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Zweites Blatt.

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Trscheivt täglich mit «»-«ahme bet Sonn- und Met erläge, mit bettetriftifd) et Beilage.

Nr 93. Samstag den 21. April 1800

Arbeiter und Flotte.

DerVorwärts" hat neulich behauptet andere sozial­demokratische Blätter haben es ihm nachgesprochen die deutschen Arbeiter verdienten an den Schiffsbauten 30 bis 40 v. H., müßten aber zu den Flottenkosten 75 v. H. bei­tragen, so daß es sich auch hier wieder um eine ungeheure Auswucherung des Volkes handle. Daß es sich bei dem Satze, das arbeitende Volk müsse 75 v. H. der Flottenkosten aufbringen, um eine unbeweisbare Behauptung desVorwärts" handelt, wird Jedem ohne Weiteres einleuchten, der das höchst oberflächliche Zahlenmaterial des sozialdemokratischen Blattes prüft. Die Arbeiter brauchen in der That nicht drei Viertel der Flottenkostcn zu bezahlen, sondern diese Summe fließt ihnen im Gegentheil als Arbeitslohn in die Tasche.

Aus sorgfältig angestcllten Ermittelungen ergibt sich, daß von den Kosten eines Linienschiffes 29 v. H., eines großen Kreuzers 29,5 v. H., eines kleinen Kreuzers 38,8 v. H. Ar­beitslohn sind. Es ist ferner ermittelt worden, daß im Ver­kaufswerth von Schiffs- und Maschinen-Baumaterialien im Allgemeinen 70 v. H. Arbeitslohn stecken, im Panzermaterial weniger, etwa 60 v. H., im Inventar auch 70 v. H. Dar­nach ergibt sich, daß in einem Linienschiffe, wenn man seine Kosten, wie in der Flotten-Novelle, mit 25 Millionen Mark ansetzt, mehr als 180» Millionen Mark oder fast genau 75 v. H. Arbeitslöhne find. Günstiger gestaltet sich das Verhältniß beim großen Kreuzer, für dessen Herstellung bei­nahe 14 Millionen Mark oder fast 78 v. H. Arbeitslohn aufgewendet werden, noch günstiger beim kleinen Kreuzer, bei dem rund 80 v. H. auf Arbeitslohn entfallen. Sehen wir einmal zu, wie sich das Geld vertheilt.

Während des jetzt bestehenden sog. Sexennats, der auf sechs Jahre bemessenen Zeit zur Durchführung des Flotten- Gesetzes von 1898, werden im Ganzen in baar an die Werft­arbeiter ausgezahlt werden 77,7 Millionen Mark, oder im Durchschnitt jährlich 12,95 Millionen Mark. Da auf den kaiserlichen Werften durchschnittlich der einzelne Werftarbeiter 1170 Mark verdient, so ergibt sich, daß während des Sexen­nats jährlich rund 11000 Werftarbeiter Beschäftigung finden. Dazu treten noch die Arbeiter, die bei der Herstellung des Schiffsbau-Materials einschließlich der Panzer, im Bergbau, in den Hütten- und Walzwerken, in den Maschinenfabriken u. s. w. beschäftigt sind. Ihre Zahl beläuft sich während des Sexennats auf 19500 Mann, die erwa 19,05 Millionen Mark jährlich an Lohn beziehen dürften. Die Beschäftigung für die Artillerie-und Torpedo-Armirungen nimmt während des Sexennats die Arbeitskraft von 7410 und 2800 Männern in Anspruch. Erwähnt seien noch die Arbeiter, die bei der Instandhaltung der Schiffe und im Betriebe der Werften be­schäftigt werden; ihre Zahl wird bis 1903 auf 18 000 ge­

stiegen sein. Alle diese Zahlen würden natürlich durch die bevorstehende Flottenvermehrung wesentlich erhöht werden.

