ÜBsssweteniS« Hreis:
3M 9 •*•
WL 4 ^t 50 V
SâMährüch 2 ^i 25 ^.
Mr auswärtig« UWMNMèsn mit deM dètrvffenden
Hsst-msichl-g.
Vie einzelne AKvMUM stiftet ie *
w—«■■»——
Hanauer WM ein er.
Zugleich G ^^
Zugleich
Amtliches Organ für HtsSt- unö LsnSkrsis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
SinrLcknngS-
• gebühr
fik Stadt- und &u* Kei» Hanau 10 ^ Hi »gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärt» 15 4
Im Reklamentheil
die Zeile 20 ^, fit auswärts 30 ^
Nr. 78. Montag den 2. April 1900
Amtliches.
KömMches Gymnasium.
Anmeldungen neu eintretender Schüler nehme ich Montag den 2. und Dienstag den 3. April, von 11—l-Uhr, in dem Gymnasialgebäude mündlich, auch sonst jederzeit schriftlich entgegen. Vorzulegen sind: 1. der Geburtsschein, 2. der Impfschein, bezw. Wiederimpfschein, 3. Zeugnisse über den seitherigen Unterricht. Diese können auch uachgeliefert werden.
Der Königliche Gymnasialdirektor.
Dr. Braun. 5350
Nachdem der Kommunal-Landtag für den Regierungsbezirk Cassel die Vereinigung der hiesigen Landes-Renterei mit der diesseitigen Leihbank genehmigt hat, bringen wir hiermit zur Kenntniß, daß von jetzt ab alle für die Landes- Renterei zu machenden Zahlungen rc. im Leihbankgebäude — Römerstrahe Nr. 7 — zu bewirken sind.
Gesuche um Bewilliguug von Darlehen aus der Landes- kreditkasse und Anträge auf Versicherung der Gebäude gegen Brandschaden nimmt der Leihbankoerwalter Krück entgegen.
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ergebenst ersucht, vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise veröffentlichen zu wollen.
Hanau den 27. März 1900.
Die Leihbank-Direktiön.
Dr. Gebeschus. 5233
MWme und verlorene Gegenstände dc.
G efunden: 1 Portemonnaie mit 2 kleinen Bleifedern und 80 Pfennig baar, 1 Rolle weißer Zwirn mit einem schwarzen Band.
V e rl o ren: 1 Blatt-Vorhang.
Zugelaufen: 1 junger, grauer Spitz w. Geschl., 1 schwarzer Schäferhund mit weißer Brust m. Geschl.
Hanau den 2. April 1900.
Am Balkan
ist es wieder einmal nicht geheuer. Der bulgarische Kriegsminister Paprikow weilt gegenwärtig in Petersburg, angeblich um eine Militär-Konvention abzuschließen. Ein Blatt in Sofia will sogar von einem Geheim-Vertrag wissen, der auch die bulgarischen Finanzen und den Hafen Burgas an Rußland ausliefert und eine Theilung Macedoniens zwischen Bulgarien und Montenegro vorsieht. Was solchen ausschweifenden Gerüchten einen gewissen Halt verleiht, jst dex
Feuilleton.
Die Bciusètvlihl unserer Kinder IV.
D e r Militärarzt.
Der Beruf des Militärarztes gehört zu den wenigen, in denen keine Ueberfüllung herrscht? Der Grund hierfür mag hauptsächlich darin zu suchen sein, daß die Befähigung für das militärische und medizinische Leben gleichzeitig vorhanden sein muß; vielleicht fällt es auch ins Gewicht, daß die Anforderungen an körperliche und geistige Gesundheit gerade hier ganz besonders hoch sind. Während im Privatleben manche Aerzte mit mittelmäßiger eigener Gesundheit sich gut bewähren und oftmals eine betnichtliche Praxis bedienen, müssen Militärärzte unbedingt den Strapazen eines Feldzuges gewachsen sein. Es liegt außerdem auf der Hand, daß nur eine ganz außergewöhnliche Charakterfestigkeit einen kränklichen Menschen befähigen könnte, andere Kranken hülfreich zur Hand zu gehen. Wünschenswert!), wenn auch nicht unbedingt nöthig ist es, daß die Eltern des angehenden Militärarztes ausreichende Mittel besitzen, um bis zum dreißigsten Lebensjahre einen Zuschuß gewähren zu können.
