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Amtliches Organ für Htaöt- unS LauSKreis Hanan.
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Zm Reklamentheil die Zeile 20 ^, fix
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Rr. 66.
Montag den 19. März
1900
Amtliches, ^tadtüreie ^anau.
Das Infanterie-Regiment Nr. 166 wird vom 26. bis 31. März er. Schießen mit scharfen Patronen auf dem großen Exerzierplatz — Schußrichtung Eisenbahnübergang — Fallbachbrücke — abhalten.
Das Schießen wird jedesmal um 11 Uhr vormittags beginnen und um 589 Uhr nachmittags beendet sein. Das Gelände Arbeiterhäuser-Scheibenwache-Chaussee Hanau-Lanzcn- diebach-Reußerhof-Eisenbahn in Höhe des Kinzigheimer- Hofes unter besonderer Absperrung des Fußweges Reußerhof- Hanau und des Waldweges Reußerhof nach der Chaussee Hanau-Roßdorf wird durch Sicherheitsposten abgesperrt und darf während des Schießens nickt betreten werden.
Den Weisungen der Sicherheitsposten ist unbedingt Folge zu leisten.
Die Herren Ortsvorstände iwollen dies unter dem besonderen Hinweis darauf, daß aus Gründen der Sicherheit das Zuschauen cerboten, ist, sofort veröffentlichen lassen.
Hanau den 16. März 1900.
Königliche Polizei-Direktion.
31 1262 v. Schenck.
Obstruktion gegen die lex Heinze
Die hauptsächlichsten Paragraphen der sogenannten lex Heinze sind in den letzten Tagen in einer von der Rechten, dem Centrum und der Mehrzahl der Nationalliberalen vereinbarten Fassung mit erheblicher Stimmen-Mehrheit im Reichstage angenommen. Gegen die sogenannten Theater- und Kunst-Paragraphen, also gegen Bestimmungen, die unsittlich wirkende Darstellungen auf der Bühne oder in der Litteratur unter Strafe stellen, erhob die Linke, bestehend aus Freisinnigen und Sozialdemokraten, lebhaften Widerspruch. Es war das Recht dieser Minderheit, auf Grund der Geschäftsordnung des Reichstags darauf zu bestehen, daß die Anhänger der von ihr bekämpften Paragraphen so zahlreich im Hause anwesend waren, um allein, d. h. ohne die Präsenz der Opposition, die Annahme der betreffenden Paragraphen durchzusetzen. Diese berechtigte Opposition hatte keinen Erfolg, die Mehrheits-Parteien setzten thatsächlich gesetzmäßig die Annahme auch der Theaterparagraphen durch.
Da begann am Freitage die Minderheit des Hauses eine andere Art Opposition, eine krasse O b st r u k t i o n, die im deutschen Reichstage bisher unerhört war und gegen die im Interesse unseres parlamentarischen Lebens nicht entschieden genug Einspruch erhoben werden muß. Um das Zustandekommen der lex Heinze im letzten Augenblicke zu verhindern, ■MWMmMMMMBMBMMMMWWaiMMlMWIIMaWBMI
Feuilleton.
Die Berufswahl nuferer Kinder.
II.
Der Elektrotechniker.
Der Begriff „Elektrotechniker" umfaßt, genau genommen, eine ganze Reihe verschiedener Berufszweige mit ungleicher Bildungs-Grundlage. Der Monteur ist ziveifellos berechtigt, sich einen Elektrotechniker zu nennen, und wenn Berufs- und Charakterbildung bei ihm gleich gut entwickelt siird, ist es nicht unwahrscheinlich, daß sich der Monteur zu einer höhern Stellung hinaufarbeiten wird. Tritt ein junger Mann mit besserer Schulbildung in dieses Fach ein, so ist der Weg für ihn natürlich wesentlich abgekürzt. Die Stellungen mit ber höchsten Verantwortlichkeit werden immer denen offen bleiben, die eine abgeschlossene wissenschaftliche Bildung ins Gewicht zu werfen haben. Durchweg lehrt die Erfahrung, daß zur Organisation von Arbeitskräften die Leute am besten geeignet sind, die von Hause aus au Takt, Höflichkeit und gute Um- gangsformen gewöhnt sind Dinge, die eben nur ein Elternhaus zu geben vermag, wo Gewissenhaftigkeit und Gottesfurcht herrschen. Es ist also mit dem Beruf des Elektrotechnikers wie mit jedem andern in der Welt: der Erfolg hängt von einer guten häuslichen Erziehung ab. In zweiter Linie kommt die 'Begabung, in dritter die Wahl eines tüchtigen Lehrherrn in Frage.
