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Im RkNamtniheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 H.

Amtliches Grgan für vtaöt- unS LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

M. 101.

Dienstag den L Mai

1900

Amtliches ^anö&rets ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Auf der Domäne R ü d i g he i m e r h o f ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Hanau den 1. Mai 1900.

Der Königliche Landrath.

V 4037 v. Schenck.

An der evangelischen Volksschule in Langendiebach ist eine Lehrerstelle zu besetzen.

Das Grundgehalt der Stelle beträgt 1200 M., der Ein­heitssatz der Alterszulagen 150 M. und die Miethsentschädigung 250 M.

Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen binnen 14 Tagen dem Herrn Lokalschulinspektor Pfarrer Herchenröder in Langendiebach einreichcn.

Hanau den 27. April 1900.

Namens des Schulvorstandes:

Der Königliche Landrath.

V 3991 v. Schenck.

An den evangelischen Volksschulen zu Bergen-Enkheim sind zwei Lehrerstellen die eine in Bergen, die andere in Enkheim zu besetzen.

Das Grundgehalt beträgt 1200- M., der Einheitssatz der Alterszulagen 150 M. und die Miethsentschädigung 300 M.

Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen binnen 10 Tagen dem Herrn Lokalichulinspcktor Melropolitan von Starck in Bergen einreichen.

Hanau den 30. April 1900.

Namens des Schulvorstandes:

Der Königliche Landrath.

V 3950__v. Schenck.____________________

^faMRrei© ^anau.

Bekanntmachungev des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Das Volksbad am Main wird in Bälde wieder eröffnet werden.

Der Badeaufseher wird täglich in den Monaten:

Mai von 69 Uhr vormittags

und 28 Uhr nachmittags,

Juni, Juli, August von 59 Uhr vormittags und 29 Uhr nachmittags,

September von 69 Uhr vormittags und 27 Uhr nachmittags

an dem Volksbad anwesend sein.

Feuilleton.

Der Mai.

Der Wonnemonat hat nun seinen Einzug gehalten mit seinem ganzen Troß von singenden Vögeln und duftenden Blumen. Das bisher noch schwache und zärtliche Frühlings­kind ist zu einem kräftigen, anmuthigen Jünglinge herangereift. Zwar muß er in der Regel auch noch einmal den Kampf mit den abziehenden winterlichen Reifriesen aufnehmen, wenn vom 11. bis 13. Mai die gestrengen Herren Mamertus, Pankratius und Servatius ins Land ziehen und mit eisigem Hauche über die frischaufgrünende Erde einen weißen Hermelin werfen; doch nur kurze Zeit dauert der ungebetene Besuch der unwill­kommenen Gäste. Dann erstrahlt die Welt wieder in mil­dem Frühlingslichte; von allen Zweigen fällt blendender Blüthenschnee; die Triften erglänzen im jungen, frischen Grün, und die Lerche läßt aus blauen Lüften trillernd ihr Lied erschauen.

Schon ein liederfroher Ritter des 13. Jahrhunderts, der schwäbische Graf Conrad v. Kirchberg, begrüßt den Einzug des Wonnemonats mit folgenden jubelnden Versen:

Auf, der Mai kam in das Land, der da löst der Sorgen Band;

Kinder, Kinder, seid gemahnt, seine Pracht zu schauen!

Auf der lichten Haide breit sind die Blumen ausgestreut; Wie ei* Teppich, weit und breit, schimmern Feld und Auen.

Da hört man die Nachtigall

Auf dein blüthenschweren Reise

Singen Lenzes Lob mit Schall.

Berg und Thal grünen ihm zum Preise.

Freut euch, ihr Jungen, Blumen sind wieder entsprungen!

Nun schlinget den Reihen und jauchzet dem prangenden Maien!

Wegen der erschwerten Aufsicht ist Nichterwachsencn die Benutzung des Volksbades nach 6 Uhr abends verboten.

Es wird vor dem Baden in den Stunden von morgens 9 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, sowie nach 7 bezw. 8 und 9 Uhr abends wegen magelnder Aufsicht dringend gewarnt.

Hanau den 30. April 1900.

Der Magistrat.

___ Dr. Gebcschus. _____ _ 7226

Handelsregister.

Es wird beabsichtigt, die seit dem 23. November 1869 in Liquidation befindliche Firma Kreiß & Gimbaldt in Hanau im Handelsregister von Amtswegen zu löschen.

Die unbekannten Betheiligten werden aufgefordert, einen Widerspruch hiergegen spätestens bis zum 20. August 1900 bei dem unterzeichneten Gericht geltend zu machen, widrigen­falls die Firma von Amtswegen gelöscht wird.

