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Amtliches Organ fir Stnöt-, unS LanSkreis Hanau

Gkfchemt täglich mit AsSHchme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Im ReNamentheU bi« B«il« 20 4, ffa «uiwlr« 30 4.

Mr. 97.

Donnerstag den 26. April

1900

Amtliches.

^anö^réi^ ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Den Herren Gemeinde- bezw. Gutsvorständen werden in den nächsten Tagen die festgesetzten Gemeindesteuerlisten für 1900 zugehen.

Nach Vorschrift im § 75 Abs. 3 des Einkommensteuer­gesetzes und Art. 60 II der Ausführungsanweisung vom 5. August 1891 ist die festgesetzte Steucrliste 14 Tage lang öffentlich auszulegen und der Beginn der Auslegung in orts­üblicher Weise bekannt zu machen. Nach Ablauf der Aus­legungsfrist ist die Bescheinigung auf dem Titelblatt der Ge­meind esteuerliste zu vollziehen.

Von dem Tage, an welchem die Bekanntmachung über den Beginn der Auslegung stattgefunden hat, wollen Sie alsbald hierher Anzeige erstatten.

Hanau den 25. April 1900.

Der Vorsitzende

der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission

J. St. 1510 für den Landkreis Hanau.

I. V.: Valentiner, Regierungs-Assessor.

^taötlircio ^anau.

Bekanntmachungen des Oberlmrgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Die Hundesteuerliste für das Rechnungsjahr 1900 liegt vom 27. d. Mts. ab zwei Wochen lang im Zimmer Nr. 14 des Rathhauses während der Dicnststunden öffentlich aus. Einsprüche gegen die Liste sind binnen einer Frist von 4 Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist bei uns ein­zulegen.

Hana« dm 21. April 1900.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 6937

Bekanntmachung.

Am Freitag den 27. d. Mts., nachmittags 4 Ubr, werden im Kämmereilokale, Neustädter Markt Nr. 16, Zimmer 6 und 7, die nachbezeichneten gepfändeten Sachen, nämlich:

ein Spiegel, ein Kleiderschrank öffentlich versteigert werden.

Hanau den 23. April 1900.

Stadtkasse. 6797

Bekanntmachung.

Im Einvcrstündniß mit den städtischen Körperschaften haben wir beschlossen, in der bisherigen Einrichtung der Mädchenabtheilung der kaufmännischen Fort­bildungsschule mit Beginn des neuen Schuljahres eine Aenderung in den Unterrichtsgegcnständen cintreten zu lassen.

In Aussicht genommen sind als Lehrgcgenständc: Deutsch, Rechnen, Buchführung, Stenographie und Maschinenschreiben.

Anmeldungen werden im Amtszimmer der Mädchen - Mittelschule (Bebracrbahnhofftraße 9) bis zum 1. Mai täglich von 11 bis 12 Uhr von Herrn Rektor Jckler entgegengenommen. Nähere Auskunft über die Einrichtung und die Zeit des Unterrichts werden bei der Anmeldung ertheilt.

Hanau den 24. April 1900.

Das Kuratorium der Handelsschule.

Dr. Gebeschus. 6877

auch für die am wenigsten kundigen Leser gar zu durchsichtig sein würde. Der Ueberschuß des Reichshaushaltsetats von mehr als 60 Millionen Mark wird sich voraussichtlich zu ungefähr gleichen Theilen auf die zur Rcichskasse fließenden Einnahmen und die Ucberwcisungssteucrn vertheilen. Der Ueberschuß des eigenen Haushalts des Reiches selbst wird da­mit den höchsten Betrag erreichen, den der Ueberschuß der Reichshauptkasse während der dreißigjährigen Reichsfinanz- wirthschaft überhaupt jemals erreicht hat. Für das Reich selbst stellt sich daher das Finanzjahr 1899 den allerreichsten Finanzjahren ebenbürtig zur Seite. Minder günstig schneiden die Bundesstaaten ab. Zum Theil deshalb, weil der Minder- ertrag des Getreidezolls den Ueberschuß der Ueberweisungs- steueru gegenüber früheren Jahren empfindlich geschmälert hat. Vor allem aber deshalb, weil der ganze Mehrertrag der Ucberweisungssteuern über den Etatsansatz von mehr als 30 Millionen Mark durch den Rcichshaushaltsctat selbst zur Ver­minderung des Anleihebedarfs mit Beschlag belegt worden ist. Infolgedessen vermindert sich der vorgesehene Anlcihcbetrag von 110 Millionen Mark auf etwa 79 Millionen Mark und, wenn man diesem Anleihcbedarf den Ueberschuß der Reichs­hauptkasse mit mehr als 30 Millionen Mark gcgenüberstcllt, so ergibt sich, daß in Wirklichkeit die Reichseinnahmen des Jahres 1899 ausgereicht haben, um auch alle auf Anleihen angewiesene außerordentliche Ausgaben bis auf den Betrag von nicht 50 Millionen Mark zu decken. Auch das Finanz- jahr 1899 liefert daher den Beweis, daß die Finanzlage des Reiches eine durchaus gesunde und kräftige ist und daß die Annahme der Reichsfinanzverwaltung völlig zutrifft, es werde der Haupttheil der Mehrkosten der Flottenverstärkung sich aus den jetzigen Einnahmequellen des Reiches infolge ihrer stetig günstigen Entwickelung decken lassen. Was Preußen anlangt, so darf mit Sicherheit darauf gerechnet werden, daß die von dem Herrn Finanzminister bei Vorlegung des Etats für 1 900 gegebene Schätzung des Ueberschusses der Generalstaatskasse mit 85 Millionen Mark hinter der Wirklichkeit noch zurück­bleiben wird. Obwohl die Annahme, daß das finanzielle Verhältniß des Reiches gegenüber dem Etat sich gebessert haben würde, nicht zutrifft, so ergeben doch schon die Mit- Heilungen des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten bei der Berathung des Eisenbahnetats im Abgeordnetenhaus, daß der Mehrüberschuß der Eisenbahnverwaltung den im Januar geschätzten Betrag von 13 Millionen Mark sehr beträchtlich übersteigen wird. Auch für Preußen wird sich daher das Fi­nanzjahr 1899 zu den reichsten Jahren dieser an sich so günstigen Finanzperiode rechnen lassen.

