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Die eitydne tomtm« kostet

Amtliches Grgan für $faöt- unö LauöKreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 75.

Donnerstasi den 29. März

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für Stadl- und &u* heil Hanau 10 ^ Mi ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Rau», für Autwärtt 15 4

Im Reklamenthetl die Zeile 20 ^, fit Xuimät« 30 ^.

1900

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Amtliches

SLâHLâ^srs ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes Bekanntmachung.

Nach einer Stiftung von Christian Weishaupt soll all­jährlich ein besonders talentvoller Goldarbeiter (Bijoutier, Graveur, Juwelier) oder Silber- arbeiter, welcher noch eine Zeit lang der Fort­setzung des höheren Unterrichts in der hiesigen Akademie oder durch Privatunterricht dahier oder autzerhalb sich widmen will und unbe­mittelt ist, ein einmaliges Stipendium von 120.- Mk. erhalten.

Als Aufgabe für die Erlangung dieses Stipendiums werden gestellt:

Entwurf einer Schulterspange, eines Armbandes und dreier Ringe für eine Balltoilette, auszuführen in farbigem Gold, Brillanten, Perlen und Email, und sind die Arbeiten anonym nur mit einem Zeichen oder Motto versehen unter Beifügung des Namens des Einsenders in einem verschlossenen Couvert mit gleichem Zeichen oder Motto bis zum Montag den 8. Oktober 1900 im Sitzungszimmer der Königlichen Zeichenakademie dahier ein­zuliefern.

Wir fordern hiernach zur Bewerbung um das Stipendium auf, indem wir noch darauf aufmerksam machen, daß es nicht erforderlich ist, daß der Bewerber Schüler der hiesigen König­lichen Zeichenakademie war.

Hanau den 20. März 1900.

, . Der Magistrat.

5270 .. B o d e.

Handelsregister

Die Liquidation der offenen Handelsgesellschaft in Firma F. Frank & Erbs zu Hanau ist beendigt, die Firma erloschen.

Hanau den 23. März 1900.

Königliches Amtsgericht 5. 5271

Gefundene und verkrene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 4,53 M., 1 Gummi­ballen, in einem Papier eingewickelt, 1 kleines, weißes Taschen­tuch, 1 Schlüssel, 1 Rezept von Dr. Noll und 1,04 M. baar, im Vorzimmer der städtischen Sparkasse 1 Brille, 1 brauner Damenhandschuh (rechter.)

Verloren: 1 goldener Kneifer mit Kette, 1 goldener Kinderohrring mit zwei Korallenglöckchen auf dem Wege HanauGroßauheim, 1 kleine Knabenwcste, 1 Pelzfußsack.

Vom Wasenmeister am 28. d. Mts. cingefangen: 1 schwarzer Bastard mit weißer Brust und zwei weißen Pfoten, w. Geschl., 1 schwarzer Spitz, m. Geschl.

Hanau den 29. März 1900.

Die Flottenvorlöße in der Kommission.

Berlin, 28. März.