Von Sachverständigen wird im Allgemeinen der Ausbildung auf einem human. Gymnasium für diese Laufbahn der Vorzug gegeben. Es wird aber gerathen, das Realgymnasium z. B dann zu wählen, wenn am Wohnorte der Eltern kein human. Gymnasium vorhanden ist. Die Familie und das Elternhaus erziehen ja den Knaben so gut wie das Mädcheu, und die Trennung vom Eltcrnhause sollte auch beim Gymnasiasten nur in den dringendsten Nothfällen zugclasscn werden. Die Verpflegung der Gymnasiasten in Pensionen unb Familien, die für gute Aufsicht und Erziehung alle Garantie bieten, ist
unstille Drang des Fürsten Ferdinand von Bulgarien, sich zum König zu machen; heißt es doch sogar, er hege die Absicht, zum griechisch-orthodoxen Glauben überzutreten, um dann eine russische Großfürstin hcirathen zu können.
Daß diese Projekte, insbesondere die Losreißung Macedoniens von der türkischen Herrschaft, nicht ohne schwere Erschütterungen durchführbar wären, ist auf den ersten Blick klar. Der Sultan besitzt nach dem Berliner Vertrag die Oberhoheit über Bulgarien, und ist dieses Recht auch zu einem Schatten herabgesunken, so weiß man doch, daß der Orientale zäher noch an Fictionen als an materiellen Rechten festhält. Die angebliche Theilung Macedoniens gar würde nicht nur Serbien, das wegen seiner den nördlichsten Theil Macedoniens bewohnenden Stammesbrüder Ansprüche erhebt, außerordentlich reizen, sondern auch die Interessen Oesterreich-Ungarns empfindlich berühren.
Es ist auffällig, daß es nach neuern Nachrichten gerade englische Korrespondenten sind, die bei den Gerüchten über die Bestrebungen für ein größeres Bulgarien Mitarbeiten. Der Annahme, daß England ein besonderes Interesse daran hat, wenn ein Feuer am Balkan angezündet wird, widerspricht es durchaus nicht, daß man in London eine gleichgültige Miene zeigt. Denn je weniger Hülfe der Sultan von England zu erwarten hat, umso mehr werden alle Pläne ermuntert, die auf ein Zurückdrängen der türkischen Rechte und Herrschaft in den Balkan-Ländern hinauslaufen.
Die Hauptfrage ist jedoch, ob es Rußland wirklich gut findet, jetzt die Hoffnungen des Fürsten Ferdinand zu erfüllen und einen die Kontinentalmächte beschäftigenden Brand sich entwickeln zu lassen. Für England könnte kaum etwas Angenehmeres geschehen, als wenn es den tertius gaudens spielen könnte, als welcher es so oft seine Rechnung bei kontinentalen Wirren gefunden hat. Gerade aber weil dies so auf der Hand liegt, glauben wir einstweilen nicht daran, daß sich die russische Politik darauf einlassen und einen Feuerbrand am Balkan schüren helfen soll e.
Tagesschau.
Verkauf von Platzkarten.