Jeder angehende Elektrotechniker muß einen ausgesprochenen Sinn für Mathematik, besonders Geometrie, für das Studium der Chemie und für exäktes Zeichnen haben. Peinlichste Genauigkeit kommt hier in ganz besonders hohem Grade in
brachten die Sozialdemokraten ein ganzes Bündel Anträge zu den im Uebrigen nicht beanstandeten Schluß-Paragraphen ein, die zu der ganzen Materie in oberflächlichem oder in gar keinem Zusammenhang stehen. Die Ueberschrift des Gesetzes, die den Entwurf als Ergänzung des Strafgesetzbuches bezeichnet, gab den Sozialdemokraten den Anlaß, Abänderungs- Vorschläge zu ganz beliebigen Paragraphen dieses Strafgesetzbuches cinzubringen, die mit den Strafbestimmungen gegen Sittlichkeits-Delikte, also mit der lex Heinze, in absolut keinem Zusammenhang stehen; oder auch andere Anträge, die nur als Verhöhnung der Reichstags-Mehrheit und der Regierung aufgefaßt werden können, wie z. B. jener, daß einige der bereits angenommenen Paragraphen des Gesetzes erst 1920 in Kraft treten sollen. Da zu all diesen Anträgen die sozial- demokratischen Abgeordneten stundenlange Reden halten und in jedem Fall, sei es zur Herbeiführung eines Schluß-Antrages, sei es bei der Endabstimmung, namentliche Abstimmungen beantragen,- ist durch diese Obstruktion, da der Etat demnächst wieder in dritter Lesung durchberathen werden muß und noch andere hochwichtige Aufgabe der Erledigung harren, das Zustandekommen der lex Heinze durch eine Minderheit ernstlich gefährdet. Unb das unternimmt dieselbe Minderheit, die stets auf den Grundsatz pocht, daß den Wünschen der Majorität in jedem Fall nachgegeben werden muß.
Durch solch eine Art der Obstruktion kann von einer beliebigen Minderheit die ganze Gesetzgebung unterbunden und die ganze Parlamentsthätigkeit lahm g°legt werden. Darin läge eine schwere Gefahr für unser ganzes staatliches Leben. Sollten Sozialdemokraten und Freisinnige auf ihrer Obstruk- tiou beharren, so könnte man sich darüber wundern, wenn die Reichstags-Mehrheit auf deu Gedanken kommt, die Geschäfts- orbnung abzuändern.
Tagesschau.
In parlamentarischen Kreisen
wird dem Berliner Tgbl. zufolge angenommen, daß die am Samstag Abend unterbrochene Weiterberathung der Lex Heinzeund dieGe- sammtabstimmung über dieselbe vom Präsidenten zu gelegener Zeit, nämlich erst nach Ostern, auf die Tagesordnung im Reichstage gesetzt werden wird. Vor der Hand soll in erster Linie die Etatberathung so weit gefördert werden, daß der Etat rechtzeitig fertig gestellt werden kann.
Die badische Kammer der Abgeordneten
hat einstimmig einen Gesetzentwurf geuehmigt, wonach 6 Millionen Mark zur Beschaffung von Wohnungen für Beamte, Bediente und Arbeiter der Eisenbahnen bewilligt werden.
Frage. Hat der Knabe nur eine einfache Volksschulbildung langt, daß der Zögling nach'Vollendung der zwei- bis drei
i jährigen Ausbildung noch ein Jahr als bezahlter Arbeiter im ' Unternehmen seines Lehrherrn verbleibt. Viele junge Leute besuchen nach Abschluß dieser Lehrzeit eine technische Hochschule. Da diese aber völlig abgeschlossene Realgymnasial- oder Gumnasial-Bildung voraussetzt, so ist dies Verfahren nicht besonders zu empfehlen, ein sogen. Technikum verdient vielmehr den Vorzug, auch deshalb, weil hier kein sogen, studentisches Leben geduldet wird.
Von dem Elektrotechniker, der es bis zum Dr. Ing. bringen will, wird natürlich eine völlig abgerundete Real- gymnasial- oder Gymnasial Bildung verlangt. Es ist für ihn ein durchaus verwerflicher Standpunkt, wenn er meint, von seiner Bildung komme ihm nur das zugut, was auf seinen spätern Beruf praktisch Bezug hat. Diese Verwechselung von „Kenntnissen" mit „Bildung" richtet schweren Schaden an. Gerade der Elektrotechniker, der später an verantwor- mngsvsller leitender Stelle stehen soll, muß in erster Linie gelernt haben, jede, auch die unangenehmste Pflicht anstandslos zu erfüllen. Darum ist es auch dringend zu empfehlen, die praktische Lehrzeit vor dein Besuch der technischen Hoch- schule durchzumachen und sich nicht damit zu begnügen, sie auf das Mindestmaß zu beschränken. Besonders 'sollen auch die langen Soinmer-Ferien zu praktischer Beschäftigung benutzt werben. Beim Belegen der Kollegien darf nicht die Vorliebe für das eine oder andere Fach maßgebend sein — im Ueber winden der angeborenen Abneigungen stählt sich am besten der Charakter. Technische Hochschulen gibt es in Aachen, Berlin, Braunschweig, Darmstadt, Dresden, Hannover, Königsberg i. Pr., Karlsruhe i. B., München, 'Stuttgart it. a. m.