In der Budgetkommission des Reichstages wurde heute in die Generaldebatte über die Flottenvorlage eingetreten, und zwar kam man überein, von den vier Hauptabschnitten des Antrages Müller-Fulda zunächst die Nothwendigkeit und den Umfang der Flottenvermehrung zu behandeln. Abg. Bebel vertrat die Meinung, die Flottenvorlage richte sich vornehmlich gegen England. Es sei richtig, daß uns England hinsichtlich seiner Flotte weit überlegen sei, es werde uns auch überlegen bleiben, zumal es weit reicher' sei als Deutschland. Er sei nicht davon überzeugt, daß die vorgeschlagene Vermehrung der Flotte nothwendig sei. Abg. Graf Stolberg (kons.) hebt hervor, wenn die Vorlage sich auch gegen England zu richten scheine, so sei doch jedenfalls kein offensives Vorgehen gegen England beabsichtigt. Wir seien eben aus Deutschland heraus­gewachsen und nicht mehr bloß ein kontinentaler Staat. Wir haben infolgedessen auch eine Menge Reibungsflächen mit England und müssen auch ruf einen eventuellen Zusammen­stoß rechnen. Die englische Politik hänge von der Stimmung des englischen Volkes ab und sei darum unberechenbar. Es sei unsere Pflicht zu rüsten, so gut wir es im Stande sind. Abg. B a s s e rm a n n (natl.): Je stärker seither die Rüstungen geworden seien, um so gesicherter sei der Friede geworden. Er halte die Flottenvermehrung für eine Nothwendigkeit. Abgeordneter Richter erinnert an ein Wort des Fürsten Bismarck vom Jahre 1885, daß Deutschland niemals eine Seemacht werden könne wie England. Die Folge unserer Flottenvermehrung sei wieder eine Verstärkung der Flotten der anderen Staaten. Er könne der Flottenvermehrung nicht zustimmen, schon deshalb nicht, weil sie eine Bindung für lange Zeit enthalte. Abg. von K ardorff (Rp.) weist auf den ungünstigen Eindruck hin, den eine etwaige Ablehnung der Flottenvorlage im Auslande Hervorrufen müßte. Die Wahrheit des Wortessi vis pacem, para bellum sei unbestreitbar. Die Annahme der Flottenvorlage müßte auch wegen des moralischen Eindrucks mit größtmöglicher Mehrheit erfolgen. Abg. Frese (stets. Vgg.) polemisirt gegen Lebel. Der Chauvinismus in England sei gegenwärtig sehr groß, so groß, wie selbst die besten Kenner englischer Verhältnisse

es früher nicht für möglich gehalten hätten. Eine stärker deutscke Flotte werde unsere Bündnißfähigkcit mit Rußland erhöhen. Die Vorlage gleicht einem Wechsel, den wir auf die Zukunft gezogen, heuteschon diskontiren können, dievorgeschlagene Vermehrung der Flotte sei entschieden nothwendig. Abg. Müller- Fulda (kons.) will die Frage ganz objektiv prüfen. Thatsache fei, daß alle größeren Staaten zur Zeit bemüht seien, ihre Lchlachrflotten zu verstärken. Aber die für die Verstärkung der Auslandsschiffe bis jetzt vorgebrachten Gründe seien nicht durchschlagend, ein dringendes Bedürfniß dafür sei nicht nach­gewiesen. In diesem Punkte schieße die Vorlage über das Ziel hinaus. Ueber die Schlachtflotte könne man sich in der Spezial­diskussion näher unterhalten, namentlich falls die Verständigung über die Dertheilung der Ersatzbauten zu Stande käme. Auf alle Fälle halte er eine Verstärkung der Auslandsflotte nicht für dringend. Staatssekretär Graf Bülow: Die Flotten- verstärkung solle lediglich defensiv wirken. Unsere Politik habe weder phantastische, noch aggressive Tendenzen, ihr Be­streben sei lediglich, den Frieden aufrecht zu erhalten und die Würde des Reichs zu wahren. Unsere Diplomatie gehe mit aller Vorsicht vor, die nothwendig sei. Die Vorsicht und auch die Geschicklichkeit genügen jedoch nicht, wenn nicht Machtmittel dahinter stehen. Unsere Beziehungen zu England seien zur Zeit die besten, jedoch seien die Zeiten, wo die Auffassung der Kabinette allein maßgebend war, vorüber, und die Dolksleidenschaft spielen heutzutage eine große Rolle. Die Flottenvorlage habe den Zweck, größere Friedensgarantien zu bieten. Abg. Bebel: Die Mächte überbieten sich gegenseitig in Rüstungen, ohne daß die Machtverhältnisse sich wesentlich ändern. Der Chauvinismus sei nicht bei den Völkern, sondern werde von den maßgebenden Kreisen künst­lich erzeugt. Die Reibungsflächen mit England seien außer­ordentlich geringfügig. Unsere Interessen lägen auf dem Continent, wo die Landarmee enifcheide. Auf diese, nicht auf die Flotten, käme es für uns im Kriege an. Wenn man aber schon einmal für eine Flottenverstärkung sei, müsse eher die Auslandsflotte als die Schlachtflotte vermehrt werden. Abg. Gröber (Centr.) erklärt, daß sich die Cenirumsfraktion für ihre Entschließung freie Hand Vorbehalte. Jetzt spreche' jeder Centrumsredner nur für seine Person. Jedenfalls scheine ihm ein Maßhalten in der Erwerbung neuer Kolonieen im Interesse des Friedens geboten. Abg. v. Kardorff betont gegenüber dem Abg. Bebel, daß sich während der gestiegenen Anforderungen der Militärvorlagen im Frieden der nationale Wohlstand fortwährend vermehrt habe. Abg. Roeren (Centr.) ist zur Zeit noch sowohl gegen die Ver­mehrung der Schlachtflotte, als der Auslandsflotte, da ihm noch keine Gründe besannt geworden seien, welche ein Ab- gchen vom Status von 1898 nothwendig machen. Abg.