Nachdem in den Abgeordnetenhaussitzungen vom L, 2. und 3. März das jetzige Verfahren bei dem Verkauf von Platzkarten an Reisende im Ü-Zuge durch zwei Beamte (Zugführer und Schaffner), die gleichzeitig mit der Ausgabe und Durchlochung der Karlen und Einziehung der Geldbeträge betraut sind, bemängelt worden ist, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten Anlaß genommen, die Eisenbahndirektionen zu einem Berichte darüber aufzufordern, ob und bejahendenfalls welche Bedenken entgegenstehen, die Verausgabung
keineswegs für geringe Kosten zu beschaffcu, und es wird auch bei sorgfältigster Auswahl der stellverNctendeu Eltern die Thatsache nicht aus der Welt geschafft, daß ein gutes Elternhaus durch keinerlei Gegcnwerthe ersetzt werden kann. Anderseits darf nicht verkannt werden, daß schon für manchen Knaben die Erziehung durch Fremde ausgeglichen und gutgemacht hat, was im Elternhause versehen worden war. Wir sind eben noch nicht so weit gelangt, daß alle Eltern für tüchtige Erzieher gelten könnten und überdies wird die Erziehungskunst sicherlich niemals so vollkommen werden, daß Mißerfolge in der Erziehung nicht mehr vorkommen könnten.
Angehenden Militärärzten bietet übrigens der Staat in seinen besonderen militärärztlichen Bildungs-Anstalten auch besondere Erziehungs-Gelegenheiten. Im König!. Friedrich Wilhelms-Institut (Berlin NW., Friedrichstraße 140) und auf der medizinisch-chirurgischen Akademie erhalten nämlich die Studenten ganze oder iheilweise Verpflegung. Die Hauptbc- dingungen dieser beiden Anstalten sind: deutsche Staatsangehörigkeit, nicht überschrittenes 21. Lebensjahr, Reifezeugniß eines humanistischen Gymnasiums, Militärdienst-Tauglichkeit und Verpflichtung des Vaters, monatlich 40 Mk. im Friedrich Wilhelms-Institut oder 75 Mark in der Akademie für Verpflegung zu entrichten; Kleidung und 16s/s Mark monatlich für Hülfsmittel und Ausrüstung zli zahlen und 30 Mk. monatlich für die Dauer der unterärztlichen und asststenzärztlichen Thätigkeit zu gewähren. Die Anmeldung zur Aufnahme muß ein halbes Jahr vor dem Bestehen der Abiturienten-Prü- fung erfolgen; Geburts- oder Taufschein und das letzte Schul, zeugniß müssen beigefügt werden, dazu ein besonderes Zeugniß des Gymnasiums über Haltung und Anlage, endlich ein ärztliches Zeugniß, dem der sclbstverfaßte Lebenslauf des Schülers beigefügt wird.
Die Studien sind von denjenigen der Studircndcn ans der Universität nicht getrennt; der Staat trägt die Kosten
I für Vorlesungen und klinischen Unterricht; die Studirenden der Akademie erhalten 15 Mark monatlich zum Beschaffen einer eigenen Wohnung. Die Studienzeit währt 40, Jahre, danach erfolgt die Anstellung als Unterarzt im Heer oder in der Marine; andere Unterärzte werden in die Berliner Charits kommandirt. Die Zöglinge des Friedrich Wilhelm-Instituts bleiben dem Staate neun Jahre zum Dienst verpflichtet. Wo es die Vermögens-Verhältnisse der Eltern gestatten, zieht man es daher vor, den jungen Mann, wie jeden andern Arzt sein Universitäts-Studium vollenden zu lassen. Es steht ihm dann frei, die Hälfte seines Freiwilligen-JahreS als Unterarzt beim Militär abzudienen und in die militärärztliche Laufbahn überzugehen; viele angehende Aerzte übernehmen bereits als Stti- denten den Militärdienst. Ihre Einstellung als Militärärzte i hängt von dem Zeugniß der Regimentsärzte ab, es fallen neben der wissenschaftlichen Tüchtigkeit die sittlichen Eigenschaften und das militärische Standes-Bewußisein ins Gewicht. Der Unterarzt rückt zum Assistenzarzt auf, wird Sanitätsoffizier, Stabsarzt und Ober-Stabsarzt. Es werden Fortbildungskurse für Militärärzte abgehalten. Das Einkommen von 900 Mark des Assistenzarztes bis 7800 Mark des Generalarztes ; Servis und Wohnungsgeld-Zuschuß kommen hinzu; ein Ober-Stabsarzt hat etwa 6500 Mark; die Pension nach 28 jähriger Dienstzeit beträgt etwa 3300 Mark.
