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Amtliches Organ für $faöt- unö Lanökreis Hanau
Erscheint täglich mit AnsNshme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
3m ReNavrentheU die Zeile 20 ^, ffa Kuitoärt« 30 ^.
Nr. 80. Mittwoch den 4. April
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1900
Amtliches.
Bekanntmachung.
Vom 1. April ab wird, wie im inländischen deutschen Briefverkehr, auch im Verkehre mit Oesterreich-Ungarn (einschl. Bosnien-Herzegowina und Liechtenstein), sowie mit den Deutschen Schutzgebieten und mit den in fremden Gewässern befindlichen Deutschen Kriegsschiffen die Gewichtsgrenze für einfache Briefe von 15 g auf 20 g erhöht.
Berlin W., 21. März 1900.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts, von Podbielski.
LârrHâ^ers ^aria/u.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Auf der Domäne Rüdigheimerhof ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Hanau den 4. April 1900.
Der Königliche Landrath.
V 3216 v. Schenck.
^taötMrew eWnau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bskauntwachung.
Mit dem 1. April d. I. ist die Verwaltung der Latrinengruben-Entleerung vom Stadtbauamt II auf das städtische Sielbauamt übergegangen und sind alle Anmeldungen bei letzterem auf Zimmer Nr. 5 im I. Stock des Hauses Langstratze Nr. 41 zu machen.
Hanan den 30. März 1900.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 5686
Handelsregister.
1. Die offene Handelsgesellschaft in Firma Schuch u. Mies zu Hanau ist aufgelöst, die Firma erloschen.
2. Die Firma W. Chr. 'Wagner in Hanau ist erloschen.
3. Die Firma Carl Sinzenich zu Hanau ist auf Antrag ihres Inhabers, des Kohlenhändlers Karl Sinzenich in Hanau, gelöscht worden, da sein Gewerbebetrieb nicht über den Umfang des Kleingewerbes hinausgeht
Hanau den 30. März 1900.
Königliches Amtsgericht 5. 5723
Handelskammer zu Hana«.
Die seit dein Jahre 1880 erschienenen Patentschriften über die von dem Kaiserlichen Patentamte zu Berlin in den sämmtlichen 89 Patentklasien ertheilten Patente tonnen in dem Sekretariate der Handelskammer (Stadtschloß hierselbst) an Werktagen von Ob's—120s Uhr vormittags und von 3—5 Uhr nachmittags von Jedermann unentgeltlich Ungesehen werden.
Um auswärts wohnenden Interessenten Gelegenheit zu geben, sich über ertheilte Patente zu unterrichten, gibt das Sekretariat einzelne Nummern der Patentschriften aus kürzere Zeit auch leihweise ab.
Hanau den 4. April 1900.
Die Handelskammer.
Cantha l.
214 Der Sekretär: Steller.
Tagesschau.
Militärisches.
Aus Anlaß des Reichshaushalts-Etats für 1900 sind vom 1. April ab neu errichtet worden: a) je eine Kommandantur für die Truppenübungsplätze — bisher Feldartillcric- Schicßplätze — Hammerstein mit dem Standort in der Stadt Hammerstein unb Lonsdorf mit dem Standort vorläufig in Neiße, sowie für den neuen Truppenübungsplatz Posen mit dem Standort auf diesem; b) eine Fortifikation „Feste Kaiser Wilhelm II." mit dem Standort Mutzig. Diese Fortifikation ist dem Gouvernement Straßburg i. E. und der 5. Festungs- Inspektion unterstellt; c) 5 Bezirkskommandos: II Dortmund, Elberfeld, II Essen, Gelsenkirchen und Hameln. Das Bezirkskommando II Münster ist unter entsprechender Nenbezcich- nung nach Coesfeld verlegt worden. Vom 1. Oktober er. ab werden neu formirt: d) 3 Eskadrons Jäger zu Pferde,
und zwar eine bei dem VIT. Armeekorps mit dem Standort zu Wesel — vorläufig auf dem dortigen Truppenübungsplatz — und unter Angliederung an das 2. Westfälische Husaren- regiment Nr. 11, zwei bei dem XI. Armeekorps mit dem Standort Langensalza; sie erhalten die Bezeichnung 1; und 2. Eskadron und werden dem Husaren-Regiment Nr. 14 angegliedert; e) 19 fahrende Batterien, und zwar je eine für die Feldartillerie-Regimenter, welchen eine solche bisher noch fehlt; f) bei der Feldartillerie-Schießschule: ein Stab des Lehr- Regiments, eine — die III. — Lehr-Abthcilung. Fu einem noch näher festzusetzenden Zeitpunkt wird eine neue Untcr- offizierschule in Treptow a. 