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Amtliches Organ für $faöi- vnS LauSKreis Hanau
Grscheirrt täglich mit ANsnahmL der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Mr. 85.
Dienstag den 10. April
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1900
Amtliches
Bekanntmachung.
Versendung von Ausstellungsgütern für die Weltausstellung in Paris durch die Post.
Für die Weltausstellung in Paris bestimmte Ausstellungsgüter aus Deutschland, welche in Postpacketen oder Postfracht- stückcn zur Absendung gelangen, können unmittelbar bis in die Plätze der deutschen Abtheilungen des Ausstellungsgeländes übergeführt werden, wenn sie folgenden Bedingungen entsprechen :
1. Die Sendungen müssen an den Aussteller oder an seinen Vertreter adressirt und, außer von den vorgeschriebenen Zoll-Inhaltserklärungen, von einer besonderen Erklärung des Absenders über Art (nature), Gattung (espèee), Gewicht und Ursprung des Inhalts begleitet sein. Diese Erklärung ist ân der Begleitadresse haltbar zu befestigen.
2. Die Packete müssen auf zwei gegenüberliegenden Seitenflächen mit je einem französischen Bcklebezettel und mit je einem deutschen Beklebezettel versehen sein. Die französischen Bcklebezettel haben den Namen des Ursprungslandes, den Namen des Ausstellers in lateinischen Buchstaben und die Nummer seiner Zulassungs-Bescheinigung zu enthalten und diejenige Abtheilung des Ausstellungs- gcländcs zu bezeichnen, nach welcher die Sendung geleitet werden soll. Die deutschen Bcklebezettel (schwarz, weiß roth), geben gleichfalls in französischer Sprache Deutschland als Ursprungslaud an, ferner den Namen des Ausstellers und die Nummer seiner ZulassungsBescheinigung. Die erforderlichen französischen und deutschen Peklebezettel werden den Ausstellern durch den Reichskommissar geliefert. Ferner müssen auf jedem Packete die Buchstaben E. U., umgeben von einem starken schwarzen Kreise (Pinsclstrich) sowie das Rohgewicht der Sendung in Kilogramm vermerkt sein.
3. Der Name des Ausstellers und die Nummer seiner Zulassungs-Bescheinigung müssen auf der Begleitadresse angegeben sein.
Berlin W., 6. April 1900.
Reichs-Postamt. I. Abtheilung. Kr a e t k e.
LârrHâ^ers . ^anau. Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Ausschreiben.
Am 17. März d. I. ist in H ü tt engèsäß hiesigen Kreises ein1 Junge im Alter von 14—15 Jahren zugelaufen. Derselbe ist von unbekannter Herkunft und aller Wahrschein-
Tagesschau.
Marine.
Das I. Geschwader ist von seiner Fahrt nach der Danziger Bucht am 8. vormittags wieder in Kiel eingetroffen, wo die Schiffe bei Regen und kaltem stürmischem Nordost- wind an ihren Bojen festmachten. Der Hafen war am Sonntag nach Rückkehr des Geschwaders und der verschiedenen Schulschiffe vom Schloß ab bis über Bellevue hinaus mit Kriegsschiffen voll besetzt. Von innen bei der dem Schloß gegenüberliegenden Boje 2 anfangcnd, lagen in der äußeren Reihe bis zur Akademie „Carola", „Mars", „Odin", „Aegir", „Hohenzollern"; die innere, näher dem Wachtufer, mehr unter Land liegende Bojenreihe war vom „Hai", „Pelikan", „Rhein", „Hildebrand" und „Blitz" besetzt. Zu letzteren Schiffen sollte am 8. noch der Tender des Mars, das Panzerdeckskanonenboot „Brummer", treten, das seit dem 7. durch den Kanal von der Nordsee nach Kiel
i lichkeit nach fremder Nationalität, zumal er nicht Deutsch j sprechen kann. Genannter ist von kräftiger Statur, hat schwarzes Haar und dunkle Angen und war mit einem dunklen, ziemlich abgetragenen Anzuge bekleidet, trug Schnürschuhe und einen dunklen Filzhut. Derselbe wurde in sehr verwahrlostem Zustande in Hüttcngesäß aufgefunden und war ohne irgend welche Geldmittel oder sonstigen Besitz.
Soviel von dem Jungen zu ermitteln ist, ist sein Name Johann Edreck aus Medri-Brcska in Ungarn.
Da er sämmtliche Mäusefallenhändler-Artikcl mit Preisen geläufig herzusagen vermag, ist anzunehmen, daß er mit Ratten- und Mäusefallenhändlern umhergezogen und seinem Arbeitgeber oder Begleiter entlaufen ist.
Um Anstellung von Recherchen über die Person und die Heimathsverhältnisse des Genannten und evtl. Auskunfts- ertheilung hierher wird ersucht.
Hanau den 9. April 1900.
Der Königliche Landrath.
V 3395 v. Schenck.