Stadtthcater in Hanau.
Hanau, 2. Sprit
Charlotte von Birch-Pfeifjer'S noch immer recht beliebtes Schauspiel «Dorf und Stadt" gelangte gestern als letzte Vorstellung der dieSiointcr- lichen Theaterspielzeit zur Ausführung. Auerbachs Novelle .Die Frau Professorin" hat der bühnenge«andten Verfasserin einu den dantdaren Stoss geliefert, der von der Danie zu einem noch heute recht wirkungsvollen Theaterstück ausgenutzt worden ist. Die Aunubrung des Stuckes unter Regie des Herrn Metz kann als eine recht befriedigende bezeichnet
der Platzkarten und die Einziehung der Geldbeträge nur einem von beiden Beamten zu übertragen.
Den Wohnungsmangel
in Köln illustrirt, wie der „Frkf. Z." berichtet wird, der Jahresbericht der städlischen Wohnungsnachweisanstalt. Danach sind im verflossenen Fahre 2435 Wohnungen von 1—4 i Räumen angeboten und 4700 verlangt worden. 274 Woh- I nungen von 1 Raum stand eine Nachfrage von 400 gegenüber, 806 von 2 Räumen einer Nachfrage von 2114, bei Wohnungen von 3 Räumen war das Verhältniß 695 zu 1398, von 4 Räumen 312 zu 468. Nur bei den Wohnungen von 5 Räumen überstieg das Angebot (348) die Nachfrage (320). — Die Arbeitsnachweisanstalt wurde im verflossenen Jahre von 15 119 Arbeitgebern und 21047 Arbeitnehmern in Anspruch genommen; vermittelt wurden 14 209 Stellen. Auch diesmal zeigte sich wieder, daß die Zahl der männlichen Arbeitsuchenden das Angebot um fast 6000 überstieg, dagegen die Nachfrage nach weiblichen Arbeitskräften (10 752) das Angebot überwog (6212).
Die Flotter -Vorlage in der Budget Kommission
In drei Sitzungen hat sich die Budget-Kommission des Reichstages mit der Flotten-Vorlage beschäftigt, ehe sie dem Plenum in die bis zum 24. April währenden Osterferien nachgefolgt ist. Die Berathungen haben den Verlauf genommen, den man als den denkbar günstigsten voraussetzte: wenn das Zustandekommen des Flotten-Gesetzes auch noch nicht absolut gesichert ist, so werden doch aller Wahrscheinlichkeit nach die Verhandlungen zu einem guten Ende führen.
Die Verdoppelung der Schlachtflotte stieß nur bei den Freisinnigen Richlerscher Richtung und bei den Sozialdemokraten auf grundsätzlichen Widerspruch, aber auch für die Vermehrung der Auslands-Schiffe ist eine 'Mehrheit zu hoffen, da ein Theil des Centrums auch diesen Forderungen gegenüber eine wohlwollende Haltung einnchmcn dürfte. Wenn die Centrums -Partei als solche sich ihre endgültige Stellungnahme noch vorbehielt, so entspricht das durchaus der stets von dieser Partei geübten Taktik. Auf eine einmüthige Zustimmung des Centrums kann man freilich nicht hoffen; für den voraussichtlichen Fall aber, daß beide konservative Fraktionen geschlossen für die Flotten-Vorlage zusammen mit den Nationalliberalen und der freisinnigen Vereinigung eintreten, würden von den 106 Centrums-Stimmen etwa 40 schon genügen, um die Flotten- Vorlage durchzubringen.
Der Verlauf, den die Berathungen über die Deckungs- srage nahmen, verstärkt noch die berechtigten Hoffnungen