Das sind die unmittelbaren Vortheile, die einer großen Zahl von Arbeitern aus einer dauernden und gesicherten Be­schäftigung durch die Arbeit auf den Werften und bei den Hülfs-Jndustrien des Schiffsbaues erwachsen. Ferner darf nicht vergessen werden, daß heute mindestens zwei Drittel der gesammten Industrie-Bevölkerung in ihrer Arbeits-Gelegenheit von der ungehinderten Ein- und Ausfuhr abhängig sind. Es ist wohl überflüssig, bei diesem Thatbestände darauf aufmerk­sam zu machen, welch ein namenloses Elend über die weitesten Volkskreise eine auch nur kurze Zeit dauernde Blockade bringen würde, da sie die Stockung aller Erwerbsthätigkeit im Gefolge hätte. Dem Unverstand der sozialdemokratischen Partei­führer würde der Arbeiter es zu verdanken haben, wenn er die Folgen einer unzureichenden Scewehr dereinst an seinem eigenen Leibe verspüren sollte.

Politischer Wochenbericht

Die verflossene Osterwoche war durch ein dem Gebiete friedlicher Kultur-Arbeit angehörendes Ereigniß ausgezeichnet, das in seiner Bedeutsamkeit wohl geeignet ist, für den Augen­blick alle übrigen Dinge in den Schatten zu stellen und vor­übergehend die Aufmerksamkeit selbst von dem Kriegs- und Schlachtenlärm Südafrikas abzulenken : wir meinen die Er­öffnung der P a r i ser W el tau s st e lln n g. Der Handels­minister Millerand wie der Präsident der Republik, Loubet, leiteten den feierlichen Akt mit längeren Reden ein, in denen sie die Arbeit verherrlichten und die Segnungen des Friedens priesen. Loubet schloß mit einem Ausdruck des Dankes an die fremden Regierungen für die Förderung, die sie dem großen Unternehmen gewährt haben. Von diesem Danke darf auch Deutschland sein vollgemessen Theil für sich in Anspruch nehmen. In vollendeter Gestalt tritt die deutsche Ausstellung bereits dem Besucher entgegen, und Alles ist geschehen, um die führende Stellung Deutschlands in den Werken des Friedens zu klarem Ausdrucke zu bringen.

Während so in Europa ein friedliches Zusammentreffen aller Rationen stattfindct und Loblieder zum Preise des Friedens ertönen, wüthet in Südafrika der Kriegsbrand weiter. Der Schwerpunkt der kriegerischen Unternehmungen liegt gegenwärtig bei Wcpener im Südosten von Bloemfontein. Dort ist der englische Oberst Dalgatp von den Buren ein­geschlossen, und die Engländer machen große Anstrengungen, ihn zu befreien und die Buren entscheidend zurückzuschlagen. Erst wenn ihnen dieses gelingt, gewinnen sie die Möglichkeit weiterer Operationen, während andererseits der Besitz von Wepener die Buren in den Stand setzen würde, sowohl die feindliche Stellung bei Bloemfontein fortgesetzt zu beunruhigen'

wie die rückwärtigen Verbindungen der Engländer zu stören. Im Westen dauert die Belagerung von Mafeking fort, wäh­rend in Natal, woher Feldmarschall Roberts alle entbehrlichen Truppen an sich zieht, die Buren also, wie bei Bloemfontein, zur Offensive übergegangen sind. Inzwischen hat sich eine Sonder-Gesandtschaft der Buren-Republiken nach Europa begeben. Freilich ist nicht zu erwarten, daß sic in der Zurückhaltung, welchedie sämmtlichen Regierungen beobachte», eine Wandlung hcrbciführen wird.

Alle Gerüchte, welche über eine derartige Wandlung bisher in Umlauf gesetzt worden sind, entbehren der thatsächlichen Begründung, so insbesondere auch die sensationellen Nach­richten, welche sich in dieser Hinsicht jüngst an den Aufent­halt des Z a r c n p a a r e s in M o s k a u knüpften. Der Zar, so hieß es, werde vom Kreml aus ein Ultimatum an England richten, um den Frieden mit den Buren-Republiken zu erzwingen, und dergleichen mehr. In Wirklichkeit ist an eine Aenderung der bisherigen neutralen Haltung Rußlands nicht zu denken, und der russische Finanzminister von Witte hat sich denn auch alsbald beeilt, anitlich zu erklären,daß alle Gerüchte über bevorstehende wichtige Entscheidung unbe­gründet seien."