Das Finanzjahr 1899.

Obwohl der Abschluß der Reichshauptkasse erst Mitte Juni stattftndet, lassen die vorliegenden Zahlungen und Schätzungen doch bereits jetzt mit Sicherheit erkennen, daß auch das Finanzjahr 1900 für das Reich sich sehr günstig gestaltet hat. Das Jstergebniß des Reichshaushalts dürfte sich ummehrals 60 Millionen Mark günstiger stellen, als der Etat vorgesehen hatte. Das ist um so bemerkenswerther, als namentlich auf dem Gebiete der Marineverwaltung sehr beträchtliche Aus­gaben über den Etat geleistet werden mußten und als eine der wichtigsten Finanzquellen des Reichs, der Getreidezoll, weit hinter dem Anschläge und dem Ertrage des Vorjahres zurückgeblieben ist. Allein aus diesem Grunde erklärt sich auch, daß der Ertrag der steuerlichen Einnahmen des Reiches nur um etwa 5 Millionen Mark höher gewesen ist, als im Vorjahre. Da der Minderertrag des Getreidezolls in der Hauptsache davon herrührt, daß die Getreideernte des Jahres 1898 besonders reich war und auch die des Jahres 1899 einen den Durchschnitt übersteigenden Ertrag lieferte, so ist in dem Zurückbleiben des Getreidezolles kein Nachlassen der Steuerfähigkeit Deutschlands zu erblicken; im Gegentheil ist es ein Zeichen dafür, daß auch der bisher an Leistungsfähig­keit zurückgebliebene große Erwerbszweig, die Landwirthschaft, einigermaßen kräftiger geworden ist. Diese Thatsache ver­schweigt dieFreisinnige Zeitung" in dem Bestreben, die Fi­nanzlage des Reiches möglichst grau in grau zu malen, ihren Lesern vollständig, weil andernfalls ihre tendenziöse Darstellung

Feuilleton.

Die Aslhaiiti's.

Von Otto Leonhardt.

(Nachdruck verboten.)

Während England in Südafrika in den gefährlichsten Krieg verwickelt ist, den es seit einem halben Jahrhundert zu führen hat, zuckt an einer andereit Stelle des britischen Weltreichs eine Flamme auf, die leicht selbst wieder in ein mächtiges Feuer cmporschlagen kann. Die Aschantis erheben sich mehr als einmal bereits hat diese Kunde Bestürzung und Schrecken im Londoner Kolonialamte hervorgerufen, wo man sich wohl daran erinnerte, daß die Aschantis seit dem Jahre 1824 den Schädel des bei Asamako erschlagenen Gouverneurs Macarthy in ihrem Nationalmausoleum in Bantama jahr­zehntelang als stolze Trophäe aufbcwahrten und ihn bei dem großen Namsfeste feierlich in die Hauptstadt Kumassi brachten, um ihn dort dem Fetisch vorzustellen. Die Aschantis sind ein furchtbares Volk, aber trotz ihrer Furchtbarkeit nicht völlig ohne Kultur. Vielmehr nennt Sievers das Aschantiland ein merkwürdiges Gemisch von Kultur, Fähigkeit, Tapferkeit und Barbarei; und eben in diesem komplizirlen Charakter seiner Eigenschaften liegtdas hohe ethnographischeZnteresse des Stammes.