Hanau den 23. April 1900.

Königliches Amtsgericht 5. 7182 Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Paar goldene Schraubenohrringe mit Similisteinen, 5 Paar weiße Frauenunterhosen, 1 schwarzer Damenregenschirm mit schwarzer Schleife, in einem Geschäft stehen geblieben, am Sonntag Nachmittag in der Garten­wirthschaft zum Schwanen in Keffelstadt 1 altes Portemonnaie mit 10 M. Inhalt, 1 dünner Gummireifen von einem Kinderwagen.

Verloren: 1 neue Wagenkapsel, gegen 1 Mk. Be­lohnung abzugeben, 1 Mir. schwarze Taffseide.

Vom Wascnmeister am 30. d. Mts. eingefangen:

1 weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, m. Geschl.

Hanau den 1. Mai 1900.

..... !......IM................... ............

Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 30. Apri l).

Das Abgeordnetenhaus berieth heute in zweiter Lesung die Gemeindewahlreform-Vorlage. § 1 wurde in der Kom- missionsfassung angenommen, desgleichen § 2 mit einem An­träge Zedlitz (freikons.), wonach die zu singirten Steuersätzen eingestellten Beträge bei der Berechnung des durchschnittlichen Steuerertrages außer Betracht bleiben. Ferner wurden die Paragraphen 3, 4 und 5 nach den Kommissionsbeschlüffen ge­nehmigt. Zu dein § 5 a wurde ein Antrag Zedlitz betreffend Zulassung der Bildung von Abstimmungsbezirken in den ein­zelnen Wahlbezirken angenommen, desgleichen der Rest des Gesetzes. Morgen kommt die Interpellation von Eynern be­treffend die Dotation der Provinzen zur Berathung.

Und wie Viele mag seit jener Zeit Maienlust und Maien­wonne in den Satlel des Dichterrosses gehoben haben ! Ist es ein Wunder, daß die Luft überschäumt, wenn nach langer, schwerer Winterszeit des Jahres schönere Hälfte folgt. Wie bald werden die sonnigen Tage wieder vergangen sein; da­rum laßt uns des Sommers Luft vom ersten Tage an in vollen Zügen genießen.

Merkwürdig berührt es uns auf den ersten Blick, daß der Volksglaube mit dem Einzug des Maien den Hexen-Sabbath zusammenfallen läßt. Die Hexen, eines der häßlichsten Ge­spinste menschlicher Phantasie, sind aus den Elfen und Priesterinnen des sinnreichen Götterglaubens unserer Vorfahren entstanden. Wenn Himmel und Erde oder Wodan und Freia, der lichte Sonnengott und die Beherrscherin des alles zeugen­den mütterlichen Bodens Hochzeit feierten, dann führten am Vorabende auf wolkengeküßten Bergeâhöhen die Priesterinnen und Göttinnen den Hochzeitsreihen auf.

Der christlichen Kirche waren die im Volksgemüthe fort­lebenden Erinnerungen aus alter Zeit unbequem, und sic suchte dieselben zu vernichten. Sie weihte den 1. Mai der heiligen Walpurgis, einer Enkelin des Bonifazius, des Apostels der Deutschen. Göttinnen und Priesterinnen verwandelte die abergläubische Phantasie in häßliche Gestalten, die in der Nacht zum 1. Mai auf Ofengabeln, Besen, Stecken, feurigen Böcken und Katzen und fliegenden Pferden zu wildaus­schweifenden Gelagen nach dem Brocken und anderen Bergen zogen. Die Thiere und Geräthschaften standen in Beziehung zum Donnergotte, der um die jetzige Zeit in der Regel die ersten Blitze schleuderte.

Die Wulpurgisnacht ist also ein verunstalteter Ueberrest der, alterthümlichen poetischen Auffassung der um den 1. Mai stattsindenden Natur-Erscheinungen, die unsere Altvorderen in kindlicher Unbefangenheit zu Gottheiten personifizirten.

Tagesschau.

Deutschlands und Englands wirthschaftliche Konkurrenz.