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 goldener Trauring, gez. 8. V. In Kilianstädten im Gasihaus „zur Post" stehen geblieben: ein Handkoffer.
Entflogen: 2 weiße Trsmmeltauben, Klucke mit Ring am rechten Fuß mit Nr. 521 oder 524. 1 rothe Brünnertaube.
Zugelaufen: bei Lehrer Geb in Dörnigheim ein Foxterrier, m. Geschl.
Hanau den 10. April 1900.
unterwegs war. Ganz dicht in der Nähe der Hansabrücke war das Peilboot IV festgemacht, das zur Zeit mit Vermessung des äußeren Theils der Kieler Föhrde beschäftigt ist. Nach außen folgten auf „Hohenzollern" dann die Linienschiffe und die beiden kleinen Kreuzer des Geschwaders, der kleine Kreuzer „Greif", das Schulschiff für Maschinenwaffen und der große Kreuzer „Vincta". Am 10. steht die Ankunft des Linienschiffes „Kaiser Wilhelm II?' zu erwarten, das seine in der Nordsee begonnenen Probefahrten dann in der strom- freien Ostsee fortsctzen wird.
Vom Reichsamt des Innern.
Durch die nunmehr vom „Reichsanzeiger" gemeldete Ernennung des Geheimen Ober-Regierungsraths Wermuth zum Direktor im Reichsamt des Innern mit dem Rang der Râthe erster Klaffe ist die Bildung einer vierten Abtheilung im Reichsamte des Innern zum endgültigen Abschluß gelangt. Vor zwei Jahren noch war das Reichsamt des Innern in drei Abtheilungen getheilt. Die Vorbereitungen zu der nächsten Wirth- schafts-und Handelspolitik machten die Bildung einer neuen Abtheilung nothwendig, und so wurdedenn die dritte Abtheilung in zwei getheilt und der neuen Abtheilung die Handelspolitik und die sonstigen Handelssachen, insbesondere die Handelsverträge, die wirthschaftlichen Fragen des Ackerbaues und der Industrie, die »irthschaftliche Seite des Zoll- und Steuerwesens, die Erhebungen über die Produktionsverhältnisse des In- und Auslandes, die allgemeine Statistik und die Statistik des Waarenverkehrs mit dem Auslande, sowie die Angelegenheiten des Wirthschaftlichen Ausschuffes zur Erledigung übertragen. Zum Direktor dieser Abtheilung ist nun Herr Wermuth ernannt worden. Eine von den anderen Abcheilungen wird vom Untcrstaatssekrelär Rothe geleitet, die beiden übrigen von den Direktoren v. Woedtke und Dr. Hopf.
Der autonome deutsche Zolltarif.
Am vorigen Samstag sind die Sachvcrstândigen-Verneh- mungen über das neue Schema zu dem autonomen deutschen Zolltarife vor den Commissionen des Wirthschaftlichen Ausschusses zu Ende geführt. Wenn jetzt die Ergebnisse dieser Arbeiten zusammengcstcllt und einer Nachprüfung durch das Plenum des Wirthschaftlichen Ausschusses unterworfen sein werden, kann an die Ausarbeitung der entsprechenden Vorlage für Bundesrath und Reichstag herangcgangcn werden. Bevor diese Vorlage endgültig ausgearbeitet wird, dürfte zunächst ein vorläufiger Entwurf den Regierungen der Bundesstaaten zur Begutachtung vorgelegt werden. Man darf aber mitBe- timmtheit darauf rechnen, daß Bundesrath und Reichstag bald nach Beginn der nächsten parlamentarischen Campagne mit dieser Aufgabe befaßt werden können. Wenn es sich bisher
Feuilleton.
Seemacht in der Geschichte.
III.
England gegen Frankreich.
Der Siebenjährige Krieg gegen Frankreich (1756 1763) förderte Englands Seemacht gewaltig. Sechs Monate vor der amtlicheil Kriegs-Erklärung kreuzte bereits eine englische Flotte in der Biscaya-See und nahm 300 französische Handelsschiffe im Werthe von 24 Millionen Mark als Prisen tveg. Später wurde die Blockade über alle französischen Häfen erklärt; alle nach diesen Häfen bestimmten Handelsschiffe^ auch die neutralen, wurden als Prisen behandelt. Die Eroberung Canadas gelang den Engländern, weil sie die See beherrschten und die Franzosen hinderten, ihrer alten Kolonie Hülfe zu bringen. Auch die Macht der^ großen ftanzösisch-ostindischen Compagnie wurde vernichtet. Spaniens Bündnis; mit Frankreich vergrößerte nur die englische Beute an Kolonien und Handelsschiffen. Dabei blühten trotz vieler Verluste Handel und Schifffahrt in England während des Krieges mehr und mehr auf.