Die Aschantis werden als intelligente, strenge, thätige, mäßige und kriegerische, aber zugleich als unwissende, aber­gläubische und in ihren Sitten höchst schmutzige Menschen ge­schildert. Ihr Land ist zum großen Theil mit dichtem Urwald bedeckt. Nur schmale gewundene Pfade führen hindurch, die wohl ein Reiter, ein Mann, eine Sänfte, aber kaum ein Wagen passiren kann. Eine wilde Fruchtbarkeit entfaltet die Tropennatur hier: die Sträucher werden zu Bäumen, die Acste der Bäume sind selbst wieder Bäume, die Schlingpflanzen

gleichen Schiffstauen; die ganze Thierwelt des afrikanischen Waldes haust in diesen Riesenwäldern. Dennoch herrscht bei Tage eine furchtbare Stille im Aschantiwalde, kein Vogel singt, kein Thier läßt sich vernehmen; erst wenn die Nacht herein­bricht, erheben sich die Stimmen der Wildniß. Nur um die Städte herum ist das Land sorgsam bestellt und hier trügt der üppige Boden willig die mannigfachsten Früchte. Die Hauptstadt Kuwassi soll vor der Besiegung der Aschantis durch die Engländer gegen 100 000 Einwohner gezählt haben; viel Volks wogt noch heute jederzeit durch ihre langen Straßen und gar rege geht es auf dem Markte zu, wo die Fleischer, die Fisch- und Obstvcrkäufer u. s. w. ihre Stände haben und der Preis in Goldstaub gezahlt wird, der auf Waagen abgewogen wird. Seine Waage hat Jeder bei sich; aber die Frauen dürfen nach Kumassi-Gesetz keine Waage be­rühren, und so gibt die Verschiedenheit der Waagen, das Mißtrauen der Verkäuferinnen, die Beschaffenheit des Gold- staubs zu endlosen Zankereien Anlaß. Denn auch das kost­barste aller Metalle hat die Natur dem Aschantilandc geschenkt. Aus Flußbetten und Gruben wird Gold gewonnen, fast un­ermeßliche Schätze an Goldschmuck und goldenen Zierrathen befinden sich im Besitze der Reichen und Edlen und die 1874 von den Briten erbeuteten gehämmerten Goldmasken beweisen eine hochentwickelte Kunst der Bearbeitung des Edelmetalls. Auch Weberei und Töpferei werden von den Aschantis mit Geschick und eigenartiger Technik betrieben.

Die Aschantis sind ein ausgesprochenes Eroberervolk. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind sie erst vor einigen Jahr­hunderten in ihre jetzigen Sitze cingewa.idert, und die Noth­wendigkeit, das neu besetzte Land dauernd zu behaupten, ver­wickelte sie in heroische Kämpfe, die sie zu einem gewaltigen Krikgerstamme machten. Ter Stamm lebt eigentlich in fort­währender Kriegsbereitschaft und zum Zeichen dessen müssen alle Häuser in Kumassi, wie die Lagerhütten im Kriege,

Palmblatt- und nicht Grasdächer tragen. Auch die Verfassung prägt den kriegerischen Charakter des Volkes aus. Es ist eine Mischung von Monarchie und militärischer Aristokratie. Tie niederen Stände sind ganz abhängig von den Häuptlingen, die sie nach ihrem Gutdünken in den Tod oder die Sklaverei schicken können. Tcs Königs Macht scheint eine absolut despotische zu sein; er wird wie ein unumschränkter Monarch geehrt und seine Stellung ist in der That eine gewaltige. Aber ihn umgibt ein großer, sehr genau geordneter und organisirter Hofstaat von Reichsfürstcn, Prooinzhäuptlingen, Statthaltern und Beamten, und durch ihren Einfluß ist er beschränkt. So ruht die höchste Macht in Aschanti thatsächlich beiAschantc-Kotoko", demStachelschwein von Aschanti", d. i. dem aus dem Könige, seiner Mutter, den ersten Reichs- fürstkn und etlichen Großen bestehenden Geheimen Rath. Sei« Name schon bezeichnet ihn als unverletzlich; und ein Trommelsignal sagt von ihm:Der Aschanti-Rath, ob Du Tausend tödtcst, erstehen Tausend" er ist also auch un­sterblich. So hat der König mehr eine Art weitreichender Exekutivgewalt, die sich besonders auch bei den Gerichts­sitzungen äußert. Da hat er, formell wenigstens, allein zu entscheiden, und furchtbar-majestätisch ist seine Erscheinung im Gericht: erhöht sitzt er auf dem goldgcschmückten Lehnstuhle, neben ihm stehen die Trabanten mit den Staalsschwcrtcrn, unmittelbar vor ihm zahlreiche Herolde und Henker, die in den Pausen dem Könige Lobeserhebungen zurufen, wie:Er steht vor Kanonen mit einem Kleingewehr" oder:Bocre- schlange, Du bist wunderschön, aber tödtlich Dein Biß." Unter seinen Hofbeamlen sind die Linguisten besonders be- merkenswerth, die u. a. die Verhandlungen in dieHofsprache" zu übersetzen haben. In ihr heißt es z. B. stattbring um"nimm weg" und statttödten"niederlegen." So dürfen auch Worte wie sterben, fluchen rc. vor des Königs Ohren nie genannt werden.