Das englische Auswärtige Amt hat einen reichhaltigen Bericht des britischen Handels-Attachtzs in Berlin überDie wirthschaftliche Lage Deutschlands im Jahre 1900" veröffent­licht, den derDaily Telegraph" alsein in gewisser Hin­sicht sensationelles Dokument" bezeichnet, das in der Hand eines Jeden sein müsse, dem an der Stellung und den Aus­sichten Englands in der neuen Handelsära liege und der ein­sehe, daß der Kampf um die Vorherrschaft im Welthandel erst beginne. Die leidenschaftslose Statistik dieses Berichts sei überzeugender als alle Rhetorik und müsse zum Nachdenken über den Stillstand des britischen Handels und die wundcr- bare Expansion des furchtbarsten kontinentalen Rivalen ver­anlassen und das blinde Vertrauen erschüttern, infolge dessen man nicht glauben will, daß etwas mit den Grundlagen nicht in Ordnung ist, bis das ganze Gebäude zusammcnstürzt. Fremde Staatsmänner", sagt Mr. Gastrcll,thäten wohl daran, sowohl aufmerksam die bemerkenswerthe Stellung zu betrachten, die Deutschland im Jahre 1900 in Europa cin- nimmt, als auch die noch hervorragendere Rolle gu beobachten, die es in naher Zukunft auf der Weltbühne spielen wird. Deutschland hat zweifellos noch eine Bestimmung als Welt­macht zu erfüllen, eine Bestimmung, auf die es durch charakteristische Energie und Voraussicht sich seit Langem systematisch vorbereitet hat, und die cs sicher ist, zu erfüllen, seitdem offenbar wurde, daß das nationale Eharakteristikum der Gründlichkeit in jedem Zweige öffentlicher und privater Unternehmungen die allgemeine Bildung und Befähigung des Volkes zu einer solchen Höhe gebracht hat, wie sie die Ent­wickelung eines großen Industrie- und Handclsstaates er­fordert . . . Wer kann sagen, inwiefern die nächsten drei Dezennien die jetzigen nationalen Bestrebungen Deutschlands, eine Weltmacht zu werden, d. h. den Status einer großen See- und Kolonialmacht in der ganzen Welt zu dem des schon erreichten der führenden Landmacht in Europa hinzu­zufügen, fördern werden?" Dazu sagt derDaily Telegraph": Wenn wir unsere Anstrengungen nicht bei Zeiten verdoppeln, so würde das den eventuellen Verlust unserer Stellung be­deuten und zwar in einem viel kürzeren Zeitraum, als wir je für möglich hielten." Der Bericht selbst gibt weiterhin die Zahlen für das Einkommen als Beweis nationalen Ge­deihens, erwähnt, daß die Staatsschulden Deutschlands weniger als ein Fünftel der britischen betragen, daß die Kosten der britischen Nationalschuld denen des deutschen Militärismus gleichkommen und daß eine der britischen gleichkommende Flotte von Deutschland mit der Differenz zwischen seiner verhältnißmäßig geringen ' Schuld und der britischen enormen jährlichen Zinslast von

Himmcls-Crschcinungcn im Mai.

Der Wonnemond ist da! Im Feiertagskleide prangt rings die Natur, Bäume und Sträucher, schmücken sich mit frischem Grün, um den Lenz zu empfangen. Die befiederten Sänger Hüpfen fröhlich von Zweig zu Zweig und stimmen ihr köst­liches Jubellied an, dem Frühling zu Ehren, der die Erde aus dem starren Winterschlafe erlöst und sie wieder austeben läßt zu neuem Blühen und Wachsen. Der Sonne goldiger Strahl wirkt belebend auf alle organischen Wesen, und auch der Mensch fühlt sich freier und regt mit erneutem Eifer seine Kräfte!

Unsere Sonne, die beim Beginn des Monats 15 Grad nördlich vom Aequator steht, rückt im Laufe des Monats noch 7 Grad weiter nach Norden vor und erhebt sich daher am Mittage des letzten Mai bis zu einer Höhe von 59 Grad, während sie am 1. Mai nur 52 Grad über unsern Horizont aufsteigt. Am letztem Tage geht sie gegen 40, Uhr auf und um 70, Uhr wieder unter; sie verweilt mithin 15 Stunden bei uns. Am 31. Mai^ erfolgt der Sonnen- Aufgang bereits um S*^ Uhr, der Sonnen-Untergang erst gegen 80^ Uhr, der Tag dauert dann mithin I6O2 Stunden.

Der Mond ist zum Beginn des Monats als ganz schmale Sichel beim Sonnen-Untergang am Abendhimmel zu finden, er kommt dann am 6. Mai in das erste Viertel. Am 14. Mai ist Vollmond, am 21. letztes Viertel, und am 25. steht unser Trabant zwischen Erde und Sonne, es ist Neumond.

Dabei steht er der Ekliptik so nahe, daß er vor die Sonne tritt und so einem Theile der Erdoberfläche das Schauspiel einer Sonnen-Finsterniß bietet. Diese ist in Deutschland nur als theilweise Finsterniß zu sehen, die Mondscheibe verdeckt nur wenig mehr als die Hälfte der Sonne. Der Eintritt des dunkeln Mondes in die Sonne