'R. errichtet. Die etaismâßigen Mannschaften tragen die Uniform der Unteroffizierschule Marienwerder, jedoch gelbe Schulterklappen. Vom 1. April ab sind 32 Munition stragepferde dem Etat des Badischen Train-Bataillons hinzugetrctcn. Hiervon sind je 8 überwiesen: dem Magdeburgischen Jägerbataillon Nr. 4, dem Rheinischen Jägerbataillon Nr. 8, dem Hannoverschen Jägerbataillon Nr. 10 und dem Großherzoglich Mecklenburgischen Jägerbataillon Nr. 14. Außerdem wurden mit dem 1. April bei dem Kriegsministerium, bei den Kommandanten, beim Gcneralstabe, den Bezirkskommandos, den verschiedenen Schulen, der Kavallerie und Feldartillerie tc. eine große Zahl neuer Stellen errichtet und die Gehalte, Löhnungen und Zuschüsse für Schreiber re. vielfach erhöht. Am 1. Oktober wird in Frankfurt a. M. ein Filial-Artillcriedepot errichtet. Neu errichtet werden die Stellen von Oberkriegsgerichtsräthen, Kriegsgerichtsräthen, Militärgerichtsschreibcrn bei den kommandirenden Generälen und dem Gouverneur von Berlin, Militärgerichtsschreibern bei den Divisionskommandeuren, Gouverneuren und Kommandanten, Milüärgerichtsboten. Diese Beamten sind sämmtlich servisberechtigle Militärbeamte; die Bestimmung ihrer Uniform hat sich der Kaiser vorbehalten. Die Oberkriegsgerichtsräthe gehören zur vierten, die Kriegsgerichtsräthe zur fünften Rangklasfe der höheren Provinzialbeamten. Den Mannschaften der Fußtruppen, der fahrenden Artillerie und des Trains, die freiwillig ein drittes Jahr aktiv dienen, wird ein Löhnungszuschuß von 3 Mark monatlich und ein Kapitulations-Handgeld von 50 Mark monatlich gewährt. Diese Mannschaften dürfen aus dem Frontdienst nicht abkommandirt und zu Unteroffizieren nur dann befördert werden, wenn zur Beförderung geeignete Kapitulanten nicht mehr vorhanden sind. Für Gefechts- und Schießübungen im Gelände werden für 1900 u. A. dem XVIII. Armeekorps 76 000 Mk. gewährt.
Militärjustizwesen.
In Folge der neuen Regelung des Militärjustizwesens wird am 1. Oktober d. Js. das, Gencral-Auditoriat aufgehoben, wobei die Stellen des General-Auditeurs der Armee und der Räthe und Beamten des Generalauditoriats in Wegfall kommen. Ferner werden die Stellen der Korps- äuditeure, der Divisions-, Gouvernements- und Garnisonauditeure, sowie der Militürgerichtsaktuarien aufgehoben. Dagegen werden neu errichtet außer den Stellen beim Reichs- militärgericht die Stellen von Oberkriegsgerichtsräthen, Kriegsgerichtsräthen, Militärgerichtsschreibern und Militärgerichtsboten, die sämmtlich servisberechtigte Militärbeamte sind. Die Oberkriegsgerichtsräthe gehören zur IV. und die Kriegsgerichtsräthe zur V. Rangklasse der höheren Provinzialbeamten. Von den Oberkriegsgerichtsräthen darf die erste Hälfte zur Verleihung des Stellenranges der III. Klasse und von den Kriegsgerichtsräthen die erste Hälfte, soweit die ihr Angehörenden mindestens ein zwölfjähriges richterliches Dienstalter erreicht haben, zur Verleihung des Slellen- rangs der IV. Klasse in Vorschlag gebracht werden. An die Stelle der „Untersuchung führenden Offiziere" treten vom 1. Oktober d. Js. „Gerichtsofsiziere".
Eine Reichshandelsstelle geplant.
Der Bund der Industriellen beruft im Anschluß an die Verhandlungen des deutschen Handelstages vom 6. und 7. April einen engeren Ausschuß für Errichtung einer Reichshandelsstelle zu einer Sitzung am 8. April nach Berlin, (Palast-Hotel), der ebenda eine Sitzung des Gesammtausschusses am 9. April folgen wird. Zur Vorlage gelangen der Litteraturnachweis über den Gegenstand, die Denkschrift über ähnliche Einrichtungen im In- und Auslande und der Gruudplan für die Errichtung einer Reichshandelsstelle in Deutschland.
Politische und unpolitische Nachrichten. &$, Depcschen-Burcau Herold.
Berlin, 3. April. Der Kaiser hörte heute im Auswärtigen Amte den Vortrag des Staatssekretärs Grafen von Bülow und später im königlichen Schlosse denjenigen des
Chefs des Militär-Kabinets von Hahnke. Um 1 Uhr empfing der Kaiser in Antritts-Audienz den neu ernannten schwedischnorwegischen Gesandten Grafen Taube behufs Ueberreichang seines Beglaubigungsschreibens.