Feuilleton.

Neber das Sterben

Wien, 26. März.

Hofrath Nothnagel, der berühmte Arzt und der erste Kliniker Wiens, hielt gestern als Gast des Journalisten- und Schriftsteller-VereinsKonkordia" einen hochinteressanten Vor­trag über ein Thema, von dem nicht Jeder zu sprechen liebt und das doch jeden denkenden Menschen aufs tiefste be­schäftigt, über das Sterben. Was der gelehrte und geistvolle Forscher, der Jahrzehnte lang mit dem geübten Auge des Beobachters das Leben und den Tod betrachtet hat, seinem zahlreichen Publikum über den Gang in jenes dunkle Land 'nitthciltc, aus deß Bezirk keiu Wanderer wiederkehrt, ist ernst aber nicht schaudererregend, lehrreich, aber auch trostreich und sicherlich werthvoll für Alle, die nicht in den Tag hineinleben, sondern von der Kunst, ein Mensch zu sein, eine Vorstellung haben.

Hofrath Nothnagel erörterte zunächst die Frage:Was ist das Sterben?" und antwortete darauf als Naturforscher: Sterben ist diejenige Phase in dem Dasein des Organismus, in welcher die Lebensäußerungen der Körpersnbstanz entweber schrittweise immer mehr abnehmen, bis sie ganz aufhören, oder auch plötzlich so stark gehemmt werden, daß sie völlig erlöschen. Daß der Mensch sterben muß, ist eine Er­fahrungsthatsache. Da es auch nicht eine einzige Ausnahme von derselben gibt, so schließen wir auf das Vorhandensein von gesetzm äßigen Nothwendigkeiten, welche dieses unentrinn­bare Geschick nicht nur des Menschen, sondern sämmtlicher Lebewesen bedingen.

Warum aber müssen wir sterben ? Welche Vorgänge sind rs, die unausweichlich dahin führen, daß die Lebensäußerungen

inwiefern diese unnatürliche Vernichtung des Menschen­geschlechtes zweckmäßig sei, inwieweit sie einem uns verbor­genen Plane der Weltordnung entspreche. Wir haben auch nicht zu erwägen, was geschehen würde oder müßte, wenn diese Faktoren nicht wirken würden. Als Naturforscher haben mir nur festzustcllcn, daß fast alle Menschen durch äußere Gewalt oder Krankheit dahingerafft werden und das ist es, was wir als einen unnatürlichen Abschluß des Daseins bezeichnen müssen.

