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Amtliches Gvgan für StsSt- unS Lsuökreis Hansa

Trschemt täglich mit AvSnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Zm Reklamentheil bi» Beile 20 4, ft* lutmärt« 30 4*

Freitag den 20. April

1900

Hierzu Amtliche Beilage" Nr. 17.

Amtliches.

Handelsregister.

1. Aus der zu Hanau unter der Firma J. Benjamin bestehenden offenen Handelsgesellschaft ist der Gesellschafter Joseph Oppenheim am 21. Januar 1900 durch Tod ausgeschieden. Die übrigen Gesellschafter setzen die Gesellschaft unter der alten Firma fort. Die der Ehestau von Joseph Oppenheim, Rebekka geb. Cahn, in Hanan ertheilte Prokura ist erloschen.

2. Die Firma I. August Herbert in Großauheim ist erloschen.

3. Die Firma Ernst Fried. Wagner in Hanau ist erloschen.

4. Die Firma L. I. Wiesener W w e. in Hanan und die dem Georg Theodor Wiesener daselbst er­theilte Prokura ist erloschen.

5. Die Firma J. Strauß in Niederrodenbach ist erloschen. Hanau den 17. April 1900.

Königliches Amtsgericht 5. 6525

Städtische höhere Mädchenschule.

Die Anmeldung neu zugehender Schülerinnen findet, soweit dieselbe bis dahin nicht bereits erfolgt ist, Samstag den 21. April d. Js., vormittags von 9'/s Uhr und Mon­tag den 23. d. Mts., von 1112 Uhr im Amts­zimmer, Steinheimerstraße 37, statt.

Die Aufnahmeprüfung der angemeldeten Schülerinnen, die schon Unterricht genossen haben, wird Montag den 23. April, vormittags 9 Uhr, im Schulgebäude abgehalten.

Die Kinder, welche in die unterste Klasse eintreten, werden Dienstag den 24. April, vormittags 9 Uhr, der Schule zugeführt.

Hanau, im April 1900.

Der Direktor.

Bungen st ab. 6562

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Taschenmesser mit brauner Hornschale und 3 Klingen. 1 Portemonna e mit 4.47 Mk. Inhalt. 1 Sack Kartoffeln.

Entflo gen: 1 gescheckter Kanarienhahn.

Hanau den 20. April 1900.

Feuilleton.

Ist dcr Kühling giimil?

Von Dr. Curt Figulus.,

^Nachdruck verboten.

Mit Ausnahme der tanzlustigen jungen Welt, welche am lendemain einer animirten Ballnacht sich bcwegungsftoh auf der spiegelnden Fläche des Eises weitertummelt, sind sich fast alle Erwachsenen darüber einig, daß unser Winter eine un­angenehme, gesundheitsschädliche Jahreszeit ist. Nicht nur ber Kranke, der von den milden Lcnzeslüftcn Gesundung er­hofft, sondern auch der Gesunde, dem die Folgen des Acht­und luftlosen Lebens im Winter nun in Form einer gewissen Abspannung in den Gliedern liegen, sehnt sich nach dem Früh­ling, der Alles wieder gut machen und die Adern mit neuer Lebenslust füllen wird.

Ein großer Theil der gehegten Erwartungen geht nun in der That auch in Erfüllung; denn Licht und warme Luft sind Heilmittel ersten Ranges und es wäre traurig um die Menschheit bestellt, wenn der Körper aus jedem Winter dauernd geschwächt hervorginge; immerhin hat aber auch das Frühjahr seine nicht unerheblichen Gefahren für die mensch­liche Gesundheit; nur liegen sie nicht so handgreiflich vor Augen und da man über dieselben leicht hinwegzusehen pflegt, ist Derjenige keine Kassandra im medizinischen Gewände, der daran mahnt, zu dieser Zeit aus seine Gesundheit noch etwas mehr zu achten, als er es sonst zu thun pflegt.

Beim Beginn der warmen Witterung geht im Organismus eine förmliche Revolution vor sich, die sich in allen Lebens­äußerungen bemerkbar macht. Geist und Gemüth bleiben keineswegs unberührt hiervon und wenn Statistiker neuer­dings wieder darauf aufmerksam machen, daß die ungewöhn­

Die Burenmission.

Die beiden hartbedrängten Buren-Republiken haben eine aus Mitgliedern der Regierung und der parlamentarischen Körperschaften in Bloemfontein und Pretoria bestehende Depu­tation nach Europa geschickt, die für baldige Beendigung des Krieges und für Erhaltung der Selbständigkeit der Repu­bliken beim Friedensschlüsse wirken soll. Sie hat ihren Weg durch Italien nach Amsterdam genommen, wo sie gegenwärtig weilt. Englische Blätter hatten die Nachricht verbreitet, daß der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen, Graf Bülow, in Mailand Unterredungen mit der Burenmission sowie mit dem Gesandten der Südafrikanischen Republik, Dr. Leyds, der ihr entgegengefahren war, gehabt habe. Die Nachricht war unbegründet; Graf Bülow hielt sich während der Feiertage am Saco Maggiore znm Besuche bei seinem Bruder auf und hat keinen Burenvertreter zu Gesicht bekommen.