Allerdings macht sich in der öffentlichen Meinung Eng- lauds trotzdem fortgesetzt eine starke nervöse Unruhe gegen­über den Plänen Rußlands bemerkbar. Zeugniß legt hier­von neuerdings wieder der von derTimes" abgedruckte an­gebliche Brief des E m i r s v o n Afghanistan ab, in welchem dieser Klage darüber führt, daß er, der treue Bundes­genosse Englands, sich jetzt, wo Afghanistan aufs Acußcrste bedrängt werde, von der britischen Regierung im Stich ge­lassen sehe. Daß sich die öffentliche Meinung in England gerade augenblicklich nervös zeigt, ist freilich kein Wunder, wachsen doch der britischen Politik allenthalben Schwierigkeiten aus dem Boden. So hat sich zu der blutigen Erhebung der Aschanti in Westafrika, die ein recht drohendes An­sehen gewinnt, nun auch noch ein Aufstand in Khanpur in Indien hinzugesellt, der unter Umständen ernstliche Gefahren heraufzubeschwören vermag.

Auch außerhalb des englischen Herrschafts-Gebietes aber gährt es gegenwärtig vielfach unb zwar besonders in Afrika. Die Besitznahme der Tuat- und Tidikelt-Oascn durch Frankreich hat in M ar o k ko große Erregung hervorgerufen, im K o n go - st aat e sind die Bundja-Neger im Aufstande begriffen, und aus dem Nordosten Afrikas wird von Kämpfen zwischen Ma d h i st e n und A b e s s y n i e rn berichtet. Dagegen lauten aus unserem K a m e r »n die Nachrichten wieder befriedigend: die jüngsten Unruhen sind dort beigelegt, und auch die Nach­richten über den Arbeiter-Mangel haben sich als stark über­trieben erwiesen.

Feuilleton.

Seemacht in der Geschichte.

IV.

1. England gegen Dänemark. Als sich Dänemark der vom Zar Paul I. im Jahre 1800 wieder ins Leben gerufenen bewaffneten Neutralität angeschlossen hatte, um den geradezu unerträglichen Uebergriffen Englands gegen die neutrale Schifffahrt ein Ende zu machen, oder wenigstens etwas glimpflichere Behandlung für den neutralen Seehandel durchzusetzen, mußte cs dafür schwer leiden. Schon im Dezember 1799 und im Juli 1800 hatten feindliche Zu­sammenstöße zwischen englischen und dänischen Fregatten^ statt­gefunden, von denen die letzteren Kauffahrer ihrer Flagge konvoyirt (zur Bedeckung begleitet) hatten, um sie vor den Kriegführenden zu schützen. Bei einem der Kämpfe wurde von den Engländern eine dänische Fregatte genommen. Kurz darauf, im August 1800, erschien ein englisches Geschwader vor Kopenhagen, um die diplomatischen Verhandlungen zu unterstützen; die Dänen mußten sich bereit erklären, künftig das Konvopiren anfzugeben. Diese unfreundliche Handlung Englands hatte Dänemark zum Beitritt zu dem am 16. Dezember 1800 erneuerten bewaffneten Neutralitäts-Bunde getrieben. England wollte diesen ihm lästigen nordischen Bund auflösen und schickte deshalb eine starke Flotte im ^März nach Kopenhagen, die nach kurzen Verhandlungen die Feind­seligkeiten begann. Nelson zerstörte mit seinem kühnen An­griff einen großen Theil der dänischen Schiffe. Auch die Beschießung der Stadt war vorbereitet, unterblieb aber, weil die Dänen nach längern Verhandlungen aus dem Neutralitäts- Bunde austraten.