Trotz alledem war das englische Volk mit den Bedingungen des Pariser Friedens, der Englands Kolonialreich in Nordamerika ungeheuer vergrößerte, noch nicht zufrieden, weil man den Franzosen nicht den ganzen Kolonial-Besitz in Westindien und Ostindien entrissen hatte. Pitt sagte über die Friedcnsbedingungcn: „Frankreich ist uns hauptsächlich als See- und Handelsmacht gefährlich. Was wir in dieser Beziehung gewinnen, ist für uns vor Allem durch den Schaden werthvoll, den Frankreich davon hat. Sie lassen Frankreich die Möglichkeit, seine Marine neu ins Leben zu rufen." England war der einzige Staat, der aus bem Siebenjährigen
Kriege Nutzen ziehen konnte, und zwar lediglich dank seiner Seemacht!
Nelsons Sieg bei Akubir am 1. August 1798, der die französische Mittelmeer-Flotte fast gänzlich vernichtete, war ein Schlag von ungeheurer politischer Bedeutung für das ganze europäische Festland. Das Mittelmeer wurde infolge dessen der englischen Seeherrschaft ausgeliefert, Frankreich wurde durch einen Bund der Großmächte bedroht. Suwarow rückte mit dem russisch-österreichischen Heere an die französische Grenze — weil Bonaparte mit seinem Heere durch Nelsons Erfolg in Egypten isolirt wurde. Bonapartes große Pläne der Bedrohung Indiens durch Eroberung Egyptens scheiterten, weil ihnen die Grundlage entzogen war, deren sie bedurften: die Seeherrschaft auf dem Mittelmeer, um die Verbindung mit dem Mutterlande zu haben.
Während der dann folgenden Festlands-Kriege, die den Handel Frankreichs und Hollands, der einzigen für England damals in Betracht kommenden Nebenbuhler, völlig nieder- warfen, während England sich gleichzeitig der überseeischen holländischen und französischen Besitzungen bemächtigte, wurde England der Kaufmann und das Waarenlager für die ganze Erde. Der auswärtige englische Handel hatte im letzten Friedensjahre 44'/, Millionen Pfund Sterling betragen; im Jahre 1800 war er auf 733/s Millionen Pfund Sterling angeschwollen, so daßl Pitt mit Stolz und Staunen sagen konnte: „Wenn wir dieses Kriegsjahr mit den zurückliegenden Friedens jähren vergleichen, so erblicken wir in dem Betrage unserer Einkünfte und in der Ausdehnung unsers Handels ein Bild, das gleichzeitig paradox, unerklärlich und erstaunlich ist. Wir haben unsern äußern wie unsern innern Handels-Verkehr auf eine höhere Stufe gebracht als je zuvor, unb wir können auf das gegenwärtige als auf das stolzeste Jahr blicken, das dem Lande jemals beschicdcn war." (Pitts Rede vom 18. Februar 1801.)
An der ungeheuern Seemacht Englands um jene Zeit prallte auch die Erneuerung des Neutralitäts-Bundes "der Nordmächte wirkungslos ab, die von Kaiser Paul I. im Jahre 1800, und zwar nicht ohne Betreiben Bonapartes, heroorgerufen war. Die Folgen dieser Herausforderung Englands hatte Dänemark zu tragen.
Ueber die Bedeutung des letzten Nelsonschen Sieges sagt Fyffes „Geschichte des modernen Europa": „Die Schlacht von Trafalgar war nicht nur der größte Seesieg, nein, sie war der gewaltigste und bedeutungsrcichstc Sieg überhaupt, der während des ganzen Revolutions-Krieges zu Wasser oder zu Lande erfochten wurde. Kein Sieg und keine Reihe von Siegen Napoleons hatten die gleiche Wirkung auf Europa. Die Aussicht, die britische Flotte zu erdrücken, so lange England noch die Mittel hatte, eine Flotte auszurüstcn, ging ganz verloren." Und ein Franzose, der Admiral Stéeeillère, sagte geradezu: „Trotz allen Anscheins ist das Glück Napoleons I. keineswegs in den Flammen von Moskau verblichen; es ist in den Gewässern Trafalgars versunken. Vergebens folgte ein Sieg dem andern; alle Erfolge auf dem Festlande konnten ihn nicht retten; der Held ist an einer heimliche« Wunde zu Tode getroffen worden. Die Schiffe Englands waren es, die bei Waterloo siegten! Es hätte keinen Blücher gegeben, wenn kein Nelson gewesen wäre!"
Die Schlacht von Trafalgar machte England für Napoleon unangreifbar zur See; sie erzeugte daher den Gedanken ber Continental-Sperre zur Vernichtung des englischen Handels. England hatte zwar ebenfalls stark zu leiden unter dieser langjährigen Versumpfung des ganzen Handels-Lerkelms, aber dank seiner freien Bewegung auf dem Meere war cs Napoleon unb dem ganzen Festlande an Kraft und Ausdauer überlegen. Lo bewirkte die Seemacht Englands Ucbcrlcgenheit in den Zeiten seiner schwersten Bedrängnisse.