Richtig ist, daß Dr. Leyds und die Burenmission in Mai­land mit dem dortigen kaiserlichen Konsul v. Herff zusammen­getroffen sind. Hierbei handelte es sich aber nur um einen Austausch natürlicher Höflichkeiten. Herr v. Herff war vor Ausbruch des Krieges Jahre lang deutscher Konsul in Pre­toria ; in dieser Zeit hatte er mit Herrn v. Leyds, dem früheren Staatssekretär von Transvaal, und einzelnen Mit­gliedern der Sondergesandtschaft in persönlichem Verkehre ge­standen, und es lag daher nahe, daß er die Besuche der ihm bekannten Herren empfing und erwiderte. Der Vorgang ist also ohne jede politische Bedeutung und verdiente kaum Er­wähnung, wenn er eben nicht bei der jetzt in England gegen Deutschland herrschenden, hochgradigen Empfindlichkeit zur Verdächtigung der streng neutralen Haltung der deutschen Po­litik dienen sollte.

Wohin sich die Burenmission von Amsterdam aus, wo sie von der Königin Wilhelmine empfangen wurde, wenden wird, ist unbekannt. Ob sic auch nach Berlin kommt, steht dahin, an amtlicher Stelle weiß man nichts davon. Man würde sie in Berlin wohl kaum abweisen können, obgleich nicht abzu­sehen ist, was sie hier ausrichten könnte. Unsere eigenen In­teressen haben uns trotz aller Spmpathien im Volke für die schwächere, ihre Unabhängigkeit muthig vertheidigende Parthei eine klare Neutralität vorgeschrieben, die unabänderlich ist. Die Mission hätte daher nur eine höfliche, in der Sache aber un­verbindliche und fruchtlose Aufnahme zu gewärtigen.

Tagesschau.

Zur Verlobung des Prinzen Rupprecht, des künftigen Bayernkönigs,

mit der jüngsten Tochter des bekannten Augenarztes Herzogs Karl Theodor schreibt man derKöln. Ztg." unter dem 17.

lich hohe Selbstmordsziffer im Mai nicht nur in wirthschaft- lichcn Gründen, sondern in einer viele Menschen beherrschen­den Frühjahrsmelancholie wurzele, so haben sie auf ihrer Seite keinen geringeren Gewährsmann als Schiller, der wiederholt über die ihn zur Zeit der Maienblüthe beherrschende seelische Depression geklagt hat.

Diese vereinzelten Fälle mit tragischem Ausgange sind natürlich keine allgemeine Gefahr; sie hängen jedoch vermuth­lich mit einer Erscheinung zusammen, die fast Jeder schon an sich selbst beobachtet haben wird, nämlich mit jener höchst auffälligenFrühjahrsmüdigkeit", von welcher die meisten Menschen befallen werden, sobald eine Reihe wirklich warmer schöner Tage ins Land zieht. Ein mittelgroßer Spaziergang, eine Landparthie von wenigen Stunden, welche wir zu jeder anderen Jahreszeit ohne eine Spur von Anstrengung ab- solviren, hinterläßt ein ungewöhnliches Gefühl von Erschöpfung und was das Seltsamste dabei ist der Körper vermag die ihm hinterher gebotene Gelegenheit zur Erholung nicht einmal recht auszunützen; denn eine schwer zu beschreibende nervöse Erregung läßt uns nicht zum Genuß der sonst an­genehm empfundenen passiven Ruhe kommen und verscheucht den Schlaf. Auch Leute, die in nichts von ihren täglichen Gewohnheiten abweichen, bemerken diese Müdigkeitserscheinungen in verschiedener Intensität an sich und obendrein kann fast Jeder, der sich aufmerksam beobachtet, ein erhöhtes Bedürfniß nach Getränk an sich feststcllcn, während die seelischen Em­pfindungen in anscheinender Regellosigkeit, bei dem Einen den Charakter der Traurigkeit, bei dem Anderen aber jenen der Fröhlichkeit habeu.

Die Ursachen dieses Zustandes sind leicht zu ergründen. Müdigkeit ist in der Sprache der Physiologen ausgedrückt immer die Folge von Sauerstoffmangel im Gehirn und den übrigen Theilen des Nervensystems. Ein solcher Mangel ist regelmäßig vorhanden am Ende einer anstrengenden viel­