Immerhin gibt es etliche unter den Millionen, bei welchen auch die schärfste klinische Beobachtung, die sorg­fältigste anatomische Durschforschung keine krankhafte Ver­änderung ^r Organe und Körpergewebe erkennen läßt. Immer waren sie gesund, und endlich entschlafen sic, bock- beragt und altersmüde. Warum, oder richtiger wodurch sterben diese? Warum steht das Herz, welches durch Hundert und mehr Jahre im Gleichtakt eines Präzisionsapparates gearbeitet hat, still, still ohne Krankheit, ohne Verletzung, still für ewig? Hier, in dieser Frage steckt auch eines der großen Lebens­und Welträthsel. Wir sind gezwungen anzunehmen, daß eine immanente Eigenschaft des Protoplasmas darin bestehe, bis zu einer gewissen Höhe eine progressive und dann wieder eine retrograde Entwickelung durchzumachen. Aber diese Hypothese einer solchen dem Protoplasma betreffs seiner vitalen Aeußerungen inhärenten Eigenthümlichkeit ist cs sei wieder­holt nur eine Umschreibung des Thatsächlichen, keine Er­klärung. Wird die Wissenschaft je letztere finden?

Der Vortragende befpricht nun die Vorstellungen des Volkes über die Scheidung der Seele vom Körper und wirft die Frage auf, ob die Volksmeinung, daß der Mensch wirklich mir dem Stillstand oder durch den Stillstand der Alhmunz stirbt, den Thatsachen entspreche, oder wie sonst der Mensch sterbe 7 Aus allen Erscheinungen, die er schildert, aber zieht er den Schluß: In der ungeheuerlichen Mehrzahl erfolgt der Tod vom Herzen

der unseren Körper zusamincusetzenden Substanz, der die Or­gane aufbauenden Zellen aufgören ? Auf das Höchste über­raschend tritt nun hier vor Allein die Thatsache entgegen, daß die allerwenigsten Menschen eines natürlichen Todes sterben, vielleicht kaum Einer unter Hunderttausend. Das anscheinend Paradoxe dieses Satzes entfällt sofort durch die Erläuterung, daß das Wortnatürlich" hier in streng naturwissenschaftlichem ' Sinne zu nehmen ist, nur be­sagen soll so viel wieim naturgemäßen Ablauf", Und in diesem Sinn ist der Satz unairfechtbar. Ungezählte Mil­lionen erliegen der Einwirkung äußerer Gewalt, durch zu­fällige Schädlichkeiten und Unfälle aller Art, Erdbeben, Ueberschwemmungen, Hungersnoth, Tod durch Schlangen und wilde Thiere, Selbstmord, Mord, und vor Allem Krieg. Ein Statistiker will berechnet haben, daß seit den historischen Zeiten gegen sieben Milliarden Menschen direkt auf dem Schlachtfelde zu Grunde gegangen seien, was, wenn es richtig wäre und wenn weiters die geltende Annahme zu­trifft, daß auf der ganzen Erdoberfläche gegenwärtig ein­tausendfünfhundert Millionen Menschen existiren, sagen würde, daß diese Gesammtmasse annährend fünfmal durch Schlachten verschlungen wäre. Eine ungeheure, eine grausige Ziffer! Aber sie verschwindet gegen diejenige, welche der fürchterlichste Feind des Menschengeschlechtes, welche das Heer der Krank­heiten im wildesten Wüthen vernichtet. Drei Viertheile mindestens der Menschheit gehen durch Krankheit zu Grunde. Die würgenden Seuchen und anderen akuten Infektionen alle, ferner die unendUche Reihe der verschiedensten Organ-Erkran- kungcn, von deren Existenz und enormer Vielfältigkeit der Laie nicht einmal etwas ahnt, und als Obersts in dem schwarzen Heere alle, weit voran die Tuberkulose, welche allein etwa' den siebenten Theil der Menschheit dahinrafft, sie sind cs, welche dem Dasein ein vorzeitiges Ende setzen. Wir haben uns hier nicht mit der Frage zu beschäftigen,