 10. Dclegirtcn- tagcs des Gesammtverbandes der evangelischen Arbeitervereine von Dresden abgesandte Huldigungstelegramm ist folgende Antwort eingegangen: „Der Kaiser und König lassen den dort vereinten Vertretern der deutschen evangelischen Arbeiter­vereine für den Ausdruck treuer Anhänglichkeit bestens danken.

Feuilleton.

Bericht über Kmdmnodcn.

Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der .Intern. Schnitt- manusaktur", Dresden R. Reichhaltiges Moden-Album und Schniit- musterbuch â 50 Pfg. daselbst erhältlich.

„O selig, o selig, ein Kind noch zu sein" singt der Dichter und mit Recht, denn was kümmert sich ein Kind um die Sorgen der Welt. Hat es wirklich einen Kummer, so kommt es zur Mama und nach einem kleinen Weilchen ist alles ver­gessen. Fiel die Puppe auf die Nase und zerbrach sich den Kopf, Mama machts wieder gut, kam beim wilden Lauf ein Loch ins Kleid, Mama muß es repariren, oder flog wohl gar der Ball in Nachbars Garten, die gute Mama läßt ihn wieder holen, ja die Mutter weiß Rath für all die kleinen und großen Schmerzen, und sie ist es, die in der Hauptsache die Sorgen für das Wohl der Kinder auf sich nimmt. Nicht die geringste davon ist wohl die um die Kleidung und jetzt, wo die schönen Tage kommen, tritt sie besonders in den Vorder­grund. Man sucht die Sommer- garderobe hervor und sieht, was noch gut daran ist, und was zu erneuern ist. Meist muß es ein wenig ver­längert und ausgelassen werden, wenn es sonst noch gut ist, denn alle an­

deren Aenderungen, welche etwa Be- Fig. i.

zug auf Modeneuheiien haben sollten, sind nicht durchaus nothwendig, da Frau Mode in Bezug auf Kindersachen

äußerst tolerant ist.

Vernachlässigt hat sie dieselben deswegen jedoch nicht, denn

Kleinigkeiten sind auf allen Gebieten zu berichten, und die Mode für Er­wachsene ist zu wechselvoll und zu sehr von Grund aus verändert, als daß sie nicht auch auf die Kinder­mode ihren Einfluß ausgeübt hätte.

Besonders tritt dieser Einfluß bei den Ucberkleidern hervor, denn Sack­mäntel und Sackjäckchcn sind für Kinder jeden Alters, besonders auch für Backfischchen modern. Genau wie für Erwachsene fertigt man sie vorzugsweise aus glatten Tuchen, unter denen dunkelblau und dunkel­braun die praktischeren Farben ver­treten, während Hellgrau und mode­farben eleganter erscheinen. Als Ver­zierungen wendet man vorzugsweise Stepplinien oder Mohairborten in zierlichen Verschlingungen an. Die Mäntelchen sind meist mit einem

Fig. 4. kurzen Schultcrkragcn ausgestattct, welcher beliebig auch etwas fantastische Formen aufweisen darf. Zu den Jäckchen sicht man oft ein paffendes Kleid oder nur den Rock passend, was dann, durch 'eine hübsche Falten- blouse ergänzt, ein richtiges Kostüm, wie für Damen, ergibt. Besonders für Schulanzüge ist diese Zusammenstellung sehr beliebt und zeigt Figur 1 eine, wenn auch ein­fache, so doch modegerechte Vorlage dafür. Sehr gern werden jetzt auch für Kinder, jeden Alters

Mädchen wie Knaben, die langen Capes, durch ein zierliches, bunt abgefüttcrtes Kapuschon ergänzt, getragen. Dieselben sind insofern sehr praktisch, als sic nicht so leicht ausgewachsen werden. Auch sind sie für den Sommer nicht so schwer, trotz­dem sie doch genügend, besonders gegen den Regen schützen.

Natürlich sind diese Capes nicht die einzig in Betracht kommenden Uebcrklciderformen, doch bieten die Faltenmäntel­chen, die Hängemäntclchen, die Mäntel mit kurzen Taillen rc. zu wenig Neues, als daß man sie eingehend besprechen möchte.

Aehnlich ergeht cs uns mit den Kleidchen, denn Alles, was man sicht, ist eigentlich bekannt und von einigen Formen kann man sogar sagen, daß man sie selbst getragen hat. So z. B. die Hängerkleidchen der Kleinen. Sie sind immer gleich faltig und immer gleich mit kurzen oder langen Puffârmelchen versehen, nur daß man sie entweder mit spitzem oder eckigem Koller fertigt oder je nach dem Zweck mit einfachen Lörtchen, Stickerei" oder dergi. verziert. Für kleine Mädchen bleibt diese Kleidform unverändert bis zum 4ten, 5ten Jahr, während man für kleine Knaben das Hängerchen in breite t allfalten ordnet und im Taillenschluß durch einen hellen Ledergürtel zu­sammenhält.

Besonders nett und festlich sehen diese Faltenkleidchen aus, wenn man sie, wie Figur 2 mit breitem Matrosenkragen

Fig. 3. ausstattet, welcher bei besonderen Ge­legenheiten einen gleichgeformten, weißen Spitzenkragen über- geknöpft erhält. Werden die kleinen Mädchen älter, so löst man die Hängerkleidchen durch Dlousenklcidchen ab, welche