Noch ein zweites Mal gerieth Dänemark in eine ähnliche Lage. Als nämlich Napoleon alle europäischen Flotten gegen England zu vereinigen plante, forderte England von dem noch völlig neutralen Dänemark die Auslieferung seiner Flotte, um sie in eigeneObhut" zu nehmen. Als Dänemark diese äußerst ungewöhnliche Forderung ablehnte, wurde Kopenhagen mitten im Frieden von einer mächtigen englischen Flotte über­fallen und vom 2. bis 5. Sept, heftig beschossen, zugleich von der Landseite von einem gelandeten Heere angegriffen. Die Folge war die erzwungene Auslieferung der ganzen, nicht bemannten dänischen Kriegsflotte von 18 Linienschiffen, 15 Fregatten u. s. w. mit allem Kriegszubehör an die Engländer. Nebenbei setzten sich damals die Engländer auch auf dem dänischen Helgoland fest, um die Insel später ganz für sich zu behalten.

2. D i e Blok ade der nordamerikanischen Südstaaten. Nach dem Urtheile des amerikanischen Ad­mirals Porter hat die Blockade der Südstaaten also die Seeherrschaft der Nordstaaten mehr dazu beigetragen, um die Südstaaten zu Fall zu bringen, als alle anderen militä­rischen Operationen zusammengenommen. Die Südstaaten waren nämlich mit ihren Staats-Einnahmen gänzlich von der Freiheit der Ausfuhr ihrer Landes-Erzeugnisse, wie Baumwolle, Zucker, Tabak u. A. abhängig, und ihre ganze Kriegs-Aus­rüstung, dazu Maschinen, Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, mußten sie vom Auslande beziehen. Durch die allmählich auf die ganze Küste der Südstaaten von rund 3000 Seemeilen Länge ausgedehnte Blockade, die von 313 Dampfern und 105 Segelfahrzeugen streng durchgeführt wurde, war der Seeverkehr der Südstaaten so gut wie völlig abgeschnitten; jedenfalls genügte die Blockade, um die Widerstandsfähigkeit des tapfern südstaatlichen Heeres mehr und mehr zu lähmen und schließlich ganz zu brechen.

Am Schlimmsten hatte die blühende Seehandelsstadt Neu- Orleans zu leiden; auf sie waren naturgemäß die heftigsten

Angriffe gerichtet, die auch schon im Frühjahr 1862 zur Ein­nahme der Stadt führten. Der Fall von Neu-Orleans lieferte den größten Theil des Mississippi an die Nordstaaten aus. Welcher direkte Schade noch mit der Blockade verknüpft war, ist daraus zu erkennen, daß die Blockirendcu während des Krieges nicht weniger als 1149 Schiffe als Prisen nahmen, deren Verkauf rund 118 Millionen Mark einbrachte; außerdem wurden 355 Schiffe aus Furcht vor der Wegnahme von den Eigenthümern vernichtet.

Trotzdem einige schnelle Dampfer als Blockade-Brecher einen beschränkten Verkehr mit dem Auslande aufrecht hielten, stiegen die Preise aller Lebensmittel und Gebrauchs-Gegen­stände ungeheuer. Ueberall war Mangel an den einfachsten Dingen. In Richmond kostete im Februar 1863 ein Schinken 46 Mark, Kaffee 7 Mark, Thee 71 Mark, brauner Zucker 110» Mark das Pfund. Mit der Ernährung und Bekleidung der Soldaten sah es jämmerlich aus. Noth |unb Elend überall war die fürchterliche Wirkung der Blockade, die die Niederlage der Südstaaten vorbereitete und herbeiführte.

Aus Kunst und Leben.

Wehklage eines Parisers. Das Sprüchwort sagt: Um eine Ommelette backen zu können, muß man erst die Eier zerschlagen." Das weiß man bereits. Wer eine Welt­ausstellung haben will, muß allerlei Unannehmlichkeiten er­dulden. Die Pariser hätten denn auch das Ungemach ertragen, ihre Straßen aufgewühlt und gesperrt zu sehen, wenn sie nur ein Ende hätten erhoffen dürfen. Aber man möchte glauben, die Straßenarbeiten mehrten sich in dem Maße, als die Er­öffnung der Ausstellung nahte. Der Pariser weiß schon, daß er in den nächsten sechs Monaten in den Omnibussen keinen Platz mehr finden, daß in den Restaurants der Tiich, wo er sich niederzulaffen pflegt, besetzt sein wird, daß er alles theuerer