Berlin, 3. April. Das Staatsministerium trat heute Nachmittag 3 Uhr in seinem Dienstgebäude unter dem Vorsitz des Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen. An derselben nahmen sämmtliche Ressortminister theil mit Ausnahme des Justizministers Dr. Schönstedt, der sich mit sechswöchentlichem Urlaub nach Italien begeben hat. Wie den Abendblättern zufolge verlautet, stand die Novelle über den Verkehr mit Wein zur Berathung.
Berlin, 3. April. Die „Post" glaubt, daß über die Grundzüge der nach den Osterferien von Seiten der Regierung zu machenden Vorschläge für die Flottendeckungsfrage bereits ein Einvernehmen erzielt ist und daß es sich jetzt um die Ausarbeitung dieser Vorschläge im Einzelnen handelt. Andernfalls wäre die Urlaubsreife des Staatssekretärs des Reichsschatzamtes, Thielmann, unerklärlich. Das genannte Blatt erinnert nochmals daran, daß die verbündeten Regierungen mit sachdienlichen Vorschlägen zur Deckungsfrage die Schlüssel für einen befriedigenden Verlauf der Flottenangelegenheit in der Hand haben und daß sie in erster Linie die Verantwortung tragen, wenn die Dinge nicht den günstigen Verlauf nehmen, zu welchem alle Voraussetzungen vorliegen.
Berlin, 3. April. Die „Germania" schreibt: Infolge der Darlegungen des Bischofs von Anzer über die Lage der Mission in China erhielt das Auswärtige Amt auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers eine Anweisung, an den Gesandten in Peking auf diplomatischem Wege einen Druck auszuüben zum Schutze der deutschen Mission. Der Bischof hat also den Zweck seiner Reise nach Berlin völlig erreicht.
Berlin, 3. April. In der 13er Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberathung der Waarcnhaussteuer-Vor- lage, die nach den Oster-Ferien zur zweiten Lesung gelangen wird, dürften nach der Mittheilung eines parlamentarischen Berichterstatters die verschärften Hauptbestimmungen auch in der zweiten Lesung aufrecht erhalten werden, da das Zentrum und die K.nservativen über die Mehrheit verfügen.
Der Krieg zwischen England und den Buren.
Wir beginnen wieder mit der Pferdefrage, sie ist anscheinend augenblicklich die wichtigste in Südafrika, und England sucht ihr durch den Ankauf von 18000 Pferden zu begegnen. Bis diese aber in Südafrika eintreffen, kann und wird sich Manches ereignen. Der Stillstand des Lord Roberts bei Bloemfontein reizt sogar schon die Buren, aus ihrer abwartenden Haltung herauszutreten. Ihre Vorhut hat sich in dreister Weise der von den,Engländern besetzten Hauptstadt des Oranje-Freistaates genähert und hat zunächst sozusagen vor den Thoren einige Offiziere abgeschossen. Einen weit bedeutenderen Schlag aber versetzten die Buren den Engländern am Samstag, wo sie dicht bei Bloemfontein, fast unter den Augen des Lord Roberts, eine Abtheilung von Frenchs Kavallerie mit sechs Geschützen, im Ganzen 350 Mann, in einen Hinterhalt lockten und gefangen nahmen. Andere Kommandos sind in kühnem Vorstoß nach Süden an den englischen Verbindungs-Linien fühlbar geworden, d. h. also sie haben den kleinen Krieg eröffnet, in dem sic wohl mehr leisten, als in der offenen Feldschlacht.
Der englische Oberbefehlshaber ist ernstlich besorgt um die ' Verpflegung seiner Massen in dem an Lebensmitteln armen Lande, dessen Viehbestände fortgetrieben sind und zu dem die Zufuhr bedroht wird. Es haben sich selbst in der Nähe von Kimberley Buren-Kommandos gezeigt. Obenein leiden die Engländer Noth durch das Klima; cs fehlt ihnen der nöthige Schutz gegen die regnerischen kalten Nächte. Und sollten thatsächlich die englischen Bewegungen noeb weitern Aufschub erleiden, so würde die Lage für die Buren immer besser. Jetzt herrscht in Südafrika die Regenzeit, sie ist verhältnißmäßig noch die günstigste Zeit für Truppen-Bewegungen, wenngleich diese manchmal durch den Ueberfluß von Wasser gehemmt werden. Tritt aber im Mai mit dem südafrikanischen trockenen Winter der Wassermangel ein, dann gewinnen die wenigen natürlichen Wasserstellen einen erhöhten Einfluß auf die Heeres-Bewegungen, ja sie können die Engländer in sotcher Abhängigkeit halten, daß sich unter diesen Verhältnissen die Lage der Buren wieder wesentlich vortheilhafter genalicn würde. Es sieht also nicht aus,' als wenn die Engländer in dem Marsche auf Pretoria, in nächster Zeit schon ein schnelleres Tempo würden einschlagen können.
Inzwischen ist ein Ereign iß cingetrcien, dem man ver fdjiebene Bedeutung unterlegt. Tcr Buren-Oberfeldherr Joubert