d. M. aus München: Der zur Zeit am Ruder befindliche Zweig des wittelsbachischen Königshauses zählt da alle drei Söhne des Regenten in kinderreichen Ehen leben, viele Köpfe, sodaß es mit der Gefahr des Aussterbcus gute Wege hat. Trotzdem war die Fama seit Jahren geschäftig, den Prinzen Rupprecht, der nun schon bald 31 Jahre alt wird für die mittleren Gesellschaftsschichten das gewöhnliche Hciraths- alter, für die höchsten und niedrigsten dagegen schon ein spätes bald mit dieser, bald mit jener Prinzessin sich ver­loben zu lassen. Endlich während der Ostertage ist das viel­besprochene Ereigniß eingetreten und dem bayerischen Volke die Kunde geworden, daß seine zukünftige Königin als Tochter des in Tegernsee wohnenden Augenarztes Karl Theodor schon von Geburt eine bayerische Prinzessin ist aus der herzoglichen Linie der Wittelsbacher. Den Thatsachen würde es ent­sprechen, wenn man den Bräutigam und ältesten Enkel des 79jährigen Regenten als Sohn desThronfolgers" Prinzen Ludwig bezeichnete. Nach amtlicher Ausdrucksweise ist dies aber nicht zutreffind, da ja keineswegs feststeht, ob auch nur dieser Letztere, der um 3 Jähre älter als der jetzt 52jährige irrsinnige König Otto ist, jemals den Königstitel führen wird. Ueber die Persönlichkeit des Prinzen Rupprecht, der natur­gemäß in der Oeffcntlichkeit noch wenig hervorgetreten ist, läßt sich mit Bestimmtheit so viel sagen, daß er im Gegensatz zu den prunkliebènden künstlerischen Neigungen der Könige Ludwig I., Max und Ludwig II. die mehr auf das praktische Leben gerichtete, sehr reale und jeder Ueberschwänglichkeit ob- holde Anlage seines regierenden Großvaters und vor Allem seines Vaters besitzt. Der Prinz besuchte bis zum 17. Jahre ein hiesiges Gymnasium, widmete die Zeit bis zum 20. Lebensjahre seiner militärischen Ausbildung und hörte dann drei Semester an den Universitäten von München und Berlin nationalökonomische und sonstige Kollegien. Viel besprochen wurde die Entsendung nach Berlin im Sommer 1890, die den jungen Wittelsbacher in vielfachen nahen Verkehr mit unserer kaiserlichen Familie brachte. Er begleitete den Kaiser zu den Manövern nach Schleswig-Holstein, interessirte sich gleich seinem Vater für das Seewesen und wurde ü la suite des Leib-Kürassicr-RegimentsGroßer Kurfürst" gestellt. Ungleich seinem Vater, der nicht lange Berufsmilitär gewesen ist, hat der Prinz seitdem in verschiedenen Infanterie- und Artillerie- Regimentern weiter gedient und befehligt augenblicklich als Oberst das zweite Leibregiment. Wohl aber entspricht cs der Eigenart seitens Vaters, daß er auch naturwissenschaftliche, anthropologische und geographische Vorlesungen gehört und zu Studienzwecken nicht nur die meisten Länder Europas, son­dern voriges Jahr auch Indien bereist hat. Als Mitglied der ersten bayerischen Kammer, der alle großjährigen Prinzen angehören, hat Prinz Rupprecht, mit dem Bericht über die

stündigen, geistigen oder körperlichen Tagesarbeit; der vor­handene Ueberschuß an Sauerstoff im Körper ist fast völlig aufgebraucht; statt dessen haben sich in den Körperzellen Kohlensäure und die anderen Zersetzungsprodukte des Lebens­prozesses, die man neuerdings als Ermüdungsstofsc bezeichnet, und welche eine cxqnisit giftige und lähmende Wirkung auf die Nerven ausüben, angcsammelt und der Körper braucht eine vielstündige Nachtruhe, um die schädlichen Substanzen auszuscheiden und sich aufs neue mit Sauerstoff zu^bereichcrn. Etwas Aehnliches vollzieht sich nun spontan _ zur Frühjahrs­zeit. Die milderen Lüfte und die chemische Energie des Sonnenlichtes beschleunigen das Tempo des Stoffwechsels; die Blutgefäße und Lymphräumc des Unterleibes und der Hände und Füße füllen sich strotzend an mit der ihnen zu­gehörigen Flüssigkeit, und während hier Ueberfluß an Blut herrscht, fehlt dafselbe an anderen Orten, insbesondere im Gehirn, welches den Mangel an Blut und Sauerstoff im Bewußtsein in das Gefühl der Müdigkeit. umsetzt. Daneben steigert sich die Transspiration zu bedeutender Höhe; nicht nur diejenigen Menschen, welche Dank ihrer großen Korpulenz selbst bei kühler Lufttemperatur schwitzen, sondern auch magere, schlank gewachsene Personen verlieren im Frühjahr durch die vermehrte Lungen- und Hautathmung viel Wasser und infolge dessen macht sich der Durst in ungewohnt lebhafter Weise geltend.

An sich wäre ja nun dieser Uebergangszustand des Körpers, der in wenigen Tagen bis Wochen überwunden wird, nur eine Unbequemlichkeit; leider aber disponirt man in dieser Verfassung auch ganz besonders zu Erkältungen und Infektionen. Es ist bekannt, daß bei allen Erkältungen niedere Tempcraturgrade nur dann schädlich wirken, wenn sie mit jähem Witterungswechsel und großem Feuchtigkeitsgehalt der Luft verbunden sind oder auf einen Körper treffen, in welchem Blut und Wärme ungleichmäßig vertheilt find.