genossen, so gibt man ihn zu einem Mechaniker in die Lehre. Eine kleine Werkstatt verdient den Vorzug vor einer Fabrik. In der kleinen Werkstatt lernt der Zögling die verschiedensten Handgriffe, während er in der Fabrik nur auf Einzeldinge eingeübt wird und später vom Zusammenhang des Ganzen nichts versteht. Dieser Nachtheil ist für das spätere Fortkommen so groß, daß man sich nicht durch den Lohn bestechen lassen sollte, den der Fabrikant meistens vom zweiten Jahre ab zahlt. Der Mechaniker verlangt Lehrgeld und eine dreijährige Lehrzeit, während welcher in der Fortbildungsschule Physik, Geometrie und Zeichnen fleißig geübt werden muß. Eine eigene Schule für Monteure besteht in Frankfurt a. M., in Berlin ist die Fortbildungsschule für Handwerker und Mechaniker zu nennen, ferner kommt die Kgl. Werkmeister- I schule in Chemnitz i. S. in Frage. Hier ist der Kursus zweijährig, und der junge Mann kann nach beendigter Werk- statt-Lehrzeit zunächst durch Arbeit in einer Fabrik bei Fleiß und festem Willen die für den Besuch einer solchen Schule erforderlichen Mittel ersparen. Viele Elektrotechniker sind gelernte Maschinenbauer; tüchtige Monteure und Werkmeister sind bis jetzt nod) nicht in übergroßer Anzahl vorhanden; viele machen sich später selbständig, wobei jedoch vor Ueber- eilung zu warnen ist. ■
Knaben, die aus den Mittelklassen eines Gymnasiums oder Realgymnasiums abgehen, müssen, wenn sie Elektrotechniker werden wollen, ebenfalls eine praktische Lehrzeit durchmachen. Da sie indessen bessere wissenschaftliche Vorbildung wutbringen, wird ihnen gerathen, in einer mittlern Fabrik in die Lehre zu gehen, wo sie mit ihrer auf der Schule erworbenen Kenntniß bei ausreichender Aufmerksamkeit und Nachdenken im Stande sind, den Zusammenhang der Maschinen zu verstehen. Gewarnt wird davor, als Volontär einzutreten/ ein .sichtiger Lehrkontrakt ist vielmehr zu schließen; bisweilen wird ver-
In der sozialpolitischen Gesetzgebung in Oesterreich steht ein wichtiger neuer Schritt bevor, die Einführung des neunstündigen Normal-Arbeitstages im Bergbau. Der sozial- politische Ausschuß des Abgeordnetenhauses hat nach längerer Erörterung einen in seinem Unter-Ausschuß ausgearbeiteten Gesetzentwurf angenommen, der als normale Arbeitszeit für die Arbeiter unter Tage höchstens neun Stunden einschließlich der Ein- und Ausfahrt festsetzt. Der Normal-Arbeitstag soll am 1. Januar 1901 in Kraft treten, in besonders zu berücksichtigenden Fällen erst am 1. Januar 1902. Zn dringenden Ausnahmefällen sind Ueberstunden zulässig.
Der böhmische Grubenstreik,
der in den letzten Tagen einen kritischen Charakter angenommen hatte, scheint nun doch mit Hülfe eines starken Militär-Aufgebotes zurückgedrängt zu werden. Die Staatsgewalt zeigt sich auf alle» Linien siegreich, sodaß sogar im Centrum des Ausstands-Gebietes, in dem nordwestböhmischen Nürschan, eine größere Zahl von Arbeitern die Arbeit wieder ausgenommen haben.
Englische Provokationen.
Entgegen ben in der Londoner „Times" in der letzten Zeit aufgetauchten Meldungen von England feiirdlichen Kundgebungen seitens der Dresdener Bevölkerung veröffentlichen die „Dresdener Neuesten Nachrichten" einen längeren Artikel, in welchem auf Grund der in Dresden allgemein bekannten Thatsachen der Beweis erbracht wird, daß englische Unterthanen, welche in Dresden wohnen, sich während der Dauer des südafrikanischen Krieges mehrfach in provozirender Weise benommen haben und die Entpsindungen der Dresdener Bevölkerung dadurch in hohem Mas e gereizt mürben. Es wird im Einzelnen auf ein Vorkommniß hingewiesen, welches sich vor der Einfahrt des Dresdener Sportplatzes abspielte, wo junge Engländer sich provozirend benahmen, sodaß sie schließlich vom Sportplätze gejagt werden inußten. Es wird weiter ein Vorgang im Residenztheater aufgeführt, wo Engländer, die sich mit den nationalen Farben geschmückt batten, sich provozirend benahmen. Endlich wird einem Vorgänge im Zentraltheater Erwähnung gethan, wo englische Provozirungen ebenfalls allgemeinen Unwillen des Publikums erregten. Die Dresdener Presse hat seiner Zeit die Verunreinigung der englischen Kirche durch Sudeleien einmüthig als dumme Jungenstreiche verurtheilt.
Den egyptischen Offizieren,
die kürzlich Umtriebe gegen den englischen Oberbefehl an- stifteien, hat jetzt auch der Khedive den schärfsten Tadel ausgesprochen. Damit sind die Gerüchte erledigt, als nehme der nominelle Beherrscher Egyptens bei dieser Gelegenheit einen